Darum ist die Impfquote trotz RKI-Korrektur zu niedrig, um zu öffnen

| Corona-Fake | 8. Oktober 2021

Wir stellen unsere Artikel und Faktenchecks kostenlos für alle zur Verfügung.
Spende uns bitte etwas für unsere Arbeit oder Kauf in unserem Shop ein


6.790

Darum ist die Impfquote trotz RKI-Korrektur zu niedrig

Das RKI schätzt in einem neuen Bericht die Impfquote unter Erwachsenen (!) jetzt auf 80% (offizielle Zahl: 75%). Die RKI-Korrektur basiert dabei auf zwei Dingen:

  • Einmal einer Telefonumfrage, die die Impfquote unter Erwachsenen auf 81% schätzt.
  • Die Zahl der gelieferten Dosen an Betriebs- und Hausärzt:innen ist höher als die dann gemeldeten Impfungen.

Das RKI sagt selbst, dass die Telefonumfrage natürlich Schwächen hat. Besonders Leute, die dem Staat, den Medien und natürlich dem RKI selbst gegenüber feindlich eingestellt sind, antworten in solchen Umfragen oft nicht wahrheitsgemäß. Das sind natürlich genau die Ungeimpften. Die Umfragen sind auch bisher nur auf Deutsch durchgeführt worden, wodurch auch relevante Bevölkerungsteile nicht erreicht wurden.

Auch der Ansatz, von zwar gelieferten, aber nicht gemeldeten Dosen auf eine Meldelücke zu schließen, ist etwas gewagt. Viele Praxen mussten Dosen wegwerfen, vor allem da Menschen ihre Termine nicht wahrgenommen hatten (Quelle). Es kann also viele Gründe für diese vermeintliche Meldelücke geben.

Die Korrektur ist nicht so sicher wie einige meinen

Also: Genau wissen wir immer noch nicht, wie viele Menschen nun geimpft sind. Es hängt leider nicht am RKI, das zu ändern. Vielmehr müssten vor allem Hausärzt:innen und Betriebsärzt:innen ihrer Meldepflicht nachkommen. Eine weitere Möglichkeit wären auch Antikörper-Studien, wie sie in Großbritannien schon seit einer Weile durchgeführt werden.

Das würde auch erlauben, Immunität durch Infektionen mit zu erfassen. Diese Immunität dürfte in Deutschland noch kaum ausgeprägt sein, im Gegensatz zu Großbritannien, wo auf Kosten von zehntausenden Menschenleben sich schon deutlich mehr Menschen durch eine Infektion mit dem Virus Immunität erworben haben.

Reicht das jetzt für Lockerungen?

Viele Pandemie-Leugner:innen sagen jetzt, dass durch vielleicht 5% mehr Impfungen die Zeit für Lockerungen gekommen ist. Darauf können wir nur sagen: Dann lasst euch halt impfen, wenn ihr glaubt, dass die Impfung so gut wirkt! 😉

Viele Corona-Verharmloser:innen weisen schon seit geraumer Zeit auf Schwächen in den Daten des RKI hin. Darauf hinzuweisen ist ja durchaus legitim, und das RKI sollte auch versuchen, möglichst gute Daten zu erfassen. Nur schlussfolgern die Verharmloser:innen dann oft aus einer eher kleinen Verzerrung solche Dinge wie, dass es keine Pandemie / eine riesige Verschwörung gäbe.

Faktencheck: Die Widerlegung des Fake-Videos „Pandemie in den Rohdaten“

Das ist, als würde man den Vulkanausbruch leugnen, weil ein Messgerät nicht perfekt kalibriert ist, obwohl man direkt daneben steht. Man könnte durch sinnvolle Kritik ja auch helfen, das Instrument zu reparieren, ohne gleich den Ausbruch zu leugnen.

*Wenn* die Zahlen stimmen, könnte man in einigen Bundesländern wirklich Maßnahmen aufheben.

Aber zurück zur Ausgangsfrage: In einzelnen Bundesländern käme man, falls sich die Daten oben bestätigen lassen, tatsächlich auf Werte, die Lockerungen zulassen würden. Beispielsweise ist die Impfquote in Bremen unter ü60-jährigen bei 93,7% einmal Geimpften (Quelle). Wenn man dort nun noch die 4-5% Verzerrung draufrechnet und sich alle zweimal impfen lassen, wäre in dieser enorm gefährdeten Gruppe tatsächlich ein Wert erreicht, bei dem man Einschränkungen nicht mehr rechtfertigen könnte.

Eine Überlastung des Gesundheitswesens wäre bei solchen Quoten sehr unwahrscheinlich. Die Frage ist aber, ob in dieser Altersgruppe die Abweichung wirklich so stark ist. Betriebsärzt:innen impfen ja eigentlich vor allem bei unter 60-jährigen, eine Meldelücke hätte dort keinen großen Effekt auf die über 60-Jährigen.

In ganz Deutschland gäbe es trotz optimistischer Korrektur immer noch gut 10% Ungeimpfte unter den ü60-jährigen. Länder wie Dänemark, Norwegen oder Großbritannien haben in dieser Altersgruppe allerdings fast 100% Impfquote. An der Aussage in unserem Artikel von vor ein paar Tagen hat sich also nicht allzu viel geändert:

Vorbild Dänemark: Impfgegner fordern versehentlich mehr Impfungen

Dazu kommt: Bundesländer wie Sachsen steuern auch mit 5% Korrektur aktuell auf einen katastrophalen Winter zu. Hier braucht es wenn dann locker 25% mehr, um ernsthaft über das Aufweichen von Maßnahmen zu diskutieren. Nochmal: Wer die Nachricht als Zeichen für Lockerungen sieht, kann sich auch einfach Impfen lassen, wenn noch nicht geschehen.

Für Geimpfte gibt es sowieso kaum Einschränkungen mehr

Praktisch alle, die aktuell noch sauer auf Einschränkungen sind, sind vermutlich ungeimpft. Woher weiß ich das? Weil für Geimpfte kaum noch Einschränkungen gelten. Restaurants, Clubs und Läden haben in den meisten Bundesländern völlig normal geöffnet.

In vielen Einrichtungen gibt es maximal die 2G-Regel, die eben Ungeimpfte ausschließt – und zwar zu deren Schutz, denn auch Geimpfte können das Virus weitergeben. Das schadet den Geimpften nicht, aber den Ungeimpften eben schon.

Herdenimmunität ist wohl nicht erreichbar, auch wenn die Impfungen das Infektionsgeschehen offenbar deutlich abbremsen:

Es geht also bei allen Einschränkungen primär darum, die Ungeimpften zu schützen, bis diese sich über einen für das Gesundheitssystem akzeptablen Zeitraum (nicht alle auf einmal eben) infiziert haben. Bis wir also in der ganzen Bevölkerung 3G erreicht haben: Geimpft, Genesen – Gestorben.

Artikelbild: Tim K. von End

Hey, möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Komm in unseren Telegram Kanal und verpasse keine News von uns mehr (Link). Oder besuche unseren Shop und unterstütze uns mit dem Kauf von T-Shirts, Tassen, Taschen und Masken, hier entlang.

Unsere Autor:innen nutzen die Corona-Warn App des RKI.