Die gesamte rechtsextreme Biografie von Andreas Kalbitz

| Analyse | 19. Juni 2020

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Die rechtsextreme Biografie

Andreas Kalbitz darf nach einer Gerichtsentscheidung Mitglied in der AfD bleiben (Quelle). Trotzdem wird immer nur über seine Mitgliedschaft in der HDJ und bei den Republikanern berichtet. Gleichzeitig wollte die AfD ihn eben nicht wegen seiner nachgewiesenen rechtsextremen Vergangenheit ausschließen, sondern weil er diese verschwiegen hat. Ein Trick, den der noch aktuelle Bundesvorstand angewandt hat, um eben ein langes Parteiausschlussverfahren einzuleiten. Jetzt wird sich zeigen müssen, ob die AfD Rechtsextreme und Neonazis bis in den Bundesvorstand duldet oder ob sie eine demokratische Partei ist. Wir haben die gesamte rechtsextreme Biografie von Kalbitz dokumentiert.

Jahrelang hat man sich an der Person Björn Höcke abgearbeitet und dadurch geriet Andreas Kalbitz für lange Jahre aus dem Blickfeld. Obwohl gerade in der Biografie von Kalbitz viele klare rechtsextreme Stationen auftauchen. Unerklärlich ist deswegen auch, warum dieser obwohl er schon seit Anfang der 90er Jahre in diversen rechtsextremen Vereinen tätig gewesen ist (Mitglied der verbotenen HDJ für 14 Jahre) 12 Jahre bei der Bundeswehr dienen durfte?

Übersicht

  • Die Zeitachse 90er Jahre
  • Das Netzwerk des rechtsextremen Hans-Ulrich Kopp
  • Burschenschaft Danubia

Die rechtsextreme Vergangenheit von Kalbitz

Warum dies aber nur ein kleiner Teil seiner rechtsextremen Vergangenheit ist, wollen wir in dieser Recherche und Analyse aufzeigen:

Wie der „Spiegel“ unter Berufung auf das 258-Seiten-Gutachten des Bundesverfassungsschutzes berichtet, sei Kalbitz „über Jahrzehnte“ im „organisierten Rechtsextremismus“ verwurzelt gewesen. Und „nachweislich“ habe Kalbitz „über mindestens 14 Jahre“ mit der HDJ Kontakt gehabt und sei auch Mitglied gewesen.

Video zum HDJ-Besuch des Andreas Edwin Kalbitz:

1. Die Zeitachse 90er Jahre

Gerade die Entwicklung des Andreas Edwin Kalbitz in den 90er Jahren ist für eine weitere Einschätzung sehr wichtig. Denn aktuell ist genau dieser Herr Landesvorsitzender der AfD in Brandenburg und Fraktionsführer im Potsdamer Landtag.

Falls sich die AfD immer noch fragen sollte, warum der Flügel und Kalbitz als Führungsfigur im Flügel überwacht werden: Mit einer solchen Vita, wie die des Andreas Edwin Kalbitz, erscheint eine Erklärung für die rechtsextremistische und völkisch-nationalistische Gesinnung und Programmatik nicht mehr so abwegig, sondern konsistent und konsequent.

Die Fragen nach den Netzwerken von Höcke und Heise wird uns noch länger beschäftigen. Es ist die Frage nach den Verbindungen, nach Netzwerken und Netzwerker*innen, die eben an der Gründung der AfD mit beteiligt waren. Oder zumindest schon 2013 eine Übernahme durch extrem rechte Personen fokussiert haben.

Völlig egal, was ein Bernd Lucke erzählt oder sich davon „freischreiben“ möchte: Die AfD war von Beginn der Gründung an von rechtsextremen Netzwerken und Netzwerker*innen unterwandert. Sie haben sich im Hintergrund gehalten und abgewartet. Bis der geeignete Zeitpunkt kam, um sich aus der Deckung hervorzuwagen.

Mit diesen vielen rechtsextremen „Bezügen“ (wie Kalbitz versucht, seine rechtsextreme Biografie herunterzuspielen), für die der Verfassungsschutz mittlerweile Belege hat, gerät Kalbitz mehr und mehr in Erklärungsnöte. Auch in der eigenen Partei.

2. Das Netzwerk des rechtsextremen Hans-Ulrich Kopp

Wer sich mit den einzelnen rechtsextremen „Bezügen“ des Andreas Kalbitz näher beschäftigt, stößt immer wieder auf einen Namen: Hans-Ulrich Kopp. Sudetendeutscher Abstammung, Jahrgang 1962, geboren in Stuttgart. Rechtsextremer Publizist und heute Bauunternehmer. Mit dem gleichlautenden Namen Kopp, Jochen Kopp, vom KOPP-Verlag scheint er nicht verwandt zu sein. Ein Mann im Hintergrund aber mit „Bezügen“ zu den alten Rechten.

Wer also schon immer wissen wollte, warum ein Andreas Edwin Kalbitz im Witikobund Mitglied ist, für den Fritz der JLO geschrieben hat, warum er 1994 nachweislich auf dem neofaschistischen Langemark Treffen gewesen ist, der muss sich nur die Vergangenheit und die Netzwerke des rechtsextremen Hans-Ulrich Kopp genauer anschauen.

Die Verbindungen zwischen Hans-Ulrich Kopp und Andreas Edwin Kalbitz im Überblick:

Burschenschaft Danubia

Bereits als Schüler war Kalbitz in der Pennalen Burschenschaft „Saxonia-Czernowitz“ aktiv, einer stramm-rechten schlagenden Schülerverbindung. Die „Saxonia“ traf sich im Haus der Burschenschaft „Danubia“ (Umzug der Danubia 2016). Hans-Ulrich Kopp ist Mitglied der Danubia, wurde 1987 Sprecher der Burschenschaft Danubia.

 

Verfassungsschutzbericht Bayern 2014 (Umzug der Saxonia 2016)

Die Danubia wird vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft. Bekanntes Danubia-Mitglied ist der Ex-Republikaner Michael Paulwitz, Autor bei der Jungen Freiheit. Paulwitz war als AfD-Mitglied im Impressum des Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit als Verantwortlicher genannt  aber nur solange, bis der Verein in den Fokus wegen illegaler Parteispende für die AfD geriet.

[Meuthen betonte, der Verein habe nichts mit der AfD zu tun. Er befürchtete, die AfD könnte in ein Fahrwasser reinkommen, „wo man uns den Vorwurf macht, das wäre illegale Parteienfinanzierung.“  Meuthens Versuche der Distanzierung der „kostenlose Wahlkampfhilfe für die AfD“ trieben sogar solche Stilblüten, dass sich die AfD gezwungen sah, Unterlassungserklärungen gegen den von David Bendels geführten Verein und gegen Alexander Segert von der Goal AG zu verfügen. Und die Berichte über illegale Parteispenden bei der AfD reißen nicht ab. Zuletzt standen Spenden über den von Höcke geführten Flügel an den Verein Konservativ!, um damit AfD-Veranstaltungen (des Flügels?) zu finanzieren.]

Auch Alexander Wolf (AfD) aus der Hamburger Bürgerschaft ist Mitglied der rechtsextremen Danubia.

Taz Artikel vom 9. 1. 2020: Schon vor dem ersten Einzug der AfD in die Hamburgische Bürgerschaft bei der letzten Wahl im Jahr 2015 räumte Wolf im Gespräch mit der taz ein, Alter Herr der besagten Münchner Burschenschaft zu sein. Weiter sagte er, dass diese Mitgliedschaft in der schlagenden Verbindung für ihn „kein Skandal, keine Geschichte“ sei.

Auch andere Protagonisten aus dem extrem rechten Umfeld sind gern gesehene Redner der rechtsextremen Burschenschaft Danubia.

Vortrag von Dr. Dr. Thor von Waldstein bei der rechtsextremen Danubia.

Dr. Dr. Thor von Waldstein ebenfalls, ehemaliger NPD-Bundesvize und Autor im Antaios-Verlag und in der Sezession von Kubitschek.

Blick nach Rechts Artikel vom 20.11.2019: Der neurechte Jurist und Publizist wird bei der „Danubia“ am 21. November (gemeint ist 2018) zu dem Thema „Volk. Ein deutscher Begriff“ referieren. Bayerische Verfassungsschützer bewerten die Aktivitas der „Danubia“ seit Jahren als rechtsextrem.

Verfassungsschutzbericht Bayern 2013

 

Querverbindung Danubia -Hans-Ulrich Kopp – Horst Mahler – Email in 2008 an Kalbitz :

Kalbitz Kontakte zur (in Verfassungsschutzberichten erwähnten) Münchner Burschenschaft Danubia, die zeitweise an derselben Adresse residierte wie die Pennale Burschenschaft Saxonia-Czernowitz.

Ende 2000 und Anfang 2001 soll Kalbitz zwei Veranstaltungen für die JLO mitorganisiert haben. Dabei dürfte es sich um die Veranstaltungen mit dem Holocaustleugner Horst Mahler handeln, über die schon das AntifaInfoblatt 2000/2001 berichtet hatten.

Hier fragen nicht nur wir uns, wie kam es zu einem Kontakt zwischen Kalbitz und dem rechtsextremen Holocaustleugner Horst Mahler? Hier könnte der VS in Bayern wohl Informationen liefern, wenn er denn wollte. Wir halten fest: Netzwerke um die  Burschenschaft Danubia-Saxonia und eben um Kalbitz, Kopp und Mahler:

Tagesspiegel Artikel zur Email von Horst Mahler an Kalbitz

Bereits in einem Artikel aus 2001 wurde darauf hingewiesen, dass Horst Mahler des öfteren Vorträge bei der Danubia abhielt.

Tagesspiegel Artikel: Rechtsextremismus: Bayern warnt vor Neonazis an Unis

Schon 1999 hat das AntifaInfoBlatt auf eine Veranstaltung mit Horst Mahler in den Räumen der Danubia hingewiesen. Also genug Gelegenheiten, bei denen sich Kalbitz und Mahler begegnet sind und kennengelernt haben …

Antifainfoblatt 1999 zum Vortrag von Horst Mahler bei der rechtsextremen Burschenschaft Danubia

Weitere Querverbindung hier:

Danubia-Kopp-Republikaner-Jungefreiheit (Mahler Kontakt)-JLO (Junge Landmannschaft Ostpreußen) Kalbitz schrieb für die JLO im Fritz.

Antifainfoblatt 1999 zu Horst Mahler und der rechtsextremen Burschenschaft Danubia

Ein Name taucht immer wieder auf: Hans-Ulrich Kopp. In dessen Schlepptau: Andreas Edwin Kalbitz.

(Information AntifaInfoblatt): Kurz nach der Trennung von der Landsmannschaft Ostpreußen vereinbarte der Witikobund eine enge Zusammenarbeit mit der JLO. Schon früher pflegte man Kontakte zu dieser »nationalen Gesinnungsgemeinschaft« innerhalb der revanchistischen Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL).

So war Hans-Ulrich Kopp, langjähriger Verantwortlicher des Verbandsorgans Witiko-Briefe, Anfang 1998 ein gern gesehener Referent bei der JLO Bayern. Inzwischen ist es dem elitären Zirkel Witikobund mit der offiziellen »Inkorpierung« der JLO gelungen, eine tatsächlich neue Generation an Gesinnungsvertriebenen in die eigene, überalterte Struktur einzubinden.

Der führende JLO-Funktionär Stefan Rochow vertritt beispielsweise als Witikone im Vorstand der SL-Hessen die Interessen des Witikobundes. Die Einbindung in den Witikobund dokumentiert, dass die Bestrebungen der JLO nicht nur auf die Re-Germanisierung Ostpreußens abzielen, sondern dass die JLO vielmehr den »Kampf um alle ehemaligen Ostgebiete« führt.

Und hier ist die Querverbindung zwischen Kalbitz und Kopp-Danubia-Republikaner-Witikobund-Witikobriefe-JLO-Jungefreiheit sehr wichtig und zu hinterfragen. Schon 1993 nahm Kalbitz nachweislich an einer Podiumsdiskussion Kopps teil.

 

Kalbitz und Wolf Saxonia/Danubia

Alexander Wolf ist Alter Herr der völkischen Burschenschaft Danubia. Dies ist seit 2015 bekannt. Und es ist auch bekannt, dass der bayrische Verfassungsschutz die aktiven Mitglieder dieser schlagenden Verbindung seit Jahren als rechtsextremistisch einstuft. Wolf betonte bisher, dass er ja nicht mehr zur Aktivitas gehöre und zu seiner studentischen Zeit die Danubia noch unterhalb der Beobachtungsgrenze agierte.

Einschätzung des Verfassungsschutz: Die Aktivitas der Münchener Burschenschaft Danubia und die Aktivitas der Erlanger Burschenschaft Frankonia sind dagegen seit dem Jahr 2015 Beobachtungsobjekte des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz (BayLfV).

Nicht nur Marcus Pretzell, sondern auch Götz Kubitschek, schrieb in der letzten Woche zum Thema Wolf und Kalbitz und deren Verbindung innerhalb der Danubia. Kubitschek wollte in der Sezession wohl eine Abrechnung mit Wolf schreiben, da dieser im Bundesvorstand für den vermeintlichen „Rauswurf“ von Kalbitz gestimmt hatte.

 

Marcus Pretzell über die Verbindung von Kalbitz und Wolf zur Danubia

Schon vor dem ersten Einzug der AfD in die Hamburgische Bürgerschaft bei der Wahl im Jahr 2015 räumte Wolf im Gespräch mit der taz ein, Alter Herr der Danubia zu sein. Weiter sagte er, dass diese Mitgliedschaft in der schlagenden Verbindung für ihn „kein Skandal, keine Geschichte“ sei. Das Problem ist nur, und dies ist Wolf genauso wie Kalbitz klar, dass die Danubia nicht eine „normale“ Burschenschaft ist, sondern sie ist extrem tief in der Rechtsextremen Szene verwurzelt.

Wolf finanziert rechtsextreme Danubia: Die Alten Herren finanzieren also Immobilien, über die Mitglieder der rechtsextremen Szene verfügen. Wolf engagiert sich seit Jahren in einem Verein, der die Förderung und Finanzierung einer Immobilie, die Rechte nutzen, zum Ziel hat.

In Bayern stuft der Verfassungsschutz die Danubia allerdings als rechtsextrem ein. Die entsprechenden Vorfälle, die zu dieser Einschätzung führten, seien aber, so sagte es Wolf, alle nach seiner aktiven Zeit als Burschenschafter vorgefallen. Wolf wurde nach dem Ende seines Studiums, das war 1994, Alter Herr. „Mit gutem Gewissen kann ich sagen, kein Mitglied einer beobachteten Struktur zu sein“, sagte Wolf.

Andreas Kalbitz, gebürtiger Münchner, ist seit seiner Schulzeit Mitglied der schlagenden Schüler-Burschenschaft „Saxonia-Czernowitz“, die eine lebenslange Zugehörigkeit ermöglicht. „Deutsch, wahr, treu. Seit 1906!“ heißt es auf deren Facebookseite, einen regelmäßigen Treffpunkt pflegte sie in der Münchner Möhlstraße. Dort hatte die als rechtsextrem eingestufte Burschenschaft „Danubia“ bis 2016 ihre Residenz – „Danubia“ ist seit 2006 Beobachtungsobjekt des bayrischen Verfassungsschutzes.

„Motto“ der Pennalen Burschenschaft Saxonia-Czernowitz zu München/ Quelle Facebookseite der Saxonia

Die „Danubia“ besteht aus „jungen Bundesbrüdern“, denen sogenannte „Alte Herren“ zur Seite stehen. Einer der „Alten Herren“, Fred Duswald, wurde dem Verfassungsschutz aufgrund antisemitischer Aussagen bekannt.

Verbindungen der Saxonia zur Danubia München bestehen bis heute – Quelle Facebookseite der Saxonia

Und jener Duswald war im August 2013 Gastredner bei „Saxonia-Czernowitz“ übrigens ebenso wie 2014 der für seine Hetzschriften bekannte und wegen Volksverhetzung vorbestrafte Autor Akif Pirinçci.

Und Hans-Ulrich Kopp? Der gehört „Danubia“ seit 1985 an und war von 1993 bis 1998 Vorsitzender der „Alten Herren“. „Alter Herr“ dürfte er in seiner Verbindung nach wie vor sein, ebenso wie Andreas Kalbitz bei „Saxonia-Czernowitz“.

Wolf, Kopp und der Republikanische Hochschulbund

Am 16. Mai 1989 gründete Alexander Wolf zusammen mit Danuben-Bruder Hans-Ullrich Kopp den Republikanischen Hochschulverein (RHV), den offiziellen Studentenverband der Partei Republikaner (REP).

Die Gründungsversammlung fand in Wolfs Burschenschaft statt, bei der ersten öffentlichen Versammlung war REP-Vorsitzender Franz Schönhuber anwesend, der ein Jahr zuvor sein apologetisches Buch „Ich war dabei“ über seine Zeit bei der verbrecherischen Waffen-SS veröffentlicht hatte.

Schönhuber hatte den RHV als offiziellen Studentenverband der Republikaner anerkannt.Noch 1989 gründeten sich in Freiburg, Kiel und München sowie in zehn weiteren Hochschulen Regionalgruppen u. a. in Frankfurt und Marburg.Die Ortsgruppen des extrem rechten Verbandes traten in der Öffentlichkeit mitunter „unabhängig und basisdemokratisch“ auf.Der Verband blieb unter seinen selbstgesetzten Zielen und hatte zuletzt 250 Mitglieder.

Kurze Zeit (1989/90) war Alexander Wolf auch Mitglied der Mutterorganisation REP. Wolf rechtfertigt sich  gegenüber dem Abendblatt, dass er REP und RHV im Frühjahr 1990 verlassen habe, um nicht als „liberal-konservatives Feigenblatt“ missbraucht zu werden.

Der RHV wurde am 16. Mai 1989 in München im Verbindungshaus der Burschenschaft Danubia München von 40 Studenten gegründet. Zu den drei Vorsitzenden wurden Alexander von Schrenck-Notzing (Sohn von Caspar von Schrenck-Notzing), Hans-Ulrich Kopp und Alexander Wolf gewählt.Die erste öffentliche Sitzung des RHV fand im Juli 1989 im Löwenbräukeller in München unter der Teilnahme des Vorsitzenden der Republikaner Franz Schönhuber statt.

Der Republikanische Hochschulbund stand in direkter Konkurrenz zum rechtsextremen Ring freiheitlicher Studenten (rfs).Die „inhaltlichen Zielsetzungen [Republikanischen Hochschulverbandes] unterschieden sich kaum von denen des RFS“.

Enge Kontakte bestanden zum rechtsextremistischen Gesamtdeutschen Studentenverband (GDS) des Bundes der Vertriebenen sowie zu den Republikanern und anderen Burschenschaften.Vereinzelt liefen rechtskonservative Mitglieder des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) zum RHV über.

Vor allem deutschnational gesinnte Studierende aus adligen Akademikerfamilien sprach der RHV an.Politisch-inhaltlich verfolgte der Verband nationale Interessen und stand im Gegensatz zu den Zielen der Lesben- und Schwulen- sowie der Friedensbewegung.

Längerfristig sollten die angehenden Akademiker eine Koalition der Republikaner als Vierte Partei mit der CSU vorbereiten, was jedoch am Widerstand der CSU scheiterte.Da der Studentenverband in keine Studierendenschaft einziehen konnte, löste er sich im April 1990 mit Zweidrittelmehrheit wieder selbst auf.

Vor allem die rechtsextreme Ausrichtung der Republikaner unter Schönhuber war unter den Mitgliedern umstritten.Der Bundesverband blieb zwar formal erhalten, die einzelnen Ortsgruppen wurden hingegen abgewickelt.Eine Neugründung des Verbandes fand in den 1997 Jahren durch die Burschenschaft Normannia-Leipzig zu Marburg statt, die mit zwei Kandidaten 1997 und 1998 den Sprung in das Studentenparlament (StuPa) an der Philipps-Universität Marburg schaffte.In Berichten des Verfassungsschutzes wird der RHV bis 2005 als Unterorganisation der Republikaner gelistet.

Witikobund

Der Witiko-Bund wurde von ehemaligen führenden Nationalsozialisten aus dem Sudetenland gegründet. 1947 eine Vorläuferorganisation “Sudetendeutsche Landsmannschaft) und 1950 als Witiko-Bund. Er hat seinen Sitz in München. Kalbitz wurde übrigens in München geboren, in der auch die Himmler-Tochter, Gudrun Burwitz, lebte, die als Mitglied die Wiking-Jugend unterstützte.

Natürlich ist München eine Millionenstadt – aber wie wahrscheinlich ist es, dass ehemalige Nazigrößen und der junge Kalbitz sich nicht über den Weg gelaufen sein sollen? Wo es Gemeinsamkeiten oder personelle Überschneidungen bei diversen “Bezügen” gab? Für das quartalsweise erscheinende Periodikum “Witikobriefe” verfasste Kalbitz Texte.

Die Ausrichtung des Witiko-Bundes ist völkisch-nationalistisch und knüpft personell und inhaltlich an die Tradition des Nationalsozialismus an. Bereits 1967 wurde der Witiko-Bund als rechtsextrem eingestuft – aber noch nie verboten. Akademische Alt- und Neonazis sind halt keine “Schlägernazis” und wohl deshalb in den Augen der Sicherheitsbehörden keine “Gefahr” für Leib und Leben. Jedenfalls keine unmittelbare. Die Mitglieder des Witiko-Bundes können verschiedenen Parteien, Organisationen, Medienverbänden und Wirtschaftsunternehmen angehören.

Ihr Ziel ist es, diese zu “infiltrieren, zu radikalisieren und zu einer völkisch-nationalistischen Linie zu führen”.  Deswegen finden sich ihre Mitglieder beispielsweise in der NPD, bei den Republikanern, in der CDU oder in der AfD wieder.

Neurechte Netzwerke der AfD Teil 5: Die Witiko-Bund-Affären des Alexander Gauland

Dass die ehemaligen Sudetendeutschen wollen, dass das Sudetenland wieder Teil von Deutschland werden soll – und in den Grenzen von 1939 – ist ebenfalls Teil ihrer Zielsetzung, wie sich gegenseitig zu unterstützen und in einflussreiche Positionen zu befördern. Die Witikonen sind allesamt elitäre Führungskader – und eben keine unteren Chargen. Ihre Mitglieder haben und bekommen einflussreiche Positionen in Politik und Wirtschaft. Auch heute noch.

Der Witiko-Bund ist trotz seiner rechtsextremistischen Ausrichtung immer noch nicht verboten. Ein unverzeihlicher Fehler. In den 70iger Jahren nahmen Aktivisten des Witiko-Bundes und der mittlerweile verbotenen Wiking-Jugend an gemeinsamen “Reichsgründungsfeiern” teil.

Das neurechte Netzwerk der AfD Teil 1: Die Verbindungen von Kalbitz & Höcke

 

Wir gehen nicht auf alle Namen, die im obigen Übersichtschart aufgeführt sind, ein, dann würde der Text noch länger. Man kann sie nachlesen, aber sollte sich nicht wundern, welche Nazi-Größen der Alten und Neuen Rechten sich die Klinken in die Hand geben.

Erwähnen wollen wir noch den Witikonen Manuel Ochsenreiter. Seine Führungspersönlichkeiten rekrutier(t)en sich zu beträchtlichen Teilen aus alten NS-Strukturen. Der Witiko-Bund ist eine völkische Traditionsgemeinschaft der ehemaligen Funktionäre der NSDAP und der Sudendeutschen Partei (SdP).

Diese NS-Strukturen, aus denen der Witiko-Bund entstand, waren schon aktiv, als die ehemaligen CSR noch bestand, d.h. sie engagierten sich bereits vor der Annektion der CSR durch Deutschland in Folge des Münchener Abkommens von 1938 und anschließender Besetzung der sog. “Resttschechei” durch die Wehrmacht in der CSR als fünfte Kolonne Nazi-Deutschlands.

AKTIVISTEN IN DER DEUTSCHEN NATIONALSOZIALISTISCHEN ARBEITERPARTEI

Einige der Aktivisten waren gar schon in der Deutschen Nationalsozialistische Arbeiterpartei, die bereits vor der NSDAP gegründet wurde, und von der die NSDAP ihren Namen ableitete, aktiv.

Nach deren Verbot engagierten sie sich in der Sudetendeutsche Partei unter ihrem Führer Konrad Henlein. Daneben bestanden Massenorganisationen, wie die Sudetendeutsche Turnerschaft , die sich nahtlos in die Terrorstrukturen des NS eingliederten und zur SA und SS in der ehemaligen CSR mutierten.

Personen in den Führungsetagen des Witikobundes mit NS-Vergangenheit:

  • Stain, Walter:
  • Seiboth, Frank:
  • Zoglmann, Siegfried:
    • stellvertretender Bundesvorsitzender des Witikobundes (1984)
    • Landesobmann der SL Bayern
    • Stellvertretender Bundesvorsitzender der SL
    • Mitglied in der Bundesversammlung der SL
    • Bundesfinanzreferent der SL
    • ex-FDP, jetzt CSU-Mitglied
    • ab 1934 Mitglied der NSDAP
    • ehem. HJ-Bannführer
    • Beauftragter des Reichsjugendführers beim Reichsprotektorat Böhmen und Mähren
    • HJ-Gebietsleiter im Protektorat Böhmen und Mähren
    • Leiter der Auslandspressestelle der Reichsjugendführung der HJ
    • 1942 freiwillige Meldung zu Waffen SS
  • Lange,Heinz:
    • 1959-83 Vorsitzender des Witikobundes
    • Mitglied in der Jungturnerschaft
    • ehem. HJ-Gebietsführer im NS-Gau-Sudetenland
    • “hochausgezeichneter Soldat einer Ausleseeinheit des Deutschen Reiches”
  • Pachta, Adolf:
    • führendes Mitglied des Witikobundes
    • 1931 Reichsführerschule der SA
    • bis 1934 führendes Mitglied der SA
    • Arbeit für die Gestapo in der CSR
    • Leiter von Einsatzkommandos in der Sowjetunion und Norwegen
    • bis 1945 SS-Sturmbannführer
    • nach 1945 Referent im Landesamt für Verfassungsschutz Bayern
  • Becher, Walter:
    • 1956-58 Vorsitzender des Witikobundes
    • verantwortlicher Redakteur für Kunst, Wissenschaft und Unterhaltung beim NSDAP-Gauorgan Die Zeit
    • führendes Mitglied des KAMERADENBUNDES in der ehem. CSR (extreme Rechte der bürgerlichen Jugendbewegung in der ehem. CSR)
    • von der Gründung bis 1982 Sprecher der SL
    • BHE später CSU Mitglied
  • Brand, Walter:
    • 1950-52 Vorsitzender des Witikobundes
    • Hauptleitungsmitglied der Sudetendeutsche Partei
    • Leiter der Kanzlei Konrad Henleins
    • führendes Mitglied des KAMERADENBUNDES in der ehem. CSR
    • stellvertretender Bundesvorsitzender der SL
Beurteilung des „Witikobundes“ und des „Witikobriefes“ durch die Bundesregierung

VERSTRICKUNG DES WITIKOBUNDES IN FASCHISTISCHE STRUKTUREN

Wie zu erwarten setzt sich diese Verstrickung des Witikobundes in faschistische Strukturen nach 45 fort. Dies zu dokumentieren, dazu mag die folgende kleine Aufzählung genügen. Multifunktionäre in der (neo)-faschistischen Szene und Witikonen sind u.a.:

  • Kosiek, Rolf
  • Staffa, Walter
  • Thomas, Harald:
  • Baßler, Karl:
    • Autor und Mitarbeiter der Huttenbriefe des Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes
    • Mitglied desFreundeskreis Ulrich von Hutten
    • Autor in der Zeitschrift SIEG des österreichischen Neofaschisten Walter Ochsenberger (Deutsch- Österreichisches Institut für Zeitgeschichte; Volkstreuen Grünen Bewegung)
    • Bürgerinitiative Deutscher Patrioten gegen die Wiederwahl des Herren von Weizsäcker zum Bundespräsidenten
    • ex-NPD-MdL
    • Vortragender bei der Gesellschaft für freie Publizistik(GfP)
  • Kopp, Hans Ulrich:
    • ex Bundesvorstandssprecher der Republikaner
    • stellvertretender Chefredakteur der Jungen Freiheit
    • Schriftleiter des Witiko Briefes
    • Teilnehmer des internationalen Treffens von (Neo)faschisten in Diksmulde
    • Mitglied der rechtsextremen Burschenschaft Danubia München
    • Autor in den Weikersheimer Blättern
  • Eichler, Richard W.:
    • Generalsekretär und Gründungsmitglied der Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste
    • Mitglied der Bundesversammlung der SL
    • Träger des Schillerpreises der Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes(DKEG)
    • Referent beim Deutschen Seminar (1986)
    • Referent beim Nordischen Ring (Rieger) und der Northern Leage
    • Ebenfalls Referent bei der Artgemeinschaft (Rieger)
    • Mitglied der Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft (DUR)
    • Referent an der Unitarischen Akademie
    • Vielschreiber in Deutschland in Geschichte und Gegenwart (GRABERT-VERLAG)
    • Autor im Buch des Thule-Seminars Das Unvergängliche Erbe (Hg.: Piere Krebs)
  • Ardelt, Alfred:
    • Mitglied der Bundesversammlung der SL
    • Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Deutschland, die siedlungswillige Deutsche bei ihrer Übersiedelung nach Tschechien unterstützt.
    • Schiedsgerichtsmitglied des Witikobundes
    • stellvertretender Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen Landesverband Niedersachsen
    • Unterzeichner des Aufrufes zu 8.5. “Gegen das Vergessen”
    • engagiert in der Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft
  • Böhme, Herbert:
    • ehem. Hauptschriftleiter der NSDAP
    • Gründer des Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes (DKEG)
    • Gründer der Gesellschaft für freie Publizistik (GfP)
  • Fleißner, Herbert:
    • Inhaber des drittgrößten Verlagsimperiums in der BRD mit den Verlagen: Ullstein, Langen-Müller, Herbig-Verlag, Amalthea-Verlag, Limes-Verlag, Universitas-Verlag
    • gründete in München den Grenzlandausschuß der deutschen Burschenschaften

VERBINDUNGEN ZUR NPD

In den 1960er Jahren hatte der Witiko-Bund enge Beziehungen zur NPD, und mehrere Parteimitglieder wie Heinz Flöter und Ernst Anrich gehörten 1967 dem Vorstand des Witikobundes an. Einige dieser Verbindungen bestehen bis heute.

Der NPD-Bundespressesprecher und ehemalige Bundesvorsitzende des “Nationaldemokratischen Hochschul-Bundes” (NHB) und der “Jungen Nationaldemokraten”, Karl-Heinz Sendbühler, und der ehemalige NHB-Bundesgeschäftsführer Günter Schwemmer sind “Witikonen”, ebenso wie die beiden ehemaligen NPD-Abgeordneten im baden-württembergischen Landtag Rolf Kosiek und Karl Baßler.

VERBINDUNGEN ZU ANDEREN RECHTEN PARTEIEN UND POLITIKERN

Neben der NPD  waren mehrere Witikonen ehemalige Kandidaten der Partei “Die Republikaner” für den bayerischen Landtag, darunter Henning Lenthe, Carl-Wolfgang Holzapfel (*1944), Horst Rudolf Übelacker (*1936) und Hellmut Diwald (1924-1993). Alfred Ardelt, Publizist und Funktionär des Bundes der Vertriebenen, war lange Jahre Mitglied der CDU, die er in den 1990er Jahren verließ.

Mehrere im bürgerlichen Lager anerkannte Personen sind oder waren WB-Mitglieder, wie der langjährige CDU-Funktionär Rüdiger Goldmann (1965 bis Mitte der 1990er Jahre), der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag Wolfgang Egerter (1930-2008) (stellvertretender Bundesvorsitzender der WB) und Herbert Fleissner (1928 -2016). Egerter wechselte nach dem Eklat um Gauland und Wirtz nach Thüringen, wo er politischer Berater von Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) war.

