So argumentierst du am besten mit Impfgegnern

| Schwer verpetzt | 29. Oktober 2021

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Wie überzeugst du Impfgegner:innen? – Gar nicht!

Warte, was? Dachtest du, du findest hier einen Artikel, wo wir Tipps, Tricks und Argumente zum Überzeugen von Impfgegner:innen liefern? Ok, die findest du weiter unten. Aber zuerst müssen wir ein großes „Aber“ aus dem Weg räumen. Bei einer Befragung durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums haben rund zwei Drittel der noch Ungeimpften angegeben, sich auf gar keinen Fall in den nächsten zwei Monaten impfen zu lassen. Weitere 23 Prozent sind bei einem „eher nein“ (Quelle). 9 von 10 Impfgegner:innen ist es laut Befragung sogar egal, wenn ihre Mitmenschen auf Intensivstationen landen (Quelle).

Wer sich jetzt nicht mehr impfen lassen will, dessen Meinung steht erstmal fest. Nicht jede:r Ungeimpfte ist gleich ein:e „Impfgegner:in“ – also aktiv daran beteiligt, Fakes und Unsicherheit darüber zu streuen. Aber offenbar glauben zumindest die meisten Ungeimpften diese Fake News und Mythen und wollen gar nicht mehr ihre Meinung ändern. Sie sind sogar so herzlos, dass ihnen das (Über)Leben der anderen egal ist.

Und daran wirst du auch erstmal nichts ändern können. Und das ist auch nicht deine Aufgabe. Es kann zermürbend sein bei der Flut an Hass und Desinformation, aber du musst das nicht alles auf deine Schultern nehmen und dich davon fertigmachen lassen. Engagement ist wichtig, aber nicht jede:r hat die Möglichkeiten, Zeit und Fähigkeiten, pausenlos zu kämpfen. Du darfst auch mal abschalten. Du musst und kannst das nicht alles alleine machen. Dafür gibt es zum Beispiel auch uns bei Volksverpetzer. Aber auch bei uns ist das Grundparadoxon unserer Arbeit, dass wir gegen Fake News kämpfen – das aber in gewisser Weise eigentlich nichts bringt. Was?

Faktenchecks und Diskussionen sind ziemlich ineffektiv. Warte, was?

Aufklärungsartikel zu teilen, ist nicht so effektiv darin, die Leute zu erreichen, die Fake News glauben: Studien zeigen: Die Faktenchecks werden fast ausschließlich von unserer eigenen „Filterblase“ gelesen – Also allen denjenigen, die die Mythen sowieso nicht glauben und eher nicht darauf hereinfallen. Also Faktenchecks sind sinnvoll – sonst wären wir nicht hier – aber nicht so sehr bei denen, die es am bittersten nötig haben. Das zeigen Jahre an Studien – und unsere Erfahrungen (Quelle, Quelle). Die Impfgegner:innen teilen untereinander einen Fake nach dem anderen, aber wenn sie Volksverpetzer lesen, kriegen sie automatisch Ausschlag, völlig egal, wie stichfest wir sie widerlegt haben. Es wird ignoriert, beschimpft oder man behauptet, wir seien nur „gekauft“ oder sowas.

Im Gegenteil, es gibt sogar den backfire-effect, der Glaube an den Fake verstärkt sich, wenn man einen Verschwörungsgläubigen überzeugen will. Ähm ja, was? Abgeschottet durch Hetze und Lügen befindet sich ein Teil der Bevölkerung bei emotional aufgeladenen Themen abgeschottet in ihren Filterblasen. Und die „alternative“ Blase der Verschwörungsgläubigen und Rechtsextremist:innen, zu der spätestens seit Corona auch die Impfgegner:innen gehören, lebt in ihrer eigenen Welt und radikalisiert sich weiter. Und da kriegen wir sie erst einmal nicht raus. Das… ist ein großes Problem, wenn die Fake News zu niedrigen Impfquoten, mehr Ansteckungen oder (rechtsextremen) Gewalttaten und Morden beitragen.

