Video: Rechter Blogger Reitschuster nimmt Geld von AfD-naher Corona-Demo

| Bericht | 17. Februar 2021

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Rechter Blogger nimmt Geld von rechter Demo

Berlin, kurz vor dem ersten Valentinstag in der Pandemie. Romantik fehlt hier jedoch komplett. Sorry. Stattdessen sehen wir den Desinformations-Blogger Boris Reitschuster in seiner liebsten Umgebung. Eine AfD-nahe, rechte Demo marschiert in Berlin mal wieder auf der Straße. Demonstriert gegen die Corona-Maßnahmen, die Pandemie, die Realität und andere Dinge, die sie auf diese Art und Weise definitiv nicht ändern können. Die Demo von 130 Personen, die wie immer den Nationalsozialismus relativieren und unabhängige Journalist:innen bedrohen und bedrängen, wurde unter anderem von „democ.” begleitet:

Eskortiert von der Polizei, flankiert von unabhängigen Journalist:innen und „Journalisten“. Wie in einem schlechten Film – es ist sein eigener Livestream – bekommt der selbsterklärte „kritische Journalist“ Reitschuster nach einigen Liebesbekundungen aus der Demo von einem der Demoteilnehmer Bargeld zugesteckt. Ein Journalist von „democ.“ wird darauf aufmerksam und spricht ihn direkt einmal darauf an.

Reitschusters Unterstützer:innen – über die er “kritisch” berichten soll?

Reitschuster reagiert ziemlich überrascht und unbeholfen und spricht dann kurz von einem „Unterstützer seiner Seite“. Seine „Seite“? Oder seine Website? Was ist das bei ihm überhaupt? Was macht dieser ehemalige Moskau-Korrespondent Reitschuster (von 1999 bis 2015 Leiter des Moskauer Büros des Nachrichtenmagazins Focus (Wikipedia)) eigentlich so außer einen „unabhängigen, kritischen Journalisten“ in Social Media zu geben? Wer ist auf „seiner Seite“? Aus welchen Kreisen kommen denn seine Geldgeber:innen, für die er vermeintlich so „kritisch” berichtet? Hier sieht man zum Beispiel, wer so Interviews teilt, die Reitschuster mit Pandemie-Leugner:innen führt, die die Öffentlichkeit mit Falschaussagen täuschen:

Wenn Unabhängigkeit bedeutet, sich von Fakten unabhängig zu machen, dann kann man dem definitiv zustimmen. Wenn „kritisch“ sich auf seine Wahrheitstreue bezieht, dann ist er voll im Plan. Wie oft folgten auf Storys von ihm Faktenchecks, in denen diese ad absurdum geführt wurden? Wir haben es bisher nur gelegentlich aufgegriffen, eine große Analyse folgt noch. Aber zum reinschnuppern:

Bhakdi und das „Ende der Pandemie“

Wir erinnern uns an (s)ein denkwürdiges Interview im August 2020 mit dem wissenschaftlich inzwischen völlig diskreditierten Dr. Bhakdi, in dem dieser behauptete, dass es keine neuen COVID-19-Kranken mehr in Deutschland geben würde. Was damals natürlich schon Unsinn war, wie wir hier belegten:

So manipuliert Bhakdi die Corona-Zahlen: Es gibt neue Corona-Kranke

Im September 2020 versuchte Reitschuster erfolglos Dr. Drosten das Wort im Mund umzudrehen, was die Wirksamkeit des Mund-Nasen-Schutzes angeht. Das nächste Eigentor war gefallen, dies zu entlarven war nicht schwer. Ein MNS erfüllt generell seinen gedachten Zweck (Quelle).