BEZIEHUNGEN ZU RECHTEN PUBLIZISTEN UND SCHRIFTSTELLERN

Im Witikobund und vor allem in seinem Vorstand waren und sind zahlreiche rechte und rechtsextreme Schriftsteller und Publizisten, wie z.B:

Alfred Ardelt (1931-2011)
Ernst Frank (1900-1982)
Wigbert Grabert (geb. 1941)
Bernd Kallina (geboren 1950)
Günther Kissel (1917-2011)
Hans-Ulrich Kopp (geb. 1962)
Walter Staffa (1917-2011)

Viele Witiko-Bund-Mitglieder haben in der Wochenzeitung Junge Freiheit veröffentlicht. Der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der Jungen Freiheit und Organisator der Sommeruniversität der Jungen Freiheit 1993, Hans-Ulrich Kopp, ist seit 1983 Witiko-Bund-Mitglied und seit 1992 Herausgeber des Witikobriefes, der Publikation des Witikobundes.

Ein Witikobund-Mitglied, das eine recht eindrucksvolle redaktionelle Laufbahn einschlug, ist der rechtsextreme “Neo-Eurasianist” Manuel Ochsenreiter, der Herausgeber der Deutschen Militärzeitschrift und später von Zuerst! wurde, einem Nachfolger von Nation Europa (1951-2009), einem zentralen Organ der nationalsozialistischen Diaspora nach dem Zweiten Weltkrieg.

Seine Mitglieder unterstützen sich gegenseitig und verhelfen einander in einflussreiche Positionen in Politik und Wirtschaft. Mit Wolfgang Egerter und Andreas Kalbitz gerät nun Alexander Gauland in den Fokus, ob er nicht auch Witikone ist. Hans-Ulrich Kopp wurde 2006 in den Vorstand des Witikobundes gewählt. Zuvor wurde Kopp 1983 Witikone und war seit 1992 Schriftleiter des Mitteilungsorgan des Witikobundes, dem Witikobrief , in dem 2001 Andreas Kalbitz einen Artikel veröffentlichte.

2001 stellte das Bundesamt für Verfassungsschutz fest: Die Autoren der Witikobundbriefe sind antisemitisch, haben rechtsextreme Tendenzen – (Zu finden in der Drucksache 14/7560) – Kalbitz war Autor der Witikobriefe eben in 2001

Drucksache 14/7560

“Kampf gegen den volklichen Tod”

2001 gratulierte Kalbitz im Witikobund-eigenen Rundschreiben “Witikobrief” dem extrem rechten “Freundschafts- und Hilfswerk — Ost” (FHwO) zum zehnjährigen Jubiläum.

Kalbitz lobte den Einsatz des FHwO (Freundschafts- und Hilfswerk — Ost), weil es positiv im “oftmals aussichtslos scheinenden Kampf gegen den kulturellen und volklichen Tod auf jahrtausendealtem deutschen Kulturboden” wirken würde.

Andreas Kalbitz als Autor im “Witikobrief” (Ausschnitt)

Das FHwO (Freundschafts- und Hilfswerk — Ost) ist unter anderem mit der Neonazipartei NPD eng verquickt. In einem weiteren Text fragte Kalbitz “Wo ist der Widerstand?” und trauerte über die wegsterbenden “Kameraden der Erlebnisgeneration”.

Andreas Kalbitz als Witikone (Faksimile aus “Der Rechte Rand”)

Die “Jugend von heute” wiederum sei Opfer eines “nie dagewesenen kulturellen Substanzverlusts” und “durch Materialismus und Genusssucht” zu “entseelten Konsumenten” geworden. In Manier der extremen Rechten beklagte Kalbitz, dass ein “Ethnozid am deutschen Volk” stattfinden würde.

Gesamtdeutscher Studentenverband des Bundes der Vertriebenen

1984 gehörte Kopp zu den Gründungsmitgliedern des Gesamtdeutschen Studentenverbandes des Bundes der Vertriebenen. In ihm als Dachverband sind alle „Heimatvertriebenen“ der Landsmannschaften organisiert. Heutiger Präsident des BdV ist Bernd Fabritius (CSU) seit 2014. Von 1998 bis 2014 war Erika Steinbach Präsidentin des BdV. Sie leitet heute die AfD-nahe Parteistiftung Desiderius-Erasmus-Stiftung, aus der jüngst David Berger als Kuratoriums-Mitglied ausschied.

1990 kandidierte Kopp bei den Münchener Kommunalwahlen für die Republikaner.

Kopp wurde leitender Redakteur für das Polit-Ressort und wichtiger Mann bei der Jungen Freiheit, bei der auch Götz Kubitschek seine Anfänge nahm. Kopp schrieb in der Jungen Freiheit unter dem Pseudonym „Friedrich von Lodenitz“. Weiterhin schrieb Kopp für Staatsbriefe, Nation und Europa, Criticon, Burschenschaftliche Blätter und für die Deutsche Militärzeitschrift, einer rechtsextremen Zeitschrift, die sich an die „Erlebnisgeneration“ des Zweiten Weltkrieges richtete.

Verein Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit e.V.

Auch dieser Verein richtet sich an die „Erlebnisgeneration“. Kopp gehörte dem Vorstand des rechtsextremen Vereins Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit e.V. Einem Verein, ebenfalls von Waffen-SS-Leuten gegründet, in dem Bücher von Adolf Hitler und Adolf von Thadden herausgegeben wurden.

Hier übernahm Andreas Kalbitz, als er schon AfD-Mitglied war, den Vorsitz. Geschichtsrevisionismus und Glorifizierung der Wehrmacht sahen die Bayerischen Verfassungsschützer in diesem Verein. Dieser Verein war mehr als nur ein harmloser Kulturverein. Wichtige Persönlichkeiten der alten und neuen Rechten begegneten sich in diesem Verein.

Studienzentrum Weikersheim

Das Studienzentrum Weikersheim will eine „christlich-konservative Denkfabrik“ der Neuen Rechten sein. Am 25.03.2017 traten im SZW Alice Weidel und Thilo Sarrazin als Referenten auf. (3) 1994 trat Kopp im SZW als Referent auf. Das SZW kann als Konkurrenz zum Institut für Staatspolitik gesehen werden. Ohnehin gibt es immer wieder indirekte „Berührungen“ zwischen Kubitschek und Kopp – aber keine direkten Bezüge oder Zusammenarbeit. Man hat mit den gleichen Leuten zwar Kontakt, aber nicht direkt miteinander.

Interessant ist zu beobachten, dass Höcke im Umfeld Kubitscheks auftaucht, aber bei Kopp nicht. Kopp scheint Kalbitz eher zu präferieren und zu protegieren. Ein Urteil über Höcke scheint sich Kopp bisher verkniffen zu haben. Schweigen sagt dann doch mehr. Zu Höckes Stichwortgebern gehört Kopp nicht. Die Position des Einflüsterers von Höcke hat Kubitschek für sich in Anspruch genommen.

Gesellschaft für Freie Publizistik

Auch diese Gesellschaft wurde 1960 von ehemaligen SS- und NSDAP-Mitgliedern gegründet. Kopp trat auch hier als Referent auf. Gegründet wurde die GfP 1960 unter Führung des ehemaligen stellvertretenden Reichspressechef der NSDAP Helmut Sündermann. Sitz der GfP  ist München ihr gehören rund 500 extrem rechte Publizisten, Redakteure, Buchhändler und Verleger an. Die GfP versteht sich als „Gegengewicht zu den sogenannten Mainstream-Medien“.

Im Mittelpunkt der Aktivitäten der geschichtsrevisionistisch ausgerichteten Organisation stehen die Relativierung der Kriegsschuld, die „Ausländerfrage“ und die Meinungsfreiheit für die „nationale Publizistik“.

Es gibt heute kaum eine Organisation am rechten Rand, die wie die Gesellschaft für freie Publizistik (GFP) auf 50 Jahre Geschichte zurückblicken kann. Das Kartell der extrem rechten Meinungsmacher führt seit 1960 einen Kampf gegen die „linksintellektuellen Kreise“ und deren „Zensur und Boykottbestrebungen“.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in Der Rechte Rand (DRR) Nr.125 v. Juli/August 2010.

Die GFP sollte in diesem Lager die gegenseitige Unterstützung und das gemeinsame Vorgehen gegen den politischen Trend organisieren. In der Gründungsphase (1960-1963) standen durchaus nicht die üblichen, bekannten Personen der extremen Rechten an der Spitze der GFP. Der Gründungsvorsitzende Fritz Schneider (Verleger des Fränkischen Anzeigers, Rothenburg/Tauber) galt als moderater Nationaler ohne jede organisatorische Bindung. Treibende Kraft war bei der Gründung und dann noch lange Jahre als Geschäftsführer Werner Hänsler (Schriftleiter, Neustadt a.d.W.), der sich als „Nationalneutralist“ verstand (bis 1973 im Vorstand, Herausgeber des Freien Forum bis Ende 1979).

Mit Kurt Ziesel gehörte dem ersten Vorstand zudem ein ausgesprochener CDU-Mann an, der stellvertretende Vorsitzende Hermann Schwann war FDP-Politiker im Bundestag. Eine starke Fraktion kam aus der damaligen „Deutschen Wochenzeitung (DWZ)“, dem 1959 von Waldemar Schütz gegründeten Sprachrohr der Deutschen Reichspartei (DRP). Ebenso einflussreich war der Kreis der Deutschen Kulturgemeinschaft europäischen Geistes (DkeG) um Herbert Böhme und die Nationalzeitung von Gerhard Frey.

Wie heterogen freilich zu Beginn das Spektrum war, zeigt sich daran, dass anfangs gar die Förderung „vergessener jüdischer Dichter“ geplant war. Die Formulierung wurde erst 1962 aus dem Satzungsentwurf gestrichen. Doch schon als 1963 die GFP in das Vereinsregister eingetragen wurde, hatten die restaurativen Kräfte um Schütz an Boden gewonnen. Der deutschnationale Verleger Kurt Vowinckel (Neckargemünd) hatte den verstorbenen Gründungsvorsitzenden Schneider ersetzt, zweiter Vorsitzender wurde Klaus Petri (Rechtsanwalt, Lippstadt).

Die beiden Mitglieder demokratischer Parteien, Ziesel und Schwann, hatten sich zurückgezogen. Trotzdem hatte sich die GFP deutlich entwickelt, die Zahl der Einzelmitglieder hatte sich auf etwa 400 gesteigert. Hinzu kamen mehrere korporative Mitgliedschaften und die enge Zusammenarbeit mit Gruppen wie DkeG, den Lippoldsberger Dichtertagen oder auch dem Schillerbund. Alles in allem ein weites Feld, um im Sinne der Vereinigung tätig zu werden.

Lepanto-Verlag

Das grössere Augenmerk richten wir aber auf einen unscheinbaren katholischen Buchverlag: den Lepanto-Verlag. 2007 von Kopp gegründet, 2009 ins Handelsregister eingetragen. Für den Verlag schreibt als Autor Frank Lisson, der ebenfalls im Antaios-Verlag und in der Sezession von Götz Kubitschek veröffentlicht. Kopp verlegt auch Papst Benedikt XVI. – der ehemalige Kardinal Ratzinger.

Ein konservativer Hardliner, der als Papst die Exkommunikation der ultrakonservativen Piusbruderschaft aufhob. Zur Piusbruderschaft gehört Thomas Jentzsch, der wie Kopp ebenfalls das „Projekt Gargano22“ unterstützt. 2022 wird in rechten christlichen und interessierten Kreisen für eine Jubiläumswallfahrt auf den Berg Gargano geworben. Der Legende nach soll der Erzengel Michael auf dem Berg dem Kaiser Heinrich II. im Jahre 1022 das Versprechen gegeben haben, „Schutzpatron Deutschlands“ zu sein. 2022 wären dann tausend Jahre erreicht.

Analog dazu sponn Björn Höcke seine Legende vom schlafenden Barbarossa unter dem Kyffhäuser Berg, der Deutschland nach tausend Jahre Schlaf retten soll. Zum Umfeld Ratzingers gehörte David Berger. Das österreichische extrem konservative Portal kath.net wird auch als „Benedikts Internet-Garde“ bezeichnet. Auf evangelischer Seite, genauer gesagt auf (rechts)evangelikaler Seite gibt es idea (zu dessen Vorstand seinerzeit Hartmut Steeb gehörte, der bei der Demo für Alle (DfA, rückwärts von AfD, mitlief, in der Jungen Freiheit schrieb und letztes Jahr einen Vortrag in der „Bibliothek des Konservatismus“ hielt).

Auf idea findet man Pro-AfD-Beiträge und Kommentare „einzige wählbare christliche Partei“, Schmähungen gegen politisch anders Denkenden (links-grün), gegen abtreibende Frauen und gegen Homosexuelle. Artikel von idea werden schon mal auf kath.net veröffentlicht. Und vice versa Artikel von Kath.net auf idea veröffentlicht.

Hans-Ulrich Kopp und Andreas Kalbitz auf der einen Seite, mit Gauland und weiteren Unterstützern, stehen sich Kubitschek und Höcke gegenüber. Auch wenn Kalbitz und Höcke der Flügel in der AfD eint – die (Unterstützer)Netzwerke im Hintergrund unterscheiden sich. Für wen wird sich Thorsten Heise entscheiden?

Denn auch in der NPD gibt es seit langem einen Richtungskampf: „bürgerlich“ werden und ohne Gewalt eine Wende durch Wahlen herbeiführen? Oder Umsturz des Systems mit (Waffen)Gewalt? Der Versuch der zur Schau gestellten „Einheit“ am 1.9.2018 in Chemnitz wird über den bevorstehenden Machtkampf in der AfD nicht hinwegtäuschen können.

Das neofaschistische Treffen in Diksmuide (Belgien) 1994

Wie mittlerweile bekannt sein sollte, hat Kalbitz zusammen mit Hans-Ulrich Kopp 1994 an diesem Treffen teilgenommen. In den Berichten der Zeit, aber auch aus Informationen von Drucksachen des Bundestages wurde deutlich, dass dieses Treffen vorwiegend für die Vernetzung europäischer Konservativer und militanter Faschisten genutzt wurde.

Drucksache 12/8485 : Anwesend waren bundesdeutsche Gruppierungen aus dem national konservativen Spektrum (Mitglieder von Burschenschaften und des Konservativen Gesprächskreises, rechte Ideologen sowie Redakteure der neurechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“) bis hin zum militanten Neonazi-Spektrum (Freiheitliche Arbeiterpartei (FAP), Nationale Front (NF), Junge National-Demokraten (JN), Wiking-Jugend (WJ), Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige (HNG) und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), sowie Boneheads).

Dreitägiges Zusammentreffen von europäischen neofaschistischen
Organisationen in Diksmuide (Belgien)

Schon am 10.10.1994 hat Ulla Jelpke von den Linken die Anfrage (Drucksache 12/8485) zum Thema Diksmuide gestellt, und der Verfassungsschutz hatte hier entsprechende Informationen vorliegen. Innerhalb unserer Recherchen werden wir die Antworten in der Drucksache aber noch vertiefen, denn das Interessante hierbei ist wer die Flandernfahrten organisiert hat: Mitorganisatorin war u.a. Ilse Carola Salm (Ex-Verbindungsfrau zur SS), die die Verschmelzung der Rechtsintellektuellen-„Szene“ mit der militanten Szene offenbar werden ließ.

Auch nach dem Ende des Nationalsozialismus war Salm fest in rechtsextreme Strukturen eingebunden und fungierte fortan als Brückenschlag zwischen neu-rechten Strömungen, parteigebundenen Rechtsextremisten und „Freien Kameradschaften“, bis hin zur terroristischen Nazi-Szene.

Zunächst engagierte Salm sich für die „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS e.V.“ [HIAG], später wurde sie Mitglied im revanchistischen „Wikitobund“. (Siehe auch Klabitz und Hans Ulrich Kopp)

Einfluss auf die Entwicklung der „Neuen Rechten“

Mit ihrer Tätigkeit als Autorin rechtsextremer Publikationen wie der „Deutschen Stimme“, „Nation & Europa“, „Deutschland in Geschichte und Gegenwart“, „Eckartbote“ sowie „Europa vorn“ und der „Junge Freiheit“, sowie diversen flämischen Propaganda-Organen nahm sie auch maßgeblich Einfluss auf die Entwicklung der „Neuen Rechten“ und ergriff publizistisch Partei für die pangermanische „Hermann-Niermann-Stiftung“, die immer wieder wegen personeller Überschneidungen und ihrer geistigen Nähe zum Rechtsextremismus in die Kritik geraten war.

Die Hermann-Niermann-Stiftung und der Rechtsextremismus

In den 1970er Jahre unterstützte sie aktiv die NPD und ihre Jugendorganisation, die „Jungen Nationaldemokraten“ [JN]. Sie knüpfte enge Kontakte zu flämischen Nationalisten, darunter der spätere „Voorpost“-Vorsitzende Francis van den Eynde, der der flämisch-nationalen Partei „Vlaams Belang“ angehörte, und vermittelte eine langanhaltende Zusammenarbeit zwischen der JN und „Voorpost“.

 

In den Folgejahren organisierte Salm immer wieder die so genannten Flandernfahrten [Ijzerbedevaart] ins belgische Diksmuide, die vor allem der Vernetzung europäischer Nationalisten dient. Nach Angaben des NPD-Parteiorgans „Deutsche Stimme“ feierte sie auch ihren 90. Geburtstag gemeinsam mit der nationalistisch flämischen Gruppierung „Voorpost“.

Sowohl Kalbitz als auch Hans-Ulrich Kopp waren bekanntlich auch im Witikobund tätig. 1993 trat Kalbitz dem völkischen „Witikobund“ bei. Der 1950 gegründete „Witikobund“ setzte sich aus ehemaligen führenden Nationalsozialist*innen aus dem Sudetenland zusammen, nicht verwunderlich also, dass es auch personelle Verbindungen zur rechtsextremen Partei NPD gibt.

Hitlergruß als Einlass zur Veranstaltung in Diksmuide

Bestätigt ist im übrigen in Drucksache 12/8485, dass man zur Veranstaltung in Diksmuide nur via Hitler-Gruß Einlass erhielt. Diese Informationen lagen also dem Verfassungsschutz schon 1994 vor. Trotzdem ist Kalbitz von 1994 bis 2005 Fallschirmjäger in der Bundeswehr gewesen. Hier muss man nachdrücklich fragen warum der MAD erst 1999 Kalbitz genau dazu befragt hat, wenn eine Teilnahme von Kalbitz schon 1994 als gesichert galt? Die Teilnehmer der Flandernfahrten sind allen Landesämtern des Verfassungsschutzes seit mindestens 1992 bekannt.

Spiegel vom 08.11.2019: Kalbitz war von 1994 bis 2005 Fallschirmjäger bei der Bundeswehr. Mindestens drei Gespräche führte der MAD mit Kalbitz. Im Jahr 2001 baten ihn Bundeswehrleute zum Personalgespräch, ein MAD-Vermerk landete in seiner Stammakte. Außerdem ist Kalbitz nach SPIEGEL-Informationen für Reservisteneinsätze gesperrt. Das belegen interne Bundeswehrunterlagen.

Diksmuide als Versammlungsort von Rechtsradikalen

Neben den jährlich organisierten Flandernfahrten war Diksmuide immer schon der Treffpunkt von Rechtsextremen sowohl aus Deutschland, als auch aus dem europäischen Umfeld. Verbrieft seit den 80ern ist der Kontakt Ian Stuart Donaldson, Combat 18 und Blood and Honour. Ende der achtziger Jahre ist Ian Stuart Donaldson dabei sein internationales Netzwerk auszubauen. Seine Reisen bringen ihn auch nach Belgien, wo er unter anderem Kontakt zum verbotenen „Vlaamse Militanten Orde“ (VMO) von Bert Eriksson aufbaut.

Übersicht der Teilnehmer des neonazistischen Treffens in Diksmuide.

Die VMO luden Ian Stuart Donaldson und seine Band mehrmals ein, nach Belgien zu kommen. So wohnte Donaldson in Antwerpen und nahm an Sitzungen der Nedelandse Volks-Unie (Niederländische Volksunion; NVU) teil, welche in Belgien zusammenkamen „weil sie in den Niederlanden auf viel Unverständnis stießen“. Das in Antwerpen gelegene Café „Odal“ war dazu geeignet bei einem Bier über die große Bedrohung West-Europas mit Eriksson und seiner Frau zu sprechen. Ebenso war Donaldson auch bei den Kameradschaftstreffen zu Gast, welche „Voorpost“ jedes Jahr vor der Ijzerbedevaart in Diksmuide organisierte.

„Ein faszinierendes Fest“, so Donaldson, „es waren selbst alte SS‘ler dabei, die meine Platten kannten, so sagten sie, weil der Kampf der gleiche sei.“1 Auch Marnix „Bieze“ Bienstman, ein rechter Skinhead aus dem Brügger Café De Kasteleien (jetzt Moloko) erzählte, wie in den Achtzigern viele britische Skinheads nach Brügge kamen, die „die Ideen von einer Nationalen Front überbrachten“. Er sagte, dass seine „keltischen“ Tattoos aus „der Zeit mit Skrewdriver stammen“.

Sowohl 1992 also auch 1994/1995 gab es im Vorfeld der Flandernfahrten nach Diksmuide (im direkten Umfeld durch die rechtsradikale Belgische divisie (Belgische Division) organisiert) ein neofaschistisches von Combat18 und BloodandHonour organisiertes Festival. Noch 1992 mit Srewdriver und Ian Stuart Donaldson. Nur mal so, in welchem Umfeld Kalbitz 1994 in Diksmuide gewesen ist.

 

Neben Kopp und Kalbitz war auch die Wikingjugend, die FAP, die HDJ vor Ort. Und auch Neonazis, wie SS-Siggi.

Antifa Recherche im Thuelenetz 1994

Rechtsextreme Bezüge eindeutig belegt

Wer immer noch behaupten wolle, dass ein Andreas Edwin Kalbitz „keine“ rechtsextremen Bezüge habe, der macht sich oder anderen etwas vor. Alle „Bezüge“ die die AfD gerne als „Schnee von Gestern“ abgetan haben möchte, sind klar rechtsextrem. Und zwar bis ins tiefste dunkelbraun!

Während sich alle an der umstrittenen Gallionsfigur des Flügels, also an Björn Höcke, abarbeiten, wird fast unbemerkt ein Mann mit neonazistischer Biografie in den Bundesvorstand der AfD gewählt – wenn auch erst mal nur als Beisitzer. Alle einzelnen rechtsextremen und neonazistischen „Bezüge“ bei Kalbitz sind Mosaiksteinchen eines größeren Bildes, eine Entwicklung, die Kalbitz zu dem machten, was er heute ist: Mitglied, Funktions- und Mandatsträger einer rassistischen und antidemokratischen Partei, Mitglied im völkisch-nationalistischen Flügel der Partei, die wegen ihrer Positionen und Forderungen ins Visier der Verfassungsschützer geraten ist.

Unsere ganzen Recherchen zu Andreas Edwin Kalbitz findet ihr hier.

KALBITZ ALS AUTOR FÜR NEONAZI-VEREINSBLATT

Wer sich immer schon gefragt hat , warum Andreas Edwin Kalbitz im Witikobund ist (Lebensbundprinzip), die Witikobriefe 2001 schrieb, 1994 auf dem neonazistischen Langemark Treffen zugegen gewesen ist, und für den  neonazistischen Fritz der JLO geschrieben hat, der landet bei allen aufgezählten Punkten im Netzwerk des Rechtsextremisten Hans-Ulrich Kopp.

Wir fassen die gemeinsamen Verbindungen zur JLO hier nochmals zusammen:

So war Hans-Ulrich Kopp, langjähriger Verantwortlicher des Verbandsorgans Witiko-Briefe, Anfang 1998 ein gern gesehener Referent bei der JLO Bayern. Inzwischen ist es dem elitären Zirkel Witikobund mit der offiziellen »Inkorpierung« der JLO gelungen, eine tatsächlich neue Generation an Gesinnungsvertriebenen in die eigene, überalterte Struktur einzubinden.

Revisionistische Flaggen der JLO auf einer Neonazi-Demonstration in Dresden, am 14. Februar 2009. Erstmals veröffentlicht in der Ausgabe „Extra Dresden“ von Der Rechte Rand im März 2011.

Kalbitz trat als Autor für die Zeitschrift “Fritz” in Erscheinung — dem Vereinsblatt der extrem rechten “Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland” (JLO, bis 2006: “Junge Landsmannschaft Ostpreußen”). Die JLO war jahrelang für Anmeldung und Organisation der “Trauermärsche” in Dresden verantwortlich.

 

Andreas Kalbitz (AfD) schrieb für die JLO-Publikation Fritz. Hier ein Bild der Ausgabe vom März 2003 mit einem Artikel von Thierry Meyssan.

Diese Demonstrationen waren zeitweise die europaweit größten und bedeutendsten Versammlungen von Alt- und Neonazis. 2003, als Kalbitz Texte beisteuerte, war die JLO bereits von Neonazis dominiert.

 

JLO-Interview in Neonazi-Zeitschrift “Die Kameradschaft” (Faksimile)

In Interviews in Neonazi-Zeitschriften aus dieser Zeit bezeichnen sich JLO-Funktionäre selbst als “Nationale Sozialisten”, nutzen die Neonazi-Grußformel “88” (Zeitschrift “Das treue Mädel”) und loben die Zusammenarbeit mit dem “Witikobund” (Zeitschrift “Die Kameradschaft”). Nur zur Erinnerung Kalbitz hat die Witikobriefe  (2001) geschrieben!

 

Interview mit JLO-Funktionär in Neonazi Zeitschrift von 2001 (Faksimile)

 

1993 wurde Kalbitz lebenslanges Mitglied im Witiko-Bund. Lebenslang deshalb, weil der Witiko-Bund (wie auch die anderen im Chart genannten drei Organisationen) dem sogenannten “Lebensbundkonzept” folgen.

Es gibt weder Eintritte noch Austritte, wohl eine Probezeit. Aber nach Übernahme halten solche Seilschaften (Männerbünde wie Burschenschaften, Korporationen, Corps, und vor allem Bündische Jugendorganisationen, wie die Hitlerjugend oder Heimattreue Deutsche Jugend) bis zum Tod, eigentlich über den Tod hinaus.

HEIMATTREUE DEUTSCHE JUGEND (HDJ)

Nicht nur Andreas Kalbitz geriet in den Fokus wegen seiner Aktivitäten in der HDJ. Auch ein Mitarbeiter Gaulands im Landtag von Brandenburg geriet in die Schlagzeilen, als seine Aktivitäten in der HDJ ans Tageslicht kamen. 1990 gründete sich die Heimattreue Deutsche Jugend, die nach 1994 als Nachfolgeorganisation der verbotenen Wiking-Jugend gilt. Die Mitglieder wurden nicht nur ideologisch gedrillt, sondern auch militärisch. 2009 wurde auch diese Bündische Jugend durch den Bundesinnenminister verboten.

Die personellen und strukturellen Verbindungen zur NPD und JN, insbesondere ihrer Führungskader, lassen an der Darstellung von Kalbitz zweifeln, er habe da sozusagen nur als Zaungast teilgenommen. Die Mitgliedschaft von Kalbitz in der HDJ ist Gegenstand eines Gutachtens des Verfassungsschutzes – was unsere bisherige Recherche und Analyse unterstreicht!

 

Felix W. ein ehemaliges Mitglied der rechtsextremen “Heimattreuen Jugend Deutschlands” hat jahrelang für Alexander Gauland gearbeitet.

AfD-Fraktionschef Alexander Gauland hat bestätigt, dass einer seiner ehemaligen Mitarbeiter in der rechtsextremen “Heimattreuen Jugend Deutschlands” (HDJ) aktiv war. Er habe nicht gewusst, dass Felix W. als Jugendlicher zur HDJ gehört habe, sagte Gauland der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. Er frage seine Mitarbeiter nicht, was sie im jugendlichen Alter gemacht hätten. Das Ausscheiden von W. habe nicht mit dessen politischen Aktivitäten in der Vergangenheit zu tun, sondern damit, dass dieser eine andere Stelle angetreten habe, sagte Gauland der Zeitung.

Andreas Kalbitz war bekanntlich 2007 beim Zeltlager der HDJ. Warum hier aber eine tiefergehende Recherche zu Kalbitz nötig sein muss, soll der weiterführende Text und die Einschätzung zur HDJ deutlich machen. Wenn man sich nun Kalbitz weitere Vergangenheit vor Augen hält, dann kommt man zu der Auffassung, dass man bei Kalbitz ganz klar von einer rechtsextremen Vergangenheit sprechen muss. Niemand besucht ein neofaschistisches Treffen in Belgien, dem Langemark Treffen, und niemand besucht mal eben so ein Zeltlager der rechtsextremen HDJ. Und niemand übernimmt “mal eben so” den Vorstand, in einem antisemitischen Verein (Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit), der von Rechtsextremen und von Alt-Nazis gegründet wurde. All das zusammen genommen belegt, dass niemand als „Ausbilder“ in einem Kinder- und Jugendlager, wie dem der HDJ, in Frage kommt, der nicht schon über entsprechende Kontakte und Referenzen verfügt. Ehemalige Kader der Wiking-Jugend sind dann eben auch als Ausbilder und Referenten bei der HDJ tätig. Niemand von aussen.

Wer sich mit den einzelnen rechtsextremen “Bezügen” des Andreas Kalbitz näher beschäftigt, stößt auf den Namen eines Alt-Nazis und Holocaust-Leugners: Klaus Christoph Marloh. Wie tief verstrickt die Neuen Rechten in dem braunen Sumpf der Alt-Nazis sind, und wie weit der Einfluss dieser Alt-Nazis reicht, lässt sich an dem Umfeld und Einfluss von Klaus Christoph Marloh ablesen.

Netzwerker Marloh

Das interessante an den Wallfahrten nach Flandern: Schon  1994 nahm Kalbitz – dem Jahr seines Einstiegs bei der Bundeswehr – an den Langemark Treffen in Diksmuide teil. Hier treffen sich seit 1927 (ab 1972 mit anderen Europäischen Rechten)  Zehntausende Nationalisten, Rechtsradikale und Alt- und Neonazis aus mehreren Ländern, um gefallener Kämpfer aus dem Ersten Weltkrieg zu gedenken und Kränze niederzulegen.

Nach langem Anlauf verboten: Die HDJ BpB Artikel 2009 zum Verbot der HDJ

Ob Kalbitz auch an anderen „Wallfahrten“ nach Flandern oder ins Europäische Ausland teilgenommen hat? Das dürften weitere Recherchen im Jahr 2020 zum Vorschein bringen. Aber selbst, wenn dies der Fall wäre, wird der Bundesvorstand der AfD nicht reagieren, denn der Flügel – und mit ihm Kalbitz – dominiert die Geschicke der AfD.

Rechtsextreme wie Kalbitz sitzen in Landesvorständen, trotz Vorsitz in einem Antisemitischen Verein, trotz direkten Kontakten zu Rechtsextremen und eben Alt- und Neonazis. Für die AfD offensichtlich kein Problem, da sie mittlerweile der in die Bedeutungslosigkeit verbannte NPD den Rang abgelaufen hat und Rechtsextremen eine politische Heimat bietet. “Wer hat denn die NPD marginalisiert? Wir waren das von der AfD! Wir sind jetzt die Heimatpartei für die Patrioten!” (Jens Maier am 17.1.2017, als Vorredner von Höckes Dresdner Rede und dem Tag der Urteilsverkündung im NPD-Verbotsverfahren)

DIE STRUKTUR DER HDJ

Von Seiten der Verfassungsschutzbehörden wird bzw. wurde der 1990 ursprünglich unter dem Namen „Die Heimattreue Jugend – Bund für Umwelt, Mitwelt und Heimat e.V.“ (DHJ) gegründete Verein – der im März 2009 verboten wurde – als bundesweit organisierter rechtsextremistischer Jugendverband eingestuft, der für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren unter anderem Veranstaltungen mit paramilitärischen Charakter wie Fahnenappelle, Wehrsportübungen und Fackelmärsche durchführte.

