Was tun? Was du jetzt statt Corona Fake News lieber teilen solltest

| Aktuelles | 15. März 2020

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Fake News, Hamsterkäufe und Nachbarschaftshilfe: Die Gesellschaft reagiert auf Corona

Hallo du! Mein Name ist Andreas, ich bin 27 Jahre alt und ein ganz normaler Typ aus der Gesellschaft, genau wie du. Und nein, ich habe noch nie einen solchen Zustand erlebt, wie er gerade stattfindet. Ich glaube so wie mir geht es vielen aus meiner Generation. Tag für Tag ändern sich die Umstände wegen Covid-19, besser bekannt als Corona. News aus dem Ausland werden per Pushnachricht aufs Handy gespielt und ganz persönlich erleben wir teils dramatische Veränderungen in unserem Alltag. Veranstaltungen werden abgesagt, Social Distancing, Hamsterkäufe, Gerüchte von Ausgangssperren. Diese für viele völlig fremde Situation fühlt sich merkwürdig an.

Entsprechend macht sich gerade vor allem eins breit: Angst und Sorge. Als würde morgen die Welt untergehen. Viele sprechen nicht über ihre Angst vor der derzeitigen Situation, andere handeln aus ihrer Angst heraus. Beobachtet man Menschen in den sozialen Netzwerken, in den Supermärkten oder in Whatsapp Gruppen (Quelle) kann man das klar attestieren: Viele Menschen verfallen in Panik.

Was mir Sorgen macht: Menschen, die aus Angst heraus handeln

Ja, es wird erst einmal so weiter gehen. Es wird weitere Maßnahmen geben und die Infektionszahlen werden noch weiter steigen. Das Sozialleben, unser Alltag, wird sich dadurch eine Zeit lang stark verändern. Ausgangssperren (außer für Arbeit, Einkäufe oder Arztbesuche) sind nicht mehr lange entfernt und das behaupte ich nicht, weil ich irgendeine Fake News darüber gelesen habe, sondern weil das in Italien, Spanien und Österreich bereits Realität ist.

Man kann leider auch nicht sagen, wie lange dieser Zustand anhalten wird. Schon jetzt sind die Auswirkungen dieser Perspektive in der Gesellschaft zu beobachten: Hamsterkäufe in den Supermärkten. Wie regen wir uns alle nicht auf über die Hamsterkäufer! Manche Menschen sehen leere Schränke (verstärkt durch Medien und Social Media) und glauben dadurch, andere hätten einen Informationsvorsprung („Die Masse wird schon wissen, was gerade zu tun sei“). Gerade weil man selbst Panik hat oder schlecht informiert ist. „Ah, es kommt ne Krise, also tu‘ ich das, was alle machen.“ Dieses Verhalten ist zwar irgendwo rational begründbar, aber verdammt unsozial.

Durch die eigenen, egoistischen Handlungen schadet man anderen, die auch noch bestimmte Produkte im Supermarkt brauchen. Eigentlich ist ja für alle genug da. Wenn nicht jeder seinen Einkaufswagen so voll stopfen würde. Aber wenn man Fake News in WhatsApp erhält, dass bald alle Supermärkte dicht machen und die Lebensmittel ausgehen, handelt man entsprechend, wenn man solche Nachrichten nicht hinterfragt. Spätestens jetzt sollte uns allen klar werden, welchen Schaden Gerüchte und Falschnachrichten anrichten können. Und dass während der Krise, aber auch danach viel mehr Aufklärung betrieben werden muss.

Was mir Hoffnung macht: Menschen, die anderen Menschen helfen

Viele von uns haben vergessen oder hatten es noch nie auf dem Schirm, dass solche Krisen uns auch direkt betreffen können. Vor Wochen blickte man noch nach Wuhan in China und dachte sich: „Sowas kann bei uns nie passieren!“ Falsch gedacht! Was gerade passiert und noch passieren wird, sollten wir als Gesellschaft nicht vergessen, denn auch diese Krise wird vorbeigehen. Die einen werden rückblickend vor allem an sich selbst gedacht haben, die anderen an ihre Mitmenschen. Und vielleicht sollten wir uns auch merken, zu was die Regierung fähig ist, wenn sie ein Problem wirklich ernst nimmt (die Klimakrise lässt grüßen!).

Je mehr Menschen in einer solchen Krise an sich selbst denken, desto schneller verschärft sich die Krise. Deshalb blicke ich gerade mit Hoffnung auf all jene da draußen, die sich für ihre Mitmenschen einsetzen. Jeder Mensch, der jetzt anderen Menschen hilft ist genau der Mensch, den wir aktuell am meisten brauchen. Was wir nicht brauchen sind Leute, die hysterisch Fake News verteilen und die damit die Hysterie verstärken. Wir brauchen Leute bei klaren Verstand, die nicht in Panik verfallen und den Menschen Hoffnung machen.

