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Siegburg: Warum dir diese Medien die Herkunft des Angreifers verschweigen

3. Apr. 2026 | Aktuelles

Am Donnerstagabend sorgte ein 20-jähriger Deutscher aus Aachen für einen Großeinsatz der Bundespolizei am Bahnhof Siegburg/Bonn. Der Mann hatte im ICE 19 zwei pyrotechnische Gegenstände gezündet, sie in den Gang geworfen und zwölf Menschen verletzt. Er hatte zuvor E-Mails an Medienhäuser verschickt, darin den genauen Zug und Streckenabschnitt angekündigt, und erklärt, er wolle mit einem Messer möglichst viele Menschen töten. Bei seiner Festnahme wurden zwei Messer, zwei weitere Rauchgranaten und eine Maske sichergestellt. Laut Bild soll es sich um einen polizeibekannten Rechtsextremisten handeln. Der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen.

Kaum ist die Herkunft des Verdächtigen von Siegburg bekannt, verlieren Rechte das Interesse

Und spätestens nach der Info aus dem letzten Satz ist dir sicherlich völlig klar, dass Aufmerksamkeit und Forderungen nach politischen Folgen plötzlich ganz anders sein werden, wenn man auf Apollo News, Tichys Einblick oder Compact guckt. Die rechtsextreme und rechtsradikale Lügenpresse wird den Fall von Siegburg, den man zuvor noch genüsslich ausgeschlachtet hat, plötzlich wie eine heiße Kartoffel fallen lassen – und Ausreden suchen, warum genau dieser Fall ihren Märchen der angeblich "grassierenden Messergewalt" plötzlich widerspricht. Obwohl sie wenige Stunden zuvor noch genau das Gegenteil zeigen wollten.

Die meisten rechten Medien, die den Fall zunächst ausschlachteten, schweigen bisher zu den neuesten Informationen, dass es sich um einen Deutschen aus Aachen oder gar einen Rechtsextremisten handeln soll. Und wenn es nicht verschwiegen wird, relativiert zum Beispiel Apollo News sofort in einer Folgemeldung, der Täter sei zwar dem rechten Spektrum zuzuordnen, aber nicht "rechtsextremistisch gefestigt", sondern "psychisch auffällig".

Die absurde Denkwelt der Rechten entblößt

Kaum ist der Tatverdächtige nicht das gewünschte Feindbild, ist die sonst so verspottete Psyche doch schuld. Schaut man in die Kommentarspalte derselben Seite, sieht man, was die Leserschaft von dieser Einordnung hält: Dutzende Kommentare fragen nach dem Vornamen, spekulieren über Migrationshintergrund, und einer tippt auf „australische Austauschstudenten“. Noch während der Täter als Deutscher mit rechtsextremem Hintergrund identifiziert war. Die Ideologen leben schon längst in ihrer eigenen Realität.

Schauen wir uns an, wie dieses System funktioniert, am besten anhand eines Artikels des rechtsextremen Compact, der in diesen Tagen erschienen ist und mehrere angebliche "Messermänner" auflistet. Compact nennt dabei Herkünfte, wo sie ins Bild passen, verschweigt sie aber dort, wo die Täter laut Recherchen deutsch sind – so etwa im Fall einer Tat in Sigmaringen, wo der Hauptverdächtige nach Berichten der Schwäbischen Zeitung offenbar ebenfalls Deutscher ist. Sie vermeiden, direkt zu lügen, aber präsentieren alles so manipulativ, um den rassistischen Eindruck zu erwecken, den sie wollen.

Screenshot eines Tweets auf X

Der Screenshot dieses Rechtsextremisten bringt es auf den Punkt – unbeabsichtigt. Er offenbart, wie ideologisch manipuliert die Rechtsextremen inzwischen sind. Wie indoktriniert, wie pawlowisch trainiert von dem jahrelangen Bombardement rechtsextremer Propaganda. Der Indikator für Migration sei das Messer. Völlig irre. Die Realität hat nichts mit dem gemein, was in der rechtsextremen Presse vor sich geht. Nicht einmal mit dem, was auch in den normalen Medien passiert. Entgegen der Parolen der Faschisten verzerren sogar die "seriösen" Medien massiv die Darstellung von Gewalt und Migration.

