Querdenker Fuellmich verliert gegen Drosten vor Gericht – Er wollte keine Maske tragen

| Bericht | 10. November 2021

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Fuellmich verliert (erstmal) gegen Drosten vor Gericht

Seit über einem Jahr kündigt Pandemie-Leugner Dr. Reiner Fuellmich an, den Virologen Dr. Christian Drosten vor Gericht zu zerren. Dafür sammelte der Kopf des „Corona-Ausschusses“ geschätzt über eine Million Euro von seinen Anhänger:innen ein. Die versprochene „Sammelklage auf Schadensersatz“ gibt es aber bis heute, 15 Monate später, immer noch nicht.

Nach Klage-Niederlagen: Pandemie-Leugner fangen an, an Fuellmich zu zweifeln

Was es wirklich gab: Einen Prozess auf Schadensersatz, nicht als „Sammelklage“, aber für eine Berliner Karaokebar. Am Dienstag den 09.11.2021 war es dann soweit und es gab tatsächlich den ersten Gerichtstermin beim Landgericht Berlin. Dort lieferte Anwalt Fuellmich jedoch einen bizarren und kurzen Auftritt, wie er selbst berichtet.

Weil Fuellmich keine Maske tragen wollte, sprach das Gericht ein Versäumnisurteil zu Gunsten von Herr Drosten aus. 

Worum ging es in der Klage

Im Kern war dieser Fall eine Schadensersatzklage gegen Dr. Christian Drosten für eine Karaokebar. Fuellmich vertrat die Berliner Bar, die durch Herr Drosten angeblich Schaden hat erleiden müssen. Die Argumentation: Ohne Drostens ersten PCR-Test hätte es die weltweite Pandemie und die entsprechenden Lockdown-Maßnahmen angeblich gar nicht gegeben. Äh, ja klar – absurde Querdenker-Fantasie, wie man sie kennt.

Auszüge aus der Klage:

 

Ein Blick auf den Sachverhalt entblößt die völlige Absurdität dieser Klage:

Bill Gates, „Great Reset“ und „Pandemie-Planspiele“, alles drin, was Pandemie-Leugner:innen anspricht. Das alles hat jedoch nichts mit der Realität zu tun, wird von Herr Fuellmich aber tatsächlich als Sachverhalt für eine Klage angeführt. Soweit, so absurd. Davon, per Gerichtsurteil in Berlin gegen Drosten die weltweite Pandemie in Luft aufzuösen, kann nun wirklich nicht mehr die Rede sein.

Was beim Gerichtstermin passierte

Fuellmich selbst, offenbart mittels „Corona-Ausschuss“, was bei Gericht passierte.

So schreibt Fuellmich selbst:

Nach dem Eintreten in den Gerichtssaal, während ich noch Akten und Robe auspackte, wies mich der Vorsitzende Richter darauf hin, daß ich eine Maske zu tragen hätte (die beiden Drosten-Anwälte trugen jeweils FFP 2-Masken). Ich erläuterte ihm, daß ich über ein Maskenattest verfüge. Daraufhin erklärte mir der Vorsitzende Richter, daß er so etwas nicht anerkenne, er habe hier das Hausrecht und ich müsse eine Maske tragen. Ich erklärte ihm sodann die Rechtslage, nämlich: dies stelle einen Fall der Nötigung dar, der ich mich nicht beugen würde. Ich würde mich nicht auf seine Anweisung hin selbst an der Gesundheit beschädigen und könne, wenn er dabei bleiben würde, meine Mandantin nicht anwaltlich vertreten. Da ich somit den Gerichtssaal verlassen mußte, forderte der Vorsitzende Richter – wie mir Zuschauer später berichteten – den gegnerischen Anwalt auf, ein Versäumnisurteil gegen meine Mandantin zu beantragen, was dieser natürlich gern tat, so daß der Vorsitzende das entsprechende Versäumnisurteil verkünden konnte. So etwas geschieht, wenn die Partei, hier vertreten durch ihren Anwalt, nicht vor Gericht erscheint. Dagegen werden wir nun Einspruch einlegen, so daß alles wieder von vorn beginnen wird.

In seinem ebenso wirren, wie weinerlichen Text nutzt Fuellmich jedes Framing und jede Falschdarstellung, um sich als Opfer eines angeblich gegen ihn verschworenen Systems zu inszenieren und stellt es so dar, als habe der Richter mit dem Beharren auf die Maskenpflicht Fuellmich genötigt, sich selbst gesundheitlich in Gefahr zu begeben. Und gibt ohne Scham zu, dass er nur wegen seiner irrationalen Sturheit lieber den Prozess habe platzen lassen. Fuellmich lässt die ganze Gerichtsverhandlung platzen, weil er einfach keine Maske tragen will.