Die mentalen Fallstricke, die jeden von uns in die Verschwörungswelt abrutschen lassen können

Wie kann es sein, dass manche einfach völlig verblendet, besessen und radikal an Lügen festhalten? Dazu muss man zuerst verstehen, wie sich Menschen ein Weltbild bilden. Wer seinen Glauben nicht von Fakten, offiziellen Quellen oder Studien abhängig gemacht hat, der wird von diesen auch nicht vom Gegenteil überzeugt. Wir Menschen beurteilen den Wahrheitsgehalt von Aussagen nicht, indem wir sie auf ihre logische Integrität prüfen, mit Fakten abgleichen oder belegbare Quellen dafür recherchieren. Wir glauben gerne, dass wir das tun. Was wir als erstes machen, ist: Wir überlegen uns, ob diese Aussagen in unser Weltbild passen. Aber das muss ja nicht richtig sein.

Millionen Jahre Evolution haben uns erstaunliche Fähigkeiten gegeben, Dinge wahrzunehmen, unsere Erfahrungen zu verarbeiten und auszudrücken und weiterzuverbreiten. Doch so rational für wie wir uns halten, sind wir keineswegs. Unser Gehirn neigt ständig dazu, geistige „Kurzschlüsse“ zu produzieren, die uns sehr irrational handeln lassen können.

Neurowissenschaftler:innen und Psycholog:innen sprechen von „Kognitiven Verzerrungen“ (cognitive biases). Kurz gesagt sind das Fehler, die unser Gehirn macht, wenn es Folgerungen zieht oder etwas bewerten muss. Normalerweise werden diese hervorgerufen, wenn wir eine neue Situation mit einer früheren emotionalen Erinnerung assoziieren. Diese kognitiven Verzerrungen passieren uns jeden Tag und meistens sind wir uns dessen nicht bewusst. Und tatsächlich liegt der Grund, wieso manche Freund:innen oder Familienmitglieder unkritisch irgendwelche Gruselgeschichten über Impfungen glauben oder sich um „Langzeitdaten“ sorgen.

Kimmich: Wenn nur „Langzeitfolgen“ euer Problem sind, können wir euch beruhigen

Hier einige wichtige Denkfehler, denen wir zum Opfer fallen:

VERFÜGBARKEITSHEURISTIK (AVAILABILITY HEURISTIC):

Wir überschätzen stets die Informationen, die uns zur Verfügung stehen. Selten geben wir zu, dass wir einfach nicht genug über etwas Bescheid wissen, um uns eine Meinung über etwas zu bilden. Die wenigsten von uns kennen oder sind Virolog:innen oder Epidemie-Expert:innen. Kaum einer liest die neuesten Studien. Klar, deswegen ist es das Beste, sich bei der Weltgesundheitsorganisation, beim Robert Koch Institut, über offizielle Behördenmitteilungen oder beim Podcast „Coronavirus-Update“ mit Christian Drosten zu informieren. Aber auch Menschen, die das nicht tun, denken, sie hätten alle wichtigen Informationen. Erst recht wenn sie unseriöse Medien wie RT De, Reitschuster (hier, hier, hier, hier oder hier) oder Pseudo-Expert:innen wie Wolfang Wodarg (hier, hier, hier) zuhören, die behaupten, die Desinformationen, die sie streuen, seien die richtigen und wichtigen Informationen (mehr dazu).

MITLÄUFEREFFEKT (BANDWAGON EFFECT):

Ich glaube umso eher etwas, je mehr andere Menschen dies auch glauben. Das sprichwörtliche Herdendenken. Wenn viele Menschen in meinem Bekanntenkreis überzogen vor möglichen Spätfolgen warnen, die wissenschaftlich einfach nicht zu erwarten sind, desto eher nehme ich solche Ansichten ernst und teile sie weiter. Gerade Unentschlossene schließen sich gerne der vermeintlichen Mehrheit an, um nicht als Außenseiter:in zu gelten. Deshalb tendieren bestimmte soziale Milieus dazu, sich zu homogenisieren. Dazu kommen noch soziale Mechanismen wie Gruppenzwang. Deswegen ist Gegenrede und Deplatforming außerhalb der Filterblasen wichtig (mehr dazu).

