Wir haben einen widerlichen Hassbrief bekommen. Unsere Antwort.

| Allgemein | 22. Oktober 2019

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Volksverpetzer beantwortet Fanpost

Wir vom Volksverpetzer schätzen grundsätzlich den Austausch mit der Community. Wir haben oft rege besuchte Kommentarspalten unter unseren Beiträgen, wir führen eine eigene Facebook-Gruppe für Diskussionen und auch sonst sind wir gerne bereit, über so ziemlich alles worüber wir schreiben, zu diskutieren. Schließlich geht gerade dem Internet die Fähigkeit, sachlich zu diskutieren, nicht ungerne ab, sodass wir dieser Entwicklung gerne aktiv entgegenarbeiten möchten.

Nicht immer fällt es uns jedoch leicht, auf eine Anregung, eine Anmerkung oder Kritik einzugehen. Aber damit man uns nicht nachsagen kann, es nicht grundsätzlich zu versuchen, betrachten wir heute einen etwas umfänglicheren Leserbrief.

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Antwort auf diesen Brief

Ja, der Brief ist an Anke adressiert, aber wer den einen oder anderen Text von mir gelesen hat, weiß ja, dass ich mich gewissermaßen auf derlei lyrische Ergüsse spezialisiert habe. Deshalb habe ich das mal für Sie übernommen. Also, los geht’s:

“Hallo Frau Meeuw”

Hallo, Mensch, der uns seinen Namen leider nicht mitgeteilt hat. Ich für meinen Teil empfinde es immer als unhöflich, das Wort an jemanden zu richten, die eigene Identität dabei aber nicht preisgeben zu wollen. Kennt man sonst von Formaten wie Drohbriefen oder Erpresserschreiben. Um den Lesefluss hier jedoch gewährleisten zu können, erlaube ich mir, Ihnen den interimistischen Namen Herr Ödmann zu geben (Parallelen zu real existierenden Personen gleichen Namens sind rein zufällig und vom Autor nicht beabsichtigt).

Vielleicht finden wir ja bei der eingehenderen Betrachtung Ihres Schriftstücks ein wenig über Sie heraus, das uns zumindest ein grobes Bild unseres Gegenübers zu zeichnen hilft.

“Wie spricht man das eigentlich aus, Mee-Euf, oder Mee-Uff, oder einfach Meuff? Ist ja auch egal, da Sie ja eine spenden- und werbefinanzierte Volksverpetzerin samt eines Thomas Laschyk als Geschäftsführer sind, spielen Namen keine Rolle.”

Drei Zeilen ins Leere.

Der große Vorteil, den Sie, Herr Ödmann, durch die Wahl der Schriftform generiert und anschließend übersehen haben, ist der, dass Sie die Aussprache gar nicht kennen müssen. Aber das nur am Rande. Wirklich interessant ist hier, dass der Name ja ohnehin keine Rolle spielt, WEIL Frau Meeuw “eine spenden- und werbefinanzierte Volksverpetzerin samt eines Thomas Laschyk als Geschäftsführer ist”.

Zunächst einmal: Frau Meeuw und Herr Laschyk sind jeweils eigenständige Personen. Niemand ist hier “samt irgendwem” irgendetwas. Was die Finanzierung durch Spenden und Werbung angeht, so gilt das zwar für den Volksverpetzer als gUG, nicht aber für Frau Meeuw als Person.
Der Umstand, dass diese Information Ihr Gemüt beim Befüllen der Adresszeile mit “Tierarztpraxis Anke Meeuw” zumindest passiert haben müsste, lässt in mir die Vermutung reifen, dass Sie in Sachen Gedächtnis unter einigen Schwierigkeiten zu leiden haben. Das tut mir leid und ich leiste gerne Aufklärung.

Frau Meeuw ist Tierärztin. Hauptberuflich. Das ganze Team des Volksverpetzers, mit Ausnahme von Herrn Laschyk, der zu ebendiesem Zweck selbstständig ist, macht das alles hier nebenher. Deswegen finanzieren wir uns ja auch u.A. über Spenden.

“Ist Thomas Laschyk auch ein Tier oder was?”

