Wie man durch verzerrte Grafiken Ausländer krimineller erscheinen lässt, als sie sind

Mit Statistiken die Realität verzerren

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Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast: Die Zahlen können stimmen, aber die Art und Weise der Darstellung hat einen großen Einfluss darauf, was wir aus Grafiken lesen. Diese Darstellung lässt Ausländer viel krimineller erscheinen, als sie sind.

Am 08.03.2018 erschien im Kölner Stadtanzeiger diese Grafik, die Tatverdächtige in NRW nach Herkunftsländern sortiert hat:

Seien wir mal ehrlich: Auf den ersten Blick hat keiner auf die genauen Zahlen geguckt, um festzustellen, dass der linke Balken mehr als zehnmal so hoch sein sollte wie der nächste. Und vielleicht erst in einem Dritten den „Riss“ im Balken der deutschen Tatverdächtigen, der anzeigen soll, dass dieser eigentlich viel größer sein sollte. Falls es überhaupt zu einem zweiten Blick kommt, ist unser bleibender Eindruck jedoch folgender: So viel krimineller sind die Ausländer gar nicht als die Deutschen, und dabei sind sie doch viel weniger.



Warum nicht ein Tortendiagramm?

Natürlich war es nicht die Absicht des Kölner Stadtanzeigers, hier Hetze gegen Ausländer zu betreiben, jedoch war diese Art der Darstellung schon grob fahrlässig, in der Weise, wie sie die Realität verzerrt wiedergibt. Wenn man etwas graphisch darstellt, dann sollte man wohl besonders bei sensiblen Themen darauf achten, dass man nicht unabsichtlich die Tatsachen verzerrt. Denn auch wenn evtl. Ausländer proportional mehr Straftaten begehen oder zumindest verdächtig sind, dann sollte man trotzdem die Relationen „korrekt“ und nicht so „verzerrt“ darstellen.

Natürlich ist ein derartiger Schnitt in einer Grafik zulässig, aber ob man einen Balken um den Faktor 15 kürzen darf, ist hingegen sehr fraglich. Gerhard Voogt, Leitender Redakteur des Kölner Stadtanzeigers, gab im Nachhinein in einer Email zu, dass ein Kreisdiagramm zur Darstellung der Gesamtverteilung der Kriminalität geeigneter gewesen wäre.

Und zur Kriminalität von Nicht-Deutschen muss man natürlich auch beachten, dass es sich unter anderem hier um Tatverdächtige handelt, nicht zwingend um die Täter, was sich von der echten Zahl der Täter unterscheidet. Warum Ausländer überproportional oft angezeigt werden, dass Deutsche nicht die Opfer sind und dass Herkunft keinen Einfluss auf Kriminalität hat, erklären wir hier.

Danke an Gregor Gold für den Hinweis

Artikelbild: Kölner Stadtanzeiger, Bearbeitung: Gregor Gold

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1 Kommentar
  1. Mensch mit zwei Augen sagt

    Also, das ist nun wirklich ein alter Hut und sehr offensichtlich. Deshalb schaut man sich im Übrigen bei soetwas immer die relativen Häufigkeiten an (Prozente). Vor allem wenn dieser Quatsch mit dem unterbrochenem Bereich eines Balkens (oder häufig auch einer y-Achse) stattfindet. Was auch gerne getan wird ist zwischen unterschiedlichen Diagrammen die Skalenreichweite der Achsen zu varrieren, so dass die Unterschiedlichkeit der Balken z.B. anders wirkt.

    Andererseits kann man wiederrum bei diesem Beispiel argumentieren, dass es auch wichtig ist Quoten innerhalb von Gruppen im Verhältnis zu ihrer Gesamtzahl zu betrachten (also wieviele anteilig von der Gesamtgruppe bestehen), denn es ist klar, dass es mehr Tatverdächtige gibt innerhalb einer Gruppe, wenn ihre Gesamtzahl die der anderen weit übersteigt.

    Darüber hinaus wird auch eine Kontextanalyse unabdingbar sein. D.h. zu schauen, inwiefern der Kontext (Ballungsgebiete) in einem Zusammenhang mit „Tatverdächtigen“ steht. Daraus ließen sich unterschiedliche Hypothesen ableiten. Z.B. dass soziale Benachteiligung bzw. generell in sozial benachteiligten Gebieten eine höhere Anzahl an Tatverdächtigen aufkommt und möglicherweise Menschen mit Migrationshintergrund durch unterschiedliche (schon lange untersuchte) soziale Mechanismen häufiger in solchen Bereichen vorzufinden sind.

    Dies alles rein hypothetisch, denn eine genauere Untersuchung ergäbe mehr.

    Fazit: Es ist klar, dass die Grafik(en) in dem Beispiel absolut schlecht sind, aber dieser Mangel geht in beide Richtungen, sowohl für, als auch gegen die Annahmen, die in dem Artikel bzw. durch die Grafiken implizert werden, denn die Balkeindiagramme sagen schlicht und ergreifend wirklich gar nichts sinnvolles aus.

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