Wir sind gegen Lockdowns – deshalb müssen wir den aktuellen verschärfen #RunterAuf10

| Corona | 9. Februar 2021

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Niemand ist für den Lockdown.

#RunterAuf10. Nur um das mal ein für alle mal klarzustellen. Wir beim Volksverpetzer sind GEGEN Lockdowns. Schon immer. Wir wollen so wenig wie möglich davon und am besten nur so kurz wie nur möglich. Lasst euch von niemandem etwas anderes einreden. Nur ist es eben so, dass wir nur dann nachhaltig ohne Lockdowns die Pandemie durchstehen können, wenn es nur wenige Infektionen gibt. Dann kann man zielgerichtet lokal dort, wo die Infektionen sind, die Leute isolieren.

Dann kann man Infektionen eindämmen, ohne mit dem Hammer alle einzuschränken. Das ist doch offensichtlich viel besser, als die ganze Gesellschaft in Isolation zu schicken mit allen negativen finanziellen und psychischen Konsequenzen, die das hat. Das ist das Ziel von #NoCovid und #ZeroCovid. Bis alle geimpft sind, ist das der einzige Weg, um Lockdowns zu vermeiden. Aber da müssen wir ja erstmal hin.

Keine Lust auf Lockdown bis April? Wir auch nicht

Wir sehen aktuell, dass immer mehr Meldungen mit der neuen Mutation eingehen. Die neue Corona-Mutation hat den großen Nachteil für uns, dass sie ansteckender (und damit tödlicher) ist. Das macht unsere Pandemie-Situation noch schlechter. Die Zahlen der beobachteten Mutanten steigt aktuell exponentiell.

Das sorgt dafür, dass sogar wenn der aktuelle Lockdown aufrecht erhalten wird, die Zahlen Ende Februar wieder steigen dürften. Wohlgemerkt bei einem R = 0.85 für die alte Variante, also unter Lockdown-Bedingungen. Wir werden dann also, wenn alles so bleibt, bis in den März/April im Lockdown bleiben müssen, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten und selbst das dürfte nicht reichen. Während manche genug von dem Lockdown haben – wie wir alle – aber deshalb für Lockerungen plädieren, wäre sogar ein Weiter so falsch.

Nur ein härterer Lockdown kann Mutation eindämmen, die sich immer weiter verbreitet

In Großbritannien und Portugal sinken die Fälle jetzt zum Glück wieder, nachdem es dort in Folge einer Mutations-Welle zu eine Triage gekommen war und fast überall am Limit gekämpft wurde. Geschafft haben das diese Länder aber nur mit einem härteren Lockdown, als es ihn bei uns gibt. In beiden Ländern liegt die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs beispielsweise über 60% unter normal. In Deutschland ist diese Nutzung nicht mal halbiert. In Portugal und Großbritannien sind fast 50% weniger Menschen an ihren Arbeitsstätten als normal. In Deutschland lediglich 31% (GB, PRT, GER).

Daraus folgt: Unser Lockdown ist einfach nicht hart genug, um auch die Mutation einzudämmen. Die Zahlen sinken, aber das ist trügerisch. Wir dämmen aktuell nur die alte Variante erfolgreich ein. Und auch nur langsam noch dazu. Die neue Pandemie der Mutationen ist aktuell in Deutschland nicht unter Kontrolle.

Wir haben weniger Kontakte zur Verfügung als vorher

Hier nochmal zur Klarstellung, da sich viele fragen, was denn ein noch härterer Lockdown sein soll. Klar, manche Menschen sitzen die ganze Woche zu Hause und dürfen nur noch eine Person außerhalb des eigenen Haushalts treffen. Hier geht es auch nicht um weitere Einschränkungen für Privatpersonen. Viele Mitarbeitende in nicht essentiellen Berufen gehen immer noch normal in den Betrieb oder ins Büro – wo man sich anstecken kann (Quelle). Sind wirklich alle im HomeOffice, die können? Maßnahmen wie die 15-km-Grenzen werden nicht nur immer wieder juristisch einkassiert, sie wirken wie Schikanen, wenn man teilweise weiterhin täglich normal in die Arbeit fahren muss (Quelle). Zumindest viel mehr als in den Ländern, die die Mutation gerade erfolgreicher eindämmen:

Durch die HomeOffice-Pflicht am 27. Januar (Quelle) sank der Wert übrigens nur auf 31% und hat damit kaum einen Effekt gehabt. Hier eine Auswertung der Google Mobility Trends (der starke Fall war nur Weihnachten):

Jeder einzelne Kontakt zwischen zwei Menschen hat mit der neuen Mutation ein höheres Risiko. Wir haben also eine noch geringere Menge an Kontakten zur Verfügung, die wir “aufteilen” können. Wenn wir also die Schulen öffnen wollen, dann führt das automatisch dazu, dass wir an anderer Stelle stärker einschränken müssten, um trotzdem die Kontrolle zu behalten. Darüber sollten wir durchaus diskutieren. Beispielsweise ist es unverständlich, warum aktuell Waffenfabriken geöffnet haben, aber Schulen nicht. Aber wir müssen uns bewusst machen: In dieser Pandemie gibt es schlicht nicht unbegrenzt Freiheit, die man nach Belieben verteilen kann. Und mit den Mutationen (offenbar sind dort auch Kinder stärker betroffen, Quelle) erst Recht nicht.

Corona raubt uns einfach viele Freiheiten, wir müssen nur verhandeln, wo und wie lange

Wir können uns aber etwas mehr Freiheiten erarbeiten. Mehr Testen, mehr Kontakte nachverfolgen, schon bei kleinen Symptomen zu Hause bleiben, Masken ordentlich tragen. Und vor allem müssen wir niedrige Fallzahlen erreichen, damit die Tests auch ausreichen und die Kontaktverfolgung hinterherkommt. Also Inzidenz #RunterAuf10. So können wir am ehesten ein Ende der Lockdowns erreichen. Zu frühe Lockerungen bringen uns kurzfristig ein paar Freiheiten, aber letztlich verlieren wir mehr Freiheiten (und auch Leben!), wenn wir dann wieder zurück müssen. Die Idee ist auch nicht neu. Das haben wir bereits im November erklärt:

Wer mehr Freiheiten möchte, muss jetzt für einen harten Lockdown sein

Über die Gefahren der neuen Mutationen und wie man ihnen am besten begegnet haben wir auch schon vor fünf Wochen geschrieben:

Corona ist mutiert & damit viel gefährlicher: Was wir jetzt tun müssen

Wir sind alle gegen Lockdowns. Tun wir aber auch alles, was nötig wäre, um sie zu so schnell wie möglich zu beenden?

So sieht #NoCovid übrigens erfolgreich aus:

So sehen übrigens Länder aus, die #NoCovid umgesetzt haben

Artikelbild: engagestock

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Unsere Autor:innen nutzen die Corona-Warn App des RKI: