Kein Fake: Impfgegner-Aufkleber mit Rasierklinge auf Kinderrutsche entdeckt

| Aktuelles | 19. Januar 2022


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Impfgegner-Aufkleber mit Rasierklinge auf Kinderrutsche entdeckt

 von Clara Hoheisel

Am Montag wurde auf der Rutsche eines Leipziger Spielplatzes eine Rasierklinge unter einem mit Impfkritik versehen Aufkleber gefunden. Das perfide Vorgehen, um die Sticker nicht so leicht entfernen zu können, erinnert an Aktionen der rechtsextremen Identitären Bewegung.

Wie die Sächsische Zeitung berichtet (Quelle), ermittelt die Polizei im Leipziger Stadtteil Wahren gegen Unbekannte. Am Montag war ein 38-Jähriger auf einen Aufkleber mit Davidstern-Motiv aufmerksam geworden, der sich an der Kinderrutsche eines öffentlichen Spielplatzes am Auensee befand.

Beim Versuch den mit Rasierklingen präparierten Klebezettel zu entfernen, blieb der Mann zum Glück unverletzt. Die Polizei Leipzig konnte im Umkreis des Vorfalls keine weiteren der gefährlichen Aufkleber entdecken. Sie warnt jedoch vor ähnlichen Fällen. Als Tatbestand der Ermittlungen gelten die versuchte gefährliche Körperverletzung und der Verdacht auf Volksverhetzung.

Verharmlosung des Holocaust

Das Davidstern-Motiv taucht immer wieder auf Demonstrationen von Impfgegner:innen auf. Diese präsentieren sich damit als vermeintliche Opfer einer „Impfdiktatur“. Doch mit solchen Narrativen verharmlosen sie den Holocaust. Wir haben bereits berichtet:

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Rasierklingen-Aufkleber sind nicht neu – Neonazi-Methoden

Derart hochgefährliche Sticker sind der Polizei bereits bekannt: Das Vorgehen erinnert an Aktionen der völkischen Identitären Bewegung (Quelle). So wurden beispielsweise 2017 in Siegen Berichte über Rasierklingen unter rechtslastigen Botschaften laut. 2020 gingen bei der Leipziger Polizei Meldungen von Stickern ein, an denen neben den Rasierklingen auch hautreizende Flüssigkeit nachgewiesen werden konnte.

Querdenker distanzieren sich nicht – sondern geben ohne Beweise ihren Feinden die Schuld

Wie der Berliner Kurier berichtet, folgte in den sozialen Medien eine angeregte Debatte über den Vorfall am Leipziger Spielplatz. Anstatt sich von solchen gefährlichen Methoden zu distanzieren, verbreiteten Impfgegner:innen die frei erfundene These, die Begebenheit sei als „False-Flag Operation“ einzustufen: Ein Täuschungsmanöver, bei dem Täter:innen unter falscher Flagge agieren – Sie lenken den Verdacht auf eine unschuldige Gruppierung. Ein historisches Beispiel für dieses Phänomen stellt die „Boston Tea Party“ aus dem Jahr 1773 dar: Amerikanischer Kolonist:innen protestierten gegen die verordnete Teesteuer, indem sie sich als Ureinwohner Amerikas verkleideten, ein Schiff im Hafen von Boston enterten und die Teeladung ins Meer warfen.

Es ist die typische Leugnung der Realität aus diesen Kreisen und das Versagen, sich von solchen Methoden zu distanzieren. Aber: „False-Flag“-Vorwürfe sind auch ein beliebtes Mittel gezielter Desinformation. So hieß es zum Beispiel vor einigen Jahren aus Syrien, Giftgaseinsätze gegen das eigene Volk seien durch die Opposition oder „vom Westen“ vorgetäuscht. Tatsächlich konnte eine UN-Untersuchungskommission allerdings feststellen, dass viele der Anordnungen vom syrischen Militär selbst stammten.

Der Fall auf dem Leipziger Spielplatz und die Reaktion in den sozialen Medien zeigt eindrücklich, mit welchen perfiden Methoden Querdenker:innen ihre gefährliche Propaganda verbreiten.

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Autorin: Clara Hoheisel, Artikelbild: Screenshot

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