Faktencheck Bhakdi & Co: Wie Corona-Todesfälle wirklich gezählt werden

| Analyse | 7. April 2020

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Tote MIT Corona vs. Tote an Corona

Corona-Verharmloser*innen kritisieren gerne die Zählweise von Todesfällen des Robert-Koch-Instituts, um zu verdeutlichen, dass die Maßnahmen in Wahrheit übertrieben seien. Gerne ist das der Aufhänger für verschiedenste Verschwörungsmythiker*innen, um die Verschwörung ihrer Wahl zu “belegen” – Mikrochipimpfungen (mehr dazu), 5G (mehr dazu), Flüchtlinge (mehr dazu) oder anderen Unsinn. Doch auch renommierte Personen üben Kritik an der offiziellen Zählweise. Ganz prominent der Mikrobiologe Sucharit Bhakdi.

Bhakdi kritisiert auf seinem YouTube-Kanal, dass die Annahmen vieler Forschungseinrichtungen zur Gefahr durch das neuartige Coronavirus überzogen seien. Eine ausführliche Analyse seines “offenen Briefes” an Angela Merkel findet man hier (Link). Frage #4 bezieht sich auf die Letalität (Sterblichkeitsrate der Infizierten), die er dort “Mortalität” (Sterblichkeitsrate der Gesamtbevölkerung) nennt. Das zentrale Argument: Das Robert-Koch-Institut zählt laut Angaben einer Sprecherin alle Todesfälle an Covid-19, wenn der Betroffene eine nachgewiesene Infektion gehabt hatte.

Der Unterschied

Das heißt – so die Kritik wie beispielsweise von Bhakdi – nicht nur fließen die Todesfälle mit in die Statistik (1.943 Stand 07.04.) ein, von Menschen, die an Covid-19 gestorben sind, sondern auch von denen, die mit Corona gestorben sind. Also könnte es Fälle geben, in denen jemand an etwas anderem gestorben ist, und nur zufällig gleichzeitig infiziert gewesen ist. Bhakdi kritisiert, dass nicht immer eindeutig ist, ob das Coronavirus der entscheidende Faktor gewesen ist. Somit werde die Statistik verzerrt, wenn man nicht anschließend klinische Analysen anfertigt.

Und das ist technisch gesehen auch richtig. Aber das RKI verheimlicht das ja auch nicht und verkündet, dass man das im Hinterkopf behält, wenn man ihre Todeszahlen analysiert. Aber “Eine Trennung ist fachlich nicht zuverlässig durchführbar”, so eine Sprecherin des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit an den BR (Quelle). Denn selbst wenn man das unterscheiden wollen würde, ist das in der Praxis schwerlich möglich. Dazu bräuchte man eingehende Kenntnis des Krankheitsverlaufs einerseits und des morphologischen Befundes andererseits durch eine Obduktion. Letzteres soll aber vermieden werden, da auch tote Infizierte als ansteckend betrachtet werden (Quelle, Quelle).

Letztlich wäre nur eine epidemiologische Nachbetrachtung eindeutig, um nur die Fälle herauszusortieren, wo die Kausalität eindeutig ist (Quelle). Das ist jedoch aufwendig, dauert und wir brauchen Zahlen so schnell wie möglich. Jetzt jedoch davon auszugehen, dass Corona weniger harmlos sei als eine Grippe und die Todeszahlen seien übertrieben, ist jedoch die falsche Schlussfolgerung.

Es sind eher MEHR Menschen gestorben

Eine Studie, die in “The Lancet” veröffentlicht wurde (Quelle), und die Patient*innen in Wuhan untersuchte, legt den Schluss nahe, dass die meisten Todesfälle eindeutig auf Covid-19 zurück zu führen sind. “Falsch” gezählte Todesfälle sind also eher die Ausnahme. Außerdem geht das RKI laut dem Corona-Briefing vom 3. April (Quelle) eher davon aus, dass die Todeszahlen UNTER- und nicht überschätzt werden. Denn es ist natürlich auch denkbar, dass Menschen an oder mit Corona sterben, ohne dass sie in die Zählung einfließen, weil sie nie getestet wurden.

Auch der Vergleich mit Grippe-Toten ist bestenfalls problematisch. Denn nicht nur wird mit der letzten Saison verglichen, die ungewöhnlich hohe Todeszahlen hatte, auch sind Grippetote ebenfalls geschätzt und nicht klinisch getestet worden. Warum der Vergleich mit der Grippe darüber hinaus falsch und irreführend ist, haben wir hier analysiert:

Corona gefährlicher als Grippe! Mit diesen 4 Fakten argumentierst du gegen Verharmlosung

Fazit

Ja, es kann sein, dass Menschen in die Statistik des RKI einfließen, auch wenn sie “nur” mit Covid-19 gestorben sind, und nicht an. Kritiker*innen wie Bhakdi und alle, die deren Kritik verwenden liegen jedoch falsch, wenn sie daraus schlussfolgern, die getroffenen Maßnahmen seien “kollektiver Selbstmord” (Bhakdi). Die meisten Expert*innen gehen von einem Vielfachen der Infektionszahlen aus und halten die Todeszahlen eher für zu niedrig denn zu hoch. Corona ist KEINE gewöhnliche Grippe. Und wer diesen Mythos verbreitet, trägt zur Gefährdung von Menschenleben bei. Teilt diesen Beitrag und klärt andere auf!



Artikelbild: Screenshot youtube.com

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