Seit 2001 lautete die vollständige Bezeichnung des Vereins „Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ)– Bund zum Schutz für Umwelt, Mitwelt und Heimat e.V.“ Die Bundesführung war in Berlin ansässig. Der HDJ e.V. war mit seinen insgesamt mehreren Hundert Mitgliedern in nahezu allen Bundesländern aktiv. Regionale Schwerpunkte waren Brandenburg, Berlin, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Gemäß seiner hierarchischen Struktur war der HDJ e.V. in „Bundesführung“,„Leitstellen“ sowie in „Einheiten“ untergliedert. Letzter „Bundesführer“ des HDJ e.V.war Sebastian Räbiger aus Reichenwalde in Brandenburg. Er hatte das Amt seit Oktober 2002 inne. Zuvor war er bereits in anderen rechtsextremen Gruppen – unter anderem bis zu deren Verbot 1994 als “Gau-Beauftragter für Sachsen“ der “Wiking-Jugend“ – aktiv gewesen.

RÄBIGER WURDE IM DEZEMBER 2008 WEGEN GEFÄHRLICHER KÖRPERVERLETZUNG ZU EINER GELDSTRAFE VERURTEILT.

Aus der wegen der Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus verbotenen “Wiking-Jugend” (WJ) engagierten sich neben Räbiger noch andere Personen im HDJ e.V. Einige Beobachter sahen aufgrund der organisatorischen, personellen und programmatischen Kontinuitäten zur 1994 verbotenen Wiking-Jugend (WJ) im HDJ e.V. eine „Quasi-Nachfolgeorganisation“ der WJ.

BpB Artikel 2009 zum Verbot der HDJ

So benutzte zum Beispiel der HDJ e.V. auch die „Odalrune“ – das einstige Emblem der WJ – als internes Erkennungszeichen. Der HDJ e.V. versuchte über vordergründig unpolitisch erscheinende (Freizeit-) Aktivitäten, die für den äußeren Betrachter häufig den Eindruck von harmlosen Pfadfinder- oder Jugendgruppentreffen vermittelten, insbesondere Jugendliche und Kinder bewusst an rassistisches und nationalsozialistisches Gedankengut heranzuführen.

Über die eigentliche „Nachwuchsarbeit“ hinaus bot der HDJ e.V. ein rechtsextremes „lebensweltliches“ Freizeitangebot für die ganze Familie an. Letztere spielte als so genannte „Sippe“ ein zentrales Element in der vom Nationalsozialismus geprägten Ideologie des HDJ e.V.

So nahmen zum Beispiel an den Lagern des HDJ e.V., bei denen Kinder und Jugendliche militärisch gedrillt und ideologisch geschult worden, oftmals ganze Familien teil. In der mehrmals im Jahr vom HDJ e.V. herausgegebenen Publikation „Funkenflug“ wurde nicht nur die Epoche des Nationalsozialismus glorifiziert, sondern auch antisemitische und rassistische Stereotype sowie ein revisionistisches Geschichtsbild offen oder zuweilen unterschwellig vermittelt.

UMFASSENDE SZENEÜBERGREIFENDE KONTAKTE INS RECHTSEXTREMISTISCHE SPEKTRUM

Der HDJ e.V. unterhielt umfassende szeneübergreifende Kontakte ins rechtsextremistische Spektrum der Bundesrepublik, so zum Beispiel zur NPD und zur neonazistischen Kameradschaftsszene. So nahmen Funktionäre und Mitarbeiter der NPD regelmäßig an Veranstaltungen des HDJ e.V. teil.

Nachdem Verbot der Wiking-Jugend gab es einen fließenden Übergang in die HDJ. Viele HDJ-Aktivisten wie NPD-Bundesvorstand Manfred Börm arbeiteten schon für die Wiking Jugend. Recherchen mehrerer Zeitungen legten offen, dass Mitarbeiter von AfD-Mandatsträgern in Parlamenten eine HDJ-Vergangenheit haben.  Was wir uns nun dabei fragen:

Das alles will die AfD nicht kennen?

Die Zeitachse 2000er

Rechtsextremer Verein Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit

Neben Kalbitz Kontakten zur HDJ und dessen Mitgliedschaft in der selben, sollte man auch den Vorsitz des als rechtsextrem geltenden Vereins Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit sehr genau unter Lupe nehmen.

Von 2010 bis 2015 war Kalbitz Mitglied des Vorstands des rechtsextremen Vereins „Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V.“, der vom ehemaligen SS-Hauptsturmführer und späteren NPD-Funktionär Waldemar Schütz gegründet wurde.

O-Ton Andreas Kalbitz 2015 (AfD), Stv. Fraktionsvorsitzender Brandenburg: „Für mich ist es so, dass ich auch diese Leute, die da teilweise Mitglieder sind, die sind mir näher nicht persönlich bekannt. Es handelt sich um einen relativ inaktiven Verein. Ich hab da keine Tendenzen feststellen können. Wäre das der Fall gewesen, wäre das für mich kein Fall der Aktivität gewesen.“

Erklärtes Ziel des Archivs war es, „die getreue Darstellung der deutschen Geschichte zu sichern und das Wissen über die reale Notlage Deutschlands in den letzten 75 Jahren für künftige Generationen zu vermitteln „.

Der Verein arbeitete am Aufbau eines Archivs und einer politisch orientierten Bibliothek. Nach eigenen Angaben waren die Publikationen, die er ab 1994 an Bibliotheken, Historiker und Studenten versandt hatte, rund 250.000 DM wert.Die Aktivitäten wurden von einer Fördergruppe von rund 1.000 Personen finanziert.

Eine Kultur- und Zeitgeschichte / Archiv der Zeit-Veröffentlichung des revisionistischen Historikers Georg Franz-Willing mit dem Titel „Die Schuldfrage des Krieges“.
Der angeschlossene Rosenheimer Verlag, auch Kultur- und Zeitgeschichte / Archiv der Zeit genannt,32 veröffentlichte u.a. Werke von Adolf von Thadden, einem ehemaligen Wehrmachtsleutnant, der maßgeblich an der Entstehung der NPD beteiligt war, oder des revisionistischen Historikers Georg Franz-Willing.

Im Jahr 2014 wurde Kalbitz als Vorsitzender der Organisation registriert. Nach einem rbb-Bericht, der diese Zusammenhänge aufzeigte, verwies Kalbitz zunächst auf die eingeschränkte Tätigkeit des Vereins in den letzten Jahren, trat dann aber nach Angaben der AfD Brandenburg im Oktober 2015 vom Amt des Vorsitzenden zurück und verließ die Organisation.

Der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke kommentierte dies: „Mit seiner Rolle in diesem Kulturverein stellt er sich als Rechtsextremist heraus. Dies ist eine rechtsextreme Organisation“.

Die Verbindungen dieses Vereins und deren Grüner in die alte Rechte ist nachweislich belegt.

Gründer: Klaus Christoph Marloh

Klaus-Christoph Marloh war nicht nur Gründer des Vereins Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit (den Kalbitz 2014-2015  als Vorstand leitete) sondern auch des rechtsextremen Vereins „Norddeutsche Kulturkreis e.V.

Wer sich mit den einzelnen rechtsextremen “Bezügen” des Andreas Kalbitz näher beschäftigt, stößt auf den Namen eines Alt-Nazis und Holocaust-Leugners: Klaus Christoph Marloh. Wie tief verstrickt die Neuen Rechten in dem braunen Sumpf der Alt-Nazis sind, und wie weit der Einfluss dieser Alt-Nazis reicht, lässt sich an dem Umfeld und Einfluss von Klaus Christoph Marloh ablesen.Klaus Christoph Marloh wurde am 28.07.1923 in Hamburg geboren und lebte, aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, in Seevetal.

In Seevetal gründete Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck 1992 den Verein „Gedächtnisstätte e. V.“, der 2014 die „Gedächtnisstätte für die deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges“ in Guthmannshausen eröffnete – jene Gedächtnisstätte, die Doris von Sayn-Wittgenstein (AfD) als Fördermitglied bewarb.

Marloh war Marine Oberleutnant und U-Boot-Offizier der deutschen Kriegsmarine auf der U-123 und der U-2506. Nach der Kapitulation wurde die U-2506 vor Irland versenkt und Marloh kam in britische Kriegsgefangenschaft, wo er die Kriegsflagge der U-2506 in seiner Feldflasche vor den Alliierten versteckte. Dies sei hier nur kurz erwähnt. Die komplette Recherche zum Leben des Klaus Christoph Marloh und dessen Familie findet ihr bei uns auf der Seite.

 

Alt-Nazi Marloh

Klaus Christoph Marloh war gern gesehener Gast auf Neonazi- und Kameradschaftsveranstaltungen. Er wurde mit den Worten angepriesen: Er „ist einer der wenigen die überlebt haben und uns Bericht erstatten kann!“

Seine „Berichte“ erzählen eine glorifizierende Sicht auf die deutsche Wehrmacht und seine Sicht der „Wahrheit“, wer den Krieg aus welchen Gründen angefangen hat. Mit seinem Gründungsjahr 1962, zwei Jahre vor der Gründung der NPD, war der „Norddeutsche Kulturkreis e.V.“ (NK)) der älteste Verein der extremen Rechten in Hamburg und stand in direkter personeller und ideologischer Tradition des Nationalsozialismus.

Dieser Verein löste sich zum 1. Juli 2014 wegen Inaktivität und Überalterung auf.

Freundeskreis Filmkunst e.V. – Erlebnisgeneration zeigte NS-Filme

Der Nordeutsche Kulturkreis wurde ursprünglich unter dem Namen „Freundeskreis Filmkunst e.V.“ unter maßgeblicher Beteiligung der „Erlebnisgeneration“ des Dritten Reichs gegründet. Der damalige und langjährige 1. Vorsitzende und bis zu seinem Tode 2009 beliebter Redner bei NPD und Kameradschaften, Klaus-Christoph Marloh war z.B. ehemaliger U-Boot-Offizier und leugnete den Holocaust.

Gertrud Herr, langjährige Funktionärin des Vereins, publizierte ihre Biografie ,,Inhaltsreiche Jahre – Aus dem Leben einer BdM-Führerin“ in einem Verlag von Auschwitzleugnern. Herr war bis in die Neunzigerjahre engste Mitarbeiterin des verstorbenen Neonazis Jürgen Rieger, der selbst 1986 in den Vereinsprotokollen auftauchte. Der ehemalige Wehrmachtsoldat Rolf Hanno, der nach 1945 als Immobilienbesitzer in Spanien erfolgreich war, kam hochbetagt zum Jahrestreffen der Kulturfreunde 2008 aus Marbella angereist.

Hanno hatte mehrmals mit sechsstelligen Eurobeträgen die Bundes-NPD finanziert, und auch den Wahlkampf 2011 der Partei in Hamburg. Andere  Gründungsmitglieder des NK kamen aus der Deutschen Reichspartei (DRP) sowie aus dem 1960/1961 verbotenen Bund Nationaler Studenten (BNS). Jahrzehntelang zeigte der Verein indizierte NS-Filme in angemieteten Kinos.

Besonders in den 1970er und 1990er Jahren gab es gegen diese Aufführungen Proteste. Weil die sog. „Vorbehaltsfilme“ laut Geschäftsbedingungen der großen, seriösen Verleiher nur mit entsprechend kritisch-wissenschaftlicher Begleitung gezeigt werden dürfen, der Verein dieses aber nicht tat, wurde ihm schon 1980 die Gemeinnützigkeit entzogen. So war 1967 Klaus-Christoph Marloh außerdem der erste Vorsitzende des Freundeskreis Filmkunst e.V.. 1971 wurde er von Adolf Fröhlich, der ebenfalls im Hamburger Heide-Heim aktiv war, abgelöst.

BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG Drucksache 19/6267

Zum selben Zeitpunkt wurde Christel Pommer Schriftführerin im Freundeskreis Filmkunst e.V. und in der Vereinszeitung „Die Warte“ vom Januar 1995 wurde ihr für die 25-jährige Geschäftsführung des Vereins gedankt.

Auch Gertrud Herr übernahm hier Funktionen, so war sie 1975 zweite stellvertretende Vorsitzende und 1986 Kassenprüferin. Auf der Versammlung am 29.05.1990 wurde der jetzige Vorstand gewählt. Als Wahlleiter betätigte sich Harro Horn.

Gewählt bzw. bestätigt wurde Gerhard Hennig als 1. Vorsitzender. Weiter kamen in den Vorstand Adolf  Fröhlich, Klaus Franke, Joachim Goerth und Ilse Kosin. Dieser Vorstand wurde am 07.06.1994 insgesamt bestätigt. Neben Hennig, Fröhlich und Franke ist auch Goerth im Heide-Heim aktiv und wurde 1990 als Rechnungsprüfer gewählt. Also sind vier von fünf Vorstandsmitglieder des Freundeskreis Filmkunst e.V. auch jetzt noch im Heide-Heim aktiv.

Der Verein Freundeskreis Filmkunst e.V. wurde 1962 ins Hamburger Vereinsregister eingetragen. Sinn und Zweck des Vereins ist es nach der jetzt gültigen Satzung: „(…) die Förderung der sittlichen, geistigen und künstleri-schen Volksbildung bzw. Erziehung bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern mit dem Ziel eines umfassenden Wertbewußtseins eines verantwortungsvollen Verhaltens, insbesondere (…)

– Förderung gemeinschaftsverpflichtenten Verhaltens auf allen Gemeinschaftsebenen von der Familie über die Nachbarschaft und die Volksgemeinschaft bis zur Menschheit;

– Förderung des Verhaltens, das dem Wolle des deutschen Volkes, seiner Kultur und seiner Heimat dient;“

Als mildtätiger Zweck wird die Unterstützung von „Deutschen, die sich unverschuldet in Not befinden, insbesondere von notleidenden Deutschen in fremdverwalteten Gebieten und im Ausland sowie Umsiedlern aus solchen Gebieten“ angegeben. Die eigentliche Arbeit des Vereins besteht darin, einmal im Monat einen Film zu zeigen. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um alte NS-Propagandfilme oder Filme aus der „guten alten Zeit“ von 1937-45.

Bis April 1995 wurden diese Filme im CITY-Filmtheater, Steindamm 9 in Hamburg aufgeführt. Darüber hinaus werden hin und wieder Fahrten organisiert, so zum Beispiel die Heidefahrt vom 12.11.1994 mit einem Besuch des Panzermuseums in Münster und einer anschließenden Kaffeetafel in Hetendorf.

Die Gemeinnützigkeit dieses Vereins wurde ihm bereits 1978 aufgrund öffentlicher Proteste entzogen. Sollte der Verein sich auflösen, so bekommt das Vermögen die Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e.V. (GfbAEV). In dieser Gesellschaft wiederum ist Jürgen Rieger der Vorsitzende und Gertrud Herr bekleidete in den 70er Jahren die Position der Geschäftsführerin.

Gründer: Waldemare Schütz

Ab 1947 war Schütz als selbständiger Kaufmann tätig und gründete 1949 oder 1950 zusammen mit Leonhard Schlüter den Plesse-Verlag und die Göttinger Verlagsanstalt. Nach Angaben des britischen Geheimdienstes hatte er 1953 Kontakte zum Naumann-Kreis, einer Vereinigung von Altnazis rund um den ehemaligen Staatssekretär im Reichspropagandaministerium Werner Naumann, die die FDP unterwandern wollte.

Alt-Nazi Waldemar Schütz Quelle Source apabiz.de 1996

1955 wurde der Stand seines Plesse-Verlages auf der Frankfurter Buchmesse von Buchhändlern »entfernt« und in der Folge vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels nicht mehr zur Messe zugelassen, woraufhin er den „Verlag K. W. Schütz“ gründete; zu seinen Autoren zählen beispielsweise Hans Grimm („Volk ohne Raum“), Staatssekretär a. D. Werner Naumann, Flieger-As Hans-Ulrich Rudel und Jochen Stern („Und der Westen schweigt. Erlebnisse, Berichte, Dokumente über Mitteldeutschland 1945–1975“.

Der Verlag K.W. Schütz veröffentlichte vor allem Autoren aus dem rechtsextremen Spektrum, der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS, der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger sowie der Deutschen Wochen-Zeitung, darunter Peter Kleist, einstiger persönlicher Referent des NS-Außenministers Joachim von Ribbentrop und Gründungsmitglied der Gesellschaft für Freie Publizistik, Georg Franz-Willing, Mitarbeiter beim Institute for Historical Review, Erich Kern, Adolf von Thadden, Rolf Kosiek, Paul Hausser, Kurt Meyer, Felix Steiner und der ehemalige SS-Obersturmführer Ernst-Günther Krätschmer, der eigens die Gaeta-Hilfe gründete, um die Freilassung Walter Reders zu erwirken.

Im Frühjahr 1992 wurde der Verlag K.W. Schütz vom rechtsextremen Nation Europa-Verlag übernommen, der einen Teil der Schütz-Titel weiterführt.

Vom 15. Juni 1955 bis zum 5. Mai 1959 war Schütz für die Deutsche Reichspartei (DRP) Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags (3. Wahlperiode). Er rückte für Johannes Hertel nach. Vom 6. Juni 1967 bis zum 20. Juni 1970 gehörte Schütz als NPD-Mitglied erneut dem Landtag in Niedersachsen (6. Wahlperiode) an.

Von 1961 bis zur Auflösung der Partei 1964 gehörte Schütz der Parteileitung der DRP an. In den innerparteilichen Auseinandersetzungen gehörte er zur Gruppe um Adolf von Thadden.

1964 war Schütz Mitglied im Gründungsvorstand der NPD; später leitete er die Abteilung Presse und Information der NPD. Schütz wird zu der kleinen Führungsgruppe gezählt, die ab 1955 die Politik der DRP (Deutsche Reichspartei) bestimmte und – personell weitgehend identisch – in den 1960er Jahren die NPD kontrollierte.[4]

Seit August 1955 war Schütz für die DRP-Parteizeitung „Der Reichsruf“ verantwortlich.

Ab 1957 wurde die Zeitung unter der Federführung von Schütz zu einer „allgemeiner orientierten Wochenzeitung“ ausgebaut, mit der „offensichtlich eine breitere Schicht von Rechtsextremisten außerhalb der DRP“ angesprochen werden sollte.

1959 war er Mitbegründer der „Deutschen Wochen-Zeitung“ (DWZ), die er mehr als 25 Jahre führte. Die DWZ kooperierte eng mit dem Reichsruf. Am 1. Januar 1986 verkaufte Schütz die von der Einstellung bedrohte DWZ an Gerhard Frey, blieb jedoch Mitherausgeber. „Der Reichsruf“ wurde nach der Gründung der NPD in das NPD-Blatt „Deutsche Nachrichten“ umgewandelt; dessen Verleger Schütz war. Schütz war zudem Leiter des National-Verlages.

Mitte 1960 wurde gegen Schütz ein Strafverfahren eingeleitet. Verfahrensgegenstand war die Herausgabe der Publikation „Waffen-SS im Einsatz“ von Paul Hausser, die mit Siegrunen und dem SS-Wahlspruch „Meine Ehre heißt Treue“ aufgemacht war. Das Buch war zuvor von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert worden. Schütz war bis 1955 Schriftleiter der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS (HIAG) gewesen. Er schied wegen seines Engagements in der DRP aus, da die HIAG in ihrer Außendarstellung Kontakte zu rechtsextremen Parteien vermied.[5]

Am 29. November 1964 gründete Schütz die Deutsche Verlagsgesellschaft Rosenheim (DVG) (mit heutigem Sitz in Preußisch Oldendorf), deren Geschäfte er bis kurz vor seinem Tod führte. Die Verlagsauslieferung der DVG wird über die seit 1947 bestehende „Kölle-Druck“ des ehemaligen NPD-Funktionärs Erwin Höke abgewickelt, der seinen Anteil am Betrieb 1993 seinem Sohn Rainer übergab. Auch Schütz war Mitinhaber der Kölle-Druck in Preußisch-Oldendorf.

1993 und 1994 kam es in der Druckerei zu Durchsuchungen, in deren Verlauf rund 3.000 Exemplare der Zeitschrift „Die Bauernschaft“ von Thies Christophersen beschlagnahmt wurden. Auch Christophersens „Die Auschwitz-Lüge“ wurde hier gedruckt. Im Gebäude von Kölle-Druck befindet sich außerdem der „Deutsche Buchversand“ von Peter Dehoust und die 1985 von Schütz unter dem Motto „veritas – iustitia – futurum“ ins Leben gerufene Vereinigung Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit.

Seine letzten 15 Lebensjahre widmete Schütz vorzugsweise der Zeitgeschichte. Sein Ziel war die „Sicherung eines wahren Geschichtsbildes und die Übermittlung der wirklichen deutschen Verhältnisse im 20. Jahrhundert für die künftigen Generationen“ aus der Sicht seines nationalsozialistischen Weltbildes, da Schütz meint, dass das Geschichtsbild nach 1945 systematisch verfälscht worden sei. Neben Unterhalt und Ausbau einer Fachbibliothek für Geschichte, Politik und Wehrkunde sowie eines Zeitungs- und Dokumentenarchivs spielte die Herausgabe geschichtsrevisionistischer Publikationen, unter anderem der Vierteljahresschrift Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, eine wesentliche Rolle.

Die „Gesellschaft für Freie Publizistik“, deren stellvertretender Vorsitzender Waldemar Schütz seit 1992 war, verlieh ihm 1979 die Ulrich-von-Hutten-Medaille. Nachfolger von Schütz im „Archiv der Zeit“ wurde Hans-Ulrich Kopp.

2018 – Institut für Staatspolitik

Im Jahr 2018 wurde Kalbitz am „Institut für Staatspolitik“ von Götz Kubitschek in Schnellroda gesichtet. Laut der Zeitschrift „Stern“ propagierte Kalbitz am 29. Januar 2018 bei einem Vortrag am Institut „eine Art Nationalsozialismus“

Rede von Andreas Kalbitz am Institut für Staatspolitik in Schnellroda, 29. Januar 2018, mit dem Titel „Die AfD in der sozialen Frage“. Screenshot aus dem auf YouTube verfügbaren Video.

Im März 2018 sagte er bei einer Rede auf dem Kyffhäuser-Treffen in Thüringen: „Die AfD ist die letzte Entwicklungschance für dieses Land. Danach heißt es ‚Helme aufsetzen‘. Und das will ich nicht. “ In ähnlicher Weise beklagte Kalbitz während einer AFD-Demonstration im Mai 2018, dass die AfD an den Rand gedrängt und geächtet würde, obwohl dies „die letzte evolutionäre Chance für unser Land“ sei.

In seiner Rede dankte Kalbitz anderen rassistischen Gruppen für ihre Teilnahme, darunter PEGIDA und die Initiative der Neuen Rechten „Ein Prozent für unser Land“, die von Götz Kubitschek und Philip Stein geleitet wird. Im Juni 2018 berichtete das Magazin „Stern“, dass Kalbitz ein potenzieller Nachfolger von Gauland als Bundesparteivorsitzender sei. Kalbitz selbst sagte, er habe Geduld und sehe sich selbst auf einem politischen „Langstreckenlauf“. „Es ist kein Geheimnis, wo ich innerhalb der AfD politisch stehe. Aber wir müssen ein Gleichgewicht zwischen allen Kräften erreichen. “

In einem Interview mit Compact vom Oktober 2018 wiederholte Kalbitz sein Versprechen für eine Zusammenarbeit mit rechtsextremen Bürgerbewegungen wie PEGIDA, „Kandel ist überall“, „Zukunft Heimat“ und „Ein Prozent“. “

 

Kalbitz und Holocaustleugner

„Aber es gibt seit mindestens zwanzig Jahren keinen Kontakt zu Herrn Richter.“

Als wir am Dienstag, 14. April 2020, von der Meldung erfuhren, dass Karl Richter aus der NPD ausgetreten sei, klingelte es natürlich bei der Personalie Karl Richter, hatten wir doch erst vor einem halben Jahr uns die einzelnen rechtsextremen „Bezüge“, wie Andreas Kalbitz zu seiner Biographie sagte, genauer unter die Lupe genommen. Karl Richter ist da ein wenig zu kurz gekommen.

Karl Richter 2017: „In Wahrheit ist der ‚Flügel‘ bis auf den Brandenburger Fraktionschef Andreas Kalbitz, mit dem mich eine langjährige politische Freundschaft verbindet, im neuen Bundesvorstand praktisch nicht mehr präsent“, heißt es weiter.“

Das wollten wir nachholen – und stießen dabei auf ein interessantes Detail.

Nein, das Detail ist jetzt nicht, dass Andreas Kalbitz mittlerweile auch beim Verfassungsschutz als rechtsextrem gilt. Das Detail ist jetzt auch nicht, dass Kalbitz gemeinsam mit Karl Richter als Vorstand im braunen revisionistischen Verein „Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V.“ saß – offenbar von 2010 bis 2015.

Das wußten wir bereits. Und das Detail ist auch nicht, dass von 2014/2015 bis 2018 keine „mindestens 20 Jahre“ liegen, in denen es mit Karl Richter keinen Kontakt gegeben haben soll, wie 2018 im Tagesspiegel zu lesen war.

Das wirklich interessante Detail fanden wir bei Recherchen über Kalbitz und Richter aus dem Jahr 2014. Arnstadt im Dezember 2014. Eine Mitgliederversammlung des braunen und revisionistischen Vereins „Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V.“.

Es ist das Jahr, in dem Andreas Kalbitz den rechtsextremen Hans-Ulrich Kopp im Dezember als 1. Vorsitzenden ablösen wird.

Kalbitz leitet die Versammlung im Dezember 2014 . Hat als Gast den NPD-Mann und als Nazibarde bekannten rechtsextremen Liedermacher Frank Rennicke eingeladen.

Worüber man da so redet?

Darüber, ob man nicht das von SS-Mann Klaus-Christoph Marloh über Jahre hinweg aufgebaute „Archiv der Zeit“ in den Räumen der Gedächtnisstätte Guthmannshausen unterbringen wolle:

Wie eine Anwesenheitsliste der Mitgliederversammlung [des Vereins „Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V.“] aus dem vergangenen Jahr zeigt, war auch der NPD-Barde Frank Rennicke als Gast bei der von Kalbitz geleiteten Veranstaltung im thüringischen Arnstadt zugegen. Und Kalbitz’ Verein pflegt Kontakte zu einer anderen rechtsextremen Organisation: Sein Archiv will der „Kulturverein“ in den Räumen der „Gedächtnisstätte“ im thüringischen Guthmannshausen unterbringen.

[Quelle: Julian Feldmann in Blick nach Rechts: „AfD-Fraktionsvize leitet rechtsextremen Verein“ vom 19.10.2015]

 

Andreas Kalbitz im Umfeld von NPD und Holocaust-Leugnern, und das 2014. Da war er schon über ein Jahr Mitglied bei der AfD.

 

Wir werden in dieser Recherche aufzeigen, welche immer wiederkehrenden Akteure der Alten und Neuen Rechten sich die Klinken in die Hand geben. Welche Akteure im Umfeld von Geschichtsrevisionisten und Holocaust-Leugnern immer wieder auftauchen, und das im Zusammenhang mit Guthmannshausen. Und mit Kalbitz.

2017 war im Verfassungsschutzbericht Thüringen über die Gedächtnisstätte Guthmannshausen zu lesen:

„Unter dem Deckmantel des Gedenkens an die deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs agitiert der rechtsextremistische Verein gegen den demokratischen Verfassungsstaat und versucht, geschichtsrevisionistisches Gedankengut in demokratische Bevölkerungskreise zu transportieren.“ 

 

Ein knappes halbes Jahr vor der Mitgliederversammlung des Vereins „Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V.“ in Arnstadt, fand im 70 km entfernten Guthmannshausen die Einweihung der Gedächtnisstätte am 2. August 2014 statt.

Die Verbindung -Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit- (aus dem Umfeld der GfP) Vorstand Kalbitz 2010 und 2014-2015 zur GfP und Guthmannshausen/Gedächtnisstätte – Drucksache 6/4034

Die Gründerin des Vereins Gedächtnisstätte e.V. Ursula-Haverbeck-Wetzel hielt eine Rede auf der Einweihungsfeier der Gedächtnisstätte in Guthmannshausen vor Kameraden aus der NPD, der Partei „Die Rechte“, vor einigen noch lebenden „Zeitzeugen“ der sog. „Erlebnisgeneration“. Und dort sollte das „Archiv der Zeit“ künftig in den Räumen von Guthmannshausen untergebracht werden.

Quelle: HMA-Archiv/VVN-BdA NRW

Als die Aktivitäten von Andreas Kalbitz in diesem Verein bekannt wurden, trat er vom Vorstandsposten zurück. Weitere Konsequenzen aus der Nähe zu Holocaustleugnern und Revisionisten hatte es für ihn nicht – obwohl er 2014 nämlich schon AfD-Mitglied war. Er trat 2013 mit der Mitgliedsnummer 567 in die AfD ein.

Doris von Sayn-Wittgenstein sollte ihre Nähe zum Gedächtnisverein Guthmannshausen jedoch zum Verhängnis werden. Als herauskam, dass sie nicht nur für den Verein warb, sondern wohl auch Mitglied war, wurde sie aus der Partei rausgeworfen.

Nun ja, quod licet Iovi non licet bovi. Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen noch lange nicht erlaubt, lautet ein lateinisches Sprichwort aus dem Mittelalter.

Und nun fragen wir uns: Wieso wird Doris von Sayn-Wittgenstein, ebenfalls (ehemalige) Landeschefin der AfD in Schleswig-Holstein, aus der Partei geworfen, Kalbitz aber (immer noch) nicht?

Wir werden zu den einzelnen „Bezügen“ von Kalbitz im folgenden erläutern, wer diese Personen sind, mit denen er gemeinsam im Vorstand eines Vereines gemeinsame Ziele verfolgte und umsetzte. Ein deutsches Sprichwort sagt: „Sage mir, mit wem du gehst, und ich sage dir, wer du bist“.

 

Kalbitz im Umfeld von NPD und Holocaustleugnern

In dieser Ergänzung zum Teil 1 geht es um Kalbitz‘ Kontakte zur NPD und dem NPD-Liedermacher Frank Rennicke, durch den tief braunen Verein „Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V.“, den Kalbitz zwischen 2014-2015 als Vorstandsvorsitzender leitete.

Rechtsextreme Vergangenheiten der AfD Teil 1 : Andreas Kalbitz neonazistische Biographie

Erläuterungen zum Chart

  1. Der Verein „Kultur- und Zeitgeschichte –  Archiv der Zeit e.V.“
    1. Vereinszweck und Ziele
    2. Gründer Waldemar Schütz
    3. Klaus-Christoph Marloh
    4. Wolfgang Huber
    5. Hans-Ulrich Kopp
    6. Andreas Kalbitz wird 1. Vorsitzender
    7. Karl Richter
    8. Manfred Aengenvoort
    9. Hartmut Höschen
    10. Hans-Jochen Voß
    11. Rolf Kosiek
  2. Der Verein Gedächtnisstätte e.V. und die Gedächtnisstätte Guthmannshausen
    1. Ursula Haverbeck-Wetzel
    2. Wolfram Schiedewitz
    3. Paul Latussek
    4. Rigolf Hennig
    5. Redner auf Tagungen und Veranstaltungen
      1. Pierre Krebs
      2. Udo Voigt
      3. Horst Mahler
      4. Nikolai Nerling
      5. Dr. Björn Clemens
      6. Wolfram Narath
    6. Einschätzung des Verfassungsschutzes
    7. Die Unvereinbarkeitsliste der AfD
    8. Parteiausschluss von Doris von Sayn-Wittgenstein
  3. Arnstadt
    1. Kulminationspunkt der extremen Rechten in Thüringen
    2. Thüringentage der Nationalen Jugend
    3. Die Landesparteitage der AfD Thüringen
    4. Die Wiege der „Erfurter Resolution“ und des rechtsextremen Flügels der AfD
  4. Gesellschaft für Freie Publizistik

 

Erläuterungen zum Chart

1. Der Verein „Kultur- und Zeitgeschichte –  Archiv der Zeit e.V.“

1.1. Vereinszweck und Ziele

Der Verein wurde 1985 in Rosenheim von Waldemar Schütz, Wolfgang Huber, Hans Ertl und Klaus Christoh Marloh gegründet. Erklärtes Ziel war die „Sicherung eines wahren deutschen Geschichtsbildes und der Übermittlung der wirklichen deutschen Verhältnisse in den letzten 75 Jahren für die künftigen Generationen“.

