Stimmungsmache für die AfD: Der Erfolg im Osten, den es nicht gibt

| 12. August 2019

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Der Erfolg im Osten, den es nicht gibt

Gestern verbreiteten viele Medien diese Schlagzeilen, die sich auf eine aktuelle Emnid-Umfrage stützen (Mehr dazu), die der AfD im Osten einen Stimmenanteil von 24% bescheinigt. Die CDU kommt auf 22%, die Linke auf 16%. Doch ich erlebe ein déjà vu. Wurde die AfD nicht schon letzte Woche immer stärker im Osten? War sie nicht schon im April die stärkste Partei in den neuen Bundesländern? War sie das nicht schon im September 2018? Ein ununterbrochener Höhenflug etwa, könnte man meinen.

Falsch. Denn dass die AfD bei 24% steht ist keine Sensation. Sie wird zwar in dem Sinne „stärker“, dass sie sich im Vergleich zur letzten Woche um einen Prozentpunkt verbessert hat, aber „weiter“ zu legen ist Quatsch. Selbst einen Prozentpunkt Gewinn ist aufgrund der Fehlertoleranz faktisch nichtssagend, aber auch 24% sind doch kein Zuwachs für die AfD. Auffällig auch, dass die 23% bei Emnid letzte Woche diese Schlagzeilen produzierte, anstatt z.B. „AfD stagniert weiter im Osten“.



Déjà vu

Aber das haben wir alles doch schon gelesen, oder? Gefühlt jede Woche ist die AfD „im Osten die stärkste Partei“ oder „legt weiter zu“. Im April habe ich bereits einmal darüber geschrieben, dass einschlägige Medien darüber geschrieben haben, dass die AfD „jetzt die stärkste Partei im Osten“ sei. Ebenfalls laut Emnid kam die AfD im Osten bereits im April auf… 23 Prozent (Mehr dazu). Was ist da los? Aber lasst uns noch weiter zurückgehen. „AfD im Osten die Nummer eins“:

Klingt irgendwie bekannt, oder? Der Artikel ist vom 16. September 2018 beim MDR. In dieser Emnid-Umfrage hatte die AfD übrigens bereits 25% im Osten. Wenn wir statt Emnid mal Infratest dimap heranziehen, hatte die AfD am 6.9.2018 sogar 27% (!) im Osten. Zum Vergleich: Am 1. August aber nur 22% (Quelle). Alle Schlagzeilen sprechen seit einem ganzen Jahr wahlweise davon, dass die AfD „zulegt“ oder „die stärkste Partei“ sei. Aber letzteres ist sie konstant seit einem Jahr, vor allem wegen der Schwäche der CDU. Um im Vergleich zum Vorjahr hat sie sogar Wählerstimmen verloren, wenn man die Umfragen völlig ernst nimmt.

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Woher kommt die Stimmungsmache für die AfD?

Ich will auf gar keinen Fall absichtliche Stimmungsmache für die AfD unterstellen, aber das ist definitiv der Effekt. Wahlumfragen beeinflussen nachweislich das Wahlverhalten. Solche Schlagzeilen hinterlassen bei mir zunächst immer den Eindruck, dass die Zustimmung zur AfD im Osten Deutschlands zunehme und sie Wähler*innen hinzugewinnen würde. Dass sie in einem Aufwärtstrend steckt. Dabei ist eher das Gegenteil der Fall. In allen Bundesländern, und auch im Osten, verliert die AfD Stimmen, oder zumindest stagniert sie. Jedes Mal, wenn ich das lese, muss ich mir die genaue Zahl anschauen, um zu erkennen, dass kein wirklicher Gewinn vorliegt.

Dafür gibt es verschiedene Gründe, die ich hier näher erklärt habe. Aber „die Medien“ haben nicht zwangsläufig eine rechte Agenda. Vom Erfolg der AfD zu berichten ist eben das „aufregendere“ Framing. Die Zeitungen werden mit Likes und Klicks aus der teilungsfreudigen rechten Blase belohnt, die die Schlagzeilen feiert – Obwohl es nicht wirklich Grund dazu gibt.

Und „die andere Seite“ teilt, um sich darüber zu ärgern. Dahinter weniger eine geheime rechte Agenda, sondern Wirtschaftlichkeit. Aber letztlich profitiert die AfD von so einer Darstellung. Sie ist technisch nicht falsch, denn am 4. August war die AfD im Osten wirklich mit 23% stärkste Kraft und am 11. hat sie einen Prozentpunkt hinzu gewonnen. Aber das ständige Bombardement mit diesen Schlagzeilen vermittelt einen völlig irreführenden Eindruck.

Der irreführende EIndruck

Solche Schlagzeilen verdecken aber die gravierenden Probleme, die die AfD hat. Sie stagniert seit einem Jahr in ganz Deutschland, ist von Flügelkämpfen und (Spenden-)Affären zerrissen. Sie ist dabei, von ihrem stärksten, faschistischen Flügel übernommen zu werden. Und sie kann mit ihren rechtsextremen Positionen und ununterbrochenen Lügen nicht mehr Menschen überzeugen. Wenn die CDU der Versuchung einer Koalition widersteht, kann dies sogar zu einer Überwachung durch den Verfassungsschutz und dem Ende der AfD führen.

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Bleiben wir mal bei Infratest dimap. Wir sprechen bei der AfD von weiterer Zunahme, während sie von 27% auf 22% gefallen ist, aber die Grünen, die sich mehr als verdoppelt haben (!) werden nicht erwähnt?

Auch bei Emnid vom 16. September 2018 hatten die Grünen im Osten 7%, die AfD 25%. Am 29.09 sogar ebenfalls 27%. In der aktuellsten Umfrage jeweils 11% und 24%. So eine Berichterstattung erzählt eine Erfolgsgeschichte, die es gar nicht gibt und verschweigt hingegen eine andere. Natürlich sind Umfragen mit Vorsicht zu genießen. Aber das wird bei dieser Berichterstattung nicht gemacht. Und dann soll noch einmal jemand sagen, die „Mainstreammedien“ würden nur die Grünen bevorzugen.

Der Mythos der „grünen Mainstream-Medien“: AfD häufiger erwähnt als die Grünen

Artikelbild: Andrei Korzhyts, shutterstock.com

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