Was SIE dir über Bill Gates, die WHO und Impfungen verschweigen!!

| 19. April 2020

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Was dir verschwiegen wird – von Youtube-Videos & Sharepics

Bill Gates, die WHO, (Zwangs-)Impfungen. Und Youtube-Videos und Sharepics, die dich darüber “aufklären” möchten. Du hast bestimmt schon so einige gesehen – und vielleicht auch geteilt. Überall fordert man dich auf, “kritisch” zu sein oder “für dich selbst zu denken”. Du sollst alles “hinterfragen”, was “SIE” dir sagen. Ok, dann machen wir das mal, oder? Und hinterfragen kritisch, was SIE in den Sharepics und Youtube-Videos so behaupten. Wir beim Volksverpetzer sind ja auch keine “Mainstream-Medien” – also spricht nichts dagegen, einmal zu hinterfragen, oder?

Um den Microsoft-Milliardär und seine Stiftung ranken sich derzeit besonders viele unglaubliche Geschichten. Verschiedene Zitate sollen seine “wahren” Motive offen legen oder seine “geheimen” Verbindungen. Schauen wir uns einmal ein paar dieser Zitate und Geschichten an. Denn du willst doch nicht Leuten glauben, die Dinge aus dem Kontext reißen, und falsche Sachen dazu erfinden, oder? Das wäre nicht sehr kritisch, sondern sehr naiv.

“Wir wollen keine Genesenen”?

Bill Gates beziehungsweise seine Stiftung investiert massiv in die Produktion von Impfstoffen und Medikamenten. Dass dahinter kein guter Zweck stecken soll, wollen manche daran festmachen, dass Bill Gates am 24. März in einem Gespräch mit der TED-Foundation (33:33) gesagt hat: “No, we don’t want to have a lot of recovered people.” – “Wir wollen nicht, dass es viele Genesene gibt.” Erwischt? Will er, dass die Leute krank bleiben, um Geld an ihnen zu verdienen? Das wollen dir diese Sharepics und diese Videos einreden. Was sie dir verschweigen: Im nächsten Satz erklärt Gates seine aber näher:

To be clear, we’re trying, through the shutdown, in the United States, to not get to one percent of the population infected.” – “Um es klar zu sagen: Wir versuchen, durch die Abschottung in den Vereinigten Staaten zu erreichen, dass sich nicht ein Prozent der Bevölkerung infiziert.” Sprich: Er will, dass die Leute sich gar nicht erst anstecken und gar nicht erst krank werden. Deshalb hält er es für sinnvoller, dass man eher Impfstoffe entwickelt, als Therapien. Vor allem, da aktuelle Lage andeutet, dass auch Genesene von Covid-19 dauerhafte Folgeschäden haben können (Quelle).

“Bevölkerungswachstum reduzieren?”

Bill Gates soll, wie in manchen Sharepics behauptet, offen zugegeben haben, dass Impfungen nur dazu dienten, die Bevölkerung zu reduzieren. Nach der Logik müssten Impfungen ja etwas Gefährliches sein. Doch ergibt das wirklich Sinn? Insbesondere, wenn es jetzt doch schon zig Impfungen gibt, Milliarden dafür auszugeben – teilweise für Fabriken, die Impfstoffkandidaten produzieren sollen, von denen man noch nicht weiß, ob sie  erfolgreich sein werden (mehr dazu), für eine Impfung, die erst in etwa 18 Monaten verfügbar wäre?

Vielleicht lässt man hier wieder den Kontext absichtlich weg, um dich zu verarschen und hofft, dass du naiv genug bist, so einem Sharepic zu glauben? Genau so ist es:

Impfungen dienen dazu, Sterblichkeit zu reduzieren!

Das aus dem Kontext gerissene Zitat zur Bevölkerungsminimierung wurde bereits 2017 von den Faktencheckern von Correctiv und Snopes geprüft und eingeordnet. Das entsprechende Video von 2010 findest du hier. Glaub nicht mir – schau es dir selbst an. Impfungen dienen selbstverständlich nicht dazu, die Bevölkerung zu reduzieren, sondern das Bevölkerungswachstum. Das ist der entscheidende Unterschied. Denn, und das mag manche überraschen, Impfungen senken wirklich die Wahrscheinlichkeit, an der jeweiligen Krankheit zu sterben.

Warum es das Bevölkerungswachstum senkt, wenn die Sterblichkeit sinkt? Weil das historisch in jeder Gesellschaft passiert, wie unzählige Studien zeigen: Wenn die Sterblichkeitsrate sinkt, insbesondere die Kindersterblichkeit, bekommen die Menschen weniger Kinder. Die meisten Eltern haben nämlich nicht acht Kinder, weil sie gerne große Familien haben, sondern weil sehr viele von ihnen nie erwachsen werden. Wenn man zuverlässig davon ausgeht, dass die eigenen Kinder nicht einem hohen Sterberisiko ausgesetzt sind, sondern einen selbst überleben, hat man automatisch weniger Kinder. Das ist Fakt. Die Bevölkerung ist dann reicher und wohlhabender und reichere Menschen haben weniger Kinder.