Anlässlich der Wiederwahl des rechtsextremen Verlegers Waldemar Schütz aus Rosenheim zum Vorsitzenden des Vereins „Kultur und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e. V.“ ist in der Zeitschrift „Nation und Europa“ zu lesen:

„Ziel des Vereins ist die ,Sicherung der historischen Wahrheit‘, die nach 1945 systematisch verfälscht worden sei.

Getreu diesem Motto hat der Verein Dokumentationsbände herausgebracht, z. B. eine ‚Chronologie Deutsche Geschichte‘ (…) oder das ‚Lexikon Deutsche Geschichte‘ (…) und auch eine Heftreihe mit dem Titel ‚Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert‘ veröffentlicht“ (Nation und Europa 11-12/1994). Zu den Autoren der Veröffentlichungen des rechtsextremistischen und geschichtsrevisionistischen Vereins gehören  Nikolaus von PreradovichEmil SchleeAdolf von Thadden und Georg Franz-Willing.


1.2. Gründer Waldemar Schütz

Karl Waldemar Schütz (SS-Leibstandarte Adolf Hitler, Mitglied der NSDAP, der Waffen-SS, der DRP und der NPD, sowie der Deutschen Nachrichten, des Parteiblatts der NPD.)

Gründer und Initiator der Aktion Widerstand gegen die Ost-Politik Willy Brandts. Vorstandsmitglied der Gesellschaft für freie Publizistik (GFP). Er gründete mit weiteren ehemaligen Nazis den Verein Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e. V. am 2. Oktober 1985 als „Institut“ in Rosenheim – er wurde dann auch dessen erster Vorsitzender.

 

Karl Waldemar Schütz – Bildquelle Antifa Infoblatt

 

Schütz war einer der einflussreichsten Alt-Nazis in der BRD. Sein Netzwerk umfasste sowohl allererste Strukturen seit den 50er Jahren (auch zum FDP Naumann-Kreis), als auch im späteren Verlauf Kontakte zu Neonazis, bis hin zu Jürgen Rieger.

Flugblatt gegen die Ostpolitik der Regierung Brandt/Scheel. Ohne Datum (1970?). Verantwortlich: Alfred E. Manke – Quelle Bild Apabiz

Am 29. November 1964 gründete Schütz die Deutsche Verlagsgesellschaft Rosenheim (DVG) (mit heutigem Sitz in Preußisch Oldendorf), deren Geschäfte er bis kurz vor seinem Tod führte. Die Verlagsauslieferung der DVG wird über die seit 1947 bestehende „Kölle-Druck“ des ehemaligen NPD-Funktionärs Erwin Höke abgewickelt, deren Mitinhaber Waldemar Schütz war.


Quelle die tageszeitung (taz), 17.12.1994: Bei Kölle werde „unter einem seriösen Deckmäntelchen faschistische Literatur gedruckt und vertrieben“, heißt es in dem Demo-Aufruf von Antifa, SPD und DGB. Einen Erfolg haben die Initiatoren bereits erzielt. Um die Firma nicht in „Misskredit“ zu bringen, wollen Erwin und Rainer Höke in Zukunft auf den Druck der „Bauernschaft“ verzichten.

1993 und 1994 kam es in der Druckerei zu Durchsuchungen, in deren Verlauf rund 3.000 Exemplare der Zeitschrift „Die Bauernschaft“ des Holocaust-Leugners Thies Christophersen beschlagnahmt wurden.

Auch Christophersens „Die Auschwitz-Lüge“ wurde hier gedruckt.  Wolfgang Höcke, der Vater des thüringischen Rechtsextremisten Björn Höcke, stand auf der Abonnentenliste der antisemitischen Zeitschrift „Die Bauernschaft“.

Rainer Höke, der Sohn von Erwin Höke, war Teilhaber der Kölle-Druckerei und Geschäftsführer der von Schütz geleiteten Deutschen Verlagsgesellschaft (DVG). Im Verein Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V. war Rainer Höke ab 2014 im Vorstand der Schatzmeister.

 

1.3. Klaus-Christoph Marloh

Klaus Christoph Marloh – (ehemaliger SS-Offizier und Gesellschafter des „Nation Europa Verlages“)

Wer sich mit den einzelnen rechtsextremen „Bezügen“ des Andreas Kalbitz näher beschäftigt, stößt auf den Namen eines Alt-Nazis und Holocaust-Leugners: Klaus Christoph Marloh. Wie tief verstrickt die Neuen Rechten in dem braunen Sumpf der Alt-Nazis sind, und wie weit der Einfluss dieser Alt-Nazis reicht, lässt sich an dem Umfeld und Einfluss von Klaus Christoph Marloh ablesen.

 

Klaus Christoph Marloh wurde am 28.07.1923 in Hamburg geboren und lebte, aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, in Seevetal. In Seevetal gründete Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel 1992 den Verein „Gedächtnisstätte e. V.“, der am 02.08.2014 die „Gedächtnisstätte für die deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges“ in Guthmannshausen eröffnete.

Marloh war Marine Oberleutnant und U-Boot-Offizier der deutschen Kriegsmarine auf der U-123 und der U-2506.

Alt-Nazi Klaus-Christoph Marloh /Bildquelle Video Soldaten erzählen

 

Nach der Kapitulation wurde die U-2506 vor Irland versenkt und Marloh kam in britische Kriegsgefangenschaft, wo er die Kriegsflagge der U-2506 in seiner Feldflasche vor den Alliierten versteckte. Klaus Christoph Marloh war gern gesehener Gast auf Neonazi- und Kameradschaftsveranstaltungen.

Alt-Nazi Klaus-Christoph Marloh /Bildquelle Video Soldaten erzählen

Er wurde mit den Worten angepriesen:

Er „ist einer der wenigen die überlebt haben und uns Bericht erstatten kann!“ Seine „Berichte“ erzählen eine glorifizierende Sicht auf die deutsche Wehrmacht und seine Sicht der „Wahrheit“, wer den Krieg aus welchen Gründen angefangen hat.

Seine Sicht der „Wahrheit“, die er vor Kameradschaften und Neonazis ausbreitete, lassen ihn als einen unverbesserlichen eingefleischten Nationalsozialisten erscheinen: in einem Interview erzählte er, er könne seine „Gesinnung nicht wechseln wie die Unterwäsche“ und habe das Bild Hitlers „fest im Herzen“.

1962, also zwei Jahre vor der Gründung der NPD, gründete Alt-Nazi Klaus Christoph Marloh mit weiteren Nationalsozialisten den ältesten rechtsextremen Verein Deutschlands in Hamburg. Ursprünglich hiess der Verein bis zu seiner Umbenennung in 1999 „Freundeskreis Filmkunst e.V.“ und stand in direkter personeller und ideologischer Tradition des Nationalsozialismus. Das Zielpublikum war die sogenannte „Erlebnisgeneration“ des Zweiten Weltkrieges (und des Dritten Reiches).

Quelle Norddeutscher Kulturkreis: Der NK wurde im Jahre 1962 unter Beteiligung von ehemaligen Nationalsozialisten unter dem Namen Freundeskreis Filmkunst e.V. (FKFK) gegründet.

Also die Generation, die nicht nur das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg miterlebt hatte, sondern ihre nationalsozialistische Gesinnung nie abgelegt hatte.

Verbindungen des Norddeutschen Kulturkreises zu Jürgen Rieger

 

Der Verein zeigte über mehrere Jahrzehnte hinweg indizierte Filme der Nationalsozialisten und mietete dafür Kinos an. Weitere Mitglieder sind Jürgen Rieger (NPD), seine engste Mitarbeiterin, die Holocaust-Leugnerin Gertrude Herr, der ehemalige Wehrmachtssoldat und spanische Immobilienbesitzer Rolf Hanno (der die NPD mit sechsstelligen Euro-Beträgen in Wahlkämpfen unterstützte), sowie weitere Mitglieder aus der Deutschen Reichspartei (DRP) und dem verbotenen Bund Nationaler Studenten (BNS).

Nachdem das Tagungs- und Schulungszentrum Hetendorf 13 von den Behörden 1998 geschlossen wurde, nannte sich der „Freundeskreis Filmkunst e.V.“ ein Jahr später in „Norddeutscher Kulturkreis e.V.“ um.

Quelle Antira: So war 1967 Klaus-Christoph Marloh der erste Vorsitzende des Freundeskreis Filmkunst e.V.. 1971 wurde er von Adolf Fröhlich, der ebenfalls im Hamburger Heide-Heim aktiv ist, abgelöst. Zum selben Zeitpunkt wurde Christel Pommer Schriftführerin im Freundeskreis Filmkunst e.V. und in der Vereinszeitung „Die Warte“ vom Januar 1995 wurde ihr für die 25-jährige Geschäftsführung des Vereins gedankt. Auch Gertrud Herr übernahm hier Funktionen, so war sie 1975 zweite stellvertretende Vorsitzende und 1986 Kassenprüferin. Auf der Versammlung am 29.05.1990 wurde der jetzige Vorstand gewählt. Als Wahlleiter betätigte sich Harro Horn. Gewählt bzw. bestätigt wurde Gerhard Hennig als 1. Vorsitzender. Weiter kamen in den Vorstand Adolf  Fröhlich, Klaus Franke, Joachim Goerth und Ilse Kosin. Dieser Vorstand wurde am 07.06.1994 insgesamt bestätigt. Neben Hennig, Fröhlich und Franke ist auch Goerth im Heide-Heim aktiv und wurde 1990 als Rechnungsprüfer gewählt. Also sind vier von fünf Vorstandsmitglieder des Freundeskreis Filmkunst e.V. auch jetzt noch im Heide-Heim aktiv.

 

Klaus Christoph Marloh war Gründungsmitglied geschichtsrevisionistischen Vereins „Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V.“ und maßgeblich am Aufbau des Archivs beteiligt.

 

Eigenen Angaben zufolge habe er 10 Stunden Arbeit täglich investiert. Das Archiv beinhaltete in 300 Aktenordnern Informationen zu Konzentrationslagern, wie Theresienstadt.

Das KZ Theresienstadt sieht Marloh, nach eigenen Worten in dem Interview für das Institut für Geschichte und Biographie der Fernuniversität Hagen, als:

Erholungslager für jüdische Leute, die nicht ausgewandert sind und nicht mehr arbeiten konnten“.

Klaus Christoph Marloh war als Geschäftsführer bei dem rechtsextremen und antisemitischen „Nation Europa Verlag“ tätig, gegründet 1951.

 

Die monatliche Zeitschrift hieß „Nation und Europa“. Auch dieser Verlag wurde von ehemaligen SS- und SA-Leuten gegründet: SS-Sturmbannführer Arthur Ehrhardt und SA-Obersturmführer Herbert Böhme.

NPD-Gründer Adolf von Thadden wurde 1992 Mitherausgeber, Karl Richter (NPD) aus München war ebenfalls Redakteur. Neonazi, NSU-Unterstützer und V-Mann Tino Brandt vom Heimatschutz Thüringen war Angestellter des Verlages.

 

1.4. Wolfgang Huber

Wolfgang Huber (ehemaliger bayerischer Verfassungsrichter und Leiter der NPD-Rechtsabteilung)

Neben Schütz gründeten noch weitere Rechtsextremisten den vor allem im Hintergrund aktiven Verein. So waren der Altnazi Klaus-Christoph Marloh, der rechtsextreme Historiker Georg Franz-Willing und das NPD-Bundesvorstandsmitglied und Parteijurist Wolfgang Huber in der Organisation aktiv. Huber formulierte im November 1967 die NPD-Satzung und arbeitete damals auch am Partei-Programm mit. Huber war aber auch in Bayern Verfassungsrichter.

 

1.5. Hans-Ulrich Kopp

Wer sich mit den einzelnen rechtsextremen “Bezügen” des Andreas Kalbitz näher beschäftigt, stößt immer wieder auf einen Namen: Hans-Ulrich Kopp. Sudetendeutscher Abstammung, Jahrgang 1962, geboren in Stuttgart.

Rechtsextremer Publizist und heute Bauunternehmer. Mit seinem Namensvetter Jochen Kopp vom KOPP-Verlag scheint er nicht verwandt zu sein. Ein Mann im Hintergrund – aber mit “Bezügen” zu den alten Rechten.

 

Wer also schon immer wissen wollte, warum ein Andreas Edwin Kalbitz im Witikobund Mitglied ist, für den Fritz der JLO geschrieben hat, warum er 1994 nachweislich auf dem neofaschistischen Langemark Treffen gewesen ist, der muss sich nur die Vergangenheit und die Netzwerke des rechtsextremen Hans-Ulrich Kopp genauer anschauen.

Die Verbindungen zwischen Hans-Ulrich Kopp und Andreas Edwin Kalbitz im Überblick:

1.6. Andreas Kalbitz wird 1. Vorsitzender

Bis 2015 war er Vorstandsmitglied des rechtsextremen Vereins Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit e.V., gegründet von dem ehemaligen SS-Hauptsturmführer und NPD-Vorstandsmitglied Waldemar Schütz. Erst als sein Engagement in diesem Verein aufflog, trat Kalbitz aus. Da die Gruppe nicht auf der offiziellen Unvereinbarkeitsliste steht, blieb die Vorstandstätigkeit für den AfD-Politiker bisher ohne Konsequenzen.

Das könnte sich aber durchaus ändern, schaut man sich die Gründer und Vernetzungen des klar  rechtsextremen Vereins Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V. genauer an.

Seit 2016 hat dieser Verein den selben Vorstand, wie die vom Verfassungsschutz zurecht als rechtsextrem benannte Gesellschaft für freie Publizistik. Und dieser Verein steht auf der Unvereinbarkeitslist der AfD.

Unvereinbarkeitsliste der AfD Stand 2018

Tatsächlich war der Verein im Umfeld der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik“ aktiv. Diese gilt als „größte rechtsextremistische Kulturvereinigung“ in Deutschland. Die 1969 von früheren SS-Mitgliedern gegründete NPD-nahe Gesellschaft hat nur ein Ziel: Die Zeit des Dritten Reiches reinzuwaschen.

Auf Anfrage von „Klartext“ (schon 2015) teilte der Bayerische Verfassungsschutz mit, dass der Behörde „eine Distanzierung des Vereins von einer rechtsextremistisch orientierten Geschichtsbetrachtung“ nicht bekannt sei.

 

Die neonazistische Biographie des Andreas Edwin Kalbitz  in der Übersicht:

Auch der AfD Bundesvorstand will nun, nachdem der Verfassungsschutz Andreas Edwin Kalbitz als Rechtsextremist einstuft, wissen, welche „extremen“ Kontakte er in seiner aktiven und inaktiven Vergangenheit hatte. (Quelle Anonym)

 

AfD Bundesvorstand will wissen, welche extremen Kontakte Kalbitz pflegt(e) – da könnte selbst manch NPDler neidisch werden 😉

 

1.6. Karl Richter

ist ein Politiker, Publizist und Autor aus dem rechtsextremen Spektrum und in der NPD (bis Gründonnerstag 2020) sowie bei der Bürgerinitiative Ausländerstopp München (BIA) tätig, für die er von 2008 bis zum 30. April 2020 im Münchner Stadtrat ein Mandat innehat.

Von 1989 bis 1994 war Richter Referent für den Abgeordneten der Partei Die Republikaner (REP) im Europäischen Parlament und ehemaligen NPD-Funktionär (1969–1972, 1975–1980) Harald Neubauer. Als Neubauer Vorsitzender des bayerischen REP-Landesverbandes wurde, folgte Richter diesem als Pressesprecher.

Neubauer war von 1969 bis 1972 und wieder von 1975 bis 1981 Mitglied der NPD. Zwischenzeitlich war er kurzzeitig für die Aktion Neue Rechte aktiv. 1973 wurde er von Gerhard Frey als Landesbeauftragter für Hamburg der damals noch als Verein organisierten DVU engagiert und war dann für die Druckschriften- und Zeitungsverlags GmbH des Verlegers Frey tätig. Von 1975 bis 1983 war er dort Redakteur des Deutschen Anzeigers. In der NPD wurde er stellvertretender Bezirksvorsitzender der NPD Oberbayern. 1983 trat er den neu gegründeten Republikanern bei und wurde 1984 Pressereferent des Parteigründers Franz Handlos. In einem innerparteilichen Machtkampf wechselte er aber an die Seite Franz Schönhubers. 1985 wurde er Generalsekretär der Republikaner, im Mai 1988 auch Landesvorsitzender in Bayern, im Juli 1988 schließlich auch Bundespressesprecher der Partei. Er galt als potentieller Nachfolger Schönhubers.

Nachdem Neubauer im Juli 1990 nach innerparteilichen Richtungskämpfen mit dem damaligen Vorsitzenden der Republikaner Franz Schönhuber bei den Republikanern ausgeschlossen wurde, verließ auch Richter die REP und nahm auf Anfrage des damaligen Hauptschriftleiters und nachmaligen Herausgebers der Zeitschrift Nation und Europa (NE; 2009 eingestellt), Peter Dehoust, den Posten des Chefredakteurs der NE an.

Im Oktober 1991 gründeten Neubauer, Richter und andere die Deutsche Liga für Volk und Heimat (DLVH).

Quelle Apabiz: Die Gründer der Deutschen Liga für Volk und Heimat (DLVH) waren meist enttäuschte Mitglieder der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und der Republikaner (REP), die aus der parteiinternen Opposition um Harald Neubauer kamen. 1990 geben sie die Deutsche Rundschau heraus und rufen zur Gründung einer neuen Sammlungsbewegung auf. Anfang 1991 konstituiert sich die Deutsche Allianz – Vereinigte Rechte (DA-VR) in München, Sprecher werden Jürgen Schützinger, Harald Neubauer und Johannes Pauli. Nach einer Klage der Allianz-Versicherung nennt sie sich DLVH. Am 3. Oktober 1991 findet der offizielle Gründungsparteitag statt, Schützinger, Neubauer und Rudolf Kendzia werden zu Vorsitzenden gewählt. In der Folgezeit wird die Parteistruktur im gesamten Bundesgebiet ausgebaut. Die regionalen Schwerpunkte liegen in Baden-Württemberg und Köln. Als Vorfeldorganisation gründen Franz Glasauer und Peter Dehoust den Förderverein Vereinigte Rechte, der sich für eine übergreifende Zusammenarbeit einsetzt und Schulungsarbeit betreibt. Im Frühjahr 1996 beschließt der Bundesvorstand, auf dem nächsten Bundesparteitag die DLVH in einen eingetragenen Verein umzuwandeln und somit nicht mehr als Partei zu Wahlen anzutreten.

Karl Richter wurde noch im gleichen Jahr Chefredakteur des neuen Parteiorgans „Deutsche Rundschau“, das sich 1994 mit der bereits seit 1990 mit den Deutschen Monatsheften zusammengeschlossenen Zeitschrift „Nation und Europa“ vereinigte.

Quelle Apabiz: Die DLVH hat allen Abgrenzungsbeschlüssen zum Trotz offen auftretende, militante Neofaschisten nie ausgegrenzt. Regional arbeiten Mitglieder mit Aktivisten der verbotenen Wiking Jugend, der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei, der Nationalistischen Front u.a. in Bündnisstrukturen wie dem Frankenrat und dem Deutschen Freundeskreis Nordharz zusammen. Durch die Fusion der offiziell unabhängigen, jedoch völlig auf die DLVH ausgerichteten Deutschen Rundschau 1994 mit Nation und Europa üben Funktionäre der DLVH nun auch Einfluß auf eine der wichtigsten Zeitschriften des deutschen Rechtsextremismus aus. Einfluß auf das rechtsextremistische Spektrum nimmt auch die von Manfred Rouhs herausgegebene Zeitschrift Europa vorn.

Außerdem war Richter von 1998 bis zu dessen Einstellung 2002 auch Chefredakteur des rechtsextremen Magazins Opposition. Seitdem ist er im Redaktionsbeirat der von Gert Sudholt (Gesellschaft für Freie Publizistik) geleiteten und von der Verlagsgesellschaft Berg herausgegebenen Zeitschrift Deutsche Geschichte. Europa und die Welt tätig.

Quelle Bundeszentrale für politische Bildung: Von den Organen des Ablegers der französischen „Nouvelle droite“, des „Thule Seminars“ unter der Ägide von Pierre Krebs, „Elemente“ und „Metapo – Metapolitik im Angriff zur Neugeburt Europas“, erschienen jeweils nur wenige Nummern mit beständig wiederkehrenden (schwülstigen) Inhalten. Das von Karl Richter 1998 gegründete Magazin „Opposition“ (Verlagsgesellschaft Berg) ging wenige Jahre später wieder ein.

Des Weiteren veröffentlichte Richter in der Jungen Freiheit und in der der FPÖ nahestehenden Zeitschrift Die Aula.

Die Aula (Untertitel: Das freiheitliche Magazin) war ein 1951 gegründetes rechtsextremes österreichisches Monatsmagazin, welches 2018 eingestellt wurde. Das Magazin sah sich als Sprachrohr der „national-freiheitlichen“ Studentenverbindungen Österreichs. Medieninhaber war die der FPÖ nahestehende Arbeitsgemeinschaft Freiheitlicher Akademikerverbände Österreichs (FAV). Eigentümer, Herausgeber und Verleger war der Aula-Verlag in Graz.

Ab dem Einzug der NPD in den sächsischen Landtag 2004 war er wissenschaftlicher Berater der Landtagsfraktion. Von  2004 bis 2020 war er Mitglied der NPD. Er verließ die NPD: „dort, wo die AfD antritt, gibt es für die 1964 gegründete mittlerweile Kleinstpartei NPD nichts mehr zu holen. Weder Mandate, noch Gelder und an vielen Orten nicht mal mehr ein Prozent der abgegebenen Stimmen.“ (Quelle) Die Umsetzung des NPD-Urteils vom Bundesverfassungsgericht aus dem Jahr 2017 machte es möglich, der NPD staatliche Gelder zu streichen.

 

1.7. Manfred Aengenvoort 

NPD Bundesvorstand – 2010 mit Andreas Edwin Kalbitz im Vorstand im Verein „Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V.“

Quelle Blick nach Rechts 19.10.2015: Mit dem NPD-Mann Manfred Aengenvoort aus Oberhausen saß Kalbitz ab 2010 sogar gemeinsam im Vorstand. Der ehemalige Vorsitzende des NPD-Bundesschiedsgerichtes Aengenvoort ist nicht das einzige NPD-Mitglied im Verein.

Noch am 11. Januar 2012 wusste die Lotta folgendes zum NPD Mann Aengenvoort zu berichten.

Im Bundesvorstand der NPD ist ihr nordrhein-westfälischer Landesverband zwar nicht mehr mit einem stimmberechtigten Mitglied vertreten* – ganz ohne Einfluss auf der höchsten Ebene der Partei sind die NPDler aus NRW jedoch nicht: Manfred Aengenvoort aus Oberhausen gehört erneut dem Bundesschiedsgericht der Partei an.

 

1.8. Hartmut Höschen

Vorsitzender des NPD-Kreisverbands Unna / Hamm.

Quelle: Ebenfalls im braunen „Kulturverein“ sind Hans-Jochen Voß, Vorsitzender des NPD-Kreisverbands Unna / Hamm, Hartmut Höschen und der rechtsextreme Münchner Stadtrat Karl Richter von der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“. Seit langem Aktivposten in der geschichtsrevisionistischen Vereinigung ist der rechtsextreme Publizist und Multifunktionär Rolf Kosiek.

Es ist der gleiche NPD-Kreisverband, dem auch Hans Jochen Voß angehört.

 

1.9. Hans Jochen Voß

ist ein Politiker der NPD des Kreisverbandes Unna/Hamm, sowie finanzieller Unterstützer „Freier Kräfte“.

Die Lotta berichtete am 16. September 2009:

Jener NPD-Kreisverband, dessen Vorsitzender Voß in der jüngsten Vergangenheit seine Geldbörse für „Autonome Nationalisten“ weit geöffnet hatte (/nrwrex/2009/07/do-3000-euro-f-rs-autonome-nichtstun-teil-2 ), sieht das ähnlich: „Über alle Unterschiede hinweg eint uns ein gemeinsames Ziel. Das Ziel ist das Reich.“ (ts)

2012 wurde bei Voß eine Waffe beschlagnahmt, die er nicht mehr zurück erhielt. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen urteilte letztes Jahr (2019), „dass wer in der NPD eine Führungsfunktion innehat wegen Unzuverlässigkeit keine Waffen besitzen darf“. Das Verwaltungsgericht bezog sich auf das NPD-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes von 2017. Der 71-Jährige hatte gegen die Beschlagnahmung und den Entzug der Besitzkarte geklagt.

Die Waffe wurde im Rahmen einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt, weil Voß enge Verbindungen zu den Kameradschaften Hamm, Aachener Land und zum Nationalen Widerstand Dortmund hatte. Diese Kameradschaften wurden 2012 verboten.

 

1.10. Rolf Kosiek

ist ein deutscher Publizist, Politiker der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und neonazistischer Multifunktionär. Eines seiner Pseudonyme ist „Rudolf Künast“.

Rolf Kosiek gehört dem Führungskreis der im Jahr 2000 von bekannten Rechtsextremisten gegründeten „Deutschen Studiengemeinschaft“ (DSG) an.Vorsitzender der mit der DSG eng vernetzten Gesellschaft für freie Publizistik (GfP), die nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz „die mitgliederstärkste rechtsextremistische Kulturvereinigung in Deutschland“ ist, war er von 1991 bis 2005. Seit 2005 ist er stellvertretender GfP-Vorsitzender.

Quelle Staatsministerium Drucksache 13 /1171: Bei der „Deutschen Studiengemeinschaft“ (DSG) werden derzeit tatsäch-liche Anhaltspunkte für rechtsextremistische Bestrebungen geprüft. Die DSG wurde eigenen Angaben zufolge im August 2000 von bekanntenRechtsextremisten ins Leben gerufen. Die DSG bezeichnet sich selbst als„eine überparteiliche Initiative von unabhängigen Persönlichkeiten“, die„sich aus freiwilligen Spenden finanziert und die Unterstützung all jenerKräfte sucht, die sich für unser Volk und unseren Staat verantwortlich füh-len“. Über ihre Internet-Homepage www.dsg-studiengemeinschaft.de könnenu.a. zu den verschiedensten Themen Veröffentlichungen und Literaturhin-weise abgerufen werden. Daneben wurden an Aktivitäten der DSG bislangnur Flugblätter bekannt, die bei Veranstaltungen der rechtsextremistischen Szene verteilt wurden.

Im Grabert Verlag ist er als Lektor und im Vertrieb tätig. Er setzte sich 2006–2008 für die rechtsextreme NPD-Denkfabrik Dresdner Schule ein, die sich in Abgrenzung zur Frankfurter Schule um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno verstand und „den Multikulturalisten und Umvolkern den politischen Kampf ansagt“.

Quelle Verfassungsschutz: Grabert Verlag/Hohenrain-Verlag: Der 1985 gegründete „Hohenrain-Verlag“ in Tübingen hat seit 2013 faktisch die Nachfolge des „Grabert Verlags“ angetreten. Dieser war offenbar schon seit 2013 nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. Das Unternehmen, 1953 in Tübingen von Herbert GRABERT (1901–1978) als „Verlag der deutschen Hochschullehrerzeitung“ gegründet, hatte seit 1974 unter diesem Namen firmiert. Es zählte nicht nur zu den ältesten, sondern auch zu den bedeutendsten organisationsunabhängigen rechtsextremistischen Verlagen in Deutschland. Zuletzt verfügte der „Grabert Verlag“ über mehrere Tochterunternehmen, darunter der „Hohenrain-Verlag“.

Im Jahr 2013 wurden die Internetauftritte von „Grabert Verlag“ und „Hohenrain-Verlag“ zusammengelegt. Das daraus hervorgegangene Portal „Buchdienst Hohenrain“ führt im Logo nur noch den „Hohenrain-Verlag“. Auch erscheint die Publikation „Euro-Kurier – Aktuelle Buch- und Verlags-Nachrichten“, deren Beiträge zu einem erheblichen Teil auch der Werbung für Publikationen aus den Verlagen Grabert und Hohenrain dien(t)en, seit Sommer 2013 nicht mehr im „Grabert Verlag“, sondern im „Hohenrain-Verlag“. Der „Euro-Kurier“, bis einschließlich Januar 2014 in der Regel monatlich veröffentlicht, wurde mit der Februarausgabe 2014 auf eine zweimonatliche Erscheinungsweise umgestellt.

Er ist Vorstandsmitglied des von Walter Staffa geführten „Deutschen Seminars“ und seit 2001 Vorsitzender des „Deutschen Kreises von 1972“, der in der Druckschrift „Rechtsextremismus“ des baden-württembergischen Landesamts für Verfassungsschutz als Vereinigung rechtsextremistischer Bestrebungen aufgeführt ist.

Quelle Drucksache 13/895 „Deutscher Kreis 1972 e. V.“ ist ein Ableger des „Deutschen Seminars“ rund um den Alt-Nazi Walter Staffa, selbst Nürtinger.

Beide Vereinigungen haben ihren Sitz in Nürtingen. Er ist im Beirat der rassistischen, ehemals von Jürgen Rieger geführten Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GbfAEV), ist Mitglied des „Witikobundes“, des „Aktionskreises des Witikobundes“ (Sitz: Nürtingen), ist aktiv tätig im revisionistischen Verein Kultur und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit.

Quelle Drucksache 13/895: Vorsitzender des »Deutschen Seminars« ist Walter Staffa. Er schreibt in einem der Einladung angehefteten Begleitschreiben, das mit »Gedanken zur Lage« überschrieben ist: »50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben alle Europäer, vor allem wir Deutschen, die Erfahrungen dieses Jahrhunderts gründlich zu überdenken.« Staffa fährt dann mit den typischen rechtsextremen Ideologemen fort: »Wahrheitswidrig wurde unser Volk durch die Lügenpropaganda der ,Sieger` einseitig mit der Schuld schon am Ersten Weltkrieg belastet. Durch unermeßliche Reparationsauflagen, Raub des Volksvermögens, Annexion uralter rechtmäßiger deutscher Siedlungsgebiete und durch viele weitere Unrechtshandlungen wurde die geopolitisch für ganz Europa so wichtige Mitte geschwächt, das Rechtsempfinden schwerstens geschädigt, das Selbstbestimmungsrecht schändlich verraten. Trotz vieler warnender Stimmen haben die meisten verantwortlichen Politiker aus dieser europäischen Tragödie immer noch nicht die notwendigen Lehren gezogen. Im Gegenteil: Im Zweiten Weltkrieg und nachher kam es zu noch grausameren Verbrechen, zu unfaßbaren Unmenschlichkeiten! 18 Mio. Menschen, davon fast 16 Mio. Deutsche, wurden aus ihrer Heimat vertrieben, dabei über 3 Mio. zum Teil bestialisch ermordet. Die in keiner Weise verantwortlichen Ziele des sowjetischen Imperialismus, des chauvinistischen Nationalismus der Polen und Tschechen wurden von den demokratischen Westalliierten nicht nur hingenommen, sondern sogar aktiv unterstützt, gegen Atlantik-Charta und Haager Landkriegsordnung. Alles unverjährbare Verbrechen gegen Menschen- und Völkerrecht.

 

Kosiek war von 1968 bis 1972 Landtagsabgeordneter der NPD in Baden-Württemberg, ab 1968 bis 1973 für die NPD Mitglied des Gemeinderats von Heidelberg, von 1973 an im NPD-Bundesvorstand und 1977 stellvertretender NPD-Vorsitzender in Baden-Württemberg. Kosiek galt als einer der Chefideologen der Partei.

Seit Ende der 1970er Jahre hatte er enge Verbindungen zum Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes (DKEG), bei dem er mehrfach als Referent auftrat.

