Frankfurter Rundschau korrigiert irreführenden Artikel über israelische Impfstoff-Studie umfangreich

| Medien | 22. April 2021

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Frankfurter Rundschau korrigiert irreführenden Artikel

Ziemlich genau vor einer Woche habe ich mich an dieser Stelle über einen Artikel der Frankfurter Rundschau aufgeregt, der sehr irreführend über eine israelische Impfstoffstudie berichtet hatte. Heute hat die Zeitung reagiert und ihrem Artikel eine umfassende Überarbeitung spendiert und die zentralen Positionen umfangreich geändert.

Frankfurter Rundschau verbreitet Impf-Fakes & löscht wohl kritische Kommentare

Wir hatten in unserem Artikel noch angemerkt, dass man den Eindruck gewinnen könne, die Frankfurter Rundschau sei von Querdenker:innen übernommen worden. Diesen Eindruck müssen wir nun wiederum korrigieren, denn Querdenker:innen geben keine Fehler zu.

Neue Überschrift

Am wichtigsten für die Medien-Rezeption im Jahr 2021 ist wohl, dass die Überschrift nun eine komplett andere ist. Aus „Südafrikanische Variante B.1.351 für Geimpfte gefährlicher als für Ungeimpfte“ wurde nun „Impfschutz gegen Südafrika-Variante etwas geringer“, was zu den Daten der Studie passt. Ja, der Impfschutz scheint nach einer Impfung mit Tozinameran von BioNTech tatsächlich weniger wirksam gegen die südafrikanische Variante zu sein. Das absolute Risiko, daran zu erkranken, ist aber ohne Impfung immer noch höher (das war Teil unserer Kritik).

Auch die Sub-Headline wurde in diesem Sinne geändert. Hatte die Frankfurter Rundschau zuvor „Eine Studie aus Israel lässt vermuten, dass Corona-Impfstoffe nicht mehr richtig gegen die südafrikanische Variante B.1.351 wirken. Greift der Mechanismus der »Antigenerbsünde«?“ formuliert, wurde das nun zu „Eine Studie aus Israel lässt vermuten, eine Corona-Impfung schütze etwas weniger gegen die südafrikanische Virusvariante als gegen den »Wildtypus« und die britische Variante. Möglicherweise gilt das aber nur für einen kurzen Zeitraum nach der Impfung.“ geändert.

Text etwas gekürzt und mit Zusammenfassung der durchführenden Forscher:innen

Die neue Version des Artikels gibt nun auch einen kurzen Abriss darüber, wie die Studie konkret durchgeführt wurde. Das ist deutlich transparenter: Nun können auch Leser:innen ohne direkten Zugriff auf die Studie selbst nachvollziehen, was dort gemessen wurde:

„Für ihre Studie, die bislang nur preprint auf medRxiV veröffentlicht und noch nicht begutachtet wurde, untersuchte es die Proben von 800 Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet worden und teils asymptomatisch infiziert, teils aber auch erkrankt waren. Die Hälfte von ihnen war ungeimpft, die andere war ein- oder zweimal mit Biontech/Pfizer geimpft worden. Allerdings lagen die Impfungen mit der zweiten Dosis noch keine zwei Wochen zurück.“

Der Text ist zudem etwas gekürzt und besteht nun ausschließlich aus einer Lagebeschreibung der Situation in Israel, einer Zusammenfassung des Studiendesigns und Zitaten der durchführenden Forscher:innen.

Abgerundet wird dieser reflektierte Umgang mit einem Transparenzhinweis:

„Transparenzhinweis: Eine frühere Version dieses Textes hatte den falschen Schluss zugelassen, dass eine Impfung das Risiko erhöhen könnte, sich mit der Südafrika-Variante anzustecken. Zudem bescheinigt das israelische Forschungsteam den mRNA-Impfstoffen grundsätzlich eine sehr hohe Wirksamkeit gegen schwere Verläufe von Covid-19.“

Wie oben schon angemerkt, müssen wir unseren Vorwurf zurückziehen. Die Frankfurter Rundschau hat zu unserer Erleichterung souverän bewiesen, ein seriöser Teil der Medien mit journalistischen Grundprinzipien zu sein. Danke!

Artikelbild: pixabay.com, CC0 / Screenshot fr

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