Faktencheck: Nein, Greta Thunberg wird nicht ein Jahr die “Schule schwänzen”

| 2. Juni 2019

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Greta “schwänzt” nicht ein jahr die schule

Gestern wurde viel darüber berichtet, dass die Klimaaktivistin Greta Thunberg “ein Jahr nicht zur Schule” gehen werde. Stattdessen wolle sie sich in dieser Zeit voll auf ihren Aktivismus gegen die Klimakrise konzentrieren. Andere meldeten sie “setzt das nächste Schuljahr aus” (Spiegel, ZEIT) oder “geht ein Jahr lang nicht zur Schule” (Welt). Die BILD hingegen titelte, sie werde “ein Jahr lang die Schule schwänzen”. Rechtsextreme Medien wiederholten das “Schwänzen” oder sprachen gar davon, dass sie die “Schule abbricht”.



Doch so ist es nicht

Die Realität ist relativ banal: Greta Thunberg hat ihre neun Jahre Schulpflicht und Grundschule abgeschlossen. Normalerweise könnte sie jetzt auf das weiterführende Gymnasium wechseln, diesen Wechsel verschiebt sie jedoch für eine Art “Sabbatical-Jahr”, in welchem sie sich voll auf ihren Kampf für das Klima konzentrieren will. Ein ordentlicher Schulbesuch und der Teilnahme an beispielsweise des Klimagipfels in New York, welches sie per Schiff erreichen will, ließen sich nicht gut vereinbaren.

Also: Sie hat ihre Schulpflicht abgeschlossen und wird auch in einem Jahr noch weiter lernen und aufs Gymnasium wechseln. Anstatt ihre Bildung zu gefährden, verschiebt sie diese, damit ihr Aktivismus diesem eben nicht im Weg steht. Mit “Schwänzen” hat das nichts zu tun. Allein schon, weil sie ihre 9 Jahre Schulpflicht abgeschlossen hat. In Deutschland ist das nicht anders. Und wer sich jetzt fragt, was an dieser Meldung so spektakulär ist, dass sie die FAS beispielsweise auf die Seite 1 getan hat – gute Frage.

Vielleicht hilft es einigen dabei, das Narrativ der Schulabbrecher zu befördern – obwohl das hier nicht vorliegt – und von den Inhalten der Klimadebatte mit einer Personaldebatte über Greta Thunbergs Privatleben abzulenken? Ein Narrativ aus AfD-Kreisen ist die Unterstellung, Grünen-Wähler hätten einen niedrigeren Bildungsstand.

Screenshot twitter.com

Nicht nur ist das falsch – Grünen-Wähler haben im Schnitt die höchste Bildung aller Parteien – es ist ein billiger Versuch, die Anliegen der Partei als “dumm” darzustellen, ohne sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Es ist eine weiter Facette darin, durch Scheindebatten vom eigentlichen Thema abzulenken.

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Artikelbild: 360b, shutterstock.com, Screenshot twitter.com

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