Er ergänzt das ganze mit den gängigen Verschwörungstheorien:

Gegebenenfalls werden wir auch Strafanzeige wegen Nötigung und aller anderen in Betracht kommenden Delikte erstatten, auch der Verdacht der Rechtsbeugung steht im Raum. In jedem Falle werden wir einen Befangenheitsantrag stellen müssen. Denn auch ein objektiver Beobachter des Geschehens wird aus dem Gesamtgeschehen mindestens den starken Verdacht mitnehmen, daß meine Mandantin in diesem Rechtsstreit gegen Drosten vor diesem Gericht nicht mehr mit einem fairen Verfahren rechnen kann:

Meine Mandantin klagt auf Schadensersatz und Unterlassung gegen Drosten, weil dieser mit vielen falschen Behauptungen zu seinem vom Nobelpreisträger Kary Mullis abgekupferten und durch ihn – Drosten – mißbrauchten PCR Test und der auf dessen Ergebnissen (mit hoher Wahrscheinlichkeit nahezu 100% falsch positive „Fälle“) fußenden Forderung nach Lockdowns (sowie Masken und social distancing, usw.) die Existenz meiner Mandantin vernichtet hat.

Natürlich hänge das Gericht nun auch mit in der Verschwörung. Fuellmich spricht vom „Verdacht der Rechtsbeugung“, also davon, dass die Handlungen des Gerichts aus bestimmten Motiven gelenkt sei. Dabei hätte er sich einfach auch eine Maske aufziehen können. Es ist ja nicht so, als gälte die Maskenpflicht dort nicht für alle, einschließlich Richter selbst. Das Gericht versicherte uns, dass für die allgemeine Maskenpflicht keine Ausnahmen gemacht würden.

Während also Fuellmich nicht im Saal war, erging ein sogenanntes „Versäumnisurteil“ – kommt eine Partei nicht, verliert sie den Prozess quasi automatisch. Äh… gut gemacht, Fuellmich?

Etappen-Sieg für Drosten: Und jetzt?

Anwalt Chan-Jo Jun kommentiert den Fall auf YouTube – und erklärt, dass Fuellmich jetzt in Revision gehen kann und das ganze Spiel einfach von vorne starten kann.

Laut Anwalt Chan-Jo Jun kann Fuellmich nun Einspruch gegen das Versäumnisurteil erheben. Statt zunächst über die Klage seines Mandanten zu verhandeln, geht es aber jetzt erst einmal nur darum, ob Fuellmich beim zweiten Termin wieder eine Maske tragen wird. Oder ob ein vom Gericht bestellter Gutachter wirklich feststellt, dass das „Maskenattest“ von Fuellmich wirklich bescheinigt, dass dem armen Mann wirklich keine Maske aus gesundheitlichen Gründen zugemutet werden könne. Absurd.

Das ganze Vorgehen von Fuellmich wirkt eher so, als wüsste er in Wahrheit, dass er gar keine Chance auf Erfolg habe und als ob er versuche, das ganze nur hinten raus zu schieben, damit seine falschen Versprechen nicht jetzt schon vor seinen Anhänger:innen auffliegen. Auch im Prozess gegen uns bat er drei Mal um Fristverlängerung, bevor er auf unsere Klageerwiderung reagierte. Entgegen seiner Behauptungen, die Pandemie quasi per Gerichtsurteil zu beenden, scheint er die Prozesse irgendwie sehr gern lange hinauszögern zu wollen. Und vorzubereiten, dass er alles nur verliert, weil die Gerichte natürlich auch Teil der Verschwörung seien. Dann stellt sich aber natürlich die Frage: Wozu überhaupt den Weg über die Gerichte gehen und so viel Geld samme- oh! 😉

Wodarg-Klage-Update gegen Volksverpetzer: Fuellmichs peinliche Anträge!

Nächste Woche: Volksverpetzer vs. Fuellmich und Wodarg

Nächste Woche steht dann auch schon der nächste Gerichtstermin von Fuellmich an. Diesmal gegen uns! Dazu schreibt Fuellmich auf seiner Seite:

„Natürlich können wir vor diesem Hintergrund von diesem Gericht (es ist dieselbe Kammer zuständig) auch in der kommenden Woche in dem Rechtsstreit Dr. Wolfgang Wodarg v. Volksverpetzer kein faires Verfahren mehr erwarten.“

Fuellmichs agieren gegen Drosten ist als Eigentor und offensichtlich Blamage zu werten. Auch wenn seine Anhänger:innen das nicht sehen wollen, denn sie leben leider noch immer in ihrer Traumwelt. Wir befürchten fast, dass Fuellmich nächste Woche im Prozess gegen uns ein ähnlichen Stunt abziehen wird. Natürlich halten wir euch auf dem Laufenden.

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Artikelbild: Michael Kappeler/dpa Pool/dpa; Screenshots

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