Deutschlandtrend: Wie durch Framing der enorme Einfluss von Greta klein geredet wird

Medienanalyse/Kommentar

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„KAum Einfluss“?

Vor wenigen Tagen berichteten viele Medien über eine Umfrage des ARD-Deutschlandtrends. Die Tagesschau schrieb beispielsweise „laut ARD-DeutschlandTrend zeigt sich die Mehrheit der Deutschen – vor allem Anhänger von Union, AfD und FDP – [von Greta Thunberg] unbeeindruckt. Sieben von zehn Deutschen haben ihre persönliche Einstellung zu Klima- und Umweltfragen aufgrund von Greta Thunberg und der „Fridays for Future“-Bewegung nicht (41 Prozent) oder kaum (31 Prozent) verändert.“ Entsprechend sahen die Schlagzeilen aus:

 



20 Millionen Menschen sind „kaum Einfluss“?

Weiter heißt es: „Jeder Vierte wurde dagegen stark (17 Prozent) oder sehr stark (sieben Prozent) von der jungen Aktivistin in seinen Einstellungen beeinflusst.“ Grünen-Anhänger*innen stärker als die von CDU, FDP und AfD. Doch dass eine junge Schwedin offenbar innerhalb eines Jahres Einfluss auf 24% der Deutschen und damit gut 20 Millionen Deutsche hat, ist doch alles andere als „kaum Einfluss“? Man könnte argumentieren, dass dies eine Errungenschaft ist, die nur wenige Menschen, besonders Nichtdeutsche, erreicht haben.

Nach der gleichen Argumentation könnte man auch behaupten, „kaum jemand“ würde in Deutschland die CDU wählen. Im gleichen Deutschlandtrend kam die CDU auf 26% der Wählerstimmen. 74% der Deutschen wählen also nicht CDU. Kaum mehr „Einfluss“ als Greta Thunberg, oder? Dennoch ist die CDU knapp vor den Grünen (25%) die stärkste Kraft. Andererseits hat Greta Thunberg auch keine neuen, bahnbrechenden Erkenntnisse verbreitet. Der Zustand des Klimas in der Klimakrise ist bekannt. Ihr Ziel war auch nicht einen Popularitätswettbewerb zu gewinnen, sondern Druck auf die Regierungen auszuüben, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten.

Framing soll Greta schlecht aussehen lassen

Aktivismus (genau wie Lobbyismus) hat nie wirklich das Ziel, alle oder gar die Mehrheit umzustimmen, sondern eine kritische Minderheit. In der Tat wurde historisch nie anders eine Veränderung vollzogen. Dafür sind 24% der Bevölkerung beachtlich. Besonders wenn man indirekte Faktoren beachtet, wie die ebenfalls im Deutschlandtrend abgefragte Ernährung: „49 Prozent der Wahlberechtigten sind der Ansicht, dass sie heute stärker auf eine gesunde Ernährung achten als noch vor fünf Jahren.“ (Quelle) Ein derartiges Framing spielt (gewollt oder ungewollt) den Einfluss der jungen Schwedin herunter.

Eine Erklärung für das Wählen dieses Framing kann sein, dass der Hass auf Greta (Mehr dazu) nun mal den größten Traffic und die meisten Interaktionen generiert – einer der Gründe, warum so viel über die junge Schwedin berichtet wird. (Nicht weil es eine linksgrüne, mediale Verschwörung gäbe, mehr dazu.) Dieses Framing soll Schadenfreude bei den interaktionsfreudigen „Greta-Hassern“ erzeugen und sie so zu Klicks und in Social Media wertvollen Interaktionen anregen. Auch ihre Befürworter werden durch Ärger zu Interaktion motiviert. Der gleiche Grund, warum seit einem Jahr ein Erfolg der AfD im Osten beschworen wird, obwohl diese dort bestenfalls stagniert:

Stimmungsmache für die AfD: Der Erfolg im Osten, den es nicht gibt

Artikelbild Daniele COSSU, shutterstock.com / Screenshot tagesschau.de

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