Na Sie sind ja ein Spaßvogel, Herr Ödmann.

Nein. Wäre dem so, wäre der Output an Artikeln, den Herr Laschyk zu verbuchen hat, äußerst beeindruckend. Bisher ist kein Fall bekannt, in dem ein Tier überhaupt im journalistischen Bereich tätig ist. Die Frage hätten Sie sich aber auch leichter beantworten können, indem Sie ihn gegoogelt hätten und die gefundenen Bilder eingehend betrachtet hätten. Selbst bei flüchtigem Hinsehen ist Herr Laschyk eindeutig als Mensch zu identifizieren.

Aus rein biologischer Sicht muss ich Ihnen jedoch Recht geben. Allerdings sind wir im biologischen Sinne alle Tiere. Wenn Sie mir nicht glauben, schauen sie einfach kurz in den Spiegel und ordnen sich dann selbst einer der folgenden Kategorien zu: Tier, Pflanze, Pilz, Eukaryot (echter Einzeller mit Zellkern), Prokaryot (unechte Einzeller ohne Zellkern). In Ihrem Sinne hoffe ich, dass Sie sich unter Punkt 1 wiederfinden.

“Aber das wollte ich ja nicht fragen.”

Hm. Hat dann wohl nicht geklappt. Die Frage steht jetzt da. Gängige Software zur Erstellung von Dokumenten ermöglicht übrigens das rückstandslose Entfernen bereits eingegebener Textpassagen. Zu beachten ist hierbei, dass dies sinnvollerweise vor dem Ausdrucken zu erfolgen hat. Der Umstand, dass Sie MS Word, Open Office oder womit auch immer Sie Ihr Schreiben aufgesetzt haben, so bedienen als sei es eine Schreibmaschine, lässt mich vermuten, dass Sie bereits in Rente sind. Diese Vermutung wird zusätzlich durch das Verhältnis von Textvolumen zu tatsächlichem Inhalt (ich weiß, da muss ich gerade reden…) und den Umstand, dass Sie sich anstelle der elektronischen E-Mail für den Postweg entschieden haben, gestützt.

“Sie reden mitsamt Ihres Thomas Laschyk über einen vom Menschen gemacht Klimawandel?”

Jep. Da reden aber gerade wirklich viele Leute drüber.

Wieso auch nicht, ist ja ein durchaus dringliches Problem. Ich spare mir jetzt mal die Leier von den zahllosen wissenschaftlichen Quellen, die den menschengemachten Klimawandel belegen. Die Art, wie Sie die Frage stellen, lässt mich ohnehin vermuten, dass Sie nicht daran glauben und klassischerweise enden diese Diskussionen mit Ihresgleichen immer damit, dass Sie etwas sagen wie “Aber es hat schon immer Klimaveränderung gegeben” oder “Aber wieso schneit es dann noch!?”

Und was haben Sie eigentlich immer mit diesem “mitsamt Ihres Thomas Laschyk”?

Sie selbst sind aber ein ziemlich dicker Teil dieser klimaschädlichen Menschengruppe.”

Entweder Sie raten ins Blaue oder sie stalken Frau Meeuw und sind beunruhigend gut darüber informiert, wie klimabewusst sie lebt. Beide Optionen sind irgendwie nicht so toll.

“Und auf der Volksverpetzerseite wird sinniert, dass Tiere viel CO2 produzieren, weil es so viele gibt?”

Ohne konkret sagen zu können, welcher Artikel gemeint ist (wie auch, das haben Sie ja nicht angegeben), nehme ich einfach an, es geht um die Klimabilanz der Massentierhaltung. Wollte Ihnen wieder jemand Ihr Leberwurstbrot verbieten, was?

Nun, wenn diese Aussage die Quintessenz ist, die Sie aus der Lektüre des Artikels gezogen haben, sind Sie entweder eine dieser sympathischen Personen, die immer nur die Überschrift eines Artikels lesen und sich alleine auf Basis dessen eine Meinung bilden (und diese auch gerne direkt darunter kommentieren) oder wir haben ein weiteres Argument für meine These, dass es um Ihr Gedächtnis nicht gut bestellt ist.