BESTÄTIGUNGSFEHLER (CONFIRMATION BIAS):

Wir neigen dazu, nur Leuten zuzuhören und Medien zu konsumieren, die unsere eigenen Ansichten bestätigen. An solchen Informationen müssen wir uns nicht reiben oder aufregen. Somit neigen wir dazu, nur Informationen zu erhalten, die unser Weltbild untermauern. Wer ohnehin schon glaubt, dass massiv Menschen an den Impfungen sterben würden, obwohl Studien zeigen, dass Geimpfte statistisch sogar weniger sterben als Ungeimpfte, weil man ständig erfundene Geschichten hört oder Unfälle oder Krebskrankheiten – oder einfach unbekannte Todesursachen – einfach willkürlich zu „Impffolgen“ erklärt, der kriegt nicht mit, wie sicher Impfungen sind – und wie viel sicherer als die Infektion, die wir alle früher oder später bekommen (mehr dazu, noch mehr dazu). Oder man glaubt, dass der Fake-Reichelt-Telegram-Kanal echt sein muss, weil man es erwartet und deshalb nicht nachprüft.

Peinlich: Reitschuster & Co fallen auf Fake-Reichelt-Kanal herein

ANKERHEURISTIK (FOCUSING/ANCHORING EFFECT):

Das ist das Überschätzen eines bestimmten Aspekts oder einer einzelnen Information. Wenn man stets nur an einen Teilaspekt oder ein Merkmal denkt, das aber für die Gesamteinschätzung irrelevant ist. Impfgegner:innen – aber auch seriöse Medien – legen medial einen Fokus auf „Impfdurchbrüche“, was beabsichtigt oder nicht den Eindruck erweckt, dass der Effekt der Impfungen fehle oder nicht groß sei. Das ist natürlich irreführend. Wenn von den 1.186 Corona-Patient:innen, die in Deutschland Mitte August bis Anfang September „intensivmedizinisch versorgt“ werden mussten, lediglich 119 gegen Corona geimpft, waren, diese Zahl aber gestiegen ist, heißt das nach wie vor, dass die Impfung zu etwa 90 % vor einem schweren Verlauf schützt (Quelle).

Wenn (besonders in den Risikogruppen) viele geimpft sind, dann können in absoluten Zahlen mehr Geimpfte auf den Intensivstationen sein als Ungeimpfte, aber der Anteil von ihnen ist viel höher. Zum Beispiel: Wenn 99 von 100 Geimpft sind und dort gibt es 2 Impfdurchbrüche und auch der eine Ungeimpfte liegt auf der Intensivstation, dann gibt es doppelte so viele Geimpfte wie Ungeimpfte auf der ITS. Aber man sieht, dass 100 % der Ungeimpften auf der Intensivstation landeten und nur knapp 2 % der Geimpften. Mit Sicherheitsgurten ist es genau so: Die meisten Unfallopfer waren angeschnallt, aber wir wissen ja alle, dass Gurte funktionieren. Weil die meisten halt auch angeschnallt sind. (mehr dazu) (mehr dazu). Impfgegner:innen werden diese logische Erklärung aber nicht akzeptieren – oder gar nie zu hören kriegen.

Warum es ein gutes Zeichen ist, wenn unter Hospitalisierten viele Geimpfte sind

DOCH WIE IST JETZT EIN DIALOG MÖGLICH? Online nicht.

Also jetzt zur Frage: Wie diskutierst du mit Impfgegner:innen? Wir sagen: Online gar nicht. Versuch es nicht. Von Fremden werden die sich nicht überzeugen lassen, weil die ganzen Denkfehler eintreten. Hinzu kommen viele Troll-Techniken, die eine Diskussion unmöglich machen. Selbst wenn du dich richtig gut auskennst und auf alle Fakes Quellen und Erklärungen hast, diese Leute können („moving the goalpost“) einfach immer den nächsten, kurzen, schlagfertigen, aber falschen Fake liefern. Und selbst wenn sie sich später selbst widersprechen, haben sie immer das Gefühl, sie hätten dir was entgegnet, was sie im Recht hätte bleiben lassen.