Die Medien verschweigen die größte Tätergruppe

Wissenschaftlich ist es eine belegte Tatsache, dass Medien krass überproportional oft über Straftaten von Nicht-Deutschen berichten. Diese Studie stellt fest, dass in der Berichterstattung über Messerangriffe tödliche Delikte überrepräsentiert sind und der Fokus systematisch auf nicht-deutschen Tatverdächtigen liegt – obwohl die absolute Mehrheit aller Messerangriffe von Deutschen begangen wird. Eine Analyse der Stiftung Mercator kommt zu dem Ergebnis, dass in deutschen Medien seit Jahren überproportional schwere Straftaten von Schutzsuchenden thematisiert werden, während vergleichbare Taten von Deutschen kaum Resonanz finden. Ein Medienexperte kommt zu dem vernichtenden Schluss: "Die deutschen Leitmedien ordnen Gewaltkriminalität nahezu genauso ein wie die AfD".

Wer das immer noch für Theorie hält, schaut sich einfach die vergangenen Wochen an. Ein Mann greift in einem Bus auf der Wuppertaler Schienenstrecke mit einem Messer an: kaum überregionale Berichterstattung. Ein tödlicher Messerangriff mit wohl fremdenfeindlichem Motiv in Uelzen: der NDR berichtet, aber das Echo in der Empörungspresse bleibt minimal, der Täter ist Deutscher. Ein Hubschraubereinsatz nach einer Messerattacke auf eine Familie in Witten, ein totes Kind: überregional ignoriert, der Täter ist Deutscher.

Die Rechten blamieren sich ständig mit ihrer Propaganda

Das Phänomen habe ich im Februar 2025 auch behandelt: Während die Spitzenpolitik nur die Messerangriffe von Migranten thematisierte – und damit die AfD massiv stärkte –, sind die Mehrheit der Messerangriffe, die von Deutschen verübt wurden, im Diskurs völlig ignoriert worden.

Und der Fall von Siegburg ist ja auch nicht das erste Mal, dass das Interesse abfällt, wenn der Täter doch kein Migrant ist. Das passiert ständig. Nehmen wir zum Beispiel die Anschläge aus dem März 2025 – ausgerechnet der, der durch einen Deutschen verübt wurde, bekam durch die Bank weniger Aufmerksamkeit als alle anderen.

Auch im Juni 2025 war ein Messerangriff einer vermeintlichen Palästinenserin ein großes Thema - bis klar wurde, dass es eine Deutsche gewesen war. Dann wurde Gewalt durch eine Frau, die offenbar psychische Probleme hat, plötzlich "unpolitisch". Und kein Problem mehr, das man lösen müsste. Obwohl es oft die tatsächliche Ursache von Gewalt ist, nicht Herkunft. Und man dagegen etwas tun könnte.

Und selbst wenn man Kriminalität von Migranten angehen wollte, gibt es viel effektivere Methoden, die sie um 70 % senken, die die Rechten ignorieren – und sogar aktiv bekämpfen.

Siegburg: So funktioniert die rechte Indoktrination

Die rechte Medienstrategie funktioniert über zwei parallele Mechanismen. Der erste ist die selektive Aufmerksamkeit: Fälle mit nicht-deutschen Tatverdächtigen werden massiv ausgeschlachtet, Fälle mit deutschen Tatverdächtigen werden totgeschwiegen oder in der Titelzeile so allgemein gehalten, dass die Leserschaft im Kommentarfeld nach dem wahren Hintergrund spekuliert. Studien zeigen, wie gesagt, bereits, dass die Herkunft von nicht-deutschen Tatverdächtigen meistens genannt wird, Deutsche meistens verschwiegen – und die Fantasie der Rechten kann dann alle zu "Migranten" machen. Sogar Deutsche können in diesen Wahnvorstellungen auch "Eingebürgerte" sein. Und für diese Verfassungsfeinde sind das auch keine Deutschen.

Der zweite ist das nachträgliche Einordnungsframing: Wenn sich herausstellt, dass ein Täter doch Deutscher ist und womöglich noch rechtsextreme Verbindungen hat, wird er entweder zum "Passdeutschen" erklärt, zum "psychisch Auffälligen" umgedeutet, oder es werden gleich Verschwörungstheorien über V-Männer in die Kommentarspalten gestreut – was man in der Apollo-Kommentarspalte zu Siegburg in Echtzeit beobachten kann. Alles, bloß nicht die Realität wahrhaben wollen.

