Wie drei Twitter-Nutzer eine Querdenker-Unterkunftvermittlung lahmlegten

| Bericht | 3. Januar 2021

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Querdenker-Reisebüro lahmgelegt

Trotz der erdrückenden Beweislast der Wissenschaft glauben realitätsferne Verschwörungsgläubige nach dem übermäßigen Konsum von Corona-Fake-News, es gäbe keine Pandemie und die ganze Welt verhängt nur aus Jux-Maßnahmen. In der “logischen” Konsequenz bilden sich Querdenker und Co. seit Monaten ein, in einer “Diktatur” zu leben und versuchen durch fast täglich neue Falschmeldungen und Lügen, unseren Kampf gegen die Ausbreitung des Virus böswillig zu untergraben. Überall versuchen sie, sich frech über Regeln und Gesetze hinwegzusetzen und, halten sich dabei auch noch für Freiheitskämpfer:innen.

Trotz vieler Demo-  und Reiseverbote und der hohen Infektions- und Todeszahlen bilden sich diese Ideolog:innen ein, Proteste gegen die Realität zu organisieren, reisen dafür teils illegal durch das Land und helfen dem Virus dabei wohl auch noch rege bei der Verbreitung.

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Übernachtungsmasche der Querdenker

Als Teil der Corona-Eindämmungsmaßnahmen soll auf private Reisen verzichtet werden, weshalb auch zur Zeit Beherbergungsbetriebe schließen müssen oder – wie in Bayern – nur noch Geschäftsreisende aufnehmen dürfen. Couchsurfing-mäßig haben Querdenker deshalb teilweise Übernachtungs- und Ansteckungsgelegenheiten angeboten, um an Demos in anderen Städten teilzunehmen. Einige Pandemie-Leugner:innen nutzten jedoch die bayerische Ausnahme des Beherbergungsverbots, um eine Art “Querdenker-Reisebüro” aufzubauen. Die Masche: Hotelzimmer für „Seminare“ buchen, und als Teilnehmer:innen die zu Demos reisenden Verschwörungsgläubigen eintragen.

Wie die Twitter-Nutzer Gerhard Torges und @DennisKBerlin entdeckten, bot eine Pandemie-Leugnerin namens “Ekuna” bzw. “helpinghotels” mindestens seit August 2020 in den verschwörungsideologischen Telegram-Gruppen anlässlich vieler geplanter Demos ihre Dienste an. Die Sprache und Fake News, die gestreut wurden waren zielgruppengerecht.

Die Werbung für das “Querdenker-Reisebüro” wurde massiv in den Telegram-Gruppen der Ideolog:innen verbreitet.

Die beiden Twitter-Nutzer schmiedeten also, mit Hilfe einiger anderer Personen, einen Plan und fragten unter diversen Namen bei „Ekuna“ an, ob denn für die Anfang Januar in Nürnberg geplanten Demos noch Übernachtungsplätze zu bekommen wären.

Torges berichtete, wie das ablief:

“Gegen Angaben unserer „echten“ Namen und Telefonnummern wurde uns mitgeteilt, welches Hotel in Nürnberg Plätze bereit halten würde. Wir sollten uns, so „Ekuna“, im Namen ihrer Firma dort als Seminarteilnehmer melden. Dafür brauche sie auch unsere Namen, denn es könnte ja sein, dass die Polizei das Hotel kontrolliert. Und dann sähe es ziemlich blöd aus, wenn dort lauter Demo-Touristen wohnten. Nein, besser sei es, wenn es eine schöne Liste mit „Seminarteilnehmern“ gibt. Ob überhaupt ein Seminar stattfinden würde, würde die Polizei schon nicht prüfen.”

Mit diesem Trick, ein “Scheinseminar” anzugeben, solle wieder mal eine Corona-Regel umgangen werden. Die beiden recherchierten deshalb weiter, was hinter “Helping Hotels” steckte und fanden einen ganze Website dafür. Nach Außen vermarktete sich die Seite als “Hilfe”, um den Leerstand der Hotels zu bekämpfen. Dass das nicht so ganz legal passierte, stand da jedoch nicht dabei.

Die Inhaberin ist Ekaterina I., eine Universalunternehmerin aus Berlin. Eine Überprüfung erhärtete den Verdacht, dass es sich um dieselbe Person handelt (Name und Bild), die in den Telegram-Gruppen die Hotelbuchungen vermittelte. Torges sammelte die Screenshot und machte den Fall auf Twitter öffentlich:

Behörden wurden informiert

Torges berichtet: “Parallel dazu wurden die Behörden in Nürnberg und Berlin informiert. Die Resonanz war zunächst überschaubar, nahm aber im Laufe der Nacht an Fahrt auf. Irgendwann kam dann Jörg (Twitter: @JoergRupp) dazu, den Dennis und ich zuvor nicht kannten. Ihm war aufgefallen, dass die Website helping-hotels.de für die Zimmervermittlung ein Buchungssystem des Anbieters Apaleo nutzt. Jörg informierte Apaleo über die Umtriebe von Helping Hotels, und Apaleo reagierte schnell.”

Und weiter: “Ab ungefähr 13 Uhr führte jeder Versuch, über Ekunas Seite ein Zimmer zu buchen, zu einer Fehlermeldung. Und ab 14 Uhr waren dann plötzlich auch die Links zum Buchen von der Hauptseite verschwunden.”

Kurz darauf erhielten Ekunas „Kunden“ die Mitteilung, das Hotel sei „ausgebucht“. Die drei Twitter-Nutzer hatten also durch nur ein wenig Recherche den systematischen Versuch, die Corona-Regeln zu umgehen, vereitelt. Der Fall wurde an Polizei und Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Nur weil einige Pandemie-Leugner:innen denken, sie könnten sich unsolidarisch zeigen und auf die Regeln pfeifen, heißt das nicht, dass man sich nicht wehren kann.

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Artikelbild: Screenshots

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