Viele Impfgegner:innen trollen extra auf euren Profilen und Posts, nicht um euch zu überzeugen, sondern um eure Freunde und Follower:innen zu verunsichern. Wenn sie denken, sie hätten gute Argumente, organisieren sie sich zu Hassmobs und überschwemmen dich, um dich durch Masse (mit etlichen Beleidigungen und Anschuldigungen) zum Schweigen zu bringen und deine Plattform einzunehmen. Unser Rat: Blockt diese Leute, was das Zeug hält. Spart euch eure Zeit und euren Ärger, nicht nur wird es sinnlos sein, im schlimmsten Fall helft ihr sogar so dabei, Desinformation zu verbreiten.

Die einzige Ausnahme sind vielleicht öffentliche Kommentarspalten unter großen Medien in Social Media. Die versagen viel zu oft aus falsch verstandenen Toleranz-Gründen, die Lügen, Mythen und vergifteten, rhetorischen Fragen einzudämmen und Top comments haben so viel, wenn nicht gar mehr Einfluss als selbst der bestbelegte Artikel. Dort könnt ihr Debunkings kommentieren, oder bereits bestehende Liken. Aber nur um Mitlesende aufzuklären, nicht die Trolls selbst. Die wollen nur Aufmerksamkeit, die sie nicht verdient haben. Denn hier geht es nicht um Meinungen, sondern um falsche Behauptungen. Es gibt kein Recht auf Fakes. Versucht es nicht. Unser Motto: Fake News sind wie Viren – und Infizierte gehören in Quarantäne!

Sprecht nur mit persönlichen Bekannten – und nur offline

Das einzige, was zuverlässig effektiv sein kann, ist das persönliche Gespräch mit Bekannten – und offline. Das hat noch die größten Chancen, als wenn Fremde im Netz dir was erzählen. Aber auch hier gilt: Es ist nicht eure Aufgabe, eure Familie und Freunde aufzuklären. Wer es nicht kann oder will, muss es nicht tun. Falls ihr es aber mal versuchen wollt, müsst ihr einiges beachten.

„Man muss die Sorgen ernst nehmen.“ Klingt erstmal scheiße, aber da ist leider etwas dran. Die meisten Menschen sind verunsichert. Eine derartige Krise haben die meisten von uns noch nie erlebt. Man macht sich Sorgen: Impfquoten, Impfdurchbrüche, Intensivstationen. Man möchte „Insider-Infos“ teilen, um Menschen zu warnen und sich sicherer fühlen. Deshalb ist es wichtig, alle Menschen, die auch den größten Unsinn teilen, wie gleichwertige Diskussionspartner:innen zu behandeln und sie nicht lächerlich zu machen. Am besten sprichst du sie auch nicht öffentlich an, damit es nicht peinlich wird für sie.

Wenn sich die Menschen (öffentlich) angegriffen fühlen, neigen sie eher dazu, abzuwehren und ihren Stolz zu verteidigen. Diese Menschen sind auch nicht „dumm“, wenn sie so etwas teilen. Beleidigungen und Herablassung zerstören jede Möglichkeit, diese Menschen zu überzeugen und treiben sie im Gegenteil noch tiefer in ihre Überzeugung. Überlegt man sich: Würde man auch jemanden ernst nehmen, der einen zu Beginn der „Diskussion“ erst einmal beleidigt? Ich nicht.

Tatsächlich müsst ihr in die Diskussion hinein gehen und bereit sein, zuzugeben, auch mal falschzuliegen

Das klingt seltsam, aber wenn beide Seiten eine Diskussion anfangen und keine unter keinen Umständen von vornherein bereit ist, ihre Meinung zu revidieren, ist das doch völlig sinnlos. Dann dient die Auseinandersetzung nur noch dazu, sich argumentativ zu profilieren und die Fronten zu verhärten. Und nur weil ihr bereit sein solltet, zuzugeben, dass ihr ganz oder teilweise falschliegen könntet, heißt das natürlich nicht, dass ihr eure Ansichten über Bord werfen werdet – nur wenn es gute Argumente dagegen gibt. Ihr müsst euch nur darauf gefasst machen, dass (in welcher Diskussion auch immer) gute Argumente kommen könnten.
Und ihr solltet euch vorher überlegen, wie ihr damit umgehen werdet. Falls deine Person allerdings wirklich völlig im Sumpf untergegangen ist und ganz extrem drauf ist, lohnt sich vielleicht eher der Kontaktabbruch mit deutlichen Worten, warum. Das ausgeschlossen Werden kann mehr zum Nachdenken anregen als ein sinnloses Anschreien.