“Da müsste es doch eigentlich Ihre Aufgabe sein, so viele Tiere, wie möglich, zu “entsorgen”? Oder nicht?”

Ohje, wo fange ich da an?

Zunächst einmal sind Ärzte, die sich eher aufs Töten als aufs Erhalten von Leben verstehen, seit den 40er Jahren nicht mehr zeitgemäß. Spätestens seitdem gibt auch die Gesetzeslage – glücklicherweise – den entsprechenden Rahmen einfach nicht mehr her. Frau Meeuw wird, wie viele andere Tierärzte, eher aus Liebe zu Tieren diesen Beruf ergriffen haben.

Ihre Logik würde, weitergedacht, übrigens darin gipfeln, dass man, wenn man den Klimawandel bekämpfen will, möglichst viele Menschen, die ja hier den maßgeblichen Faktor ausmachen, zu töten hätte. Dies und der Umstand, dass Sie sich in Sachen Terminologie Worten wie “entsorgen” im Zusammenhang mit Lebewesen bedienen, erlaubt weitere Rückschlüsse auf Ihre Persönlichkeit. Dazu kommen wir noch.

“Leider verweigert Laschyk seine Adresse, hat wohl Angst, eine Tracht Prügel für den Schwachsinn, den er schreibt, einzufangen.”

Handfeste Drohung.

Lupenreine Diskussionskultur, die Sie uns hier bieten. Und für jemanden, der nicht einmal persönlich zu dem steht, was er hier von sich gibt, nehmen Sie den Mund ganz schön voll. Was wollen Sie denn machen? Ihm auch so einen schicken Brief mit Beleidigungen auf Schulhofniveau schreiben und vorher in den Umschlag pupsen?

“Also jedes Köterviech, jedes Katzengezeuch, was bei Ihnen in die Praxis kommt, kurzerhand mit einer Überdosis an Schmerzmitteln (Lidocain?) ins Jenseits zu befördern. Hilft ja dem Klima. Und hilft auch der Bodendüngung und spart Hunde- und Katzenfutter und die Energie zu deren Produktion und Dislozierung und Verkauf.”

Dass dieser Absatz inhaltlich ziemlich schwach ist, steht wohl außer Frage. Aber er ist in anderer Hinsicht interessant. Wir finden hier Begriffe die in einem eher ältlichen Duktus gehalten sind, wie “Köterviech” und “Katzengezeuch”. Darüber hinaus versuchen Sie offenbar, Ihre dürftigen Fähigkeiten im Bereich Satzbau dadurch zu übertünchen, dass Sie hier und da ein Fremdwort einstreuen, gerne auch mit militärischem Hintergrund (“Dislozierung”). Oh, und Sie haben “Schmerzmittel” gegoogelt und sind bei einem Betäubungsmittel gelandet. Beeindruckend.

Haben wir hier eventuell einen ehemaligen Militärangehörigen, der mit Kissen auf der Fensterbank zähneknirschend nach draußen blickt und sich beim Anblick der heutigen, nicht selten klimabewussten und weltoffenen, Jugend reumütig fragt, für welche Generation er denn bitte damals sein Land zu verteidigen suchte?

“[13 Zeilen persönlicher Beleidigung gegenüber Frau Meeuw, die abzutippen weit unterhalb meiner Würde liegt. In Sachen Satzbau, Wortwahl und teilweise Grammatik ähnlich schwach wie das bisherige Machwerk.]

Inhaltlich werde ich da nicht drauf eingehen.

Dass so etwas weder sachlich noch diskussionsfördernd ist, steht außer Frage. Kurz zusammengefasst: Die erste Hälfte des Blocks klingt ein wenig nach NS-Ideologie, in der man “Volk” oder “Volkskörper” durch “Klima” ersetzt hat. In der zweiten Hälfte ergehen Sie sich in äußerst bedenklichen Detailfragen darüber, wie viel Frau Meeuw wiegt, wie viel sie isst und wie groß ihr Anteil an zusammenhanglosen Dingen ist. Berücksichtigt man nun zusätzlich die eingangs in den Raum gestellten These, dass sie, um über Frau Meeuws persönliche Klimabilanz Bescheid zu wissen, generell beunruhigend viel über sie wissen müssen (vgl. Punkt 6), muss ich Sie jetzt langsam fragen: Stalken Sie Frau Meeuw? Bitte lassen Sie das sein.