Wenn man also die (Kinder-)Sterblichkeit senkt, sinkt automatisch auch das Bevölkerungswachstum. Auch wenn das auf den ersten Blick seltsam aussieht. Bill Gates will also, dass weniger Menschen sterben, finanziert deswegen Impfungen und dies senkt auch automatisch das Bevölkerungswachstum. Dieses Sharepic ist also nur der Versuch, mit Unkenntnis Stimmung gegen ein altes Feindbild und Impfungen zu machen. Keine Sorge, Impfungen sind ein Mittel gegen Krankheiten. Wenn also jemand, der selbst keine Ahnung von der Materie hat, dich auffordert, eigenständig über das Thema nachzudenken, dann solltest du das auch tun – anstatt ihm einfach zu glauben.

Zwangssterilisierung durch Impfung?

Manche wollen dir auch in diesem Zusammenhang erzählen, dass die WHO irgendetwas mit geheimen Zwangssterilisierungen per Impfungen in Kenia zu tun haben soll. Es geht konkret um die Tetanus-Schutzimpfung mit Spuren des Hormons Choriongonadotropin Beta-hCG. Hier werden wieder bewusst Details weggelassen und hinzuerfunden, um dich zu täuschen: Dieses Märchen geht bis 2014 zurück: Damals veröffentlichte eine Gruppe besorgter katholischer Bischöfe in Kenia eine Erklärung, in der behauptet wurde, dass ein Tetanus-Impfprogramm, das sich an Frauen richtet, ein heimlicher Versuch sei, Frauen aus mysteriösen Gründen massenhaft zu sterilisieren (mehr dazu bei Mimikama).

Die WHO wiederum verweist darauf (Quelle), dass der Impfstoff in über 50 Ländern weltweit eingesetzt wird und sonst niemand von massenhafter Unfruchtbarkeit berichtet. Wäre seltsam, oder? Fakt ist: Falls der Impfstoff als Verhütungsmittel funktionieren würde, würde es nach so vielen Jahren des Einsatzes doch massiv auffallen (mehr dazu)? Die Geburtenraten wären massiv eingebrochen. Die WHO hat lediglich einmal überprüft, ob die Verwendung des Hormons als freiwilliges Verhütungsmittel funktioniert. Hat es aber nicht: Es hat nicht mal als kurzfristig funktioniert. Sonst würden es manche doch als solches verwenden, oder? Lass dich also nicht verarschen.

Lehnt Gates Blutplasmatherapie ab?

Das ist falsch! Manche behaupten, Bill Gates würde die erfolgversprechende Blutplasmatherapie ablehnen. Dabei hat seine Stiftung bereits 2014 ein Versuchsprogramm für diese Therapie finanziert (Quelle), und sich 2015 ausdrücklich dafür ausgesprochen (Quelle). Wer etwas anderes erzählt und dir die Quellen verschweigt, will dich absichtlich hinters Licht führen. Guck dir die Quellen ja einfach selbst an und denk für dich selbst.

Profit mit Impfungen?

Aber Bill Gates will doch bestimmt mit den Investitionen in den Impfungen nur Geld verdienen, erzählen dir viele. Klingt logisch: Er investiert darin, er erwartet sicher auch eine finanzielle Entschädigung, oder? Die Bill und Melinda Gates Foundation investiert in einige Pharmafirmen, zum Beispiel in Curevac aus Deutschland. Aber auch Bayer, Merck, Pfizer und Sanofi sind darunter, die bereits viel kritisiert wurden. Wichtig hier: Es handelt sich in diesen Fällen nur um eine Zusammenarbeit gezielt für Impf- oder Emfängnisverhütungsprojekte. Doch wer dir erzählt, mit Impfungen könnte man viel Geld verdienen, der will dich verarschen!

Die weltweiten Einnahmen bei Impfstoffen belaufen sich nur auf etwa 44,8 Milliarden Euro. Das klingt vielleicht nach viel Geld. Aber insgesamt ist der gesamte Markt mit Arzneimittel satte 1098 Milliarden (1,1 BILLIONEN) Euro schwer! Impfungen betragen gerade mal 4% der Einnahmen (Quelle). Das Top-Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline machte 2017 mit Impfstoffen einen Umsatz von gerade mal 6 Milliarden US-Dollar (Quelle). Zum Vergleich: Dieses Unternehmen hat im gleichen Jahr einen Umsatz von 38 Milliarden Dollar gemacht (Quelle). Impfungen sind Peanuts. Es stimmt: Mit Krankheiten kann man Geld verdienen. Aber mit Impfungen, die Krankheiten verhindern, nicht so sehr.

Hat Bill Gates ein Patent auf das Corona-Virus?