DAS SIND DIE HÜRDEN, DIE EINEM UMDENKEN IM WEG STEHEN

  • Ob eine neue Information akzeptiert wird oder nicht, hängt vor allem zuerst davon ab, ob sie sich für uns „wahr anfühlt“. Etwas fühlt sich wahr an, wenn man sich nicht geistig anstrengen muss, um es zu verstehen und wenn es sich gut anfühlt, es zu glauben. Es muss vertraut sein und es muss unseren Überzeugungen entsprechen (Bestätigungsfehler, confirmation bias). Deshalb ist es wichtig, etwas in Wörtern zu formulieren, die deinem Gegenüber vertraut klingen und Autoritäten zu zitieren, die dieser akzeptiert. (Pro-Tipp: Wenn du auf Volksverpetzer-Recherchen zurückgreifst, zitiere ruhig unsere Quellen oder kopiere unsere Aussagen, ohne zu sagen, woher du das hast!)
  • Die Meinungen und Einstellungen eines Menschen gehören zu seiner Persönlichkeit dazu. Stellst du diese infrage, stellst du die gesamte Person infrage. Das ist auch der Grund, warum ein Mensch um jeden Preis sein positives Selbstbild aufrecht erhalten möchte – und damit auch Dinge, die er oder sie geteilt hat. Es fällt leichter, sich die Wahrheit zurechtzubiegen und unsinnige Dinge zu glauben, als sich einzugestehen, dass man lange Zeit viel Energie hineingesteckt hat, einem Irrglauben zu folgen.
  • Wenn Menschen einen Mythos glauben, der in ihr Weltbild passt, wird jeder Versuch, sie von der Wahrheit zu überzeugen, dazu führen, dass sie noch stärker daran glauben. Der Überzeugungsversuch wird als Bestätigung des Mythos gelesen („Du fällst nur auf Staatspropaganda hinein!“, „Du bist doch ein bezahlter Troll!“, „Du bist doch nur naiv!“) oder ironischerweise als Versuch der Gegenseite, seinen vermeintlich falschen Glauben selbst zu bestätigen.

DIE WICHTIGSTEN DINGE, DIE DU BEACHTEN MUSST, WENN DU STARRKÖPFE ÜBERZEUGEN WILLST

1. Wiederhole nie den Mythos!

Sobald das Gespräch vorbei ist, werden die Menschen wieder zu ihrer gewohnten Regel zurückkehren, dass schon das stimmen wird, was sich richtig anfühlt. Und wenn du den Falschglauben wiederholst, ist lediglich dieser das, was in der Erinnerung zurückbleibt. Also formuliere keine Nicht-Sätze! Statt: Man wird durch die Impfung nicht steril, sagt lieber: Nach der Impfung bleiben alle fruchtbar (mehr dazu).

2. Zu viele Argumente können sogar schaden.

Je „leichter“ und einfacher „verfügbar“ ein Argument ist, desto „wahrer“ fühlt es sich an. Menschen glauben leichter einfache Zusammenhänge. Eine große Zahl und komplexe Argumentationen nehmen einer Position ihre Einfachheit und damit ihre Glaubwürdigkeit, je mehr man sich geistig anstrengen muss. Auch schaden schlechte Argumente der Position! Lieber zwei gute Argumente auflisten, als eine unüberschaubare Menge, unter denen möglicherweise sogar eines ist, das man angreifen kann. Man fokussiert sich dann nur noch auf das schlechte Argument und die gesamte Position wird verzerrt.