Quelle Apabiz: Das Deutsche Kulturwerk europäischen Geistes (DKEG) wurde von ca. 30 Personen unter Federführung von Herbert Böhme gegründet. In der Folgezeit vereinigen sich im DKEG überwiegend »kulturschaffende« Personen, die sich der »Pflege volkhaft-konservativer Literatur«[1] verschrieben haben. Versehen mit 100.000 DM Starthilfe durch den Stifterverband der deutschen Industrie schafft das DKEG bundesweit sogenannte »Pflegstätten« als kulturelle Zentren, von denen sechs Jahre später bereits 68 und Anfang der 60er Jahren schon über 100 (bei etwa 2.000 Mitgliedern) existieren. 1970 gründen Mitglieder des DKEG die Deutsche Akademie für Bildung und Kultur und die Deutsche Kunststiftung der Wirtschaft. 1979 spaltet sich die Deutsche Kulturgemeinschaft (DKG) unter der Regie von Alfred E. Manke und Gernot Mörig (Bund Heimattreuer Jugend) ab. Das DKEG-Österreich schließt sich unter Beibehaltung seines Namens der DKG an.

Als Referent trat Kosiek für den Verein Dichterstein Offenhausen, die Deutsche Liga für Volk und Heimat und beim Schutzbund für das deutsche Volk auf. Kosiek arbeitete eng mit Walter Staffa und anderen Repräsentanten der DSG sowie mit den anderen Vorstandsmitgliedern der GfP zusammen und hat immer noch große Bedeutung als Stratege und Ideologe der NPD und ähnlicher Gruppierungen.

Der Rechtsextremismusexperte und Publizist Hans-Henning Scharsach nannte Kosiek im Zusammenhang mit der Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund: „Der radikale Antisemit und Rassentheoretiker zählt zu den führenden Ideologen des braunen Milieus, in dem jenes neonazistische Mördertrio untertauchen konnte, das unter dem zynischen Begriff ‚Kebab-Mörder‘ im Herbst 2011 auch in Österreich Schlagzeilen machte“.

 

2. Der Verein Gedächtnisstätte e.V. und die Gedächtnisstätte Guthmannshausen

„Der konkrete Anlaß zur Gründung des Vereines Gedächtnisstätte [1992 in Seevetal durch Ursula Haverbeck-Wetzel, Collegium Humanum] ist laut […] Eigendarstellung die Tatsache gewesen, daß es Jahrzehnte nach dem historischen Geschehen – auch nach dem Fall der Berliner Mauer und der Vereinigung von West- und Mitteldeutschland – von offizieller Seite immer noch keinen zentralen Gedenkort für die Opfer von Flucht, Vertreibung, Bombenkrieg und Kriegsgefangenschaft gebe. Daher sei insbesondere von einem kleineren Kreis von Vertriebenen der Versuch unternommen worden, mit Hilfe einer solchen Initiative doch noch zu Lebzeiten der letzten Zeitzeugen die Errichtung einer aus rein privaten Mitteln finanzierten Gedächtnisstätte zu ermöglichen, zum anderen aber auch die Diskussion um eine offiziellen Gedenkort zu befördern.“ (Quelle)

Der Name des Ortes Guthmannshausen geht auf den germanischen Gott Wotan zurück: Wodaneshusun

Für den 2. und 3. August 2014 kündigte der geschichtsrevisionistische und extrem rechte Verein „Gedächtnisstätte e.V.“ die Eröffnung eines „Denkmals“ auf seinem Gelände in Guthmannshausen (Kreis Sömmerda) an. Es wird ausschließlich an die „deutschen“ Opfer der Umsiedlungen am Ende des zweiten Weltkrieges aus „Pommern“, „Ostbrandenburg“ und „den Siedlungsgebieten im Osten Europas“ erinnert.

Im Jahr 2011 erwarb der „Gedächtnisstätte e.V.“ im thüringischen Guthmannshausen ein Rittergut. In dem Beitrag „Braunes Netzwerk im Thüringer Becken“ auf ZEIT ONLINE wird von dem Ruf des „Gedächtnisstätte e. V.“, ein Teil eines bundesweiten Netzwerks von Holocaustleugnerinnen und Holocaustleugnern sowie Geschichtsrevisionistinnen und Geschichtsrevisionisten zu sein, geschrieben.
Quelle Drucksache 5/3612: Frau Bettina Maria Wild-Binsteiner hat mit notariellem Vertrag im Mai 2011 die Immobilie erworben. Das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz hat erst im Nachhinein Kenntnis über den Kauf erhalten.

Im August 2014 wurde beim Verein „Gedächtnisstätte“ ein Denkmal eingeweiht, woran sich extreme Rechte beteiligten.

Quelle Drucksache 6/4034: Dem Vorstand des Vereins „Gedächtnisstätte e. V.“ (Sitz in Vlotho/Nordrhein-Westfalen) gehören drei Personen aus Niedersachsen, Baden-Württemberg und Thüringen mit zahlreichen Kontakten in die rechtsextremistische Szene an. Bei einem Vorstandsmitglied handelt es sich um einen rechtsextremistischen Publizisten. Er war zudem Vorstandsmitglied der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP).In den letzten fünf Jahren ist es in Thüringen zu keiner Verurteilung der Mitglieder des Vorstands der „Gedächtnisstätte e.V.“ gekommen.Im Übrigen wird unter Hinweis auf § 51 Bundeszentralregistergesetz und Artikel 67 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der
Verfassung des Freistaats Thüringen und § 477 Abs. 2 Satz 1 der Strafprozessordnung insbesondere aus Datenschutzgründen (Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung nach Artikel 2 Abs. 1 in Verbindung mit Artikel 1 Abs. 1 Grundgesetz, Artikel 6 Abs. 2 der Verfassung des Freistaats Thüringen) und vordem Hintergrund der im Strafverfahren zu beachtenden Unschuldsvermutung (Artikel 6 Abs. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten) von weiteren Angaben abgesehen (vergleiche auch Beschluss des Thüringer Oberverwaltungsgerichts vom 5. März 2014, Az.: 2 EO 386/13).
Quelle Drucksache 6/4034: Der Verein „Gedächtnisstätte e. V.“ führte am Wochenende vom 2. bis zum 3. August 2014 in der Kultur- und Tagungsstätte in Guthmannshausen eine zweitägige Veranstaltung durch. Anlässlich seines 22-jährigen Bestehens weihte der Verein ein sogenanntes Denkmal für die zivilen deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs ein. Bei dem Denkmalbereich handelt es sich um zwölf Granitsteine, die um einen Zentralstein (Obelisk) angeordnet sind.

Die Eröffnung dieses „Denkmals“ wurde unter anderem in der Ausgabe (Nr. 3-2014) der offen antisemitischen Zeitschrift „Stimme des Reiches“ beworben. (Liegt Thüringen Rechtsaußen vor).

 

Einweihung Guthmannshausen. HMA-Archiv/VVN-BdA NRW

 

 

Einweihung Guthmannshausen. HMA-Archiv/VVN-BdA NRW

 

Ein Kuriosum ist das sowohl Videos als auch Bilder zur Einweihungsfeier in Guthmannshausen aus dem Netz verschwunden sind. Einige werden sich jetzt fragen „Waren da etwa AfD Mitglieder oder andere wichtige Personen der AfD vor Ort?“.

Zumindest 2016 wusste Thüringen Rechtsaußen zur AfD und Guthmannshausen folgendes zu berichten:

Quelle Thüringen Rechtsaußen: Am 23. Juli 2016 fand in der geschichtsrevisionistischen Gedenkstätte Guthmannshausen im Landkreis Sömmerda erneut ein Neonazi-Treffen um den NPD-Europaabgeordneten Udo Voigt statt, wir hatten im Vorfeld darüber berichtet. Laut der Neonazi-Gruppe „Wir lieben Sachsen / Thügida“ nahmen daran u.a. „Mitglieder der NPD, der Partei DIE RECHTE, der AfD (PatriotischePlattform), der DSU und Bürgerinitiativen“ teil. Auch die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck hielt eine Rede. Das Treffen der extremen Rechten mit Beteiligung aus mehreren europäischen Ländern wurde als „Zeichen der Einigkeit, gegen den schon krankhaften Distanzierungswahn“ bezeichnet. Auf einem Foto im Zentrum der Gedenkstätte posiert eine Frau im schwarzen Jacket gemeinsam mit den NPD-Aktivisten Karl Richter und Udo Voigt. Bei der Frau handelt es sich um Uta Nürnberger, die für die AfD bei der Leipziger Stadtratswahl 2014 kandidierte und an der Ausarbeitung des AfD-Landtagswahlprogramms beteiligt war.

Europäisches Neonazi-Treffen in Guthmannshausen am 23. Juli 2016: links Karl Richter (NPD), rechts: Udo Voigt (NPD), mitte: Uta Nürnberger, 2014 AfD-Stadtratskandidatin, am AfD-Landtagswahlprogramm in Sachsen beteiligt, Schriftführerin bei Gründung der „Patriotischen Plattform“ – Bildquelle Thüringen Rechtsaußen

 

Auf dem Bild zwischen den beiden NPD-Spitzen Karl Richter und Udo Voigt steht (laut Richter: „Schulterschluß unter Patrioten. Mit Uta Nürnberger (AfD) und Udo Voigt, MdEP.“) Uta Nürnberger. Die NPD ist begeistert von diesem „Zusammenschluss der Patrioten“.

Im Vorfeld zu Guthmannshausen gab es weitere Treffen – Quelle Gegen die AfD

Nürnberger kandidierte bei der Leipziger Stadtratswahl 2014 im Wahlkreis 9 für die AfD und war an der Ausarbeitung des Landtagswahlprogramms beteiligt (AG Familie, Bildung, Hochschule, Wissenschaft).

Nürnberger hatte sich bereits an einem stammtischartigen Zusammenschluss von Pegida, Legida, Magida, NPD, die Rechte und „3. Weg“ namens „Weißer Rabe“ beteiligt.

Quelle Jungewelt: Magida ist mit der NPD, der Partei Die Rechte und der »Alternative für Deutschland« (AfD) sowie der Leipziger Organisation »Offensive für Deutschland« (OFD) bestens vernetzt. OFD-Gründer Silvio Rösler, Ex-Legida-Chef, ist Mitorganisator »überparteilicher« Treffen, sogenannter Stammtische. Diese firmieren unter dem Label »Weißer Rabe« und finden regelmäßig in Leipzig, Dresden und ab dieser Woche auch in Magdeburg statt. Im brandenburgischen Rathenow sind ebenfalls solche Treffen geplant, wie die Gruppe selbst auf ihrer Facebook-Seite informiert. Neben Pegida-, Legida- und Magida-Funktionären tummeln sich beim »Weißen Raben« nach jW-Informationen Kader von AfD, NPD, Die Rechte und »Der III. Weg«. Gesichtet wurden dort unter anderem Holger Weidner (NPD, Magida), der sachsen-anhaltische Vorsitzende und Bundesvize der Partei Die Rechte, Roman Gleißner, die sächsische AfD-Funktionärin Uta Nürnberger, Ex-Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel sowie Alexander Kurth, ehemals NPD, heute Die Rechte Sachsen. Im Internet brüsten sich die Protagonisten auch mit Kontakten zur Gruppe »Wir sind Deutschland« (WSD), die zuerst in Plauen mit »Sonntagsdemos« auftrat, inzwischen aber auch anderweitig in Sachsen aktiv ist. Mittlerweile tritt WSD, angelehnt an GSD, mit dem Namenszusatz »Nur gemeinsam sind wir stark« auf.

Auch die rechtsradikale Sammelbewegung Wir lieben Sachsen/Thügida, um Ex-Legida-Anführer Silvio Rösler, Ex-Initiative Heimatschutz Meißen-Mitglied Anne Zimmermann und NPD-Kader David Köckert, brüstete sich mit der Teilnahme eines Mitglieds der AfD, genauer der Patriotischen Plattform.

Uta Nürnberger war an der Erarbeitung des AfD-Landtagswahlprogramm in Sachsen beteiligt und trat 2014 im Wahlkreis 9 zur Leipziger Kommunalwahl an. Außerdem war sie gemeinsam mit Felix Koschkar, Roland Ulbrich und Hans-Thomas Tillschneider in der Patriotischen Plattform Sachsen aktiv.

Als sich im gleichen Jahr als AfD-internes Sammelbecken für konservative Parteimitglieder die „Patriotische Plattform“ gründete, wurde Nürnberger zur Schriftführerin der Plattform bestimmt und Hans Thomas-Tillschneider als Vorsitzender. Es war nicht die erste Veranstaltung der Thüringer Neonazi-Szene mit Unterstützung aus AfD-Kreisen. Bei den „Sügida“-Aufmärschen, die seit Januar 2015 in Suhl durchgeführt wurden, waren mehrfach Mitglieder der AfD beteiligt. Die Aufmärsche wurden maßgeblich durch die in Südthüringen aktiven Neonazis Tommy Frenck, Yvonne Wieland und Patrick Schröder organisiert.

Bezüglich Heiko Bernady  und Höcke und gab es scheinbar auch hier ein Treffen, im Bezug zu Sügida. Dies wird vom früheren thüringischen AfD-Chefs Matthias Wohlfahrt angeführt.

Wohlfahrt berichtet in einer dem Parteiausschlussantrag beigefügten Erklärung unter anderem über ein „geheimes Treffen“ des früheren Südthüringer AfD-Kreischefs Heiko Bernardy mit Höcke.

Quelle Thueringen Rechtsaußen: Ein prominentes AfD-Mitglied, Heiko Bernady, trat sogar als Redner auf. Er war Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Südthüringen und Mitarbeiter der AfD-Abgeordneten Corinna Herold, die sich nach dem öffentlichen Druck von ihm trennte. Bernady trat ebenfalls bei einer Sügida-Saalveranstaltung in der Immobilie des Neonazis Tommy Frenck in Kloster Veßra auf, die regelmäßig für Neonazi-Konzerte genutzt wird. Einige Thüringer AfD-Abgeordnete sind weiterhin mit Bernady befreundet. Auch Thomas Rudy scheinen die Aktivitäten von Bernardy egal zu sein, über ihre privaten Facebook-Profile sind beider weiterhin verbunden. Bis zum Februar 2014 war auch David Köckert Mitglied der AfD in Thüringen, in den Monaten zuvor organisierte er rassistische Aufmärsche in Greiz. Nach dem er zeitweise das prominenteste Gesicht der Thüringer NPD war, ist er inzwischen der Motor des neonazistischen Netzwerkes „Thügida“.

 

2.1. Ursula Haverbeck-Wetzel

Ursula Haverbeck-Wetzel lebte nach eigenen Angaben vier Jahre in Schweden, studierte danach Pädagogik, Philosophie und Sprachwissenschaften, unter anderem zwei Jahre in Schottland.

Bildquelle AntifaInfoblatt / Apabiz / Antifa Bielefeld West um 2006/2008

1970 heiratete sie Werner Georg Haverbeck, der von 1929 bis 1932 in der Reichsleitung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) und von 1933 bis 1934 in der Reichsleitung der NSDAP mitgearbeitet hatte.

Weltbund zum Schutz des Lebens

Ursula Haverbeck war von 1983 bis 1989 Präsidentin des Weltbundes zum Schutz des Lebens, Sektion Deutschland, und offenbarte in diesem Amt ihre ablehnende Haltung gegenüber dem westlichen System in der Bundesrepublik Deutschland.

Der Weltbund zum Schutze des Lebens BRD e.V. (WSL-D) ist bis 1985 die BRD-Sektion des Weltbundes zum Schutze des Lebens International (WSL-I). Seitdem ist diese ein eigenständiger Verband, der zwar in Landesverbände untergliedert ist, jedoch zentral von Vlotho aus geleitet wird. Bis 1974 arbeitet die Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung als Arbeitskreis Humangenetik (Jürgen Rieger!, Dr. Siegward Knof (Zweiter Vorsitzender), Dr. Wielant Hopfner ) im WSL-D mit. Wichtige Mitglieder sind Baldur Springmann und Dieter Vollmer.

1958 gründet Günther Schwab den in Österreich ansässigen WSL-I. 1960 folgt die Gründung des WSL-D durch den Euthanasiearzt Walter Gmelin.

In den 70er Jahren steht der WSL-D im Zentrum der entstehenden Ökologiebewegung. Im (ideologischen) Umfeld des WSL-D und räumlich im Collegium Humanum (CH) finden die Vorfeldgespräche zur Gründung sowohl der Grünen als auch der Unabhängigen Ökologen Deutschlands statt. 1980 veröffentlicht der WSL-D in seiner Publikation Lebensschutzinformationen das Memorandum Gastarbeiter als Ökologisches Problem, welches später auch in Nation und Europa abgedruckt wird.

Die Unterschrift des WSL-D findet sich auch unter dem Krefelder Appell. 1981-1982 kommt es durch die offen antisemitischen und rechtsextremistischen Aktivitäten des damaligen Präsidenten Cohrs zu einer innerverbandlichen Krise, infolge derer viele Personen und ganze Landesverbände austreten.

Dadurch kommt es zu einer Stärkung der rechtsextremen Gesamttendenz. 1985 wird der WSL-D vom WSL-I ausgeschlossen und arbeitet seitdem eigenständig. Bis heute ist der WSL-D im ökologischen Bereich aktiv und versucht die dortigen rechten Entwicklungen zu begleiten und zu fördern.

Seit 1969 erscheinen als Organ des WSL-D die Lebensschutzinformationen – Stimme des Gewissens ( L S I ) mit einer monatlichen Auflage von mehreren tausend Exemplaren.

Die LSI wird vom WSL-D und CH gemeinsam herausgegeben. Hauptautoren sind Ursula Haverbeck-Wetzel, Ernst Otto Cohrs und Werner Georg Haverbeck.

Neben Beiträgen zu Umweltschutz, AKW-Technik und Gentechnik finden sich in der Zeitung auch »geschichtsrevisionistische« Artikel zur Bombardierung Dresdens, wie z.B. Plädoyers für einen neuen Patriotismus mit einem Artikel von Alfred Mechtersheimer.

Der WSL-D ist mit dem Collegium Humanum verflochten: Das CH stellt seine Räumlichkeiten für Seminare und Treffen zur Verfügung, die neben dem WSL-D auch von anderen Gruppen genutzt werden. Zu nennen sind der Bund Heimattreuer Jugend, der Bund der Goden, das Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers, der Witikobund und der Verein Gedächtnisstätte. Enge Verbindungen bestanden zur Freisozialen Union. Durch Haverbeck bestanden Kontakte zur Gustav Heinemann Initiative und zum Deutschen Rat für Umweltschutz.

 

Verein Collegium Humanum

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1999 übernahm sie zahlreiche seiner Funktionen, so auch den Vorsitz des mit ihm 1963 als „Heimvolkshochschule für Umwelt und Lebensschutz“ gegründeten und seit Mai 2008 verbotenen Collegium Humanum in Vlotho. Die „Heimvolkshochschule“ wurde ein für viereinhalb Jahrzehnte viel besuchter Tagungsort.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat das CH am 7. Mai 2008 verboten. Das Verbot betrifft den Verein „Collegium Humanum“ einschließlich seiner Teilorganisation „Bauernhilfe e.V.“ sowie den „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“.


Quelle Belltower News: Das Verbot erfolgt gemäß § 3 des Vereinsgesetzes. Beide Vereine richten sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik Deutschland und verstoßen durch ihre fortgesetzte Leugnung des Holocaust gegen geltendes Recht“
, so die Begründung des Ministeriums.

Das Haus „Collegium Humanum“ in hatte rund 50 Betten und Räume für etwa 150 Personen. Die Vorsitzende Ursula Haverbeck-Wetzel ist eine verurteilte Holocaustleugnerin und zugleich stellvertretende Leiterin des „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ (VRBHV). Sowohl der VRBHV als auch die rechtsextreme Reichsbürgerbewegung und neonazistische Kameradschaften nutzten das CH regelmäßig als Tagungsstätte. Auch Auftritte rechtsextremer Bands fanden dort statt. Mehrfach wurde der Rechtsextremist Horst Mahler für Vorträge eingeladen.

Die vom CH herausgegebene Zeitschrift Stimme des Gewissens mit rund 3000 Exemplaren enthält laut Verfassungsschutz zahlreiche revisionistische Aufsätze. 2003 wurden zwei Ausgaben wegen Holocaustleugnung beschlagnahmt.

 

Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten (VRBHV)

Bereits vor der Wende 1989 pflegte sie Verbindungen zu politisch rechten Gruppierungen wie der NPD mit dem Ziel einer großen nationalen Sammlungsbewegung in Deutschland. Diese Ausrichtung verstärkte sich in den Folgejahren. So wurde sie als stellvertretende Leiterin in dem Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten (VRBHV) aktiv, der am 9. November 2003, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, in Vlotho gegründet wurde. Vorsitzender ist der Schweizer Holocaustleugner Bernhard Schaub. Daneben haben fast alle bekannten Leugner des Holocaust, darunter Ernst Zündel (Kanada), Robert Faurisson (Neonazi aus Frankreich), Germar Rudolf, Jürgen Graf, der österreichische Neonazi Gerd Honsik, Wilhelm Stäglich, Fredrick Toben (Australien), Andres Studer, Hans-Dietrich Sander, der Rechtsterrorist Manfred Roeder, Frank Rennicke und Anneliese Remer an der Gründung mitgewirkt.

Gedächtnisstätte e. V.

1992 gründete Haverbeck den rechtsextremen Gedächtnisstätte e. V. in Seevetal. 2014 eröffnete der Verein eine „Gedächtnisstätte für die deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs“ in Guthmannshausen. Der Verein wird vom Verfassungsschutz Niedersachsen beobachtet.

Der Verfassungsschutz Niedersachsen schreibt 2011 (Link)

„Ein weiteres Beispiel für revisionistische Organisationen ist der 1992 gegründete Verein Gedächtnisstätte e. V. Vorsitzende war zunächst die Rechtsextremistin Ursula HAVERBECKWETZEL, 2003 folgte Wolfram SCHIEDEWITZ aus Seevetal (Landkreis Harburg). Gemäß Satzung will der Verein eine würdige Gedächtnisstätte für die deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges durch Bomben, Verschleppung, Vertreibung und in Gefangenenlagern errichten. Der Verein arbeitet eng mit verschiedenen rechtsextremistischen Verbänden und Vereinen ähnlicher Zielsetzung, u. a. der Schlesischen Jugend, zusammen.
[…]
Von 2007 bis 2009 unterhielt der Verein Räumlichkeiten im sächsischen Borna, die er verschiedenen rechtsextremistischen Gruppierungen zur Verfügung stellte. Im September wurde bekannt, dass der Verein im thüringischen Guthmannshausen Räumlichkeiten über ein Vereinsmitglied erworben hat. Als Referentin der ersten Veranstaltung sprach die Holocaustleugnerin HAVERBECK-WETZEL.“

 

Ursula Haverbeck/ Verein Gedächtnisstätte e.V und die AfD

In welchem Umfang Ursula Haverbeck direkt Kontakte in die oder im Umfeld der AfD hat, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Prominente AfD-Funktionäre (wenn man von Doris von Sayn-Wittgenstein mal absieht), werden es vermeiden, die Gedächtnisstätte in Guthmannshausen als Redner zu besuchen. Aufschlußreich dürfte allerdings eine Rede von Björn Höcke auf einer Kundgebung sein, in der er Ursula Haverbeck verteidigte:

Bei einer Kundgebung empört sich der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke über die Gefängnisstrafe der Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck. Es spricht von „Meinungsdelikt“. Höcke verharmlost  also das Leugnen der Massenvernichtung der Juden im Dritten Reich als „Meinungsdelikt“. Das Deutsche Strafrecht kennt natürlich keine „Meinungsdelikte“, sondern „Äußerungsdelikte“, die gegen die Menschenwürde oder die freiheitlich demokratische Grundordnung gerichtet sind. Auch hier gilt wieder: Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

Björn Höcke provoziert gerne. Der Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzende gehört in der Partei zum völkisch-nationalen Flügel und weiß, wie man auf der Klaviatur des Nationalismus spielt, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Quelle Panorama: Am 28.10.2016 hat Höcke auf einer Kundgebung in Gera die Holocaust-Leugnerin verteidigt, die wegen eines “Meinungsdeliktes” für mehrere Jahre ins Gefängnis gehe, während Vergewaltiger mit dem “richtigen” Hintergrund auf Bewährung frei kämen.

Bei dieser Kundgebung in Gera beklagte sich Höcke, dass eine fast 90-jährige (die heute 91 Jährige war zu diesem Zeitpunkt 88 Jahre alt) Seniorin von einem Gericht zu elf Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden ist.

Sie habe öffentlich einen „historischen Sachverhalt“ geleugnet. Was Höcke in seiner Rede verharmlosend als „sogenannte Meinungsdelikte“ bezeichnete, ist die Leugnung des Holocausts. Die Frau, die er verteidigt, ist die notorische Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck. Die Frau ist inzwischen acht Mal wegen Volksverhetzung verurteilt worden.

Im Umfeld der AfD agiert die Volksliedertafel Dresden, die direkten Kontakt nach Guthmannshausen vorweisen kann, besagte Volksliedertafel, trat auch bei Veranstaltungen der Jungen Alternative auf, und im Vorprogramm der Dresdner Rede im Ballhaus Watzke von Höcke in 2018.

Quelle Fuchsenrot: Allerdings tritt die Gruppe nicht nur bei Pegida auf. 2016 wurde auf der Sonnenwendfeier des Chemnitzer Vereins „Heimattreue Einsiedel e.V.“ musiziert, 2017 als Rahmenprogramm zu Björn Höckes bekannter Dresdner Rede im Ballhaus Watzke und 2018 bei Veranstaltungen von „Zukunft Heimat“ in Cottbus und Sagritz. Auch für interne Veranstaltungen der Jungen Alternative Sachsen (August 2018) sowie des Dresdner AfD-Verbands (Dezember 2017) lassen sich Auftritte nachweisen.

Der im nordvogtländischen Reichenbach gegründete Freundeskreis hat zum Ziel, den ehemaligen NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt wieder an die Spitze der rechtsextremen Szene zu bringen. Laut dem sächsischen Verfassungsschutz haben die Mitglieder des Freundeskreises eine Verbindung zur Kameradschaft „Revolutionäre Nationale Jugend“.  (Quelle Endstation Rechts)

Quelle Fuchsenrot: Im Jahr zuvor – am 9. Dezember 2017 – gab die Volksliedertafel Dresden gemeinsam mit dem Nazi-Liedermacher Frank Rennicke das Rahmenprogramm einer Lesung des NPD-Europaabgeordneten Udo Voigt in Guthmannshausen. An einem anschließenden Gedenkritual mit Fackeln und Fahnen nahm mindestens ein Volksliedertafel-Musiker teil.

 

2.2. Wolfram Schiedewitz

Der Landschaftsarchitekt Wolfram Schiedewitz mit Büros in Seevetal-Ramelsloh und Schwerin ist Vorsitzender vom Verein „Gedächtnisstätte„, der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft und seit Jahren beobachtet wird.

Der Verein residiert auf dem ehemaligen Rittergut Gutmannshausen (Thüringen). Auf einer ersten Veranstaltung vom Verein sprach dort die verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck.

Die Telefon- und Fax-Nummer des rechtsextremistischen Vereins „Gedächtnisstätte“ sind identisch mit den Büroanschlüssen vom Landschaftsarchitekten Schiedewitz in Seevetal-Ramelsloh.(Stand 2012 Drucksache 16/4649)

Quelle Drucksache16/4649: Wolfram Schiedewitz, der Verein „Gedächtnisstätte“ und seine Aktivitäten im Land Niedersachsen Wolfram Schiedewitz ist Vorsitzender des Vereins „Gedächtnisstätte“, der von den Sicherheitsbehörden als rechtsextremistisch eingestuft und seit Jahren beobachtet wird. Schiedewitz und sein Verein gehören einem bundesweiten Netzwerk von Holocaustleugnern und Geschichtsrevisionisten an. In einer Antwort auf eine Anfrage mit dem Titel „Geschäftsbeziehungen des Landschaftsarchitekten Wolfram Schiedewitz mit dem Land Niedersachsen“ räumte die Landesregierung ein, dass das Land Niedersachsen mit Schiedewitz in den 1980er- und 1990er-Jahren Geschäftsbeziehungen pflegte.

Schiedewitz gehört nach Angaben der Sprecherin des niedersächsischen Verfassungsschutzes zu einem bundesweiten Netzwerk aus Holocaust-Leugnern und Geschichtsrevisionisten. Der Landschaftsarchitekt gibt auf seiner Internetseite unter Referenzen eine Vielzahl von öffentlichen Auftraggebern an, darunter auch die Gemeinde Rosengarten (Stand 2012 Drucksache 16/4649).

Quelle Drucksache 16/4477: Der Landschaftsarchitekt Schiedewitz ist Ende der 1980er- bis in die 1990er-Jahre mehrmals von den früheren Staatshochbauämtern, die später im Staatlichen Baumanagement Lüneburger Heide aufgegangen sind, beauftragt worden. Bei den ermittelten Aufträgen des Büros handelt es sich überwiegend um Leistungen in Liegenschaften, die bereits vor längerer Zeit abgegeben wurden und vom Staatlichen Baumanagement nicht mehr betreut werden.Die Vertragsunterlagen liegen nicht mehr vor, da die Aufbewahrungs-fristen für die Verträge bereits abgelaufen sind. Den Erinnerungen älterer bzw. ehemaliger Mitarbeiter des Staatlichen Baumanagement zufolge hat das Büro folgende Aufträge bearbeitet. Da es sich um Gedächtnisangaben handelt, kann für die Vollständigkeit der Aufzählung keine Gewähr übernommen werden

Desweiteren tauchte Schiedewitz im Umfeld der Hamburg Harburger Gelbwesten auf. Die Linke stellte

Quelle Antrag der Linke Hamburg: Seit Ende 2018 wurde eine von der sogenannten Gruppe „Gelb-Westen Sektion Hamburg“  organisierte Kundgebung regelmäßig sonnabends um 14  Uhr auf dem Harburger Rathausplatz abgehalten. Maßgeblich beteiligt an dieser Gruppe ist nach Aussage der Gruppe „Harburger Bündnis Einig gegen Rechts“ auf ihrer Facebook-Seite der als rechtsradikal bekannte Klaus-Wolfram Schiedewitz, der Vorsitzender des rechtsextremen Vereins „Gedächtnisstätte e. v.“ im thüringischen Guthmannshausen ist. Schiedewitz gehört laut Aussage der Verfassungsschutz-Sprecherin Maren Brandenburger in einem Artikel der „Morgenpost“ von 2012 zu einem „Netzwerk von Holocaustleugnern und Geschichtsrevisionisten, die das nationalsozialistische Deutschland von Schuld reinwaschen“ wollen. Die Gruppe um Schiedewitz hängt sich an die Protestaktionen der französischen „Gelbwesten“ an, um in Harburg öffentlich rechtsradikale Parolen zu verbreiten, In ihrem Flugblatt fordern sie u. a.  die „Abschaffung des Volksverhetzungsparagraphen“, ein „Europa der Vaterländer“ und die „Beendigung der Besetzung unseres Landes“, was die Gruppe auch in die Nähe der sogenannten „Reichsbürger“ rückt. Zwar haben sich die „Gelbwesten“ nach antifaschistischen Protesten am 9. Februar momentan vom Harburger Rathausplatz zurückgezogen, sie sind aber nach wie vor aktiv, so traten sie mittlerweile auch vor dem Kaufhaus „Saturn“ in der Hamburger Innenstadt in Erscheinung. Es ist deshalb wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder öffentlich im Bezirk Harburg auftreten.

 

2.3. Paul Latussek

Paul Latussek war von 1992 bis 2001 Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen (BdV) und 1990 bis 2001 dessen Landesvorsitzender in Thüringen. Er war bis 2001 auch Landesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien. Außerdem war er 1990 Abgeordneter der Volkskammer der DDR sowie Landesvorsitzender der Deutschen Sozialen Union (DSU) und wollte als AfD.Mitglied 2013 den AfD-Kreisverband Ilm ohne Mandat der AfD gründen. Latussek ist ein verurteilter Volksverhetzer. Und er ist aktuell Schatzmeister des Vereins Gedächtnisstätte e.V., der in Guthmannshausen die Gedächtnisstätte betreibt.