Einige behaupten, Bill Gates habe über ein von seiner Stiftung unterstütztes Institut ein Patent auf Sars-CoV-2. Warst du so kritisch und hast nach ihren seriösen Quellen gefragt? Die gibt es nämlich nicht. Man zeigt dir höchstens ein Patent, das 2015 vom Pirbright Institut angemeldet wurde. Zu den Finanzierern dieses Instituts zählt neben Gates’ Stiftung aber auch das britische Umweltministerium, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die EU-Kommission (Quelle).

Das Patent ist echt, aber handelt es sich um eine Impfstoffentwicklung gegen ein Geflügelvirus. Das aktuelle Virus gehört zu der Familie, der Corona-Viren, wozu auch das Sars- und das Mers-Virus gehören. Miteinander zu tun haben sie jedoch nichts. Bei Immunologen ist es üblich, dass man das Erbgut von Krankheitserregern verändert, um es weniger gefährlich zu machen. Daraus kann man dann Impfstoffe herstellen. Mit dem abgeschwächten Virus kann man impfen und so das Immunsystem gegen das echte, gefährliche Virus – ja, impfen.

Aber man muss doch auch kritisch mit Bill Gates sein!

Ja klar. Niemand sagt, dass du Bill Gates toll finden sollst. Ihn oder seine Stiftung zu kritisieren macht dich nicht automatisch zum Verschwörungsideologen. Das wirst du nur, wenn du irgendwelche Youtube-Videos oder Sharepics teilst, die seltsame und aus dem Zusammenhang gerissene Behauptungen aufstellen. Und du sie unkritisch glaubst und weiterteilst. Sachliche Kritik sieht aber ganz anders aus: Man kann zum Beispiel kritisieren, dass das Vermögen der Stiftung von Bill Gates von externen Investmentmanagern geleitet wird.

Die Stiftung funktioniert so: Mit dem gespendeten Geld werden Aktien gehandelt und mit den Profiten aus den in diesem Portfolio enthaltenen Aktien wird die Stiftung und ihre Projekte finanziert. Man kann kritisieren, dass in dem Portfolio Aktien von Caterpillar, Coca-Cola und Walmart enthalten sind. Diese suchen vor allem Profit und werden wegen schlechten Bezahlungen und Verdrängungswettberb kritisiert. Diese Punkte stehen teilweise mit den Zielen der Stiftung für Nachhaltigkeit und Fairness entgegen (Quelle).

Man kann auch kritisieren, dass das private Engagement in vielen Ländern staatliche (Gesundheits-)Programme ersetzt oder gar verdrängt. Somit verlieren die Länder nicht nur die Selbstbestimmung über die staatlichen Aufgaben, es ist auch unklar, wie es weitergeht, wenn die Stiftung sich einmal zurück zieht. Die WHO bekommt nur noch zu einem Fünftel ihr Geld über die Beiträge ihrer Mitgliedsländer. Donald Trump hat die Beiträge der USA aus dubiosen Gründen jetzt jedoch erst einmal eingestellt (Quelle).

Somit wird die WHO immer mehr von privater Seite finanziert. Die größte private Spende machte die Stiftung von Bill Gates (210 Millionen Euro), die fast so hoch war wie der gesamte Beitrag der USA (257 Millionen Euro). Natürlich darf er dann aber auch mitreden, wofür das Geld eingesetzt wird. Das ist zwar verständlich, aber entzieht der WHO demokratischer bzw. staatlicher Kontrolle. Und Trump hat dieses Problem kürzlich also noch verstärkt.

Bleib kritisch – erst recht bei Leuten, die dich auffordern, kritisch zu sein!

Es ist toll, wenn du kritisch bist, “nicht alles glaubst” und Dinge hinterfragst. Das ist ein guter Ansatz. Aber dazu zählt auch das kritische Hinterfragen von seltsamen Behauptungen, Youtube-Videos und Sharepics. Nur weil jemand dir erzählt, dass dieses Zitat gefallen sein soll oder dieses oder jenes passiert sein soll, muss das weder wahr sein, noch die ganze Geschichte. Klar, fühlt es sich gut an, zu einer kleinen Gruppe zu gehören, die “die Wahrheit” hinter Impfungen oder Bill Gates kennt. Du willst nur sicher nicht, dass es eine Gruppe von Betrüger*innen ist, die sich lächerlich macht.

Kritik und Verschwörungsmythen sind zwei verschiedene Dinge. Und wir Menschen neigen dazu, Dinge unkritischer zu hinterfragen, die wir als wahr ansehen möchten. Das gilt für alle – auch für diejenigen, die dir etwas über Zwangsimpfungen, 5G-Masten oder Zwangssterilisierungen erzählen wollen. Also bleib wirklich kritisch. Hole dir eine zweite Meinung. Erst recht, wenn du eine Information für glaubwürdig hältst. Denn sonst verbreiten sich Fake News und Verschwörungsmythen.

Zum Thema:

Wie man am besten reagiert, wenn Freunde & Verwandte Corona-Fake News verbreiten



Artikelbild: pixabay.com, CC0, JStone, shutterstock.com

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