Impf-Verschwörungsmythos geprüft: Lohnt sich die Pandemie überhaupt finanziell?

| 7. Mai 2020

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Bösewicht-Mathe: Lohnt sich die Pandemie?

Stell dir vor, du bist ein mächtiger Bösewicht, und kontrollierst Teile des weltweiten Impfbusiness: Lohnt es sich für dich, eine globale Pandemie auszulösen und dann an den Impfungen Geld zu machen? Das wäre natürlich eine Überlegung, die wir uns schon VOR dem Auslösen eines solchen Ereignisses machen müsste.

Plus-Seite

Man könnte hier eine einfache Rechnung anstellen: 7 Mrd. Erdenbürger*innen müssen geimpft werden. Wir veranschlagen als Monopolist einfach mal 200€ pro Impfung, das sind dann 1,2 Billionen Euro. Oder? Leider ist es nicht ganz so einfach. Wir müssen die Impfung ja schon irgendwie herstellen. Die Gewinn-Margen von Pharmafimen werden auf 10 – 40 % geschätzt (Quelle). Für Impfungen ist der Gewinn eher am unteren Ende der Skala, denn die Entwicklungskosten sind hoch, aber wir spritzen das Zeug der Weltbevölkerung ja nur höchstens alle paar Jahre. Andere Produkte sind deutlich lukrativer, vor allem solche, die täglich eingenommen werden müssen.

Aber Shit: Wir sind leider nicht die Einzigen, die einen Impfstoff herstellen würden. Zurzeit sind laut WHO 102 Projekte damit beschäftigt einen Impfstoff gegen COVID-19 zu entwickeln (Quelle). Das ist ziemliche Konkurrenz. Wie können wir garantieren, dass die alle scheitern? Wir sollten sie kaufen!

Gibt nur ein Problem:

Das sind alles verschiedene Firmen und sie sind unfassbar teuer. Pfizer, die an EINEM der 102 Projekte beteiligt sind (zusammen mit BioNTech, in das Bill Gates investiert hat), kostet an der Börse aktuell um die 200 Mrd. $. Leider etwas zu teuer für uns. Und ich meine, wir wollen wenn dann schon richtig Asche machen, und uns das nicht mit den ganzen anderen Aktieninhabern dieser Firmen teilen? Das ist ein Problem.

Wenn unser Produkt nicht genommen wird, oder nur einen gewissen Marktanteil bekommt, haben wir am Ende noch Geld in den Sand gesetzt, um die ganze Pandemie auszulösen, Angela Merkel und Christian Drosten zu kaufen und die Impfung dafür zu entwickeln. Das ist ein Risiko.

Ein zweites Problem sind die Entwicklungsländer. Für Indien ist es beispielsweise vollkommen unbezahlbar 200€ pro Impfung zu zahlen. Dort sind die Medikamentenpreise viel niedriger. Ein indisches Pharmaunternhmen möchte deshalb die COVID-Impfung für umgerechnet 12€ anbieten. (Quelle). Doch auch die westliche Firma Johnson&Johnson möchte ihren Impfstoff für 10 Dollar anbieten (Quelle).

Das sind also die Preise mit denen wir konkurrieren müssen. 12 Euro für 7 Mrd. Bürger sind nur noch 80 Mrd. € Umsatz und einen mickrigen Gewinn im einstelligen Milliardenbereich, damit wir die Preise entsprechend drücken können.

Minus-Seite

Als Bösewicht steckt unser Geld natürlich in der Wall-Street in Aktien. Jetzt bleibt so eine Pandemie natürlich nicht ohne Folgen für die Börsen.

Schauen wir uns dafür einfach mal an, was die aktuelle Pandemie für Auswirkungen auf die Portfolios reicher Dudes hatte: Am Beispiel der Bill&Melinda Gates Stiftung. Die wird geleitet von Bill Gates und Warren Buffet. Gates hat durch den Aktiencrash bisher 15 Mrd. USD verloren (Quelle) und Buffet sogar ganze 30 Mrd. USD (Quelle). Davon könnten wir uns auch 3-4 Flugzeugträger kaufen (Quelle). Irgendwie geileres Investment als so ne Pandemie, mit der wir nicht mal mehr nach Dubai zum shoppen jetten können.

