Eine neue Studie zeigt: Toleranz macht Deutschland sicherer und rechte Politik fördert Migrantenkriminalität. Allein diese simple Maßnahme senkt die Kriminalität um 70 % – und wird deshalb von Rechten totgeschwiegen.
Wenn Politiker über Kriminalität reden, endet die Debatte inzwischen immer am selben Ort. Man interessiert sich nur für die Minderheit der Straftaten von Migranten. Und die angeblich einzige Konsequenz dagegen dürfte sein: Abschiebungen. Und die verfassungsfeindliche "Remigration". Das ist das gesamte Repertoire – und es wird mit einer Selbstverständlichkeit vorgetragen, als ob es keine anderen Möglichkeiten gäbe, als ob die Mehrheit der restlichen Straftaten oder andere Lösungen schlicht nicht existierten.
Die AfD hat dieses Framing zur Staatsräson erhoben, nicht nur die Union hat es in weiten Teilen übernommen. Das Ergebnis ist eine öffentliche Debatte, in der eine bestimmte Frage konsequent nicht gestellt wird: Was würde Kriminalität denn tatsächlich senken? Nicht nur die von Deutschen? Oder wenn wir schon über Migrantenkriminalität reden – dann ohne grausame, wirtschaftsschädliche oder verfassungsfeindliche Maßnahmen? Warum werden alle anderen Optionen totgeschwiegen? Besonders Maßnahmen, die die Wahrscheinlichkeit, tatverdächtig zu werden, um 70 % senken?
70 % seltener tatverdächtig
Eine neue Studie des ifo Instituts von Albrecht et al. gibt auf diese Frage eine Antwort, die das gesamte politische Narrativ der Rechten auf den Kopf stellt. Forscher der Universität Passau, der University of California San Diego und des Deutschen Jugendinstituts haben untersucht, wie sich die Staatsbürgerschaftsreform aus dem Jahr 2000 auf die Jugendkriminalität ausgewirkt hat. Das Ergebnis ist so eindeutig, dass man es kaum glauben mag: Jugendliche der zweiten und dritten Einwanderergeneration, die durch die Reform bei Geburt automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben, werden rund 70 Prozent seltener polizeilich als Tatverdächtige registriert als vergleichbare Jugendliche ohne deutschen Pass.
Seit dem Jahr 2000 gilt in Deutschland das Geburtsortsprinzip – bekannt als Ius soli: Kinder ausländischer Eltern, von denen mindestens ein Elternteil seit acht Jahren rechtmäßig in Deutschland lebt, erhalten bei Geburt in Deutschland automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft. Vor dieser Reform galt das Abstammungsprinzip: Staatsbürgerschaft folgte dem Blut, nicht dem Geburtsort. Der Anteil der zweiten Einwanderergeneration, die mit deutschem Pass aufwächst, stieg durch die Reform von 20 auf 72 Prozent.
Die Forscher haben diese historische Zäsur genutzt, um einen kausalen Effekt zu messen. Wer im Januar 2000 geboren wurde, bekam automatisch den deutschen Pass – wer im Dezember 1999 zur Welt kam, unter sonst gleichen Umständen nicht. Durch den Vergleich dieser beiden Gruppen anhand von Kriminalitätsdaten aus Baden-Württemberg, Hessen und Berlin lässt sich der Unterschied im Ergebnis direkt auf die Staatsbürgerschaft zurückführen.
Warum wirkt das so stark?
Die Forscher verweisen auf zwei zentrale Mechanismen. Erstens verbessert die Staatsbürgerschaft bei Geburt die Bildungschancen nachweislich: Kinder mit Migrationshintergrund, die den deutschen Pass von Anfang an haben, besuchen häufiger das Gymnasium und erreichen höhere Abschlüsse, was ihre Aussichten auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Wer gute legale Perspektiven hat, riskiert mehr, wenn er sie durch eine Straftat aufs Spiel setzt. Zweitens stärkt die Staatsbürgerschaft das Vertrauen in die Aufnahmegesellschaft: Eine weitere Studie zeigte, dass männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund, die durch die Reform den deutschen Pass bekamen, eine deutlich höhere Kooperationsbereitschaft gegenüber deutschen Jugendlichen ohne Einwanderungsgeschichte entwickelten – und damit veränderte sich auch die Zusammensetzung ihrer Freundeskreise, was wiederum kriminalitätssenkend wirkt.
