Diese Aufnahmen sind ECHT: Ankommende Schutzsuchene auf Lesbos

| 8. März 2020

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Rechte behaupten, Aufnahmen seien gestellt

Videos und Aufnahmen von Menschen auf der Flucht, die auf der griechischen Insel Lesbos gelandet sind, sorgten für Diskussionen. Rechte Propaganda-Accounts, denen die Wahrheit des Leids der Schutzsuchenden nicht gefällt, behaupteten, die Aufnahmen seien inszeniert worden. Insbesondere ein Videoausschnitt einer verzweifelten Frau am Strand wird von diesen als verdächtigt bezeichnet – weil man Fotografen sieht, die sie aufzeichnen. Doch nicht nur gibt es viele weitere Beweise, die rechte Verschwörungstheorie basiert auf einem Denkfehler.

Natürlich sieht man Fotografen, was denkt ihr denn, wer die Fliehenden fotografiert hat? Nach der Logik könnte man jedes Foto eines Menschen in Not als Fake und Inszenierung bezeichnen, einfach nur, weil es gemacht wurde. Manchmal fotografieren Menschen nunmal wirklich Leid. Es ist ein Propaganda-Trick, der Unsicherheit erzeugen soll. Aber wie unsere Kolleg*innen von Mimikama recherchiert haben, gibt es zahlreiche weitere Aufnahmen, die die Echtheit dokumentieren – denn Fotograf*innen fahren pausenlos die Küste ab, um zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.

So stellen rechte Propaganda-Accounts erfundene Behauptungen auf, um ihre vermeintliche Verschwörung zu untermauern:

Das Video ist kein “Leak” – sondern ganz normal veröffentlicht

Doch diese Szene ist kein “Beweis”, dass die Ankunft der Schutzsuchenden auf Lesbos gestellt worden ist, sondern eine Momentaufnahme der Journalistin Liana Spyropulou, die die Aufnahme selbst auf Twitter veröffentlicht hat:

Auch “Correctiv” hat sich an die Journalistin gewendet und sie erklärte, die Aufnahmen seien entstanden als sie und ihre (teilwese konkurrierendne) Kolleg*innen wie jeden Morgen die Küste abfuhren, eben in der Hoffnung, um ankommende Schutzsuchende anzutreffen. Natürlich sind auch Hilfskräfte darunter. Es ist schließlich ihr Job, Aufnahmen der Situation vor Ort zu liefern. Journalist*innen, die geschickt wurden, um ankommende Schutzsuchende auf Lesbos zu fotografieren, machen Fotos von ankommenden Schutzsuchenden. Wo ist da die Verschwörung?

Auf den Aufnahmen sieht man bereits, dass es bereits Aufnahmen der Schutzsuchenden gibt, als sie noch mit dem Boot entfernt auf der stürmischen See waren. Unter anderem die britische “Daily Mail” veröffentlichte Videoaufnahmen der ganzen Ankunft (Die Fotogalerie findet ihr bei Mimikama hier). Auch ein Artikelbild von “TIME” zeigt die Szene, auf der Mann auch die Hilfskräfte sieht, die die Schutzsuchenden aufnehmen. Sie gehören zu “Lighthouse Relief”, die auf Lesbos stationiert sind.

Screenshot via Mimikama

Fazit

So funktioniert rechte Propaganda: Natürlich waren Fotografen vor Ort, als Aufnahmen von auf Lesbos ankommenden Schutzsuchenden gemacht wurden. Wer hätte denn sonst die Aufnahmen machen sollen? Es ist schließlich ihr Job, für den sie täglich die Küstenstrecke vor Lesbos abfahren. Das ist nicht merkwürdig, nicht ungewöhnlich, sondern glasklar selbstverständlich. Dadurch, dass rechte Propagandisten Ausschnitte aus dem Kontext reißen und Details als merkwürdig betiteln, soll nämlich Skepsis geweckt werden.

Bezeichnet man das Video als “Leak” und die zu sehenden Fotograf*innen als ungewöhnlich, sollen Leser*innen skeptisch werden wegen der Bilder, die sie sehen. Sie sollen von der Wahrheit abgelenkt werden. Danach werden weitere Infots hinzuerfunden und der gesamte Kontext weggeleugnet. Durch diese selektive und verzerrte Darstellung, sollen alle, die die schreckliche Situation in Griechenland nicht als menschliches Versagen der EU sehen wollen, sondern als “Invasion” von bösen “Migranten”, in ihrer rechtsextremen Weltanschauung verstärkt werden. Doch die Wahrheit ist leider die Wahrheit.

Zum Thema:

Reinfall: Rechtsextreme Identitäre verhaftet, verprügelt & aus Lesbos abgeschoben



Artikelbild: Screenshots twitter.com

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