Richtig dumm von Gates und Buffett, denn wenn wir das von langer Hand planen könnten wir ja an Leerverkäufen sogar Geld machen. Vermutlich sogar deutlich mehr als durch den Verkauf der Impfung selbst. Insgesamt ging es den allermeisten Reichen der Erde so ähnlich wie Bill und Warren. Zwischendurch verloren die reichsten Menschen der Erde fast 500 Mrd. USD – in nur einer Woche (Quelle).

Also letztlich muss man sagen: Dieser Impfungs-Plan ist ziemlicher Mist. Wir würden deutlich mehr Geld verlieren als wir gewinnen und es sind viele Risiken involviert.

Lohnen sich die Impfungen für die Pharmaindustrie?

Wir sind immer noch ein Bösewicht: Gehen wir also mal davon aus, dass uns Menschenleben egal sind und keinen Wert haben. Ist es also lohnenswerter, das  aktuelle Virus per Durchseuchung der Bevölkerung zu bekämpfen, oder per Impfung?

Alle Deutschen zu impfen wäre nach den Preisen von oben für gut 1 Mrd. € drin. Wie viel kostet es uns, die Infektion alle durchzumachen? Nach der Heinsberg Studie sterben 0,37% der Infizierten in Deutschland am Coronavirus (vermutlich unterschätzt die Studie das). Unsere Intensivmediziner*innen retten aber 2 von 3 Leuten, die auf der Intensivstation landen (Quelle). Daraus können wir konservativ schätzen, dass etwa 1% der Bevölkerung auf die Intensivstation muss.

Ein Tag auf der Intensivstation kostete 2009 fast 1.300 € (heutzutage sicher noch etwas mehr, Quelle). Laut RKI muss man 4-6 Wochen im Krankenhaus verbringen bei einem schwerem Verlauf (Quelle). Das sind dann 36.000€ bei 4 Wochen pro Intensivpatienten. Das macht übern Daumen so 30 Mrd. € an Kosten. Arzneikosten sind davon nur ein Teil, etwa 10 % (Quelle) also circa 3 Mrd. Euro. Daran könnten wir als Pharmafirma dann Geld verdienen. Und dafür müssten wir gar keine neuen Medikamente entwickeln, sondern können einfach nur die vorhandenen Mittel verkaufen.

Folgeerkrankungen

Am Ende erhalten die Patient**innen noch viele Spätfolgen und wir könnten den dann chronisch Kranken (Quelle) ihr Leben lang teure Medikamente verkaufen, die diese dann im Optimalfall täglich einnehmen müssen. Nice.

Und wir haben bisher noch gar nicht mitgerechnet, dass auch die ganzen nicht ganz so schweren Fälle alle Aspirin und andere Pharma-Pillen schlucken wollen. Also insgesamt können wir locker im zweistelligen Milliardenbereich Asche mit einer Durchseuchung generieren. Viel mehr als durch die Impfung.

Dazu kommen noch die Corona-Virus-Tests, die wir dann über Jahre verkaufen können, weil ohne Impfstoff die Herdenimmunität nach drei Jahren wieder nachlässt. Und dann geht der Reibach wieder von vorne los.

Fazit: Wenn Merkel und Drosten jemandem Geld ermöglichen wollten, könnte man ohne Pandemie-Maßnahmen und einer unkontrollierten Durchseuchung viel mehr Geld verdienen.

Mal im Ernst

Die Idee, dass ein einzelner Unternehmer die Weltwirtschaft crashen lässt, um dann an Impfungen Geld zu verdienen, ist ziemlich absurd. Die Welt ist deutlich dezentraler als die meisten glauben. Jemand, der so reich ist wie Bill Gates hat sicher etwas mehr Einfluss als der Normalbürger, und das muss auch kritisiert werden. Aber er kann nicht einfach so die globale Pharmaindustrie kontrollieren.

Nichtsdestotrotz macht es Sinn, sich auch mal die wirtschaftliche Interessenlage anzuschauen: Aktuell stehen deutlich größere wirtschaftlich Interessen (unter anderem die gesamte Ölindustrie, Blumenläden und Yogalehrer*innen) hinter der Forderung nach einer Öffnung der Wirtschaft als für weitere Schutzmaßnahmen. Hier gilt es also auf jeden Fall genauer hinzuschauen. Cui bono Öffnungen?



Artikelbild: pixabay.com, CC0

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