AfD-Stadtrat zum Tag der Befreiung 1945: “schandhafte Niederlage”

| 8. November 2019

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AfD-Stadtrat nennt Sieg über die Nazis “schandhafte Niederlage”

Im Erfurter Stadtrat lehnte die AfD-Fraktion ein Bürgerfest zum 75. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus am 5. Mai 2020 ab. Gut zweieinhalb Stunden dauerte die Sondersitzung des Erfurter Stadtrates am vergangenen Mittwoch. Beim letzten Tagesordnungspunkt, einem gemeinsamen Antrag aller im Stadtrat vertretenen Parteien und Wählergruppen – mit Ausnahme der AfD – kam es zum Eklat.

Zum Bürgerfest zum Tag der Befreiung äußerte sich der Stadtrat der AfD, Klaus-Dieter Kobold:

„Es war eine schandhafte Niederlage, das ist richtig. Aber es war kein Tag der Befreiung, sondern ein Tag der neuen Besetzung, mit 40-jähriger russischen Diktatur. Und das ist ein Faktum. Und das muss man jetzt einfach auch berücksichtigen.“

Videoquelle; Danke an an Tim B. für das hochladen des Statements von Herr Kobold!

Als hierzu Zwischenrufe laut wurden brüllt der Stadtrat zurück: „Halt die Fresse man!”
Die Stadträtin der Fraktion „Mehrwertstadt“ Jana Rötsch kommentierte dies auf Facebook passend:

„Herr Kobold hat das ausgesprochen, wofür die AfD auch steht: Für Geschichtsrevisionismus. Es war absehbar, dass die AfD auch im Erfurter Stadtrat die Masken fallen lässt.“
Quelle



Umgang der AfD mit dem Tag der Befreiung – eine Selbstoffenbarung?

Wie so oft zeigt sich hier erneut welche Art von Politiker sich bei der AfD versammeln. Gegen ein Fest zu stimmen, welches den Tag der Befreiung von den Nazis feiern soll, ist ja schon eindeutig. Aber das auch noch so zu kommentieren, als wäre eben dieser Tag keine Befreiung vom Nazi Regime gewesen, ist mehr als entlarvend. Die AfD Fraktion aus Erfurt hat auf ihrer Facebook Seite erneut Stellung bezogen:

„Der 8. Mai 1945 ist untrennbar mit dem Ende des nationalsozialistischen Regimes wie auch mit dem Beginn der stalinistischen Gewaltherrschaft in Osteuropa verbunden. Diesem historischen Wendepunkt muss in seiner ganzen Ambivalenz würdig gedacht werden, statt ihn begleitet von ahistorischen Euphemismen zum Anlass eines Bürgerfestes zu machen. Wir bleiben bei unserem Standpunkt: Ja zum Gedenken, aber nein zum Feiern!“ (Quelle)

Nein, das ist keine Satire. Das Interessante hierbei ist, dass der Beitrag von Herr Kobold in dem aktuellen Posting der AfD Erfurt nicht mit einem Satz erwähnt wird. Stattdessen sehen wir den AfD-Stadtrat Rene Aust, wie er versucht die Positionierung der AfD zu relativieren und sich wieder einmal in die Opferrolle begibt. Tja, Herr Aust, ist aber alles auf Video festgehalten, da können Sie und Ihre Fraktion sonst eine Story von sich geben, warum sie jetzt wieder das Opfer sein sollen.
Gab es in Thüringen nicht 17 CDU Stadträte, die vorgeschlagen haben, doch mit der AfD zu reden? Hier ein weiteres Beispiel, warum das einfach nur „irre“ ist.
Wer der Erfurter AfD-Fraktion die Meinung sagen will, hier entlang.

Artikelbild: Screenshot

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