“Leider kann man auf Ihrer Webseite Volksverpetzer nicht kommentieren, weil diese Funktion immer geschlossen ist. Ja, Dummschwätzer mögen keine Kritik. Könnte den Werbeeinnahmen schaden.”

Nö, nicht wirklich.

Die Werbeeinnahmen wären sogar höher. Wenn die Diskussionen direkt auf der Webseite stattfinden würden, müssten Leute, die wiederholt kommentieren oder die Diskussion auch nur verfolgen wollen, die Seite mehrmals aufrufen. Die Werbung würde also mehrmals angezeigt. Aber wir finanzieren uns ohnehin nicht wirklich über Werbung, sondern über Spenden. Und die Diskussionen finden stattdessen in den sozialen Medien statt. Sie können also beruhigt sein, wir zensieren hier nichts und niemanden. Auf unserer Seite landet aber ohnehin nur Spam und nette Beiträge wie von Ihnen. Und sind wir ehrlich, bei dem, was Sie hier auf beinahe einer DIN-A4-Seite an “Kritik” hervorgebracht haben, wäre es nicht einmal ein Verlust, dafür nicht empfänglich zu sein. Da wir das aber sind, widme ich Ihnen sogar gerade einen eigenen Text.

Zum Thema “Dummschwätzer mögen keine Kritik”… wie war doch gleich Ihr Name, damit wir die Antwort auf Ihr “Schreiben” korrekt adressieren können? Achja, den hatten Sie ja nicht angegeben…

“Jede fette Bockwurst, die Sie in sich reinschaufeln, macht, dass die Klimakatastrophe schneller kommt.”

Inhaltlich wieder wertlos.

Aber man kann wundervoll eine dieser Textaufgaben aus dem Mathematikunterricht daraus basteln:

“Pro Bockwurst, die Herr Ödmann isst, produziert er x mg CO2. Bis die Temperatur auf der Erde sich um über 1,5 °C erhöht, können noch maximal y Tonnen CO2 freigesetzt werden. Wie viele Bockwürste muss Herr Ödmann essen, um die Erde im Alleingang untergehen zu lassen?” …ok, ich bin ja schon ruhig.

So, Herr Ödmann, kommen wir zum Ende

Und zu dem Bild von Ihnen, welches sich für uns nun zeichnet.

Sie sind vermutlich ein älterer Herr mit militärischer Vergangenheit, der in stillen Stunden an der Fensterbank sitzt, vor sich hin hasst und sich fragt, was aus der “guten alten Zeit” geworden ist, in der es solche “Gutmenschen” nicht gegeben hätte. Bewahrt haben Sie sich dabei immerhin einige Motive und Sprachfetzen aus – aus Ihrer Sicht- besseren Zeiten. Und weil Sie argumentativ nichts zu bieten haben – sei es  aus Desinteresse, oder weil Sie von den komplexen Zusammenhängen der Klimathematik überfordert sind (wir erinnern uns an die Sache mit dem schwächelnden Gedächtnis) – werden Sie persönlich. Eventuell – aber das kann ich mir kaum vorstellen – halten Sie Ihr Schriftstück sogar für geistreich und witzig.

Mir bleibt nur, mir zu wünschen, dass Sie keine Enkel haben, über denen Sie Ihre Verbitterung ausschütten können. Und mir bleibt, Ihnen etwas zu wünschen, das Ihren Alltag ein wenig erhellt. Ich weiß nicht, wieso Sie so geworden sind, aber vielleicht muss es ja nicht so bleiben.

Sollten Sie doch noch einmal an einer sachlichen Diskussion interessiert sein – und bereit, sich entsprechend zu verhalten – kontaktieren Sie uns gerne erneut. Wir versuchen es gerne noch einmal.

Bis dahin verbleibe ich

i.A.

Friedemann Kipp

Artikelbild: WAYHOME studio, shutterstock.com

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