Faktencheck: Sind Flüchtlinge nur junge Männer?

Analyse

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Nur „Junge Männer“? Überhaupt nicht.

Wenn die AfD oder andere Rechtsextreme euch Angst machen wollen vor den „bösen“ Asylbewerbern, fällt oft die Behauptung, dass es sich vor allem um „junge Männer“ handelt. Schauen wir uns diese Behauptung einfach mal anhand der aktuellsten Zahlen zu Asyl an. Zu finden sind diese beim Bundesministerium für Asyl und Flüchtlinge. Dort sehen wir diese Grafik (Stand Oktober 2018):



Nur 21,6% sind „Junge Männer“ – Gerade mal jeder Fünfte!

Während es natürlich richtig ist, dass fast 3/4 der Asylanstragstellenden jünger als 30 sind und die Mehrheit (56,8%) männlich, so macht die größte Gruppe die der Kinder aus. Jeder vierte Asylantrag wird von einem Kind unter 4 (!) gestellt. 26,6% aller Antragstellenden sind Kleinkinder und Babies. Ja, die AfD versucht, uns unter anderem vor Babies Angst zu machen.

 

Was heißt das?

Natürlich ist das Verhältnis junger Menschen allgemein und junger Männer im besonderen unter Schutzsuchenden größer als in der deutschen Bevölkerung. Jeder fünfte ist Deutsche ist Rentner, bei Schutzsuchenden sind es gerade mal 1%. Während das natürlich zur Folge hat, dass (nicht anerkannte, anerkannte Asylbewerber sind trotzdem unterdurchschnittlich kriminell, hier) Asylsuchende überproportional kriminell sind – was Rechte auch gerne ausschlachten, so liegt das einfach daran, dass die „problematische“ Gruppe der jungen Männern überrepräsentiert ist. Wenn man junge deutsche Männer mit jungen Männern der Schutzsuchenden vergleicht, verschwindet der Unterschied. Siehe auch:

Mit diesen Fakten über Flüchtlingskriminalität zerlegst du die AfD in Diskussionen

Abgesehen davon widerspricht das einem anderen Argument der Rechten: Dass Asylbewerber nur Sozialleistungen beziehen würden. Während jeder 5. Deutsche Rentner ist, sind Asylbewerber überproportional im besten arbeitsfähigen Alter. 254.000 Flüchtlinge waren im Juli sozialversicherungspflichtig beschäftigt (inklusive nicht-sozialversichtungspflichtige Beschäftigungen sind es 327.000 mit Arbeit). Etwas mehr als 300.000 befinden sich in Sprach- und Integrationskursen und circa 60.000 sind schulpflichtig.

Studien zeigendass „in den meisten Ländern Migranten mehr an Steuern und Sozialleistungen zahlen als sie beziehen.“ Andere Studien zeigen, dass Immigranten weniger wahrscheinlich zum Sozialfall werden und nicht öfter in Sozialwohnungen leben. (Studie ) . Eine weitere Studie aus Oxford besagt, dass das Aufnehmen großer Zahlen an Immigranten gravierenden Einfluss darauf hat, die Schulden eines Landes abzubauen. (Beispiel)

Artikelbild: volksverpetzer.de

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