Latussek publizierte in zahlreichen rechtskonservativen oder rechtsextremen Zeitschriften wie Nation und EuropaDeutsche Wochenzeitung und Junge Freiheit. 1995 erschien ein Beitrag Latusseks in einem Buch des Hohenrain-Verlags, einer Tochter des als rechtsextrem eingestuften Grabert-Verlags. Bei einer Veranstaltung der rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik (GfP) trat er 1997 als Referent auf. 1998 soll Latussek die Finanzierung einer Werbetafel im Ilm-TV, einem regionalen Fernsehsender, übernommen haben, mit der zur Teilnahme an einer Demonstration der NPD und militanter Freier Kameradschaften am 1. Mai in Leipzig aufgerufen wurde.

Für das Personal der neu gegründeten Alternative für Deutschland (AfD) wäre das gewiss noch eine milde Bezeichnung. In Thüringen beispielsweise taucht mit dem 77-jährigen Paul Latussek ein Mann bei dieser Partei auf, der seit den neunziger Jahren eine ziemlich bräunliche Spur hinterließ. In Ilmenau initiierte er jetzt die Gründung eines Ilmkreis-Verbandes der AfD.

Im Thüringer Landtag verteilte Latussek am 16. Mai 2000 ein Flugblatt mit dem Titel „Was jeder Deutsche wissen sollte“.

Hierbei beklagte er unter anderem eine „willkürliche Verschiebung der deutschen Ostgrenze an die Oder und Neiße“, weil dies einen „Gebietsverlust des Gebietes des Deutschen Reiches“ bedeutet habe.

Außerdem warf er Polen und Tschechien eine „Misshandlung von Kindern und Jugendlichen bei der Zwangspolonisierung und Zwangstschechisierung“ vor und schrieb vom „Völkermord an den ostdeutschen Stämmen“.

Von dem Flugblatt, das nach dem Empfinden der allermeisten Abgeordneten einen „deutschtümelnden und geschichtsverfälschenden“ Inhalt hatte, wollte sich Latussek nicht distanzieren. Der zunehmende öffentliche Druck führte unter anderem dazu, dass er am 7. November 2001 als Redner beim „Tag der Heimat“ des BdV in Düren wieder ausgeladen wurde.

Für Ende Mai 2004 wurde Latussek, der sich trotz Nichtwiederwahl weiterhin als Landesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien bezeichnete, als Referent beim „2. Freiheitlichen Kongreß“ des „Deutsche Stimme-Verlags“ der NPD angekündigt. Er ist außerdem Unterzeichner eines Aufrufes des „Instituts für Staatspolitik“ unter dem Titel „8. Mai 1945 – Gegen das Vergessen – 8. Mai 2005“.

Verurteilung wegen Volksverhetzung

Zu einem weiteren Eklat kam es nach seiner Rede auf einer nicht öffentlichen Verbandstagung des Thüringer BdV in Arnstadt am 9. November 2001, dem Jahrestag der Novemberpogrome 1938. Im Zusammenhang mit der Opferzahl im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau sprach Latussek dabei von Lügen und verharmloste damit die Tötung von Juden in Auschwitz.

Anders als in der schriftlichen Version seines Rechenschaftsberichtes, die auch in mehreren Pressemappen veröffentlicht wurde, führte Latussek in seiner mündlichen Rede vor den Delegierten und einem Pressevertreter der Thüringer Allgemeinen, der dies in einem kritischen Artikel veröffentlichte, aus:

„Noch verhindern die Wolken einer bewusst betriebenen einseitigen Kollektivschuldzuweisung gegenüber unserem Volke den klaren Blick zur Beurteilung der Verbrechen in der jüngeren europäischen Geschichte und über die Kriegsschuld in den Kriegen des vergangenen Jahrhunderts. Dies wird sich bald verändern, da die Lügen über Katyn, Jedwabne und die Aussagen über die Opfer in Auschwitz und anderes nicht mehr länger zu halten sind. In Auschwitz gab es offensichtlich keine 6 Millionen Opfer, sondern, wie ich in Polen erfahren habe, sind 930.000 nachgewiesen. Dabei geht es nicht um die Relativierung des Verbrechens, sondern um die geschichtliche Wahrheit. Sie kennen meine Einstellung, dass jedes Opfer eines Verbrechens zu viel ist.

Am 12. November nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Latussek wegen Verharmlosung von NS-Verbrechen auf. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft begründete die Einleitung des Verfahrens mit dem Verdacht auf Volksverhetzung und verwies darauf, dass für das Leugnen, Billigen oder Verharmlosen von Völkermord des Nazi-Regimes das Strafrecht Geldstrafen oder bis zu fünf Jahre Haft vorsehe.

Am 19. November musste Latussek seinen Rücktritt aus dem Vertriebenenbeirat beim Bundesinnenministerium erklären. Zehn Tage später entschied eine außerordentliche Bundesversammlung des Bund der Vertriebenen in Berlin, ihn ab sofort auch seines Amtes als Vizepräsident zu entheben. Die BdV-Präsidentin Erika Steinbach warf Latussek verbandsschädigendes Verhalten vor: „Sie haben mit Ihren Aussagen und den nachfolgenden Erklärungen dem Bund der Vertriebenen und seinen Mitgliedsverbänden erheblichen Schaden zugefügt, und das nicht zum ersten Mal“. Mit zunehmendem öffentlichen Druck ließ Latussek seit dem 8. Dezember sein Amt als Thüringer Landeschef des BdV zunächst ruhen, ohne jedoch offiziell zurückzutreten. Erst nachdem am 11. Dezember die Gelder für den BdV eingefroren worden waren, trat er auch als Landesvorsitzer zurück.

Das Landgericht Erfurt sprach Latussek im April 2004 vom Vorwurf der Volksverhetzung frei, weil es bei der Verteilung der Presseerklärung an zwei Pressevertreter nicht um ein „Verbreiten“ im rechtlichen Sinne handeln würde. Die Staatsanwaltschaft ging daraufhin in Revision. Der Freispruch wurde im Dezember 2004 vom Bundesgerichtshof im Dezember wieder aufgehoben.Am 3. Juni 2005 wurde Latussek vom Landgericht Erfurt wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 3.600 Euro verurteilt.

Mit 24. Januar 2006 wurde die Verurteilung wegen Volksverhetzung (Verharmlosung der Ermordung der Juden in Auschwitz) vom Bundesgerichtshof bestätigt, wie das Erfurter Landgericht mitteilte.

2.4. Rigolf Hennig

Rigolf Hennig ist ein deutscher Mediziner, rechtsextremer Publizist, Holocaustleugner, Politiker der NPD (zuvor der CSU, Die Republikaner, Deutschen Liga für Volk und Heimat) sowie führende Person des europaweiten Holocaustleugner-Zusammenschlusses Europäische Aktion.

Seine politische Tätigkeit begann Hennig in den 1980er Jahren als Vorstandsmitglied des wehrpolitischen Arbeitskreises der CSU. Nach seinem Umzug nach Eschwege [gehört zum Landkreis Werra-Meissner, in dem Höcke 2006 als Lehrer in Bad Sooden-Allendorf anfing] und Verden, trat er zunächst politisch nicht in Erscheinung. 1989 und 1990 war er Kreisvorsitzender der Partei Die Republikaner in Verden und Pressereferent des Landesvorstandes Niedersachsen. 1990 trat er als Kandidat für die Landtagswahl in Niedersachsen und in Sachsen-Anhalt zur Bundestagswahl an.

1991 verließ er die Republikaner und wurde in der rechtsextremen Deutschen Liga für Volk und Heimat (DLVH) aktiv. Zunächst unterstützte er Norbert Margraf aus Hannover beim Aufbau des Landesverbandes Niedersachsen Deutsche Allianz – Vereinigte Rechte, einer Vorläuferorganisation der DLVH.

Quelle Apabiz: Die Gründer der Deutschen Liga für Volk und Heimat (DLVH) waren meist enttäuschte Mitglieder der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und der Republikaner (REP), die aus der parteiinternen Opposition um Harald Neubauer kamen. 1990 geben sie die Deutsche Rundschau heraus und rufen zur Gründung einer neuen Sammlungsbewegung auf. Anfang 1991 konstituiert sich die Deutsche Allianz – Vereinigte Rechte (DA-VR) in München, Sprecher werden Jürgen Schützinger, Harald Neubauer und Johannes Pauli. Nach einer Klage der Allianz-Versicherung nennt sie sich DLVH. Am 3. Oktober 1991 findet der offizielle Gründungsparteitag statt, Schützinger, Neubauer und Rudolf Kendzia werden zu Vorsitzenden gewählt. In der Folgezeit wird die Parteistruktur im gesamten Bundesgebiet ausgebaut. Die regionalen Schwerpunkte liegen in Baden-Württemberg und Köln. Als Vorfeldorganisation gründen Franz Glasauer und Peter Dehoust den Förderverein Vereinigte Rechte, der sich für eine übergreifende Zusammenarbeit einsetzt und Schulungsarbeit betreibt. Im Frühjahr 1996 beschließt der Bundesvorstand, auf dem nächsten Bundesparteitag die DLVH in einen eingetragenen Verein umzuwandeln und somit nicht mehr als Partei zu Wahlen anzutreten.

Am 3. Oktober 1991 gründete Hennig die DLVH in Villingen-Schwenningen mit und wurde als Beisitzer in den Bundesvorstand gewählt. Zudem bekleidete er ab 1992 den Posten des zweiten Vorsitzenden des Landes Niedersachsen der DLVH. Deren Parteiorgan war die Deutsche Rundschau (DR), bei der er seit der Gründung auch als Redaktionsmitglied fungierte. Nach Aussage der Antifaschistischen Nachrichten unterstützte Hennig seit 1993 den militanten Neonazi und früheren FAP-Vorsitzenden Niedersachsens Thorsten Heise beim Aufbau von Anti-Antifa-Strukturen für Niedersachsen.

Mitte der 1990er Jahre nahm Hennig an Tagungen der rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik (GfP) teil und war zusammen mit Dietmar Munier für die Aktion Deutsches Königsberg in der Region Kaliningrad (früheres nördliches Ostpreussen) aktiv. 1997 trat Hennig aus der DLVH aus und in den Witikobund ein.

Quelle Blick nach Rechts: Die Aktion Deutsches Königsberg (ADK) ist ein laut schleswig-holsteinischem Verfassungsschutzamt „rechtsextremer“, revanchistischer Verein, der 1991 von dem Verleger Dietmar Munier gegründet wurde und die deutsche Wiederbesiedelung des ehemals deutschen Ostpreußens fordert.Bekannt geworden ist die Organisation durch die umstrittenen Vorträge Manfred Roeders an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Die Bundeswehr hatte die Lieferung von ausgemusterten Militärfahrzeugen für die ADK zugesagt.Der verstorbene Hellmut Diwald war Schirmherr der ADK und wird von ihr auch heute noch als solcher genannt.

Rigolf Hennig ist Mitglied der Burschenschaft Rugia Greifswald, der Pennalen Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg, im Befreiungsausschuss Südtirol und in der Kameradschaft der Südtiroler Freiheitskämpfer.

Bei den Kommunalwahlen 2006 und 2011 zog er als NPD-Kandidat in den Verdener Stadtrat und den Kreistag des Landkreises Verden ein. Anfang 2012 verzichtete er auf beide Mandate zugunsten einer Ersatzperson.

Bei der „Greifswalder Burschenschaft Rugia“ hielten der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Ralph Weber, und der Bundestagsabgeordnete Enrico Komning Vorträge.[Komning ist seit 1991 Mitglied. Nach Recherchen der Friedrich-Ebert-Stiftung gibt es bei der Burschenschaft erhebliche Überschneidungen zur NPD und zur „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“.Auch das ehemalige Führungsmitglied der neonazistischen „Europäischen Aktion“ Rigolf Hennig ist Angehöriger der Burschenschaft.

Thorsten Heise präsentiert den „wahren Ladig“: den Reichsbürger Rigolf Hennig

Bislang hatte Heise immer abgestritten, dass Höcke der Nazi-Verherrlicher Ladig sei. 2016 erschien in „Volk in Bewegung“ sogar ein vierter Text eines „Landolf Ladig“.

Der passt allerdings stilistisch nicht zu den vorangegangenen drei Texten, die 2011/2012 erschienen. Vielmehr scheint es sich um eine Finte zu handeln. Denn eines der vielen Indizien für die Identität von Höcke mit Ladig bestand darin, dass just in dem Moment, in dem Höcke anfing, öffentlich Politik zu machen, also mit dem Eintritt in die AfD 2013, von Landolf Ladig nichts mehr zu hören war.

Mit dem Publizieren dieses vierten Ladig-Artikels würde dann – vorausgesetzt Höcke ist Ladig – eine Übernahme dieses Avatars passieren und Heise hätte Höcke noch mehr in der Hand.

„Für den heutigen Tag hatte Thorsten Heise versprochen, den „wahren Landolf Ladig“ in einem Livestream auf der NPD Thüringen Facebookseite vorzustellen.“ Er wollte noch keine genauen Angaben machen, nur so viel sei sicher: Höcke sei dies nicht.

Das heißt, Heise, der bislang zur Causa Ladig immer nur wortkarg behauptete, Höcke sei nicht Ladig, geht nun in die Offensive. Sollte Höcke Ladig sein, wovon nach der Indizienlage ausgegangen werden muss, wäre das für Höcke nicht unbedingt erfreulich, weil Höcke dadurch in eine immer größere Abhängigkeit zu Heise gerät.

Dies ist nicht nur hinsichtlich einer möglichen Erpressung für Höcke problematisch, sondern auch dadurch, dass Heise sich verplappern könnte und immer mehr verstrickt und dadurch unfreiwillig die Identität von Höcke und Ladig offenbart (immer vorausgesetzt, sie sind identisch). Tatsächlich hat Heise sich im ersten NPD-Livestream, in dem er sich zu Ladig äußerte, bereits verplappert. In einer geradezu klassischen Freudschen Fehlleistung brachte er Höcke und Ladig durcheinander.

Als der „wahre Ladig“ wurde von Thorsten Heise der „Reichsbürger“ und NPDler Rigolf Hennig präsentiert. Rigolf Hennig klingt vom Namen etwas wie Landolf Ladig, schreibt in der Volk in Bewegung und ist rechtsextrem.

Das wären dann aber auch schon die Überschneidungen mit den Texten von Landolf Ladig. Ladig schreibt über Postwachstumsökonomie, Peak Oil, über Themen, die bei Hennig nicht vorkommen, entsprechend schreibt Ladig nicht reichsbürgerlich.

Es werden auch keinerlei Indizien aufgeklärt. Warum basiert der erste Ladig-Text auf einen Leserbrief von Höcke? Warum handelt der dritte Ladig-Text ausgerechnet vom 300-Seelen-Dorf von Höcke?

Warum finden sich nach den Ladig-Texten Übernahmen aus den Texten von Ladig bei Höcke und nicht beim ViB-Autoren Hennig?

Es müsste doch umgekehrt sein. Die Geschichte ist extrem fadenscheinig. Hennig ist über achtzig Jahre alt, wurde im April 2017 zu einer mehrmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. „Jawohl, Deutschland ruft, ich bin jetzt gefragt“ so kennzeichnet Thorsten Heise seinen Kameraden Rigolf Henning. Diesmal scheint Deutschland in Erscheinung von Heise gerufen zu haben und Hennig hat „geantwortet“ und sich zur Verfügung gestellt.

(Text Übernahme mit freundlicher Genehmigung von Andreas Kemper: https://andreaskemper.org/2017/06/10/erpresst-die-npd-die-afd/)

 

Andreas Edwin Kalbitz und Rigolf Henning beim HDJ Treffen 2007

Andreas Edwin Kalbitz sagt gerne das er „nur mal so bei der HDJ“, reingeschaut hat, dass er aber auch hier mit einem rechtsextremen und Holocaust Leugner wie Rigolf Henning direkten Kontakt hatte (auch zu sehen im Video) , dürfte selbst für einige Pressevertreter etwas neues sein. Auch wenn diese Information schon vor 2,5 Jahren bekannt gewesen ist.

Quelle Blick nach Rechts: Tatsächlich wirkte der dreifache Vater dann 2007 im Escheder Lagerleben der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ keinesfalls außenstehend. Auf Fotos und Filmmaterial ist zu sehen, wie Andreas Kalbitz zwischen den Zelten herumläuft und mit der Ehefrau des NPD-Bauern plaudert, der sein Anwesen seit Jahren für rechtsextreme Veranstaltung zur Verfügung stellt. Mal geht er lachend an einem Thüringer Neonazi vorüber, dann eilt er zum Küchenzelt, in dessen Nähe sich bekannte NPD-Aktivisten unterhalten. Rigolf Hennig, verurteilter Holocaust-Leugner, schlendert für eine Stippvisite über den Platz.

 

2.5. Redner auf Tagungen und Veranstaltungen

Guthmannshausen hat sich zum „Sammelbecken organisierter Holocaust-Leugner“ und Geschichtsrevisionisten entwickelt. Ungestört können hier europaweite Treffen und Seminare abgehalten werden, auch Holocaust-Leugner treten immer wieder auf. Wir wollen nur einige der Redner hier näherbringen:

2.5.1. Pierre Krebs

Pierre Krebs ist ein französischer Rechtsextremist, der in Deutschland (nahe Kassel) lebt und als Theoretiker der Neuen Rechten vor Götz Kubitschek gilt. Er gründete zusammen mit dem Witikonen Wigbert Grabert (Grabert-Verlag und GfP) 1980 die rechtsextreme Denkfabrik das „Thule-Seminar„.

„Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezeichnet das Thule-Seminar als „rechtsextremistische Ideenschmiede in Hessen“. Das Thule-Seminar versteht sich als „geistig-geschichtliche Ideenschmiede für eine künftige europäische Neuordnung aller europäischen Völker unter besonderer Berücksichtigung ihres biokulturellen und heidnisch-religiösen Erbes“. Der Verfassungsschutz wirft Krebs aufgrund dieser Selbstdarstellung „die Unterordnung des Politischen unter das Rasseprinzip“ vor.“ (Quelle)

„Kalbitz wurde lobend im Thulenetz erwähnt, einem Mailbox-System, mit dem sich Rechtsextremisten Mitte der 90er Jahre verständigten. Bei einem „Grillfest nach buendischer Art“, schrieb dort jemand, habe er den „jungen Kameraden“ kennengelernt. Der sei „sportlich, intelligent, gebildet und sehr engagiert“, gehöre sicher nicht zu den „Weicheiern“.“ (Quelle) „Laut Dietwald Claus, der sich bereits 1995 im rechtsextremen Thule-Netz über Kalbitz’ Aktivitäten im HJ-Sommercamp äußerte, soll dieser „einer der härtesten“ gewesen sein.“

Pierre Krebs und das Thule-Seminar sind neben den rechtsextremistischen Inhalten an das esoterische Neuheidentum orientiert, einschließlich dem Symbol der Schwarzen Sonne (12 im Kreis angeordnete Siegrunen). Nachhaltige Bedeutung hatten Krebs und Grabert nicht, ihr Einfluss auf die Neuen Rechten war hinsichtlich des Neuheidentums begrenzt, nicht jedoch, was die Theorien des Ethnopluralismus (der modernen Form der alten Blut- und Boden-Ideologie) betraf. Pierre Krebs und Wigbert Grabert machten Alain de Benoist in Deutschland erst bekannt. Die Theorien Benoists zum Ethnopluralismus wurden von Vordenkern wie Götz Kubitschek und den in seinem Antaois-Verlag angeschlossenen Autoren in der Sezession aufgegriffen und weiter entwickelt.

 

2.5.2. Udo Voigt

Voigt trat 1968 der NPD bei und war zunächst von 1970 bis 1972 im Kreisvorstand Viersen (NRW) und von 1978 bis 1992 Kreisvorsitzender in Freising.

Seit 1982 Mitglied des bayerischen Landesverbandes der NPD, wurde er dort 1984 Mitglied des Präsidiums der Landespartei.

Von 1986 bis 1993 leitete er das „Nationaldemokratische Bildungszentrum“ in Iseo in Oberitalien.

Ebenfalls 1986 wurde er in den Bundesparteivorstand der NPD und 1992 zum Landesvorsitzenden der NPD in Bayern gewählt. Vier Jahre später kandidierte Voigt erfolgreich für den Posten des Bundesvorsitzenden seiner Partei. Beim NPD-Bundesparteitag, der im März 1996 in Bad Dürkheim stattfand, konnte er sich knapp mit 88 zu 83 Stimmen als Nachfolger des bisherigen NPD-Bundesvorsitzenden Günter Deckert durchsetzen.

Letzterer war bereits im Herbst 1995 abgesetzt worden und verbüßte zum Zeitpunkt der Wahl eine Gefängnisstrafe wegen Volksverhetzung.

Nachdem Deckert im Oktober 2000 seine Haftstrafe verbüßt hatte, versuchte er den an Voigt verlorenen Parteivorsitz wieder zurückzuerlangen. Bei einem unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagenden Parteitag der NPD im März 2002 in Königslutter musste sich Deckert jedoch Voigt mit 42 zu 155 Stimmen geschlagen geben.

Im Oktober 2004 wurde Voigt beim Bundesparteitag der NPD im thüringischen Leinefelde mit über 87,8 Prozent der Stimmen (158 von 180) im Amt bestätigt.

Udo Voigt und Guthmannshausen

Quelle Thüringen Rechtsaußen: Am 23. Juli 2016 fand in der geschichtsrevisionistischen Gedenkstätte Guthmannshausen im Landkreis Sömmerda erneut ein Neonazi-Treffen um den NPD-Europaabgeordneten Udo Voigt statt, wir hatten im Vorfeld darüber berichtet. Laut der Neonazi-Gruppe „Wir lieben Sachsen / Thügida“ nahmen daran u.a. „Mitglieder der NPD, der Partei DIE RECHTE, der AfD (PatriotischePlattform), der DSU und Bürgerinitiativen“ teil. Auch die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck hielt eine Rede. Das Treffen der extremen Rechten mit Beteiligung aus mehreren europäischen Ländern wurde als „Zeichen der Einigkeit, gegen den schon krankhaften Distanzierungswahn“ bezeichnet. Auf einem Foto im Zentrum der Gedenkstätte posiert eine Frau im schwarzen Jacket gemeinsam mit den NPD-Aktivisten Karl Richter und Udo Voigt. Bei der Frau handelt es sich um Uta Nürnberger, die für die AfD bei der Leipziger Stadtratswahl 2014 kandidierte und an der Ausarbeitung des AfD-Landtagswahlprogramms beteiligt war.

 

2.5.3. Horst Mahler

Mahler hat nicht nur direkte Kontakte zu Andreas Kalbitz über die rechtsextreme Burschenschaft Danubia, sondern auch Kontakte nach Guthmannshausen. Hier muss eindeutig hinterfragt werden, warum ein Andreas Edwin Kalbitz 1999 und auch 2000 Referate von Mahler für die rechtsextreme Danubia abgehalten hat.

Mahler bei der Danubia

Kalbitz erhielt am 10. August 2008 eine E-Mail von Horst Mahler. Dem Tagesspiegel liegt diese Email vor. Mahler hat nicht nur direkte Kontakte zu Kalbitz sondern auch zur GfP, natürlich auch zu Ursula Haverbeck mit der er den Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten« führt.

Hinter dem Verein steht etwa Ursula Haverbeck-Wetzel, die gemeinsam mit dem Anwalt Horst Mahler einen »Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten« führt.

Kalbitz nahm an Veranstaltung von Frank Rennicke und dem Holocaustleugner Mahler teil, noch 2003 ist dies belegt.

In seiner Zeit als Fallschirmjäger bezog Kalbitz Informationen der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen (JLO), zu deren Veranstaltungsprogramm in jenen Jahren etwa ein Abend mit dem rechtsextremistischen Liedermacher Frank Rennicke oder ein Vortrag des Neonazis Horst Mahler zählten. ZEIT ONLINE liegen E-Mails aus dem Frühjahr 2003 vor, die zeigen, dass Kalbitz damals mit der JLO in Kontakt stand und sich per E-Mail über Szeneveranstaltungen informieren ließ – etwa zu einer Kranzniederlegung zu Ehren der getöteten Deutschen beim Angriff auf Dresden im Zweiten Weltkrieg.

2.5.4. Nikolai Nerling

Nerling gründete am 22. September 2017 den YouTube-Kanal Der Volkslehrer, auf dem er Videos mit antisemitischen und verschwörungsideologischen Positionen veröffentlichte.Neben eigenen Beiträgen veröffentlichte er unter anderem auch Interviews mit bekennenden Holocaustleugnern wie beispielsweise Ursula Haverbeck und Gerhard Ittner sowie Personen der Reichsbürgerbewegung.

Auch berichtete er über seine Teilnahme an rechtsextremen Veranstaltungen und Demonstrationen, auf denen er mit eigenen Flugblättern und Plakaten über eine angebliche „zionistisch-jüdische Weltverschwörung“ aufzuklären versuchte.

Der Kanal wurde im April 2019 von YouTube gesperrt, doch kurz darauf waren einige seiner Videos auf einem neuen Kanal erreichbar.Vor der Sperrung seines ersten Kanals hatte Nerling über 60.000 Abonnenten. Einzelne Videos wurden über 100.000 Mal abgerufen.Nerling betreibt eine eigene Internetseite sowie Kanäle auf dem Messaging-Dienst Telegram und dem Videoportal BitChute. Im März 2020 war der ursprüngliche Kanal wieder auf YouTube erreichbar.

Nach Einleitung staatlicher Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie in Deutschland veröffentlichte Nerling Mitte März 2020 ein Video mit dem Titel „Corona Conto Holocaust“, in dem er das deutsche Infektionsschutzgesetz als „Werkzeug der Bundesregierung“ darstellte, „sich unliebsamer Bürger zu entledigen“. Es sei zudem nicht sicher, ob das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 überhaupt existiere.

 

Referent in Guthmannshausen

Wie alle Protagonisten steht auch der „Volkslehrer“ im besten Kontakt zu den Holocaust-Leugnern in Guthmannshausen.

2.5.5. Dr. Björn Clemens

Der Düsseldorfer Anwalt, der auch Rechtsextrmisten verteidigt (aktuell Markus H. im Mordfall Lübcke), ist Burschenschafter und im Vorstand der Gesellschaft für Freie Publizisitik. Da verwundert es nicht, dass er auch Reden in Guthmannshausen hält, wie für dieses Jahr 2020 geplant, aber wegen Corona abgesagt. Er war Bundesvize der der vom Verfassungsschutz beobachteten Republikaner.

Zusammen mit Wolfram Narath wollte er dieses Jahr im März einen „sinnigen Abend“ mit deutscher Dichtung und klassischer Musik gestalten.

2.5.6. Wolfram Narath

Das NPD-Mitglied Wolfram Narath war bis zum Verbot der Wiking-Jugend 1994 deren Vorsitzender und danach für die Heimattreue Deutsche Jugend tätig. Der Jugendbund, in den Kalbitz nach eigenen Angaben als „Gast“ gewesen sein will. Vieles spricht aber dafür, dass der ehemalige Bundeswehrausbilder Kalbitz auch Ausbilder bei der Heimattreuen Deutschen Jugend war, deren Führungskader sich aus der verbotenen Wiking-Jugend rekrutierten.

2009 hielt Narath die Trauerrede auf der Beerdigung von Jürgen Rieger. Als Rechtsanwalt verteidigte er auch Rechtsextremisten und Holocaustleugner, wie Ralf Wohlleben oder Silvia Stolze.

2.6. Einschätzung des Verfassungsschutzes

VS-Bericht Thüringen 2011

Der Verfassungsschutzbericht Thüringen schreibt 2011 (Link)

Immobilienerwerb in Guthmannshausen Eine als Privatperson auftretende Käuferin erwarb im Mai 2011 eine zuvor in Landesbesitz befindliche Immobilie in Guthmannshausen/Landkreis Sömmerda (ehemaliges Rittergut). Seit August 2011 ist sie als Eigentümerin des Areals im Grundbuch eingetragen. Hinweise auf Verbindungen der Käuferin zum rechtsextremistischen Spektrum lagen zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht vor. Im Nachhinein wurde bekannt, dass sie seit 2010 dem rechtsextremistischen Verein „Gedächtnisstätte e. V.“ als Mitglied angehören soll. Der Verein wurde im Mai 1992 in Vlotho (Nordrhein-Westfalen) gegründet. Gemäß Satzung verfolgt er das Anliegen, eine „würdige Gedächtnisstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges durch Bomben, Verschleppung, Vertreibung und in Gefangenenlagern“ zu betreiben. Von Beginn an engagierten sich bekannte Rechtsextremisten und Holocaustleugner wie Ursula HAVERBECK-WETZEL59 (Nordrhein-Westfalen) in dem Verein. Sie stand ihm bis Februar 2003 vor. Danach übernahm Klaus-Wolfram SCHIEDEWITZ (Niedersachsen) diese Funktion. Von 2007 bis 2009 lag der Wirkungsschwerpunkt des Vereins in Borna (Sachsen). Als das dort genutzte Objekt von der Eigentümerin Ende 2009 jedoch veräußert wurde, zog man sich aus der Region zurück. Der Verein „Gedächtnisstätte e. V.“ führte im September 2011 erstmals eine Veranstaltung im Objekt in Guthmannshausen durch. Dabei soll Ursula HAVERBECK-WETZEL zur Thematik „Die Vertragsbrüche der Bundesregierung“ referiert haben. Ähnlich wie in Borna scheint eine gelegentliche Nutzungsüberlassung der Immobilie an andere rechtsextremistische Personenzusammenschlüsse nicht ausgeschlossen. So wurde bereits im Zusammenhang mit der Bekanntgabe, dass man im „Herrensitz auf dem ehemaligen Rittergut Guthmannshausen“ eine „neue Heimstatt gefunden“ habe, angekündigt, diese auch der SJ[Fußnote 60] zur Verfügung stellen zu wollen. Der Freistaat Thüringen hat den Kaufvertrag mit Schreiben vom 21. Dezember aufgrund arglistiger Täuschung angefochten. Zeitgleich wurde beim Landgericht Erfurt Klage zur Grundbuchberichtigung und Herausgabe des Grundstücks eingereicht.“

In der genannten Fußnote zur SJ (Schlesischen Jugend) wird auf Kapitel 4.4.4 desselben Berichts verwiesen. Dort heißt es über die SJ:

„ „Schlesische Jugend – Landesgruppe Thüringen“ (SJ-Thüringen) Die SJ-Thüringen ist eigenem Bekunden nach eine „Jugendorganisation, in der sich interessierte Jugendliche mit der schlesischen Kultur, den dortigen Sitten und Gebräuchen, der Mundart, der Geschichte, dem Schicksal der aus ihrer Heimat vertriebenen Menschen und allem, was noch über Schlesien zu wissen ist, beschäftigen und auseinandersetzen.“ Unter dem Deckmantel eines Vertriebenenverbands wird die SJ-Thüringen allerdings inzwischen von aktiven Rechtsextremisten für Bestrebungen missbraucht, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung und den Gedanken der Völkerverständigung, insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der Völker, gerichtet sind. Führungsfunktionäre der SJThüringen waren vormals in dem mittlerweile verbotenen Verein „Heimattreue Deutsche Jugend e. V.“ (HDJ) aktiv. Zahlreiche andere Mitglieder stammen aus dem sonstigen rechtsextremistischen Spektrum und üben dort zum Teil auch Führungsfunktionen aus. Der Vorstand der SJ-Thüringen ist zudem in ähnlicher Funktion auch im Vorstand der „Bundesgruppe der Schlesischen Jugend“ (SJ-Bund) aktiv. So fungiert der Vorsitzende der SJ-Thüringen, Fabian RIMBACH, zugleich als Vorsitzender der SJ-Bund. Die inhaltliche Ausrichtung der SJ-Thüringen ist vor allem durch gebietsrevisionistische und revanchistische Bestrebungen geprägt. In ihren Veröffentlichungen finden sich Äußerungen wie: „[…] die Wichtigkeit unserer Arbeit und die Erhaltung des Deutschtums jenseits von Oder und Neiße, als ein unauslöschlicher Teil Deutschlands […]“. Schlesien wird als „polnisch besetztes Gebiet des alten deutschen Kulturlandes“ bezeichnet. Eigenem Bekunden nach führt die SJ-Thüringen regelmäßig Veranstaltungen mit vorgeblich traditioneller Ausrichtung (Erntedankfeste, Tanzlehrgänge), gemeinsame Wanderungen und Fahrten zur Erkundung der Heimat und der Natur durch.“

VS-Bericht Niedersachsen 2013

Der Verfassungsschutzbericht Niedersachsen schreibt 2013 (Link)

Seit 2011 nutzt der Verein für seine Veranstaltungen die Räumlichkeiten auf einem Rittergut im thüringischen Guthmannshausen. Regelmäßig führt der Verein dort Vortragsveranstaltungen mit Zeitzeugen und Historikern durch, darunter auch bekennende Revisionisten und Holocaustleugner wie HAVERBECK-WETZEL. Darüber hinaus bestehen Kontakte zu diversen rechtsextremistischen Organisationen, u. a. Schlesische Jugend e. V. (SJ), Freundschafts- und Hilfswerk Ost e. V. (FHwO) und Junge Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) sowie NPD und neonazistische Freie Kräfte. Diese Kontakte zeigen die Bemühungen des Vereins, ein organisationsübergreifendes Netzwerk aufzubauen.