Eine Einschränkung dazu: Der kriminalitätssenkende Effekt wird vollständig von Jungen getragen. Bei Mädchen zeigt sich kein positiver Effekt, den die Forscher auf konservative, muslimische Familienvorstellungen zurückführen. Eltern erwarten von ihren Töchtern eher, traditionellen Geschlechterrollen zu entsprechen, anstatt die mit der deutschen Staatsbürgerschaft eröffneten neuen Bildungs- und Berufsperspektiven zu nutzen. Das zeigt, dass Integrationspolitik komplex ist und natürlich auch nicht mit einer einzigen Maßnahme erledigt ist. Da Jungen insgesamt aber ohnehin deutlich häufiger Straftaten begehen, dominiert ihr Rückgang das Gesamtergebnis.
Denkverbote für andere Probleme und Lösungen
Die AfD und weite Teile der Union haben sich auf eine einziges Problem und ein eine einzige Lösung fixiert: Man will nur gegen Kriminalität bei Migranten vorgehen und das ausschließlich durch Abschiebungen und Vertreibungen "lösen". Der weit überwiegende Teil aller Straftaten in Deutschland wird von deutschen Staatsbürgern begangen. Am Großteil der Verbrechen hat die AfD kein Interesse. Kein Wunder, dass so viele Kriminelle und Vorbestrafte in ihren eigenen Reihen sind.
Keine Abschiebepolitik der Welt kann daran etwas ändern, weil man Deutsche laut Verfassung nicht abschieben kann. Die AfD fordert aber anscheinend genau das mit ihrer "Remigration" - genau deshalb ist sie verfassungsfeindlich und sollte in einem Verbotsverfahren vom Bundesverfassungsgericht geprüft werden. Die Fixierung auf Migrantenkriminalität ist ein reines Ideologie-Phänomen, das wenig mit der Realität gemeinsam hat.
98,7 % aller anerkannten Schutzsuchenden fällt nie strafrechtlich auf. Deutsche unter 30 sind rein statistisch viel krimineller als anerkannte Schutzsuchende. Migration führt nicht zu mehr Kriminalität. Aber über Jahre haben BILD und AfD unsere Köpfe vergiftet. Studien zeigen, dass die Medien fast nur noch negativ über Migration sprechen, und fast nur noch über die Minderheit (!) der Straftaten, die von Migranten begangen werden. Alle anderen Fälle, die fast täglich passieren, werden totgeschwiegen. Dabei leben wir derzeit in den sichersten 10 Jahren seit der Wiedervereinigung.
Es sind wissenschaftlich fundierte Fakten, die du leider heutzutage fast nirgendwo mehr liest: Mehr Migration macht uns nicht unsicherer. Eine andere ifo-Studie zeigte das: Mehr Ausländer erhöhen die Kriminalitätsrate nicht. Deshalb ist es so gefährlich, sich von der Instrumentalisierung der AfD manipulieren zu lassen. Für viele Menschen ist die Verbindung von Ausländer zu Kriminalität selbstverständlich geworden. Und als einzige Lösungen werden Abschiebung und Vertreibung diskutiert. Und selbst wenn man nur etwas gegen Kriminalität von Migranten tun wollte, gibt es andere – bessere Lösungen.
Maßnahmen, die das Problem schlimmer machen
Die ideologische Fixierung auf Abschiebung muss zwangsläufig nach hinten losgehen – denn unmittelbar ausreisepflichtig sind gerade mal 41.000 Personen. Die Abschiebungen haben drastisch zugenommen, die Zahl der Einreisen ist weiter zurückgegangen. Die Bundesregierung schiebt quasi schon so viele Menschen ab, wie möglich. Und sogar oft mehr: Sie verschärft alle paar Monate weiter Gesetze, um mehr abzuschieben – teilweise sogar verfassungswidrig – und schiebt auch Menschen ab, die gar nicht abgeschoben werden dürfen.
