Freiburg: AfD-Kommunalpolitiker greift Ersthelfer mit Messer an

| Bericht | 15. Juni 2021

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AfD-Kandidat griff Ersthelfer an

Der AfD-Politiker Robert H. soll am vergangenen Samstag gegen Jugendliche, die der linken Szene zugeordnet werden können, nach einem verbalen Streit Pfefferspray angewendet haben. Laut Darstellung soll er einem Mann, der herbei eilte, um den Jugendlichen zu helfen, darauf mit einem Messer angegriffen haben. Der Helfer wurde daraufhin in ein Krankenhaus gebracht. In den Medien kommt dieser Vorfall allerdings fast gar nicht vor.

Freiburger Polizei bestätigt den Vorfall

Was am vergangenen Wochenende in Freiburg geschah, klingt erst einmal wie ein ziemlich unrealistisches Drehbuch. Vielleicht ist das auch der Grund, wieso man in den Medien bislang nur ziemlich wenig dazu findet. Die Freiburger Polizei hat den Vorfall unterdessen jedoch bestätigt. Zwei Jugendliche sollen Robert H. auf offener Straße als Faschisten bezeichnet haben, als sie den erfolglosen AfD-Gemeinderatskandidaten erkannt hatten.

Dieser wollte das – trotz seiner Zugehörigkeit zur rechten bis rechtsextremen Szene und als Kandidat für die AfD für den Gemeinderat – so nicht stehen lassen, zückte sein Handy, um die Jugendlichen zu filmen und eskalierte den bis dahin nur verbalen Streit auf eine körperliche Ebene. Er verfolgte die Jugendlichen mit seinem Handy, diese wollten jedoch nicht gefilmt werden und schützten sich mit ihren Händen vor Videoaufnahmen. Daraufhin soll Robert H. die beiden Jugendlichen mit Pfeffergel attackiert haben (Quelle: Belltower).

Ob sich die Bezeichnung „Faschist“ als Beleidigung einstufen lässt? Unklar, denn zumindest sein Parteifreund Björn Höcke darf als Faschist bezeichnet werden (Quelle: RND), ob daher der Tatvorwurf einer Beleidigung zutreffend ist, darf angezweifelt werden. Sein Freiburger Parteikollege, AfD-Stadtrat und Kollege Mandic darf von Freiburger Fußballfans jedenfalls „Nazi“ genannt werden (Quelle). Mandic bezeichnete Obama als „Quotenn****r“ und erklärte, die AfD unterscheide sich zur NPD nicht in den Inhalten (Quelle). Robert H. wird zur rechten bis rechtsextremen Freiburger Szene gezählt und ist auch in der lokalen „Querdenken“-Szene aktiv (Quelle).

Ersthelfer wird angegriffen

Was dann folgte, klingt noch absurder: Es kam ein vorbeifahrender Autofahrer hinzu, der die Tat mit angesehen hatte und anhielt, um den beiden Opfern Erste Hilfe zu leisten. Er fragte Robert H. nach eigenem Bekunden, wieso er die Leute angreife, doch Robert H. war es mit dem Pfeffergel noch nicht genug, er zückte plötzlich ein Messer und attackierte den Ersthelfer (Quelle). Dieser wurde dann mit Schnittverletzungen am Oberkörper in ein Klinikum eingewiesen. Er konnte dieses aber nach Erstversorgung wieder verlassen. Die Beifahrerin des Wagens soll ebenfalls mit Pfeffergel angegriffen worden sein und musste vor Ort ambulant behandelt werden.

Wenig überraschend: Der gewalttätige AfD-Mann sieht sich als Opfer

Interessanterweise war die Polizei in erster Linie deswegen so schnell vor Ort, da Robert H. selbst die Polizei gerufen hatte, weil er behauptete, attackiert worden zu sei. Auch weicht H.s Schilderung des Tatgeschehens erheblich von dem der anderen Zeugen ab: So stellt er es so dar, als sei er von insgesamt drei Personen tätlich angegriffen worden sein und hätte Pfeffergel und Messer daher nur als Notwehr genutzt, aber nicht um aktiv anzugreifen (Quelle: Tagesspiegel). Wieso man mit Pfeffergel und Messer unterwegs ist? Unklar. Aber dazu kommen wir später.

Gegen alle vier Beteiligten (!) wurden nun Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet. Als einziger der vier Beschuldigten wurde Robert H. zur erkennungsdienstlichen Behandlung mit auf die Polizeiwache genommen, danach aber wieder entlassen. Auch wenn die Polizei den Vorfall so bestätigte, schildert ihre Pressemitteilung nur die Darstellung von Robert H. (Quelle).

Pikant(holz):

Pfeffergel und Metallwaffe, war da nicht was? Ach ja: Gegen Robert H. läuft bereits ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung. Da er 2019 gemeinsam mit dem oben erwähnten für die AfD gewählten Stadtrat Dubravko Mandic mehrere Personen der linken Szene mit Pfefferspray, sowie einer Metallzange attackiert haben soll. Dazu sollen sie linken Aktivisten in einem Hinterhalt aufgelauert haben. Auch dort mischte sich ein zufällig vorbeikommender Passant (diesmal auf dem Fahrrad) ein und wurde mit einer Metallzange attackiert (Quelle: Belltower). Man bekommt ein Déjà-vu.

Dubravko Mandic wurde bereits zu sechs Monaten Haft und einer Geldstrafe von 3.000 € verurteilt, ausgesetzt auf Bewährung (2 Jahre). Rechtskraft hat das Urteil noch nicht erlangt, da Mandic in Berufung gegangen ist. Das Urteil für Robert H. wurde noch nicht gesprochen, allerdings hat der Vorfall vom Wochenende durchaus ein „Geschmäckle“ und auch für das Urteil in diesem Verfahren wird die Auseinandersetzung einbezogen werden, da immer geschaut wird, wie sich der Angeklagte seit der Tat verhalten hat und ob eine Besserung des Verhaltens erkennbar ist.

Losers Lounge – Wahlverlierer unter sich

Übrigens: Beide AfD-Kandidaten scheiterten bei ihren jüngsten Wahlen, Mandic trat im April 2021 aus der AfD aus und entkam somit praktischerweise auch noch einem Parteiausschlussverfahren, welches gegen ihn eingeleitet werden sollte. Das Mandat im Stadtrat behielt er dennoch (Quelle). Robert H. scheiterte bei der Gemeinderatswahl und übt kein Mandat aus. Auffällig, dass die Medienberichte zum Vorfall nach drei Tagen extrem spärlich sind. Gerade im Kontext der rassistischen Hetze der AfD, die sofort derartige Vorfälle mit umgekehrter Konstellation sofort für ihre Propaganda ausschlachtet, selbst wenn der Fall frei erfunden wurde oder mit Lügen aufgebauscht.

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Artikelbild: FooTToo

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