Was tun?

Du willst was sinnvolles tun? Jetzt ist die Zeit zu handeln. Wenn ihr Menschen in eurem Umfeld habt, die Teil des Systems sind, das unser Land gerade durch diese Krise führt, alles am laufen hält, helft ihnen, entlastet sie wenn ihr könnt, dankt Ihnen. Ärzt*innen, Krankenpfleger*innen, Polizei, Feuerwehr, Behörden, Leute die in Supermärkten die Regale auffüllen, Kontrollen durchführen usw. Jetzt ist die Zeit für Menschen, die bei klarem Verstand und gut informiert sind. Es ist die Zeit für Solidarität und Gemeinschaftsgefühl. Ob du mit deinem Smartphone Informationen verbreitest, die die Menschen wissen sollten oder du Fake News entkräftest, die Panik machen, ob du älteren und gefährdeten Menschen hilfst, ihren Alltag bewältigen zu können, weil sie sich nicht mehr gefahrlos frei bewegen können: Das alles hilft. Biete doch gefährdeten Nachbarn in Quarantäne an, sich bei dir zu melden und für sie einkaufen zu gehen (Hier Druckvorlage):

Nachbarschaftshilfe in Zeiten der #Coronakrise. So einfach!Vorlage: https://www.hogesatzbau.de/wp-content/uploads/2020/03/coronahilfe.pdfDanke, Hooligans Gegen Satzbau. #COVID19 #FlauschTheCurve #COVID19

Gepostet von HassHilft am Samstag, 14. März 2020

Oder schau auf diese Liste. Hier findest du Telegram-Gruppen in deiner Stadt, die sich organisieren, um gefährdeten Menschen zu helfen: Link zur Liste. Deine Stadt nicht dabei? Organisiere selbst Hilfe! Frag Nachbarn, Freunde, Bekannte. Hier eine kleine Anleitung:

Fake News und Panikmache vermeiden

Bei Faktenfinder der Tagesschau, bei Mimikama und auf unserer Seite könnt ihr euch über derzeit kursierende Fake News informieren. Gerade jetzt fällt es vielen schwer, Informationen richtig einzuordnen, was man an der anhaltenden Fake News Welle zu Corona beobachten kann. Dafür können viele im Zweifel nicht mal was, weil sie keine Ahnung vom Internet (weil alt) und Angst haben. Haltet dem entgegen. Jede*r falsch informierte Bürger*in da draußen ist in dieser Zeit eine*r zuviel. Die derzeit am häufigsten kursierenden Fake News sind die Folgenden:

1. Die WhatsApp-Sprachnachricht über Ibuprofen ist FAKE! Das Schmerzmittel verschlimmert die Corona Virus Erkrankung NICHT (Quelle) UPDATE: WHO warnt vorsichtshalber dennoch vor Ibuprofen, mehr dazu HIER

2. Ab Montag werden die Supermärkte ganz normal offen haben, es wird weiterhin alle Lebensmittel zu kaufen geben. Eine WhatsApp-Nachricht, die behauptet, sie wären „nur noch zwei Stunden geöffnet“ ist Blödsinn (Quelle).

3. Selbsttest zum Coronavirus ist Quatsch: Zehn Sekunden Luft anhalten funktioniert nicht (Quelle)

Was ihr tun könnt: Nehmt euren Mitmenschen die Angst

Generell gilt: WhatsApp-Nachrichten sind KEINE zuverlässige Quelle. Informiert euch und andere bei der Weltgesundheitsorganisation,beim Robert Koch Institut, über offizielle Behördenmitteilungen oder beim Podcast „Coronavirus-Update“ mit Christian Drosten. Hier eine Liste der bisherigen Fake News bei Mimikama (Link).

Nehmt den Menschen so oft es geht die Angst, spricht über die derzeitige Situation. Das ist konkret das, was wir alle in unserem Umfeld machen können. Denn Angst ist gerade der schlechteste Berater unserer Gesellschaft. Und vielleicht hast auch du Angst, weil du nicht weißt, wie es weiter gehen wird. Lass dir von mir sagen, dass das normal ist. Aber: Nur wer Angst hat, kann wirklich mutig sein. „Andra bene tutto“ hängen die Italiener gerade aus ihren Fenstern: Alles wird gut. Wir unternehmen jetzt Vorsichtsmaßnahmen, wir halten alle zusammen, dann wird alles gut ausgehen und in ein paar Monaten werden wir darüber lachen. Die Gemeinschaft wird immer stärker sein als der Egoismus.



Artikelbild: Screenshot whatsapp.com / Hasshilft

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