Doch Merz sabotiert selbst jeglichen theoretischen Erfolg seiner "Asylwende", weil er bereits alles macht, was rechtlich möglich ist - und sogar mehr, aber dennoch durch weiteren Rechtspopulismus das Problem aufbläht und Erwartungen weckt, deren fragwürdige und auch echte "Erfolge" nie gerecht werden können –, weil weder er noch die AfD an Lösungen interessiert sind. Die rassistische Rhetorik dient keiner konstruktiven Politik. Sie ist das Ziel. Mit dem großen Denkfehler der Regierung, dass weder Union noch SPD davon profitieren könnten – das tut nur die AfD.
Wenn die gesamte Mainstream-Politik nur noch ein Problem kennt, das aufbauscht, und dann kein bisschen für echte oder vermeintliche Erfolge interessiert, muss gesamtgesellschaftlich der Eindruck entstehen, dass "nichts" passiert. Und dass solche extremistischen Parteien wie die AfD die einzige Lösung für ein Problem seien, das sie aber auch mit ihren verfassungsfeindlichen Maßnahmen nicht lösen werden können. Diese Politik richtet nur Schaden an. Und kann nicht mal das verbessern, was sie vorgeblich fixen will: Kriminalität von Menschen mit Migrationshintergrund. Und: Die AfD will das Geburtsortprinzip wieder abschaffen. Also genau das, was laut Studie die Kriminalität um 70 % gesenkt hat. Die Politik der AfD wird auf allen Ebenen für MEHR Straftaten sorgen.
Sie verschweigen dir: Toleranz macht Deutschland sicherer.
Was diese Studie zeigt: Man muss sich nicht zwischen Toleranz und Sicherheit entscheiden. Es gibt Maßnahmen, die beides gleichzeitig stärken – die Zugehörigkeit fördern und Kriminalität senken, Menschen integrieren und die Gesellschaft dabei sicherer machen. Staatsbürgerschaft bei Geburt ist eine solche Maßnahme. Tatsächlich ist diese Integration laut Studie sogar der Grund für die sinkende Kriminalität! Investitionen in Bildung, hochwertige Kinderbetreuung, psychische Gesundheitsversorgung und Jugendhilfe sind weitere, allesamt mit empirischer Grundlage.
Diese Debatte wird medial komplett totgeschwiegen. Migration stabilisiert unsere Rentenkasse – denn dadurch wird Deutschland im Schnitt jünger, arbeitet mehr und bremst den demografischen Wandel. Auch die meisten Schutzsuchenden von 2015 arbeiten und zahlen in die Sozialsysteme ein. Die größten Sozialausgaben sind die für die Rente, Migranten sind aber in der Regel jung, arbeiten und zahlen ein. Migranten zahlen mehr in die Sozialkassen, als sie bekommen. Aber wir wollen sie abschrecken, und tragen damit sogar noch zu den Problemen bei, die wir lösen wollen.
Auch dieser Artikel wird nicht viral gehen. Er wird keine BILD-Schlagzeile sein und von der rechten Medienblase und Troll-Armeen in alle Kommentarspalten getragen. Weil sie diese Wahrheit unterdrücken wollen. Deshalb müssen wir das übernehmen. Wir sind nicht ohnmächtig: Teilt die Studien, die Fakten. Sprecht die Wahrheit aus, selbst wenn sie niemand hören will. Selbst wenn ihr es schon oft getan habt. Bleibt stur, bleibt laut. Sprecht sie immer und überall an. Toleranz macht Deutschland sicherer.
Artikelbild: Kay Nietfeld/dpa. Teile des Artikels wurden mit maschineller Hilfe erstellt. Wie Volksverpetzer KI verwendet.