3. Kurze, einfache Sätze sind eindringlicher und vertrauter.

Slogans und einprägsame Kampfbegriffe verleihen Glaubwürdigkeit. Auch führt eine leichte Sprache dazu, dass ein Text mehr Menschen zugänglich wird. Wird etwas verstanden, löst das positive Gefühle aus. Der / die Autor:in wird tatsächlich für intelligenter und kompetenter gehalten, wenn er sich simpel ausdrückt. Außerdem sollte man bestimmte ideologische „Buzzwords“ vermeiden, die beim / bei der Gesprächspartner:in Reaktionen triggern könnten. Nehmt einfache Beispiele, wie oben die Sicherheitsgurte zu den Impfdurchbrüchen.

4. Vermeide Statistiken und sei stets freundlich.

Menschen schalten bei Zahlen und Fakten schnell ab und können sie sich sowieso nicht merken. Erzähle lieber eine gute Geschichte und von beispielhaften Einzelfällen, als das Gegenüber mit Links von Statistiken und Auswertungen zuzuspammen – Die Mythen, die sie glauben, basieren auch in seltensten Fällen auf Statistiken oder komplexen Zahlenrechnungen. Du solltest deinen Gesprächspartner immer freundlich behandeln und sogar loben (wenn es angebracht ist natürlich), wenn du etwas argumentativ erreichen willst. Nie herablassend sein und Kritik behutsam unterbringen. Kritik von außen wird als Bedrohung wahrgenommen und verleitet dazu, die eigenen Standpunkte zu verteidigen, selbst wenn man sie selbst ganz oder Teile davon nicht völlig überzeugend findet.

5. Fake News im Familienchat oder in der Timeline am besten per persönlicher Nachricht aufklären.

Bei Freund:innen oder Verwandten ist es sinnvoll, sie erst unter zwei Augen anzusprechen. So vermeidet man, sie öffentlich bloßzustellen. Die Hürden sind niedriger, dass sie ihre Fehler eingestehen und sie die Beiträge wieder löschen. Dabei stets betonen, was man gemeinsam hat. Was einen verbindet und betonen, dass die Informiertheit und Position zu Impfungen nur ein kleiner Teil ist, der euch unterscheidet. Sollte das scheitern oder man ohnehin keinen so guten Draht zu der Person haben, ist hingegen die (sachliche und freundliche) Aufklärung unter den jeweiligen Beiträgen am sinnvollsten, damit Leser:innen die Aufklärung gleich mitlesen, sollten sie auf den Fake stoßen.

Aber das alles muss auch Grenzen haben

Du musst dich nicht beleidigen lassen, du musst Menschen, die diskriminierende Einstellungen haben, die Gewalt gegen Andersdenkende gutheißen oder entschuldigen, Rassismus, Antisemitismus, Volksverhetzung nicht mit Samthandschuhen anfassen. So etwas überschreitet die Grenze der Meinungsfreiheit und schadet aktiv anderen Menschen und verletzt die Menschenwürde. Hass ist keine Meinung. Fake News sind keine Meinung. Wenn nichts mehr geht, dürft ihr auch deutliche Worte verwenden. Das mag im Moment kein Umdenken hervorrufen – aber wenn es ein enger Freund oder Verwandter ist, gibt es dem Fake-Gläubigen später zu grübeln. Deutliche Worte aus dem engsten Kreis verhindern vielleicht zumindest eine weitere Radikalisierung – die findet vor allem statt, wenn man immer weiter im Wahn bestärkt wird,

Bis auf öffentliche Widerrede, in der man sachlich ist, klug formuliert und seine Argumente gut begründet und belegt, rentiert sich der Streit im Netz nicht. Spart euch die Mühe. Diese Leute lassen sich kurzfristig nicht überzeugen und dann ist es sinnvoller, ihrer Desinformation die Aufmerksamkeit zu entziehen. Es ist auch Zeitverschwendung für uns, in der Zeit könnten wir sinnvollere Dinge tun und für sinnvollere Dinge kämpfen. Gespräche lohnen sich nur privat mit Bekannten, isoliert von ihrem Online-Stamm und mit Diskussionsgrundlage. Aber wie gesagt: Das ist auch kein Muss. Wenn ihr wissen wollt, was diesen Winter im Kampf gegen das Virus die größten Gefahren sind, wir haben das auch schon gesammelt. Teilt auch gerne diesen Artikel, um anderen dabei zu helfen!

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Artikelbild: pixabay.com, CC0

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