Aus der Kommentarspalte von Apollo

Das Erschreckende daran ist nicht nur die Dreistigkeit, es ist auch die Wirksamkeit. Wenn jemand täglich Meldungen über Messergewalt von Migranten liest und nie über die strukturell häufigeren Fälle mit deutschen Tätern, dann bildet sich im Kopf ein Bild, das mit der Realität nichts zu tun hat.

Die sichersten zehn Jahre der deutschen Geschichte

Wusstest du, dass wir die sichersten zehn Jahre der deutschen Geschichte erleben? Dass Deutschland zwischen 2017 und 2022 so sicher war wie nie zuvor? In keinem Jahr seit der Wiedervereinigung gab es weniger Straftaten. Selbst die Gewaltkriminalität lag auf einem historischen Tiefpunkt. Auch 2023 gab es nicht mehr Kriminalität als 2010. 2021 und 2022 waren die häufigsten Vornamen der tatverdächtigen Deutschen, die Messerangriffe verübt haben in Berlin: Christian, Alexander und Nico.

1991 gab es 1,6 Morde pro 100.000 Einwohner. 2023 waren es halb so viele: 0,8. Ja, genau die Jahre, nachdem über eine Million Menschen zu uns geflohen waren, 2015 und 2016, waren die sichersten Jahre seit der Wiedervereinigung. In Sachsen liegt die Mordrate bei 0,7 – bei nur 8,5 % Menschen mit Migrationshintergrund. Rheinland-Pfalz hat 28 % und kommt trotzdem auf eine niedrigere Mordrate von gerade einmal 0,4. Wie passt das zusammen? Und in Sachsen, genau dort, wo so viele AfD wählen, angeblich wegen der Migranten, leben kaum welche.

98,7 % aller anerkannten Schutzsuchenden fällt nie strafrechtlich auf. Deutsche unter 30 sind rein statistisch viel krimineller als anerkannte Schutzsuchende. Mehr Migration führt nicht zu mehr Kriminalität, wie eine Studie gezeigt hat. Die Fakten und die Wissenschaft zeigen etwas anderes, weshalb die mit viel Geld geputschte rechte Lügenpresse täglich so sehr die Wahrnehmung ihrer Leserschaft manipulieren muss.

Rechtsextreme Gewalt auf dem Höchststand

Die Leute, die mutmaßlich dem Täter von Siegburg ideologisch am nächsten stehen, sind also dieselben, die Apollo News, Compact & Co. seit Jahren mit dem Bild einer von Migranten dominierten Gewaltwelle füttern. Wo es wirklich ein wachsendes Problem gibt, ist rechtsextreme Gewalt, die auf einem Höchststand ist. Genau wegen dieser Propaganda greifen sie öfter zu Gewalt. Greifen sie auch öfter zum Messer.

Was uns der Fall Siegburg zeigt, ist deshalb mehr als nur ein einzelnes Ereignis. Und es ist gerade zweitrangig, ob der mutmaßliche Täter jetzt wirklich rechtsextrem ist oder nicht. Denn es entlarvt die rechtsextreme Propaganda und zeigt, wie sehr die Realität mit ihr zusammenstößt. Dass es diesen Medien nicht darum geht, eine "verschwiegene" Wahrheit zu zeigen. Sondern die Gesellschaft mit ihrem Hass zu infizieren.

Er zeigt das Versagen einer Medienlogik, die sich selbst als mutige Gegenöffentlichkeit inszeniert, die der Mainstream angeblich verschweige. In Wahrheit verschweigt und manipuliert sie selbst – und zwar systematisch, kalkuliert, und mit messbaren gesellschaftlichen Folgen. Der "Mainstream" berichtet über diesen Fall, wie er es ja immer tut. Was sogar Teil des Problems ist, weil er die (oft falschen) rechten Mythen nachplappert. Aber die rechten Desinformations-Medien haben jetzt das Interesse verloren. Deshalb ist es umso wichtiger, die Fakten und die Realität zu kennen, die nicht durch rechte Propaganda gepusht in die Trends kommt.

Artikelbild: Roberto Pfeil/dpa. Teile des Artikels wurden mit maschineller Hilfe erstellt. Wie Volksverpetzer KI verwendet.

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