Der rechtsextremistisch eingestufte Verein „Gedächtnisstätte e.V.“ agitiert gegen den demokratischen Verfassungsstaat und versucht, geschichtsrevisionistisches Gedankengut zu verbreiten.

Seit dem Kauf des ehemaligen Rittergutes in Guthmannshausen im Mai 2011 durch ein Vereinsmitglied fanden dort zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen statt, bei denen überregional bekannte Geschichtsrevisionisten und Holocaustleugnerinnen und -leugner bei Vortragsveranstaltungen auftraten.

Quelle Endstation Rechts: Die Polizei stand auch vor den Türen des Alten Ritterguts in Guthmannshausen (Landkreis Sömmerda), wo der neonazistische und geschichtsrevisionistische Verein Gedächtnisstätte e.V. eine Tagungsstätte betreibt. Der Vorsitzende Wolfram Schiedewitz beklagte sich, das Haus sei von der Polizei „überfallen“ worden. Dabei habe die Razzia nicht dem Verein, sondern dem Hausmeister gegolten – der sei laut Schiedewitz Mitglied der EA. Seine Beschwerde erschien an passendem Ort, in der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ (Nr. 9/2017).

Ebenso zeichnet sich die „Europäische Aktion“ (EA), welche in Thüringen mit mehreren „Stützpunkten“ aktiv ist, durch eine besonders ausgeprägte antisemitische und revisionistische Agitation aus.

In die Führungsstruktur der EA sind ebenfalls überregional bekannte Rechtsextremisten eingebunden, die über weit-reichende Verbindungen in alle Spektren des Rechtsextremismus verfügen. Dabei dienen Objekte wie das „Hufhaus“ in Ilfeld und die ehemalige „Erlebnisscheune“ in Kirchheim als Örtlichkeiten, um Vortragsveranstaltungen und Treffen stattfinden zu lassen.

Bei der 1960 von ehemaligen Funktionären der NSDAP und Offizieren der SS gegründeten „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) handelt es sich um eine weitere Organisation, die regelmäßig in Thüringen ihre Jahreskongresse abhält und durch eine Art „Aufklärungsarbeit“ versucht, eine angeblich verzerrte Darstel-lung der Zeitgeschichte (NS-Diktatur) zu korrigieren.

Darüber hinaus traten in Thüringen wiederholt auch rechtsextremistische Einzelpersonen, welche den Holocaust leugnen, bei Szeneveranstaltungen als Redner in Erscheinung.

VS-Bericht Niedersachsen 2014

Der Verfassungsschutzbericht Niedersachsen schreibt 2014 (Link)

„Der Verein Gedächtnisstätte e. V. wurde 1992 gegründet. Erste Vorsitzende war die Holocaustleugnerin Ursula HAVERBECK-WETZEL. Seit 2003 leitet Wolfram SCHIEDEWITZ aus Seevetal (Landkreis Harburg) den Verein mit dem Ziel, eine würdige Gedächtnisstätte zu errichten. Gleichzeitig werden jedoch in geschichtsrevisionistischer Manier deutsche Kriegsverbrechen relativiert und die Schuld des NS-Regimes am Krieg geleugnet.Am 02. und 03.08.2014 beging der Verein im thüringischen Guthmannshausen die Feierlichkeiten zum 22jährigen Bestehen und zur Einweihung des Denkmals für „12.000.000 deutsche Opfer durch Bomben des Weltkrieges II, Verschleppung, Vertreibung und in Gefangenenlagern“. Den beiden Veranstaltungstagen wohnten 150 bis 200 Personen bei, darunter HAVERBECK-WETZEL und der Deutschlandleiter der Europäischen Aktion (EA), Dr. Rigolf HENNIG sowie weitere nationale und internationale Gäste. In seiner Rede kritisierte der Vorsitzende SCHIEDEWITZ eine angebliche Einseitigkeit deutscher Geschichtsbetrachtung wie auch im Gedenken an die Opfer:„Wir fragen zu Recht, wieso stößt man bei der Geschichtsforschung über die Zeit der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts auf so viel Widerstand, warum werden von der verordneten Sichtweise abweichende Forschungsergebnisse teilweise sogar juristisch verfolgt?Wieso finden viele von den Siegermächten des 2. Weltkrieges geäußerte Kriegssprüche keinen Eingang in unsere Geschichtsbücher? Warum ist man bemüht, die Opferzahlen der Unterlegenen des 2. Weltkrieges herunterzustufen, während man andererseits die Opferzahlen der Sieger nicht hoch genug ansetzen kann.“ SCHIEDEWITZ sieht dabei sich selbst und seinen Verein im Kampf gegen eine angebliche Meinungsdiktatur zur Unterdrückung der geschichtlichen Wahrheit:„Lüge und Verleumdung haben trotz Verboten und Paragraphen keinen dauerhaften Bestand … Zur Überwindung der großen geschichtlichen Lügen, die uns durch unsere ehemaligen Gegner und die von ihnen herrschenden Massenmedien auch heute noch – fast täglich – aufgetischt werden, braucht es Mut, Wissen und einen aufrechten Charakter.“In weiterer revisionistischer Diktion stellte der Mitbegründer Paul LATUSSEK in seiner Festrede die Verantwortung Deutschlands für den Ausbruch des Ersten und des Zweiten Weltkriegs in Frage. Die deutsche Geschichte werde andauernd falsch wiedergegeben und auf die „12 Jahre“ reduziert.Seit 2011 nutzt der Verein für seine Veranstaltungen die Räumlichkeiten auf einem Rittergut in Guthmannshausen. Regelmäßig führt der Verein dort Vortragsveranstaltungen mit Zeitzeugen und Historikern durch, darunter auch bekennende Revisionisten und Holocaustleugner wie HAVERBECK-WETZEL. Darüber hinaus bestehen Kontakte zu diversen rechtsextremistischen Organisationen, u. a. Schlesische Jugend e. V. (SJ), Freundschafts- und Hilfswerk Ost e. V. (FHwO) und Junge Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) sowie zur NPD und zu neonazistischen Freien Kräften, aber auch zur EA. Diese Kontakte zeigen die Bemühungen des Vereins, ein organisationsübergreifendes Netzwerk aufzubauen.“

 

2.7. Die Unvereinbarkeitsliste der AfD

Die Unvereinbarkeitsliste der AfD enthält all die Organisationen und Vereinigungen, die schon bei den Verfassungsschutzämtern auf dem Index standen und stehen. Demnach dürfe niemand Mitglied der AfD sein bzw. werden, der zuvor in einer der genannten Organisationen und Vereinigungen Mitglied war. Dass diese Liste Makulatur ist, zeigt der Umgang des Bundesvorstandes mit seinen Rechtsextremisten, wie jetzt aktuell bei Andreas Kalbitz. (vergleiche dazu auch Punkt 1.6. dieser Recherche.)

Böse Zungen lassen hinter vorgehaltener Hand auch schon mal fallen, dass Bewerber für Parteifunktionen gute Chancen hätten, wenn sie in einer der genannten Organisationen tätig waren.

Auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD findet sich demnach auch der Verein „Gedächtnisstätte e.V.“. Allzu offensichtliche Kontakte zu Holocaust-Leugnern, wie bei Paul Latussek oder Doris von Sayn-Wittgenstein schaden dem Ansehen der Partei und lassen eine Beobachtung der gesamten AfD durch den Verfassungsschutz immer näher rücken.

Die nahe Zukunft wird zeigen, wieviel wert dieses Liste ist und das Papier, auf der sie gedruckt ist. Denn ein Mitglied des Bundesvorstandes bewegte sich in der Vergangenheit in einem ausgewiesenen Umfeld von NPD und Holocaust-Leugnern. Wird dem Bundesvorstand der AfD gelingen, sich von seinen rechtsextremistischen Vorstandsmitgliedern zu trennen? Die viel beschworene Einheit der Partei schützt aber nicht die Partei vor der Beobachtung durch den Verfassungsschutz, sondern diese viel beschworene Einheit schützt die Rechtsextremisten vor dem Rauswurf aus der Partei und vor jeglicher internen und externen Kritik.

 

2.8. Parteiausschluss von Doris von Sayn-Wittgenstein

Doris von Sayn-Wittgenstein wurde vom Bundesschiedsgericht im August 2019 aus der AfD ausgeschlossen. Sie hat mehrfach angekündigt, dagegen vor ordentlichen Gerichten vorgehen zu wollen – was daraus wird, ist derzeit noch offen. Hauptgrund ihres Ausschlusses war ihre Werbung für die Gedächtnisstätte Guthmannshausen.

Sayn-Wittgenstein war Landtagsabgeordnete in Schleswig-Holstein. Seit Juli 2017 war sie Landesvorsitzende der Nord-AfD. Im Dezember 2017 fehlten ihr nur wenige Stimmen, um sogar Bundesvorsitzende zu werden. Wegen ihres Ausschlussverfahrens trat sie kurzzeitig als Landesvorsitzende zurück, wurde auf einem Parteitag im Juni 2019 allerdings erneut in dieses Amt gewählt. Im Dezember 2018 war Sayn-Wittgenstein bereits aus der AfD-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein ausgeschlossen worden.

Am 18. Dezember 2014 bewarb Sayn-Wittgenstein in einem Internet-Blog namens „Standpunkt“ den von der Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck gegründeten Verein in Guthmannshausen. Der Verein mache Veranstaltungen, „die den Horizont erweitern, statt den Geist zu manipulieren“. Man solle sich nicht „dem Diktat deutschfeindlicher Interessengruppierungen“ beugen. „Für unser ganzes Volk ist die Zeit gekommen, grundsätzlich umzudenken. Fast 70 Jahre Krieg und Entmündigung sind genug.“

Sayn-Wittgenstein, bestreitet zwar bis heute, in diesem Verein Mitglied gewesen zu sein. Die Hintergründe des Vereins seien ihr nicht bekannt. Allerdings wusste sie „Compact“ einiges von dessen Entstehungsgeschichte zu berichten.

3. Arnstadt

Die Stadt Arnstadt

„Die Stadt Arnstadt und der Ilm-Kreis gehören im Rahmen einer Gesamtbetrachtung der rechtsextremistischen Szene Thüringens nicht zu den regionalen Schwerpunkten.“ So lautete die Antwort zu einer kleinen Anfrage im Thüringer Landtag im Februar des letzten Jahres 2019.

Allerdings werden dann einige rechtsextreme Straftaten und Aktionen und Begegnungsstätten genannt, von der aus Aktionen im „Umalnd“ stattfanden. Klingt ja dann nach Kulminations- und Ausgangspunkt…

Das (politische) Klima in Arnstadt begünstigt aber nun mal die Ansammlung von Rechtsextremisten. Sie fühlen sich dort wohl und können sich ausbreiten. So wie der Rechtsextremismus sich immer da ausbreiten kann, wo ihm kein Widerstand entgegenschlägt.

So fand dann auch der 8. Thüringentag der NPD unter Duldung Köllmers am 13.09.2009 im Stadtpark in Arnstadt statt. War der NPD wegen des Wahljahres die Veranstaltung zu brenzlig? Als Anmelder sind der stadtbekannte Neonazi Patrick Wiedorn, der im seit 2000 verbotenen Blood & Honour-Netzwerk organisiert war, und NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben eingesprungen. Der CDU-Politiker und Waffennarr Köllmer provozierte von großen Protesten begleitet mit dem Vorwurf konfrontiert, ein „kleiner Nazi“ zu sein, und antwortete: „Im Nazi ist mir zu viel Sozialismus drin“.

Auf seine Tätigkeiten angesprochen, stellte Köllmer im März 2010 in einem Zeitungsinterview die Frage „Wird heute wieder ausgegrenzt, wie im Dritten Reich die Juden?“, die sich auf rechte Gruppen bezog. Die SPD Arnstadt reagierte mit einem offenen Brief.

Arnstadt ist neben vielen NPD-Aktivitäten aber auch der Austragungsort der Landesparteitage der AfD Thüringen und die Geburtsstadt des rechtsextremen Flügels der AfD, angeführt von Björn Höcke und Andreas Kalbitz mit der Verabschiedung der „Erfurter Resolution„.

Gleichwohl stehen im Ilm-Kreis mit dem „Veranstaltungszentrum Erfurter Kreuz“ in Kirchheim und dem „Landgasthof Marlishausen“ zwei rechtsex-tremistisch genutzte Immobilien zur Verfügung.

Der Landgasthof in Wipfratal, Ortsteil Marlishausen, wurde im Jahr 2011 von dem Vorsitzenden der „Schlesischen Jugend – Bundesgruppe e.V.“ (SJ-Bund), der in Personalunion der „Schlesischen Jugend – Landesgruppe Thüringen e.V.“ vorsteht, erworben.

In der ehemaligen Bahnhofsgaststätte befindet sich weiterhin ein gastronomischer Betrieb mit Übernachtungsmöglichkeiten. Diese Immobilie wurde in den vergangenen drei Jahren von der SJ, aber auch von der „Identitären Bewegung“ (IB) als Veranstaltungsort für Vortragsveranstaltungen, sowie interne Treffen genutzt.

Die in der Region verorteten Rechtsextremisten zeigten zwar eigene Aktivitäten, beteiligten sich aber häufiger an Aktionen im Umland beziehungsweise an den von überregional aktiven Rechtsextremisten organisierten Veranstaltungen in Kirchheim.

So hat sich insbesondere das Objekt in Kirchheim im Laufe der letzten Jahre als einschlägiger Veranstaltungsort für rechtsextremistische Musik- und Saalveranstaltungen etabliert. Hierzu wird auf die Beantwortung der Kleinen Anfrage 3056 „‚Veranstaltungszentrum Erfurter Kreuz‘ (ehemals ‚Romantischer Fachwerkhof‘ in Kirchheim) als Neonazi-Domizil – nachgefragt“ (Drucksache 6/6056) verwiesen.

 

Markus Klimpel

Markus Klimpel ist erster Mann der AfD-Stadtratsfraktion in Arnstadt und Vize-Fraktionschef seiner Partei im Ilm-Kreistag. Auch außerhalb der Parlamente war und ist er ein aktiver Mann. Klimpel sympatisiert beispielsweise mit einer Holocaust-Leugnerin und pflegt Kontakte zu Islamfeinden und Rechtsextremisten. Es gibt Verbindungen, die selbst für die AfD problematisch sind. Denn die betreffenden Gruppen stehen auf der offiziellen „Unvereinbarkeitsliste“ der Partei.

Quelle MDR: AfD-Mann Markus Klimpel scheint zudem enge Kontakte zu einer Führungsfigur der radikalen Organisation „Schlesische Jugend“ zu unterhalten, die ebenfalls auf der AfD-„Unvereinbarkeitsliste“ gelistet ist. Der Thüringer Verfassungsschutz stuft die Vereinigung als rechtsextrem ein und teilt mit, die Organisation werde „von aktiven Rechtsextremisten für Bestrebungen missbraucht, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung und den Gedanken der Völkerverständigung, insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der Völker, gerichtet sind.“

3.1. Kulminationspunkt der extremen Rechten in Thüringen

Schlesische Jugend – Landesgruppe Thüringen e.V

Die „Schlesische Jugend – Landesgruppe Thüringen e.V.“ (SJ-Thüringen), gegründet am 10. Juni 2012, ist eigenem Bekunden nach eine „Jugendorganisation, in der sich interessierte Jugendliche mit der schlesischen Kultur, den dortigen Sitten und Gebräuchen, der Mundart, der Geschichte, dem Schicksal der aus ihrer Heimat vertriebenen Menschen und allem, was noch über Schlesien zu wissen ist, beschäftigen und auseinandersetzen.

“ Unter dem Deckmantel eines Vertriebenenverbands wird die „Schlesische Jugend – Landesgruppe Thüringen e.V.“ allerdings von aktiven Rechtsextremisten für Bestrebungen missbraucht, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung und den Gedanken der Völkerverständigung, ins-besondere gegen das friedliche Zusammenleben der Völker, gerichtet sind.

Die SJ-Bund wird vom BfV als rechtsextremistische Organisation eingestuft. Diese Bewertung stützt sich darauf, dass Personen mit rechtsextremistischem Vorlauf – u. a. in der verbotenen HDJ – bestimmenden Einfluss auf die SJ-Bund erlangt haben.

Führende Funktionäre der SJ-Bund betätigen sich in einem rechts-extremistischen Umfeld, unterhalten Kontakte zu rechtsextremistischen Gruppierungen und beteiligen sich an Veranstaltungen von Rechtsextremisten.

Gute Kontakte bestanden insbesondere zum rechtsextremistischen „Verein Gedächtnisstätte“.

Die SJ-Bund führt – für Vertriebenenorganisationen untypische – Sonnen- und Winterwendfeierndurch und nutzt Liedgut, das eine Nähe zum Nationalso-zialismus aufweist.

Das Lied „Wenn alle untreu werden“, das ehemals von der SS als „Treuelied“ genutzt wurde, wird von der SJ-Bund als „das große Lied der Treue“ bezeichnet.

Die SJ-Bund vertreibt zudem die CD „Der Fröhlichkeit die Türen auf“, die auch weitere Lieder enthält, die zur Zeit des Nationalsozialismus besondere Bedeutung hatten.

Zu dem Gründungsvorstand gehörte u.a. der rechtsextreme Liedermacher und damalige Angehörige des Landesvorstands der NPD Thüringen Martin Rocktäschel (vgl. Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage in der 3. Wahlperiode – Drucksache 3/433 -).

Unter den aktiven Mitgliedern befinden sich weitere bekannte Rechtsextremisten, darunter auch ein NPD-Kreisvorsitzender.

In der Winterausgabe 2008 des Infoblatts Junges Schlesien ist als Teilnehmerin einer Veranstaltung der Landesgruppe Thüringen auch eine HDJ-Aktivistin zu sehen; die HDJ wurde im Verfassungsschutzbericht Thüringen 2008 dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet und im Jahr 2009 verboten.

Entsprechende Indizien hinsichtlich der Beteiligungsform und personelle Verflechtungen deuten darauf hin, dass die Schlesische Jugend Thüringen sich im Sinne der Fortsetzung der Tätigkeit dieser verbotenen Organisation entwickeln könnte (vgl. taz vom 04.12.2009; Der Rechte Rand, Nr. 84, Sept./Okt. 2003, S. 24).

Frank Rennicke

Frank Rennicke  ist ein deutscher rechtsextremer Liedermacher und eine der Schlüsselfiguren der rechtsextremen Szene. Rennicke war Jugendführer bei der rechtsextremen Wiking-Jugend.

Frank Rennicke pflegt genauso Kontakt zur Gesellschaft für freie Publizistik ebenso auch zum Verein Gedächtnisstätte e.V. , zur NPD und in andere rechtsextreme und militante Gruppierungen. Es ist also nicht verwunderlich das besagter Rennicke eben auch auf der Veranstaltung des „Archiv der Zeit“ zugegen gewesen ist.

Quelle Zeit: In seiner Zeit als Fallschirmjäger bezog Kalbitz Informationen der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen (JLO), zu deren Veranstaltungsprogramm in jenen Jahren etwa ein Abend mit dem rechtsextremistischen Liedermacher Frank Rennicke oder ein Vortrag des Neonazis Horst Mahler zählten. ZEIT ONLINE liegen E-Mails aus dem Frühjahr 2003 vor, die zeigen, dass Kalbitz damals mit der JLO in Kontakt stand und sich per E-Mail über Szeneveranstaltungen informieren ließ – etwa zu einer Kranzniederlegung zu Ehren der getöteten Deutschen beim Angriff auf Dresden im Zweiten Weltkrieg. In der JLO-Verbandszeitung Fritz erschienen in dieser Zeit auch Artikel unter seinem Namen.

Zeit Artikel – Heidi und die Brandstifter

Als diese 1994 verboten wurde, wurde er Mitglied bei der NPD. Er engagierte sich auch bei der Deutschen Liga für Volk und Heimat. In den Jahren 2009 und 2010 wurde er jeweils von der NPD als Kandidat zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten vorgeschlagen.

Quelle Apabiz: Die DLVH hat allen Abgrenzungsbeschlüssen zum Trotz offen auftretende, militante Neofaschisten nie ausgegrenzt. Regional arbeiten Mitglieder mit Aktivisten der verbotenen Wiking Jugend, der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei, der Nationalistischen Front u.a. in Bündnisstrukturen wie dem Frankenrat und dem Deutschen Freundeskreis Nordharz zusammen. Durch die Fusion der offiziell unabhängigen, jedoch völlig auf die DLVH ausgerichteten Deutschen Rundschau 1994 mit Nation und Europa üben Funktionäre der DLVH nun auch Einfluß auf eine der wichtigsten Zeitschriften des deutschen Rechtsextremismus aus. Einfluß auf das rechtsextremistische Spektrum nimmt auch die von Manfred Rouhs herausgegebene Zeitschrift Europa vorn.

Frank Rennicke und die AfD

Die Nähe des NPD Kaders Rennicke zur AfD ist auch in anderer Weise belegt, erst am 14.02.2020 hat der Blick nach rechts von diesem Vorfall berichtet:

Quelle Blick nach rechts: In der „Volksliedertafel Dresden“ spielt ein AfD-Politiker neben einem NPD-Anhänger Volksmusik. Weder das, noch den Auftritt in NPD-Kreisen scheint er für unvereinbar zu halten.

 

Frank Rennicke und die Gesellschaft für freie Publizistik

Rennicke trat desöfteren bei Veranstaltungen der Gesellschaft für freie Publizistik auf. Es liegt also sehr nah, dass Renicke der in den letzten Jahrzehnten auf vielen Veranstaltungen der GfP zugegen gewesen ist, auch 2014 „die alten Kameraden“ der GfP und des Archiv der Zeit mit seiner Klampfe unterhalten hat.

Blick nach Rechts vom 04.06.2010: Ende Mai berichtete Rennicke auf dem 50. Kongress der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GFP) über sein Erlebnis bei der Bundesversammlung im Mai vergangenen Jahres. So im Plenarsaal Charlotte Knobloch ohne Begleitschutz an ihm vorbeigegangen sein. Rennicke prahlte nun: „Ich muss sagen, das wäre die Gelegenheit meines Lebens gewesen. Ich hätte es auf die Bildzeitung erste Seite geschafft. Heute sage ich mir: Wieso habe ich es nicht gemacht! Ich hätte ja viele Möglichkeiten dort gehabt!“

 

FPÖ-nahe Publizist Walter Marinovic und Frank Rennicke bei der GfP 2001

Quelle DoW: Die rechtsextreme deutsche Gesellschaft für freie Publizistik (GfP) hielt Ende April ihren diesjährigen Jahreskongress ab. Laut einem Bericht des NPD-Blattes Deutsche Stimme (6/2001) hat sich der FPÖ-nahe Publizist Walter Marinovic unter den Referenten befunden und mit „der politischen Lage in Österreich nach der blau-schwarzen Regierungsbildung“ auseinander gesetzt. Das kulturelle Rahmenprogramm wurde vom Neonazi-Sänger Frank Rennicke bestritten. Auch die Auszeichnung von Udo Walendy belegt den einschlägigen Charakter der GfP und des Treffens: Der geehrte Politologe gilt als einer der führenden Holocaust-Leugner in der deutschen Szene. Als solcher wurde er zuletzt 1997 zu einer 14-monatigen Haftstrafe verurteilt.

 

Frank Rennicke und Guthmannshausen/Gedächtnisstätte

„Liederabend“ mit Frank Rennicke in Guthmannshausen


Quelle Blick nach Rechts: Nach einem „Trainings-Seminar Kommunikation“ von Wolfgang R. Grunwald im Juli soll dann am ersten Augustwochenende ein Sommerfest in Guthmannshausen stattfinden, zu dem ein „Liederabend“ mit NPD-Barde Frank Rennicke und ein Vortrag zur „Lage in Deutschland“ von „Gedächtnisstätte“-Vorstand Paul Latussek gehören. Parallel zu einem Referat von EA-Mann Schlimper sollen „Spiele für die Kleinen“ und „Wettkämpfe für die Jugendlichen“ angeboten werden.

Der Verfassungsschutz in Thüringen attestiert dem Verein, „geschichtsrevisionistisches Gedankengut in demokratische Bevölkerungskreise zu transportieren“ und warnt: „Unter dem Deckmantel des Gedenkens an die deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs agitiert der rechtsextremistische Verein gegen den demokratischen Verfassungsstaat.“ Die Vereinigung ist jedoch noch immer vom Finanzamt im nordrhein-westfälischen Herford als gemeinnützig anerkannt, wird somit indirekt vom Staat mitfinanziert.

 

Frank Rennicke und Hetendorf 13 / Heideheim e.V.

Rennicke war ein gern gesehener Gast in Hetendorf, bei FAP, NPD und anderen rechtsextremen im Umfeld kann man sich dies Thema natürlich denken.

„Liederabend“ in Hetendorf 13 – eventuell 90er Jahre… Quelle Spiegel TV – Vor 20 Jahren: Schulungsheim für Rechtsradikale

Hier ein Beispiel von der 5. Hetendorfer Tagungswoche 1995

Rennicke bei der 5. Hetendorfer Tagungswoche

3.2. Thüringentage der Nationalen Jugend

Die Nationale Jugend ist die Jugendorganisation der NPD. Sie veranstaltet jedes Jahr einen sogenannten „Thüringentag“, der gleichlautet wie die Thüringentage, die die Landesregierung seit 2007 alle zwei Jahre als mehrtägiges Volksfest veranstaltet.

Der 8. Thüringentag fand am 13. Juni 2009 in Arnstadt statt. Veranstalter waren „Freie Kräfte“ um Ralf Wohlleben und Patrick Wiedorn, da die NPD kurz vor der Landtagswahl in Thüringen 2009 schlechte Presse vermeiden wollte.

Insbesondere aus den Reihen der Autonomen Nationalisten waren Redner vertreten. Redebeiträge gab es unter anderem von Tony Gentsch, Matthias Fischer (ex-„Fränkische Aktionsfront“), Dennis Bührig („Kameradschaft Celle 73“) und Isabell Pohl („Feenwald-Projekt“, ex-„Aktive Frauen Fraktion“).

Für das musikalische Begleitprogramm sorgten die beiden Liedermacher Maximilian und Tobia sowie die Rechtsrock-Bands Fight Tonight, Libertin und Frontalkraft.

Mehrere Hundert Besucher nahmen an der Veranstaltung teil, ohne durch Gegendemonstrationen gestört zu werden. Hans-Christian Köllmer, der Bürgermeister von Arnstadt, soll im Vorfeld Plakate mit der Aufschrift „Bunte Vielfalt statt brauner Einfalt“ entfernen lassen haben. Zudem stellte er sich zusammen mit der Freien Wählergemeinschaft Pro Arnstadt gegen die Proteste. Auch die Genehmigung soll problemlos erfolgt sein.

3.3. Die Landesparteitage der AfD Thüringen

Die Wahl von Björn Höcke zum Spitzenkandidat der Landtagswahlen 2015 in Thüringen fand am 1. Februar 2014 in Arnstadt statt. Noch im selben Jahr wird Björn Höcke zum Landesvorsitzenden gewählt. Danach sollten die Landesparteitage der AfD (von 2 Unterbrechungen abgesehen) in Arnstadt stattfinden. Es war auch der Landesparteitag der AfD Thüringen, der die sogenannte „Erfurter Resolution“ verabschiedete, die Geburtsstunde des rechtsextremistischen Flügels der AfD.

3.4. Die Wiege der „Erfurter Resolution“ und des rechtsextremen Flügels der AfD

Die Erfurter Resolution und Gründung des Flügels kann und darf nicht losgelöst von der Person Götz Kubitscheks gesehen werden. Der Einflüsterer Höckes bewarb sich mit seiner Frau Ellen Kositza Anfang 2015 um eine Mitgliedschaft in der AfD. Bernd Lucke verhinderte dies.

Ellen Kositza reagierte am 15. März 2015 in ihrem Blog beleidigt „Bei der AfD bin ich strategisch unerwünscht – oder nicht ich. Sondern überhaupt“. Und für Kubitschek sprang Björn Höcke wohl in die Bresche: „Die Partei habe Mitglieder verprellt und verstoßen, deren Profil unverzichtbar ist“.

Dieser Satz findet sich dann in der „Erfurter Resolution“ wieder, die Björn Höcke am 13. März 2015 veröffentlichte. Und im ersten Satz spricht Höcke von dem „Projekt Alternative für Deutschland“, das in Gefahr sei – vom Projekt AfD spricht auch Kubitschek, der neben dem Projekt AfD auch die „Projekte“ wie Pegida, Identitäre Bewegung oder Einprozent als Vordenker, Wegbereiter und Betreuer begleitet.

Für Höcke soll die AfD eine fundamental-oppositionelle „Bewegungspartei“ sein und bleiben. Auch die NSDAP wurde seinerzeit als „Bewegung“ unter den Anhängern propagiert, dessen Ziel das Ende des demokratischen Parlamentarismus stand. So will dann auch Björn Höcke den „Parteiengeist überwinden“.

Unternehmensberatungen sind irgendwann mal dazu übergegangen, strategische Firmenzusammenschlüsse mit fiktiven Projektnamen zu versehen, denn es sollte nicht gleich aus dem Projektnamen ersichtlich sein, um was es geht.

Wenn aber nun die neue Partei auch nichts anderes als ein Projekt ist, dessen Arbeitstitel „Alternative für Deutschland“ lautet, dann fragt man sich, was denn am Ende des Projektes herauskommen soll, wenn immer wieder anklingt, die Verfassung müsse neu geschrieben werden.

Es hat sich mittlerweile herausgeschält, dass die AfD völkisch-nationalistisch ist, die neoliberale und konservative Elemente verbinden will, um gegen einen „links-rot-grün versifften“ Sozialismus zu kämpfen. Nur ist die Sozialdemokratie in Deutschland kein Sozialismus; offenbar nur für die ewig Gestrigen. Und für sie hat der Konservatismus seine Wurzeln weit vor dem Nationalsozialismus und der Konservativen Revolution, sei aber schon vor dem Nationalsozialismus „falsch abgebogen“.