Lockdowns als adäquates Mittel zur Pandemiebekämpfung

Im Oktober 2020 fabulierte der „kritische Journalist“ von einem Kurswechsel bei der WHO, was die Pandemiebekämpfung durch Lockdowns angeht. Von dem die WHO offensichtlich selbst nichts weiß. Auch hier riss er einiges aus dem Kontext, um die Schlagzeilen zu liefern, die ihm seine Unterstützer:innen offensichtlich in bar entlohnen. Spoiler: Nein, es gab keinen Kurswechsel. Lockdowns helfen in der Pandemie enorm. Alles hier in unserem Text nachzulesen:

Pandemie-Leugner lügen weiter: KEINE “Lockdown Kehrtwende” bei der WHO

Der Berliner Senat und die angebliche Unwirksamkeit von PCR-Tests

Anfang November 2020 verdrehten Reitschuster und ein paar ähnlich geartete Kolleg:innen die Antworten der Berliner Senatsverwaltung auf die Anfrage des parteilosen Parlamentariers Marcel Luthe dahingehend, dass PCR-Tests in der Pandemie keine sinnvollen Ergebnisse bringen würden, die Infektionsschutzmaßnahmen jedweder Art rechtfertigen würden. Auch dies war natürlich leicht zu widerlegen, die dpa übernahm diese dankbare Aufgabe (Quelle). Wir auch:

PCR-Tests weisen Infektionen nach! Berliner Zeitung bringt Fake News, Aluhüte jubeln

Bitte Gebrauchsanweisung der PCR-Tests beachten

2021 wurde leider bisher nicht besser, was die Faktentreue bei Reitschuster angeht. Ende Januar versuchten er und Gefolgsleute im Geiste es mit einer neuen Attacke auf die Nachrichten der WHO. Die jedoch wieder erneut kläglich scheiterte. Was seine Leser:innen natürlich nicht wirklich erfuhren, da sie nur gezielt das Framing bekommen, was sie sich wünschen. Die PCR-Tests funktionieren entgegen seiner Meinung nach immer noch, wie längst wissenschaftlich eindeutig geklärt. Die WHO bittet jedoch noch einmal – welch‘ Überraschung – sie gemäß der Gebrauchsanweisung korrekt anzuwenden. Ob Reitschuster-Leser:innen die Antwort von Drosten überhaupt zu Hören bekamen, um sich „kritisch” selbst ein Bild zu machen? Oder bleiben dann vielleicht die Geldgeschenke aus?

Wie dich Pandemie-Leugner belügen, dass die WHO die Pandemie für beendet erklären würde

Kritischer „Journalismus“?

Wir haben ja in 2020 gelernt, wie das Querdenken-Geschäftsmodell um Pandemie-Leugner:innen wie Michael Ballweg, die Klagepaten, Samuel Eckert, Bodo Schiffmann und Dr. Fuellmich kurzfristig funktionieren kann. Da ist es wahrscheinlich nur folgerichtig, sich in dieser Riege auch ein Kuchenstück zu holen, bevor die Verschwörungsmythen irgendwann niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken.

Querdenken zerfällt – KenFM vs Ballweg, Hildmann spricht von “zerstrittenem Widerstand”

Unabhängig Crowdfunding zu erhalten, ist nicht verwerflich – es ist buchstäblich auch das, was wir bei Volksverpetzer machen. Auch wenn Querdenker & Co. gerne anderslautende Märchen erfinden. Wir behaupten aber auch nicht, „neutral” zu sein und kein Framing zu nutzen. Das ist buchstäblich auch unmöglich. Wer etwas anderes behauptet, lügt. Uns ist wichtiger, damit transparent umzugehen und uns an Fakten zu orientieren.

Geld für “Hofberichterstattung”?

Buchstäblich Geld erhalten von denjenigen, über die man gerade vermeintlich live „kritisch” und „ohne Ideologie” berichtet, zeigt aber, dass das Geschäftsmodell lautet, Schlagzeilen hinzubiegen und Darstellungen zu liefern, die weniger mit der Realität zu tun haben. Und eher das Weltbild bestimmter Gruppen, die auch im Auge des Verfassungsschutzes stehen, bestätigen sollen. Völlig unabhängig davon, wie die Realität wirklich aussieht.

Denn „kritisch” präsentiert man alle Seiten und lässt auch zum Beispiel Wissenschaftler zu Wort kommen, die Corona ernst nehmen oder die Zuverlässigkeit der PCR-Tests bestätigen können und nicht nur einseitig erwiesene Desinformations-Verbreiter. Das ist kein „kritischer Journalismus”, das ist „Hofberichterstattung”, wie es der freie Journalist Julius Geiler formulierte. Kann man machen, ist aber dann Etikettenschwindel.

Artikelbild: Screenshot democ.

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