Dieser Molekularbiologe erklärt, wie wir die Pandemie beenden könnten

| Corona | 4. November 2021

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So wird die Pandemie zur Endemie!

Martin Moder, österreichischer Autor und „Science Buster“, veröffentlichte auf dem YouTube-Kanal „MEGA“ Mitte Oktober ein schönes Video mit dem Titel „So endet die Pandemie“.

Wir fassen euch die wichtigsten Inhalte der knapp 9 Minuten zusammen, wenn ihr das Video selbst sehen wollt, dann schaut hier:

Der Channel wird übrigens im Rahmen des Projektes #EUmythbusters bzw. #EUROPAgegencovid19, einer Non-Profit-Initiative, produziert.

Pandemisch oder endemisch – das ist hier die Frage!

Coronaviren gibt es ja schon viel länger als seit 2019. Einige Coronaviren sind seit einer ganzen Weile endemisch (regional beschränkt aktiv), alle paar Jahre infizieren die Menschen sich mit ihnen, bauen einen Schutz durch Antikörper auf, welcher mit der Zeit zurückgeht, bis die nächste Infektion kommt und so weiter. Allerdings kommt hier der berechtigte Einwand, dass diese „alten“ Coronaviren lediglich harmlose Erkältungen auslösen, SARS-CoV-2 dagegen bereits eine siebenstellige Zahl an Menschen getötet hat.

Ob die „alten“ Coronaviren an sich harmloser sind, lässt sich schwer sagen. Entscheidend ist aber auch viel mehr, ob das Virus pandemisch oder endemisch ist. Die harmlosen Coronaviren könnten früher selbst einmal pandemisch gewesen sein. So gibt es die Vermutung, dass eine schwere Pandemie Ende des 19. Jahrhunderts von einem dieser mittlerweile eher harmlosen Viren verursacht wurde.

Die Gefahr des Erstkontakts

Moder erklärt auch, warum die Unterscheidung zwischen endemisch und pandemisch so wichtig ist: Die größte Gefahr geht nämlich vom gesellschaftlichen Erstkontakt mit dem Virus aus. Wenn die gesamte Gesellschaft erstmals von dem Virus überrollt wird, sind unsere Immunsysteme natürlich unvorbereitet. Die körpereigene Verteidigung gerade bei alten Leuten ist schwach. Eine Infektion kann dann schnell tödliche Folgen haben.

Wenn eine Gesellschaft nun aber an das Virus „gewöhnt“ ist, es also schon länger zirkuliert, kommen die meisten Menschen schon in jungen Jahren mehrfach mit dem Virus in Kontakt. Sie erleben dann eher milde Symptome, erholen sich schnell vom Virus. In ihrer körpereigenen Abwehr wird das Virus jedoch abgespeichert, mit jeder Infektion wird die Verteidigung durch Antikörper & Co. stärker. Falls das Virus dann im hohen Alter wiederkommt, ist der Körper gut vorbereitet. Tödliche Verläufe sind dann die Ausnahme.

Junge Menschen trotzdem impfen!

Natürlich könnte man daraus jetzt schlussfolgern, dass junge Menschen dann ja keine Impfung bräuchten, wenn sie sich auch einen „natürlichen Schutz“ erwerben können. Das ist allerdings zu kurz gedacht.

Zuerst einmal ist eine Infektion mit SARS-CoV-2 auch für junge Menschen nicht komplett ungefährlich. Schwere Verläufe sind zwar selten, aber treten dennoch auf. Noch dazu kommt die schwer kalkulierbare Gefahr von Long Covid. Schon allein um diese Risiken so gut es geht zu vermindern, sollten junge Menschen ebenfalls die Impfung erhalten.

Impfstoff ist der game-changer

Noch dazu kommt aber, dass die Impfung der eine große Vorteil ist, den wir Menschen im Wettlauf mit der Pandemie haben. Der natürliche Übergang von einer Pandemie zu einer Endemie würde durch Masseninfektionen in den ersten Wellen geschehen, bis so viele Menschen durch Infektion einen Antikörper-Schutz aufgebaut haben, dass die folgenden Wellen klein ausfallen. Das klingt zwar in der Theorie logisch und gar nicht so schlimm, bedeutet aber eine riesige Menge an Todesfällen in diesen gravierenden ersten Wellen. Das ist auch genau das, was wir bis jetzt erlebt haben – und da waren wir dank Maßnahmen wohl noch recht glimpflich dran.

Doch hier kommt der Impfstoff ins Spiel. Der Impfstoff kann den gefährlichen Erstkontakt „simulieren“. Das heißt, das Immunsystem bekommt diesen Erstkontakt, wie es ihn bei einer echten Infektion erhalten würde und kann entsprechend das Abwehrsystem einstellen (und Antikörper bilden). Doch all die anderen Folgen einer echten Infektion, wie schwere Verläufe oder gar der Tod, werden verhindert. Aus epidemischer Sicht kann man also mit den Impfstoffen die ersten, schweren Wellen „durchlaufen“, ohne im großen Stil Menschenleben zu riskieren.

Darum sind Impfdurchbrüche nicht mal (so) schlimm

Das Entscheidende ist nämlich nicht, dass die Impfung alle Infektionen verhindern muss. Das tut sie auch gar nicht, Stichwort „Impfdurchbruch“. Sie muss nur dem Körper die Chance geben, den Erstkontakt zu „durchleben“, ohne den Gefahren einer Infektion ausgesetzt zu sein. Somit kann er sich einen guten Schutz vor den schweren Verläufen aufbauen. Wenn das Virus dann das nächste Mal ankommt, ist der Körper schon ziemlich gut vorbereitet.

Impfung 90 % effektiv: Irreführende Schlagzeilen über Impfdurchbrüche auf der ITS

Entsprechend ist die aktuelle Entwicklung aus epidemischer Sicht logisch: Der „Impfschutz“ im Sinne von Schutz vor Ansteckung lässt relativ bald nach. Doch der Schutz vor schweren Infektionen bleibt auf hohem Niveau (siehe z. B. diese Studie). Und genau das ist auch, wo wir als gesamte Gesellschaft hinmüssen.

Fazit: Impfung als Ausweg aus der Todesfalle

Ja, das Corona-Virus wird früher oder später endemisch werden. Ob es vergleichbar mit harmlosen Erkältungsviren oder etwas weniger harmlosen Influenza-Viren wird, ist noch nicht abzusehen. Doch die Pandemie wird ihrem natürlichen Verlauf folgend enden. Nur ist die Frage: Wie hoch ist die Zahl der Menschenleben, die sie bis dahin noch kosten wird? Die Antwort ist eigentlich beruhigend: Das haben wir komplett selbst in der Hand!

Mit der Impfung können WIR entscheiden, wie tödlich die kommenden Wellen bis zur Endemie noch werden. Wenn viele Menschen geimpft werden, können wir damit tödliche Erstkontakte mit dem Virus verhindern. Die Mittel dazu haben wir, jetzt sind die Politik und die Gesellschaft gefragt: Impfstoffe müssen global produziert oder zumindest verteilt werden, Regierungen müssen kooperieren, Menschen müssen überzeugt werden. Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Aber wir können es schaffen, dass das Ende glimpflich wird.

Apropos Menschen überzeugen: Vielen Dank an Martin Moder und alle Beteiligten des Kanals „MEGA“ für ihre wertvolle Aufklärungsarbeit. Das Bekämpfen von Fake News ist ein wichtiger Schritt, um Leute von der Sicherheit und Notwendigkeit der Impfung zu überzeugen.

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Artikelbild: Screenshot Youtube

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