Bernd Lucke wurde ausmanövriert

Falsch abgebogen dürfte für Höcke auch Bernd Lucke sein, als er der Parteiaufnahme von Kubitschek und Kositza widersprach, mit der Begründung, dass beide rechtsextreme Positionen vertreten würden.
Konfrontiert mit den Vorwürfen einer rechtsextremen Vergangenheit eines Björn Höcke, forderte Bernd Lucke Höcke zu einer Abgabe einer eidesstattlichen Erklärung auf, aus der hervorgehen soll, dass Björn Höcke nicht unter dem Pseudonym Landolf Ladig Texte für die Eichsfelder NPD von Thorsten Heise (in deren Gebiet Höcke ein altes Pfarrhaus im Eichsfelder Bornhagen gekauft hatte) geschrieben habe.
Und dann forderte Lucke Höcke auf, aus der Partei AfD auszutreten. Es endete damit, dass Höcke weder diese eidesstattliche Erklärung abgab noch aus der Partei austrat, dafür aber wurde Lucke als Parteivorsitzender abgewählt und verließ mit weiteren Mitgliedern die AfD, die nun mehr und mehr nach rechts abdriftete.
Und noch eines läßt aufhorchen: Für den 18.03.2015 wurde die Veröffentlichung der Liste der 1.000 Unterzeichner (die mittlerweile angewachsen sein dürften) der Erfurter Resolution angekündigt.
Aber mehr als die 20 Erstunterzeichner, sowie die öffentliche Erwähnung, dass Gauland ebenfalls unterzeichnet hätte, war nicht in Erfahrung zu bringen. Wer noch alles diesen „Faustischen Pakt“ eines rechtsextremen Weges unterzeichnet hat, bleibt nach wie vor im Dunkeln – würde doch offenbar werden, wer alles hinter Björn Höcke steht und an strategischen Positionen in Partei, Landesverbänden, Kreisverbänden, Schiedsgerichten usw. in Stellung gebracht wurde.
Der Verfassungsschutz sprach 2020 von „7.000 Mitgliedern“ des Flügels und legte eine von der AfD kommunizierte Zahl von 30% zugrunde. Ziel der Erfurter Resolution und des Flügels sei es, die Mandatsträger davon abzuhalten, sich mit dem „Gegner“ zu verbrüdern und sich in Koalitionen als „Junior-Partner“ zwängen zu lassen.
Höcke träumte in seiner berüchtigten Dresdner Rede von einem „vollständigen Sieg“ für die AfD. Da scheint das Thüringer Becken um Arnstadt das geeignete Refugium für Höcke zu sein, dessen Auffangstellung eine Ausfallstellung werden könnte und die „Rückeroberung Deutschlands“ ihren Ausgang nähme.

4. Gesellschaft für freie Publizistik (GFP)

„… Die Tinte der Umerziehungsdekrete, … war noch nicht trocken, da machten sie sich schon daran, die Geschichte der neueren und neuesten Zeit … umzuschreiben und die Ereignisse so darzustellen, dass sie in das Raster der Umerziehung passten. Die Historiker mutierten von Geschichtsschreibern zu Geschichtsverbesserern und Geschichtsverwässerern.“ (Kongressprotokoll 1999, S. 139)

Die Protagonisten die auch im von Kalbitz geleiteten Verein, Archiv der Zeit, tätig waren sind auch in der Gesellschaft für freie Publizistik tätig. Entweder als direkte Mitgliedschaft im Verein, oder eben als deren Referenten. Die GfP ist einer der zentralen Organisationen des Neonazismus der 80er Jahre. v.a., weil er von allen Strömungen anerkannt wurde.

Quelle Blick nach Rechts: Am 16. April 2016 wählten die Mitglieder auf einer Mitgliederversammlung in Fulda einen neuen Vorstand: 1. Vorsitzender ist Martin Pfeiffer (Graz), der auch die Gesellschaft für freie Publizistik e. V. anführt. Zweite Vorsitzende ist Elke Sander (Fürstenwalde) und der Schatzmeister ist Rainer Höke (Preußisch Oldendorf), der Geschäftsführer der Deutschen Verlagsgesellschaft (DVG).

Die Gesellschaft für freie Publizistik (GfP) ist nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz ( die größte rechtsextreme Kulturvereinigung in Deutschland und stand zumindest im Jahr 2005, laut Verfassungsschutzbericht aus dem Jahre 2006, der NPD nahe.

Martin Pfeiffer ist ein in Österreich tätiger deutscher Journalist. Er ist Mitglied mehrerer rechtsextremer Vereinigungen und war von 2004 bis zu ihrer Einstellung 2018 Chefredakteur der rechtsextremen Zeitschrift Die Aula. Laut Andreas Speit und Martin Langebach ist Pfeiffer einer „der wichtigsten Protagonisten im Spektrum der radikalen Rechten“ in Österreich.

Die GfP wurde 1960 von ehemaligen Angehörigen der NSDAP und der SS gegründet.

Eine besondere Rolle kam dabei dem ehemaligen stellvertretenden Reichspressechef der NSDAP, Helmut Sündermann, zu.

Aus „Rechte Netzwerke – eine Gefahr“

Mitgründer waren außerdem Kurt Ziesel (rechtsgerichteter Publizist und Mitbegründer der GfP), Erich Kern (eigentlich Erich Knud Kernmayr; österreichischer nationalsozialistischer Funktionär und rechtsextremer Publizist) , Herbert Böhme (Herbert Böhme war ein deutscher nationalsozialistischer Kulturfunktionär, Lyriker, Schriftsteller und Publizist) und Peter Kleist (rechtsextremer Journalist und Buchautor zu Themen rund um die deutsche Ostpolitik) , der einstige persönliche Referent des NS-Außenministers Joachim von Ribbentrop.

Spiegel Artikel Februar 1951 zu Herbert Böhme

Die GfP schrieb hierzu: „Zu Pfingsten 1960 trafen sich in Neustadt an der Weinstraße Verleger, Redakteure, Schriftsteller, Buchhändler und Freunde einer freien Publizistik, um sich gegen eine unheilvolle Entwicklung zu verbinden.“ „Anläßlich der Frankfurter Buchmesse 1960“ sei die Gesellschaft für freie Publizistik als eingetragener Verein gegründet worden. Die Gesellschaft für freie Publizistik e. V. ist beim Amtsgericht München im Vereinsregister unter Nummer VR 1008 eingetragen.

 

Funktionäre der Gesellschaft für freie Publizistik bis 1995. Quelle Apabiz 1995

 

1960 wird die Gesellschaft für freie Publizistik unter der Führung des ehemaligen stellvertretenden Reichspressechef der NSDAP, Helmut Sündermann, gegründet.

Hetzerischer Leitartikel Sündermanns von 1942 im Völkischen Beobachter

Helmut Sündermann war ein nationalsozialistischer Journalist. Er war einer der wichtigsten Medien-Propagandisten des nationalsozialistischen Staates. Er bekleidete den Rang eines SS-Obersturmbannführers und gehörte als stellvertretender Reichspressechef der NSDAP und der Reichsregierung zum engen Umfeld von Adolf Hitler. Nach Kriegsende betätigte er sich als Publizist in rechtsextremen Kreisen, gründete 1952 den rechtsextremen Druffel-Verlag und blieb bis zu seinem Lebensende Holocaust-Leugner.

1970 wird Gert Sudholt zum 2. Vorsitzenden gewählt und führt die GFP von 1973 bis 1983 als 1. Vorsitzender. 1983 wird er abgelöst durch Holle Grimm, übernimmt das Amt 1985 wieder und amtiert bis 1991. Dann übernimmt Rolf Kosiek, zugleich Mitarbeiter beim Grabert-Verlag und lange Zeit Ideologe der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), den Vorsitz.

Gert Sudholt  ist ein deutscher Verleger und Publizist. Er war zweiter Vorsitzender der u. a. vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Gesellschaft für Freie Publizistik e.V. und ist Holocaustleugner und Eigentümer der Verlagsgesellschaft Berg, die unter ihrem Dach drei Verlage vereint, Türmer-Verlag, Vowinckel-Verlag und Druffel-Verlag.

Im Zentrum des GFP-Wirkens stehen die jährlichen Kongresse, auf denen »Wissenschaftler, Schriftsteller und Politiker zu aktuellen geistig-politischen Fragen Stellung« nehmen.

Zu den Vortragenden, die vielfach auch Mitglieder der Gesellschaft sind, gehören u. a.:

die Professoren Austin App, Wjatscheslaw Daschitschew, Richard W. Eichler, Felix Ermacora, Helmut Gütlich, Werner Georg Haverbeck, Robert Hepp, Bolko Frhr. von Richthofen, Alfred Keck, Hrovje Lorkovic, Fritz Münch, Emil Schlee, Bernhard Willms sowie Wissenschaftler, Politiker und Publizisten wie Rudolf Aschenauer, Felix Buck, Günter Deckert, Peter Dehoust, Georg Franz-Willing, Wolfgang Hausen, David Irving, Markus Josef Klein, Dankwart Kluge, Hans-Ulrich Kopp, Werner Kuhnt, Franz Kurowski, Helmut von Lichtenfeld, Andreas Mölzer, Andreas Molau, Harald Neubauer, Martin Pabst, Nikolaus von Preradovich, Werner Obst, Wilfred von Oven, Richard Pemsel, Karl Richter, Hans-Dietrich Sander, Herbert Schaller, Josef Schüßlburner, Herbert Schweiger, Otto Scrinzi, Gustav Sichelschmidt, Robert Steuckers, Wolfgang Strauss, Hans Georg von Studnitz, Adolf von Thadden, Horst Rudolf Übelacker, Reinhard Uhle-Wettler, Thor von Waldstein, Udo Walendy, Heinrich Zillich.

Seit 1963 verleiht die GFP jährlich die Hutten-Medaille für Verdienste in Sachen deutscher (völkischer) Literatur.

Preisträger waren u.a. David L. Hoggan, Arthur Ehrhardt, Peter Kleist, Annelies von Ribbentrop, Hans Grimm, Helmut Sündermann, Heinrich Härtle, Hans W. Hagen, Fritz Münch, Reinhard Pozorny, Erich Kernmayr, Waldemar Schütz, Arno Breker, Georg Franz-Willing, Gustav Sichelschmidt, Adolf von Thadden, Rolf Kosiek, Werner Kuhnt und Berthold Rubin.

Die GfP in den 90er Jahren

1983 gab Sudholt das Amt des Vorsitzenden an Holle Grimm ab, um sich seinen inzwischen vielfältigen publizistischen Aktivitäten widmen zu können.

Quelle HNA Artikel: Holle Grimm war die Tochter des deutschen Publizisten Hans Grimm. Dieser wurde durch seine Schrift Volk ohne Raum bekannt, deren Titel das Motto der nationalsozialistischen Expansionspolitik wurde.

Doch zwei Jahre später kehrte Sudholt zurück, um bis 1991 zu amtieren. Zu diesem Zeitpunkt war Sudholt bereits wegen eines in seinen Deutschen Monatsheften veröffentlichten Artikels verurteilt worden. Anlaß war ein Auschwitz leugnender Artikel von Robert Faurisson.

Mitgliederversammlung am Freitag, dem 30. August 2019 u.a. mit ex AfD Poggenburg und Sudholt

Erst 1993 – nach einer Berufungsverhandlung – ging Sudholt deshalb in Haft. Sein Nachfolger an der Spitze der GFP wurde der damalige Mitarbeiter beim Grabert-Verlag Rolf Kosiek, ihm zur Seite standen Peter Dehoust und Waldemar Schütz, damals schon 79-jähriger Mitbegründer der Vereinigung.

Ein weiteres Zentrum der GFP-Aktivitäten ist seit den 1990er-Jahren der Verein für Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V.

Die Erweiterung des Paragrafen 130 im Jahr 1994, durch die Holocaust-Leugnung als Volksverhetzung strafbar wurde, forderte den Widerspruch der GFP heraus. Auf der Jahresversammlung 1996 wurde eine Erklärung zur Presse- und Meinungsfreiheit abgegeben, in der die „Sondergesetze und strafrechtliche Verfolgung (…) wegen begründeter Äußerungen zu bestimmten Fragen der Zeitgeschichte“ beklagt wurden.

Im gleichen Jahr berichtete der Vorsitzende Kosiek von laufenden bzw. abgeschlossenen Verfahren „gegen unsere Mitglieder Dehoust, Grabert, Neubauer, Richter, Dr. Sudholt, Symanek, Walendy“. Durch einen „Werner-Hänsler-Fonds“ sollte die Rechtshilfe für die Mitglieder besser gewährleistet werden. Ein weiteres Zentrum der GFP-Aktivitäten ist seit den 1990er-Jahren der Verein für Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V.

Quelle Dehoust wuchs in Heidelberg auf und absolvierte dort sein Abitur. In Heidelberg und München studierte er Rechtswissenschaften und Publizistik. Während seines Studiums war er 1956 Mitgründer und Chefideologe des rechtsextremen Bundes Nationaler Studenten (BNS). Diese zusammen mit Peter Stöckicht und Martin Mußgnug gegründete Gruppe war eine der radikalsten rechtsextremen Studentenorganisationen Ende der 1950er Jahre und wurde 1961 bundesweit verboten.

Dehoust wurde 1997 von seinem Adepten Karl Richter abgelöst, an der Jahresversammlung, angeblich „eine der erfolgreichsten und harmonischsten“ in der Geschichte der GFP, nahmen weit über 300 Personen teil. Die GFP beteiligte sich in den späten 1990er-Jahren vor allem an der Entwicklung der Deutschen Liga für Volk und Heimat (DLVH). Kosiek leitete die GFP bis 2005 und blieb danach im Vorstand. Seine Ablösung durch Andreas Molau brachte die junge Generation ans Ruder.

Jürgen Rieger

Auch wenn Jürgen Rieger nicht im oberen Chart auftaucht, so ist er auch im Netzwerk um Archiv der Zeit, GfP, Rennicke, Guthmannshausen zu finden. Denn der Mitgründer des „Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V.“ Klaus Christoph Marloh, war auch Gründer des Norddeutschen Kulturvereins, an dem auch Jürgen Rieger und Gertrude Herr beteiligt waren.

1968 schließt sich der Jurastudent Jürgen Rieger der Aktion Oder-Neiße an.

1969 tritt er dem Bund Heimattreuer Jugend bei und verfaßt die 1972 indizierte Schrift Rasse – Ein Problem auch für uns.

Quelle Apabiz: Die Heimattreue Jugend e.V. entsteht 1990 aus einer radikalen Abspaltung des Bundes Heimattreuer Jugend (BHJ) – Der Freibund e.V. um den ehemaligen Bundesführer Michael Will und Hans Soltner. Ihr Symbol war die Odalsrune. Die Struktur hat sie weitgehend vom BHJ übernommen, ist jedoch hauptsächlich in Norddeutschland tätig. Die Mitglieder sind zwischen sieben und 25 Jahren alt, unterstützt wird die Gruppe von einem Freundeskreis.
Spätestens 2000 benannte sich die Gruppe in -> Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) um.

1970 betätigt sich Rieger als Pressesprecher eines CSU-Freundeskreises und beteiligt sich im Oktober an einer gewalttätigen Demonstration der Aktion Widerstand in Würzburg. Wegen Körperverletzung wird er 1974 verurteilt.

Rieger ist 1972 Mitbegründer des Nordischen Rings und wird Vorsitzender der Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung. 1975 eröffnet er sein Anwaltsbüro in Hamburg.

Im Prozeß gegen den ehemaligen SS-Führer Arpad Wigand  behauptet Rieger, die Einrichtung des Warschauer Ghettos sei eine seuchenhygienische Maßnahme gewesen.

Quelle Hamburger Abendblatt: Ein gegen ihn 1961 eingeleitetes Ermittliungsverfahren wurde noch im selben Jahr eingestellt, ein Vorgang der sich später im Zusammenhang mit der Errichtung des Vernichtungslagers Treblinka wiederholte. In anderen NS-Prozessne wurde er als Zeuge vernommen, so im Zuge des ersten Frankfurter Auschwitzprozesses.Vor dem Landgericht Hamburg wurde Wigand Ende 1981 wegen Beihilfe zum Mord zu zwölfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, der Verfahrensgegenstand beinhaltete im Wesentlichen NS-Verbrechen in Warschau. Sein Verteidiger war der rechtsextreme Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Rieger. Rieger hielt zum Prozessende ein neunstündiges Plädoyer, in dem er unter anderem die Einrichtung des Warschauer Ghettos als seuchenpolitische Maßnahme bezeichnete. Diese und weitere Äußerungen Riegers während des Wigand-Prozesses führten 1983 zu einer Verurteilung Riegers wegen Beleidigung der Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener. Rieger wurde zu einer Geldstrafe verurteilt, das Urteil wurde jedoch nach der Revision 1987 aufgehoben. Wigand starb Ende Juli 1983.

Ein Verfahren wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener bringt ihm 1983 eine Geldstrafe ein, die 1987 aufgehoben wird. 1989 wird er Vorsitzender der Artgemeinschaft und Schriftleiter der Nordischen Zeitung.

1990 werden die Vereine Heide-Heim e.V. Buchholz und Hamburg, bei denen Rieger Vorstandsfunktionen bekleidet, Träger des Schulungszentrums Hetendorf 13, wo Wehrsportlager und Treffen neofaschistischer Gruppen sowie ab 1991 die jährlichen Hetendorfer Tagungswochen stattfinden, die durch von Rieger geleitete Vereine bestritten werden.

Quelle Antira: Der Heide-Heim e.V., Hamburg, wurde am 18.12.1984 gegründet und am 21.2.1985 in das Vereinsregister beim Hamburger Amtsgericht, Abteilung 69, Geschäftsnummmer 69 VR 10565 eingetragen. Soweit erkennbar ist die einzige derzeit geförderte Liegenschaft des Heide-Heim e.V., Hamburg, die Anlage in Hetendorf, die der Verein mit Wirkung vom 22.06.1992 von den Voreigentümern Freundeskreis Filmkunst e.V., Hamburg, und Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e.V., Hamburg, erwarb. Neben dem Heide-Heim e.V., Hamburg, besteht ein weiterer Verein Heide-Heim e.V. mit Sitz in Buchholz, Landkreis Harburg. Dieser Verein wurde am 23.08.1990 unter der Nummer 1342 in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Tostedt eingetragen. Dieser Verein ist bemüht, Mitglieder, insbesondere Förderer, zu gewinnen, um mit den Beiträgen und Spenden die Kosten für den Betrieb und den Ausbau der Anlage in Hetendorf bestreiten zu können. Der Verein hat nach Verfassungsschutzangaben 25 Mitglieder.“ (Franziska Hundseder, Rechte machen Kasse, 1995, München).

Im April 1991 referiert Rieger bei der Nationalistischen Front (NF) zum Thema Ausländer raus – warum und wie. Im August meldet er die Ersatzveranstaltung für den verbotenen Rudolf Heß-Gedenkmarsch in Bayreuth an und ist Hauptredner vor etwa 2.000 Teilnehmern.
Wegen Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole wird Rieger 1994 verurteilt. 1995 sucht er »junge deutsche Familien«, die mit ihm nach Schweden auswandern wollen, wo er ein 650 Hektar großes Gut gekauft hat, das 3,4 Millionen DM gekostet haben soll. Im Februar leitet die Hamburger
Staatsanwaltschaft ein Ehrengerichtsverfahren gegen ihn ein.

 

Jürgen Rieger in Hetendorf 13 – Quelle Spiegel TV Beitrag

Die Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (im folgenden GBA) entsteht aus der Deutschen Gesellschaft für Erbgesundheitspflege, die Anfang der 60er Jahre gegründet wurde. Sie vereinigt in ihrem wissenschaftlichen Beirat führende Vertreter des westdeutschen Rechtsextremismus wie Rolf Kosiek,Hans Georg Amsel oder Hans-W. Hammerbacher, Repräsentanten des »Lebensschutzes« wie Günther Schwab, ausländische Vertreter des Rechtsextremismus wie C. D. Darlington, F. J. Irsigler, Alain de Benoist oder Donald A. Swan und Vertreter der Anthropologie wie Arthur R. Jensen (USA).

Quelle Antira: Die DKG verfügt über weitreichende Kontakte in das gesamte Spektrum des deutschen und europäischen Rechtsextremismus und Neofaschismus. Auf ihren Tagungen versammelt sich eine Vielzahl wichtiger Funktionsträger. Eine enge Zusammenarbeit besteht mit den neofaschistischen Nachwuchsorganisationen der Nationalistischen Front (NF) und der Wiking Jugend (WJ). Mit Ulli Boldt und Jan Gallasch sitzen ehemalige NF-Mitglieder um Meinolf Schönborn im Vorstand der BKP. Boldt war Betreiber des Nationalen Infotelefons Berlin und bis Mai 1995 im Vorstand des Jungen Weikersheim des Studienzentrums Weikersheim. Enge Zusammenarbeit besteht zwischen der BKP und den Nationalen sowie dem Hoffmann von Fallersleben Bildungswerk, mit beiden werden gemeinsam Veranstaltungen durchgeführt.

Neben der Herausgabe der Zeitschrift Neue Anthropologie führt die GBA in den 70er Jahren überwiegend Jahrestagungen durch. 1975 hält Christa Meves bei der Gesellschaft einen Vortrag zum Thema »Geburtenschwund aus psychologischer Sicht«.

Daneben versucht die GBA, durch Rundschreiben Einfluß auf die offizielle Anthropologie, auf Ärzte und Lehrer zu gewinnen.

Seit 1991 finden die Tagungen im Rahmen der jährlichen Hetendorfer Tagungswochen statt, einer Gemeinschaftsveranstaltung mit anderen von Rieger dominierten Vereinen wie der Artgemeinschaft, dem Nordischen Ring, dem Familienwerk e.V., dem Freundeskreis Filmkunst sowie der Gesellschaft für freie Publizistik.

Bei den Tagungswochen treten u.a. auf: Jürgen Rieger, Udo Walendy, Wolfgang Juchem, Harry Radegeis, Karl Baßler, Hermann Thiele.

HETENDORF 13

Anteilseigner waren zu 2/3 der Norddeutsche Kulturkreis e.V. und zu 1/3 der von Jürgen Rieger gegründete rechtsextreme Verein „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e. V.“.

Wiking-Jugend

Jürgen Rieger baute nach 5 Jahren „Wartezeit“ Hetendorf 13 zu einem der wichtigsten Tagungs- und Schulungszentren der extremen Rechten und zum Neonazi-Zentrum Norddeutschlands aus. Mitglieder der verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) und der „Nationalen Liste“ sorgten immer wieder für gewalttätige Auseinandersetzungen.

Die Wikingjugend in Hetendorf 13

Mitglieder der FAP und der ebenfalls verbotenen Wiking-Jugend trafen sich in Hetendorf zu „Wehrsportübungen“. Während einer Hetendorfer Tagungswoche in 1997 wurden die Personalien einer gewissen Beate Zschäpe (NSU) aufgenommen.

Quelle: Die Cellesche Zeitung hatte am 8. Februar 2012 berichtet, dass Zschäpe im Juni 1997 an der 7. Hetendorfer Tagungswoche des Nazi-Anwalts Jürgen Rieger teilgenommen hatte. Vertreter der Nebenklage hatten daraufhin im September 2016 beim Oberlandesgericht München den Antrag gestellt, die Vorgänge in Hetendorf im Verfahren zu beleuchten. Am 10. Januar 2017 hatte ein Beamter der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt bestätigt, dass Zschäpe bei einer Zufahrtskontrolle am 21. Juni 1997 registriert worden war.

Sie nahm an der Tagung teil. 1998 wurde das Tagungszentrum von den Behörden geschlossen, ein Jahr später nannte sich der Verein „Freundeskreis Filmkunst e.V.“ (FKFK) in „Norddeutscher Kulturkreis e.V.“ um.

Wikingjugend bei Wehrsportübungen in Hetendorf 13 – Quelle TV Video

Besonders widerwärtig: das Gelände, das Rieger kaufte, gehörte vorher der caritativen Einrichtung der Celler Lobetalarbeit. e.V., die es an das Bundesvermögensamt für 1,2 Mio DM verkaufte. Auf dem Gelände befanden sich eine Wohnstätte und eine Sonderschule für behinderte Menschen.

Kaufvertrag Hetendorf 13 – Quelle Spiegel TV

Riegers Verein „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e. V. “ kaufte das Gelände vom Bundesverwaltungsamt für 120.000 DM und war zu 1/3 Anteilseigner.

Quelle Drucksache 5/3612: Frau Bettina Maria Wild-Binsteiner hat mit notariellem Vertrag im Mai 2011 die Immobilie erworben. Das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz hat erst im Nachhinein Kenntnis über den Kauf erhalten.

Als der Norddeutsche Kulturkreis e.V. verboten wurde, ging das Vereinsvermögen auf die „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e. V.“ von Jürgen Rieger über.

HEIDE-HEIM E.V.

Die Heide-Heim e.V. wurde 1984 in Hamburg gegründet. Marloh übernahm die ersten 6 Jahre den Vorsitz, Gertrude Herr wurde stellvertretende Vorsitzende.

Quelle Spiegel Artikel: Damals kaufte Rieger das Gelände – „für “n Appel und “n Ei“, so seine langjährige Kampfgefährtin Gertrud Herr, die in der Zeit des Nationalsozialismus Führerin beim „Bund Deutscher Mädel“ war. Preis laut Kaufvertrag: 120 000 Mark – ein Zehntel dessen, was der Bund dem Voreigentümer bezahlt hatte.

Dieses Amt übergab sie ab 1990 dem Anwalt Jürgen Rieger, dessen engste Mitarbeiterin sie auch war. 1990 übernahm die Heide-Heim e.V. das Anwesen Hetendorf 13.

„Der Verein hat den Zweck, ein Volksbildungs- und Jugendheim zu unterhalten. In diesem Heim sollen die Erziehung, die Volksbildung, die Jugendpflege und die Völkerverständigung sowie der Abbau von Vorurteilen insbesondere mit den skandinavischen Völkern gefördert werden. (…)

Dies soll insbesondere geschehen durch den Erfahrungsaustausch und die Weiterbildung von Eltern, Erziehern und Jugendleitern, die Wissensvermittlung und Anregung für eine menschenwürdige, gesunde, gemeinschaft- und umwelterhaltende Lebensführung; Veranstaltungen wie Tagungen, Lehrgänge, Arbeitstreffen, Begegnungen mit volksbildenden Vorträgen, Vorführungen, Besichtigungen, Übungen, Arbeiten, Wanderungen und anderen sportlichen Betätigungen; Jugendlager“.

Jürgen Rieger, der Initiator der Rudolf-Heß-Gedenkmärsche in Wunsiedel, stellte der Wiking-Jugend das Gelände Hetendorf 13 für ihre Freizeit- und Zeltlager zur Verfügung.

Der nahegelegene Truppenübungsplatz Munster war für die paramilitärische Ausbildung der Neonazijugend wie geschaffen.

Aus der Wiking-Jugend gingen Thorsten Heise und Sebastian Räbiger, der der letzte Bundesführer der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ), der Nachfolgeorganisation der Wiking-Jugend, war, hervor. 2007 fand ganz in der Nähe in Eschede das Freizeitlager der HDJ statt, an dem Andreas Kalbitz (AfD) teilnahm.

Fazit

Es gibt im Nachkriegs-Deutschland nach wie vor eine rechtsextreme, nationalsozialistisch-gesinnte antisemitische Szene von Geschichtsrevisionisten und Holocaust-Leugnern und ehemaligen NSDAP- und SS-Mitgliedern. Personelle Überschneidungen zu Vertriebenen-Verbänden sind nicht zu übersehen, sowie die Vertriebenen-Thematik.

Sie politisierten eine Generation, die wiederum die Generation politisierte, zu der Andreas Kalbitz heute gehört. Ihr Geld und Einfluss ermöglichten Tagungs- und Begegnungsstätten, Ausbildungsstätten, Jugendlager und Denkfabriken. Ihre Kontakte in politische, gesellschaftliche und publizistische Kreise werden entweder nicht wahrgenommen oder verharmlost.

Es gab eine Zeit in Deutschland, in der war es unmöglich, dass Holocaust-Leugner politische Ämter und Mandate erringen konnten. Zu vulgär war deren Reden und Auftreten in der Öffentlichkeit. Die Neuen Rechten haben gelernt, ihre ideologische Sichtweise in moderne Narrative zu gießen.

Das macht sie nicht weniger harmlos und nicht weniger gefährlich. Es heißt heute zwar „Ethnopluralismus“, der jeder Nation ihr Recht auf den „historisch angestammten“ Raum und „Identität“ zugesteht, aber dennoch keine „Vermischung“ erlaubt. Und meint doch nichts anderes, als die alte „Blut- und Boden-Ideologie“, bei der die Worte Blut durch „Identität“ und Boden durch „Raum“ austauschbar geworden sind.

In diesem antisemitischen und nationalsozialistisch gesinnten Umfeld hat sich Andreas Kalbitz lange bewegt, auch als Funktionsträger. Ein Umfeld alter Holocaust-Leugner und Vertriebene. Die neue und junge Generation der Neuen Rechten verurteilt zwar öffentlich den Holocaust und die Verbrechen der Nazis an der Menschheit, es hindert sie aber nicht daran, Kontakt zu Holocaust-Leugnern zu pflegen und deren Vereine weiterzuführen.

Und wenn zu unappetitliche Kontakte öffentlich werden, dann tritt man zurück, oder wird aus der Partei ausgeschlossen. Begegnungs- und Tagungsstätten wie Hetendorf 13 oder Guthmannshausen halten die Geschichte für „nachkommende Generationen“ lebendig – aber dermaßen verfälscht und gekittet – während die Generation der Großeltern nach und nach stirbt und nicht mehr bezeugen kann, was bis 1945 geschehen ist.

Unsere Arbeit und Recherchen, aber auch die vieler weiterer Institutionen und Gruppen, Gedenk- und Bildungsstätten, sowie die Arbeit vieler Journalisten, sind ein Beitrag, uns immer wieder vor Augen zu führen, wie zerbrechlich Gesellschaften und Staatssysteme werden können, wenn Erinnerungen verblassen und mit der Zeit sogar verfälscht werden.

Ergänzungen

Kalbitz und Götz Kubitschek

Auch der Netzwerker Götz Kubitschek hat direkte Verbindungen zum rechtsextremen Netzwerker Hans-Ulrich Kopp. So muss man nach diversen Recherchen auch diese Analyse und Recherche beginnen.

Das Rechtsextreme Netzwerk des Hans-Ulrich Kopp

In der zweiten Ansicht muss man beginnen mit: Götz Kubitschek – neurechter Vordenker, Verleger und Vertraute des AfD-Führungsfunktionärs Björn Höcke – ordnet Teile der AfD bzw. deren Parteibasis einem „Widerstandsmilieu“ von Zeitungen, Zeitschriften, Verlagen, Initiativen und eben einer Partei, sprich AfD, zu.

Das Netzwerk eben um Hans-Ulrich Kopp ist, nicht nur auf Kalbitz begrenzt sondern ein Konglomerat  vieler verschiedener alter Netzwerke. Aber alle diese Netzwerke haben direkte Verbindungen in die AfD, ob nun der Witikobund, die Junge Freiheit, die Gesellschaft für freie Publizistik, die Gildenschaft, die Identitäre Bewegung, dass IfS (Institut für Staatspolitik).

Neurechte Netzwerke der AfD Teil 5: Die Witiko-Bund-Affären des Alexander Gauland

Da wo Hans-Ulrich Kopp tätig gewesen ist, war auch ein Andreas Kalbitz in der Nähe. Aber zu diesem Netzwerk im Einzelnen, und den Verbindungen zwischen Kopp, Kalbitz, Höcke und Kubitschek in unser anderen Recherche mehr.

Die Netzwerke des Herren Gauland

Nichts in dieser Analyse ist neu, sondern alles ist ein System und Netzwerk, welches schon in Teilen in den 80er Jahren bestand und auf die Chance gewartet hat, eine Partei mit dem Erfolg der AfD für sich zu nutzen.

 

Aktueller Status Kalbitz

Kalbitz ist jetzt wieder offiziell Mitglied der AfD. Doch es ist nur der Startschuss der inneren Konflikte der Partei. Wird sie die Rechtsextremen und Neonazis aus der Partei werfen oder ganz ein Fall für den Verfassungsschutz? Der Streit nach dem Ausschluss von Kalbitz eskalierte merklich, als man die Personen des Bundesvorstands massiv angriff, die für den Ausschluss votiertet hatten.

Quelle Tagesschau: Chrupalla: Meuthen schuld an „Selbstzerfleischung der AfD“

Gauland hatte sich zuletzt skeptisch zur Zukunft Meuthens geäußert. „Wenn Herr Kalbitz nicht Recht bekommen sollte, vor dem Parteigericht oder einem ordentlichen Gericht, dann ist das eben so“, sagte Gauland dem „Spiegel“. „Wenn er aber Recht erhält, dann wird es für diejenigen, die das losgetreten haben, schwierig.“ Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ soll Gauland parteiintern gesagt haben, er fürchte wegen Meuthen um sein „politisches Lebenswerk“.

Der Urteil könnte also den Streit neu anfachen – und der vom Verfassungsschutz überwachte Flügel, mit Björn Höcke und Andreas Kalbitz an der Spitze, könnten die Partei endgültig übernehmen.

Artikelbild: Patrick Pleul/zb/dpa

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Quellen