Klima-Demo-Teilnahme NICHT bezahlt! So verarschen dich diese Überschriften

| Analyse | 5. Dezember 2019

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Klima-Demo-Teilnahme NICHT bezahlt!

Achtung, derzeit werden so einige irreführende Überschriften verbreitet, die den Eindruck erwecken sollen, dass Teilnehmer*innen der Fridays For Future Demonstrationen bezahlt worden wären. Das ist falsch.

Diese Information wird jedoch nicht nur von rechten Blogs verbreitet, sondern auch von seriösen Seiten wie LVZWeltRND oder Watson. Dies liegt darin, dass hier kein reiner Fake vorliegt, sondern ein manipulatives Framing. Denn “technisch” gesehen ist diese Meldung “in gewisser Weise” richtig. Wer jedoch nur diese Überschriften liest, wird etwas völlig falsches glauben. Warum also dennoch so eine Falschmeldung in die Welt gesetzt wurde erklären wir hier.



Der Fakten-Check

Es geht um die Klima-Demo am 29.11.2019 in Leipzig. Bei dieser Klimademo handelte es sich wohl um die zweitgrößte deutschlandweite Demonstration seit der Wende – nach der letzten Klimademo. An der Demo in Leipzig beteiligte sich der Verein „NuKLA e. V.“ (Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald e. V.). Sie wollten eine kleine Mahnwache  mit dem Titel „Auwald for Future – Schweigen im Walde“ am Rande der Demo durchführen. Das ist ihr Video:

Als Verein, der sich ebenfalls für Klimaschutz einsetzt, wollten sie also Fridays For Future unterstützen. Für das Kunstprojekt wollten die Mitglieder des Vereins jedoch nicht selbst auftreten, da es sich laut Vereinssprecher um ältere Menschen handelt und die lieber die junge Generation in den Vordergrund rücken wollte. So kam es, dass sie für ihr Kunstprojekt Statist*innen engagierten, die dementsprechend auch bezahlt wurden. Die Mitglieder waren bei der Aktion jedoch anwesend (Quelle).

Fazit: Es wurden einige Statisti*innen für ein Kunstprojekt eines getrennten Vereins bezahlt, das lediglich am Rande einer Fridays For Future Demonstration stattfand, von dem die Klima-Demonstrierenden jedoch überhaupt nichts wussten. Die Organisatoren der Leipziger „Fridays for Future“-Veranstaltung sind dementsprechend betroffen, jetzt als “bezahlte Demonstranten” bezeichnet zu werden, wie sie der „Leipziger Volkszeitung“ sagen.

Der Frame-Check

Diese Informationen waren keine Geheimnisse, diese Infos haben wir aus den Artikeln, deren irreführende Schlagzeilen wir oben aufgelistet haben. Jedoch klingt “Jugendliche erhielten Geld fürs Demonstrieren” nach etwas ganz anderem als: Am Rande einer Fridays For Future Demo veranstaltete ein Verein ein Kunstprojekt mit Schauspielern, die eine Aufwandsentschädigung erhielten.

Und genau das ist das Problem. Die Fridays For Future-Demos sind emotional sehr aufgeladen und Gegner warten nur darauf, negative Nachrichten über sie oder Greta Thunberg zu erfahren, um ihre persönlichen Vorurteile bestätigt zu sehen. Dass solche Schlagzeilen den Eindruck erwecken, Schüler*innen hätten lediglich für Geld demonstriert, wäre ein bequemer Weg, sich einzureden, dass man ihre Anliegen gar nicht ernst zu nehmen braucht. Genau aus diesem Grund werden so viele Lügen über die Demos verbreitet:

Fakes & Lügen: So versuchen Rechte, #FridaysForFuture zu diskreditieren

Diese Zeitungen haben es ausgenutzt, dass die meisten Menschen lediglich Überschriften lesen und sich darüber bereits eine Meinung bilden und eine extra irreführende Überschrift gewählt, die gerade noch so technisch gesehen korrekt ist (oder manchmal nicht einmal mehr das). Sie wollten die Wut oder die Schadenfreude über die vermeintlich negative Meldung ihrer Leser*innen ausnutzen, um so Klicks und Reichweite zu bekommen. Dabei haben sie aber aktiv dazu beigetragen, dass eine Falschmeldung in die Welt gesetzt wurde.

Zum Thema:

Kein Fake! AfD bezahlt Geld für Demo-Teilnahme!

Danke an Mimikama! Artikelbild: Prostock-studio, shutterstock.com

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