Drohungen & Nazis: So sehr war die Corona-Demo von Rechtsextremen unterwandert

| Bericht | 2. August 2020

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Corona-Demo: Wieder braun

Zehntausende haben in Berlin an der Corona-Demo teilgenommen. Am Samstag haben nach Schätzungen der Polizei 20.000 Menschen ein Ende aller Maßnahmen gegen die immer noch weltweit andauernde Pandemie gefordert. Die Demonstrierenden, die seit Monaten in Filterblasen gezielt mit Fake News und Verschwörungsnarrativen manipuliert werden halten die Pandemie-Maßnahmen für übertrieben oder Corona gar ganz für erfunden. Die hanebüchenen Erklärungen, was stattdessen die Realität sein soll sind so unterschiedlich wie in sich widersprüchlich.

Während der Demonstration wurden deshalb bewusst und mit Ansage die Hygiene-Regeln massiv verletzt. Die Polizei löste deshalb die Demo auf und stellte Strafanzeige gegen den Demonstrationsveranstalter (Quelle). Das Motto der Demo “Das Ende der Pandemie – Tag der Freiheit” ist wohl nicht zufällig gleichlautend wie ein NS-Propagandafilm von Leni Riefenstahl (Quelle). Auf der Demo tummelten sich wie immer in der “alternativen” Verschwörungsszene viele Antisemiten, Rechtsextreme und Neonazis.

Rechtsextreme Umtriebe

“Wir müssen uns von dem gesamten korrupten Parteiensystem lösen, müssen das Volk endlich mal befreien, müssen frei werden und souverän.”, so antidemokratisch äußerte sich AfD-Landtagsabgeordnete Stefan Räpple vor dem Reichstag.

Im Vorfeld zur Corona-Demo in Berlin hat es neben Aufrufen aus der rechtsextremen Bubble eben auch solche Aufrufe von Reichsbürgern, an der Demo teilzunehmen.

Reichsbürger 

Auf der Demo wurden diverse Reichskriegsflaggen geschwenkt.

Lustiges dazu: Der Impferlass des Kaiserreichs – Hier demonstrieren Menschen gegen Maßnahmen gegen eine Pandemie und gegen eine mögliche Impfung gegen Corona, die denken, der deutsche Staat existiere nicht und “in Wahrheit” würde das deutsche Reich weiter existieren mit seinen Gesetzen. Das deutsche Reich, das genau jene “Zwangsimpfung” erließ, gegen die sie angeblich protestieren wollen (Quelle).

Rechtsextremes Frauenbündnis Kandel

Auch das “Frauenbündnis Kandel” war vor Ort.

Antisemitismus

Auf der Demonstration wurden auch viele Holocaust-Verharmlosungen, Holocaust-Leugner und Antisemiten gesichtet.

Informationen zu Ernst Zündel und Holocaustleugnung (Quelle, Quelle).

Mehrfach wurden auf der Demonstration in Berlin der Holocaust geleugnet. Dies belegen Bilder und Videos.

Drohungen gegen Journalist*innen

Wie auf den meisten rechten Demonstrationen wurde insbesondere die Presse und Journalist*innen als Feinde bezeichnet und körperlich angegangen.

Fehlende Abstandsregeln und Verhalten der Polizei

An die Abstands- und Hygieneregeln hielt sich quasi niemand. Die Polizei wurde dafür kritisiert, dass sie keine Masken-/Abstandsregeln durchsetzte.

 

Wie immer werden Narrative von Freiheitskampf bedient, um die eigene Ideologie zu rechtfertigen.

Schiffman und co

Fazit

Die Corona-Demo scheint massiv mit “Alternativen” jeglicher Coleur besucht  worden zu sein, von Impfgegnern, zu Antisemiten, Verschwörungserzählern, Reichsbürgern und Rechtsextremisten. Unter dem Thema Corona und der verständlichen Unzufriedenheit in der Bevölkerung versucht man neue Massen zu rekrutieren und unter diesem Vorwand eine Bürgerbewegung und teilweise auch den Systemsturz zu erreichen.

Rein äußerlich sind die Gegner*innen von Fakten, Menschenwürde und Demokratie nicht mehr von emanzipatorischen Bewegungen zu unterscheiden. Alles, die Buntheit, die Stimmung, die Kleidung, selbst die Slogans, sind gekapert und instrumentalisiert. Vorbei sind die Zeiten von Springerstiefel und Hitlergruß. Auch wenn sich noch Reichskriegsflaggen und Co finden lassen. Der antiliberale Protest ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Artikelbild: Fabian Sommer/dpa

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