Der große Reitschuster-Faktencheck: Warum der Blog reitschuster.de keine seriöse Seite ist

| Corona-Fake | 18. April 2021

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Die Manipulationstechniken von Reitschuster

Der ehemalige Focus-Journalist Boris Reitschuster betreibt einen in rechtsextremen und verschwörungsideologischen Kreisen sehr beliebten Desinformations-Blog mit gleichlautendem Namen. Auf dem Blog erscheinen schwerpunktmäßig negative Berichte über die deutsche Regierung, über Migration, Öffentlich-Rechtliche und andere etablierte Medien. Seit Ende 2019 drehen sich viele Themen rund um Corona, Corona-Maßnahmen und Covid-Impfungen. Als Russlandkorrespondent für verschiedene Medien wie für Focus und dort sogar Leiter des Moskauer Büros, erhielt er Journalistenpreise (und leider auch Morddrohungen) und wurde bekannt für seine Kritik am russischen System und Putin, worüber er auch mehrere Bücher schrieb.

Desinformation seit Ende 2019

Doch wer heute auf seinen Blog blickt, sieht inzwischen Beiträge, deren Tenor man genauso in Russland-nahen Propaganda-Medien entdecken kann. Einseitige Kritik an den Corona-Maßnahmen (der Bundesregierung), Panikmache zu Impfungen, pauschales Verunglimpfen der deutschen Presse mit Verschwörungsmythen, Aufgreifen und Bedienen rechtsextremer Fake News durch ideologisch gefärbtes Framing. Die Bayerische Staatszeitung bezeichnet seine Seite als „umstrittene, rechte Online-Plattform“, die manchmal „Covid-Verharmlosern ein Podium“ biete (Quelle). Das Handelsblatt bezeichnet sie als „rechtskonservativen Blog“ (Quelle), der Spiegel als „Blog mit rechtspopulistischem Drall“ (Quelle) und die Amadeu Antonio Stiftung sieht in Reitschuster einen „rechtsalternative[n] Publizisten“ (Quelle).

Die Süddeutsche kritisiert, dass Reitschuster, der Mitglied der Bundespressekonferenz ist, in seinen Beiträgen „systematisch Zitate aus dem Zusammenhang [reißt] und instrumentalisier[t]“ (Quelle). Die Seite „Newsguard“, die Seiten in ihrer Glaubwürdigkeit bewertet, kritisiert reitschuster.de für irreführende Überschriften, die „nicht den Inhalt der Artikel widerspiegeln“ und stellt fest, dass „die Seite Informationen nicht verantwortungsvoll recherchiert und präsentiert und irreführende Überschriften nicht vermeidet.“

Reitschuster behaupte zwar, er veröffentliche „Ohne »Haltung«. Ohne Indoktrination. Ohne Ideologie“, berichte aber „regelmäßig aus einer rechtsgerichteten politischen Perspektive.“ So täusche die Seite seine Leser:innen darüber hinweg, dass sie eine deutliche „konservative Perspektive“ habe, weshalb sie „nicht verantwortungsvoll mit dem Unterschied zwischen Nachricht und Meinung“ umgeht. „Newsguard” empfiehlt deshalb „Vorsicht bei der Nutzung dieser Website“, sie „verfehle mehrere grundlegende journalistische Standards.“

Faktencheck Reitschuster

Doch das sind erst einmal nur Labels von anderen. Schauen wir uns genauer an, warum die Eigenbezeichnung „Ohne Indoktrination. Ohne Ideologie“ eindeutig ein Etikettenschwindel ist, denn so gut wie jeder Beitrag auf der Seite versucht die Leserschaft subtil mit einer bestimmten Ideologie zu indoktrinieren.

Das Anhängen an einer Ideologie ist erstmal nicht verwerflich, jeder Mensch hat eine. Doch Reitschuster schwindelt darüber, angeblich keine Ideologie zu haben und setzt gleichzeitig massiv auf Framing, Verzerrung, Spekulation und Auslassungen. Er beschreibt seine Arbeit als die wichtige Aufgabe von Journalist:innen, „alles ständig kritisch zu hinterfragen“, und auch den „offiziellen Kurs“ der Regierung anzuzweifeln. Doch offenbar hat sich das undifferenzierte, sogar anlasslose „Zweifeln“ bei ihm zum Selbstzweck – und Geschäftsmodell – entwickelt, sodass er quasi nur noch einseitig berichtet – und sich gegen jegliche Kritik immunisiert hat.

Während er so tut, als würde er differenziert und unvoreingenommen berichten und viele andere Medien kritisiert, ist längst klar, dass er für seine Leserschaft, die seine Seite finanziert, Schlagzeilen mit vorgefertigter Schlussfolgerung und Framing liefern muss, selbst wenn die Fakten dies überhaupt nicht zulassen. Dazu muss sich Reitschuster vieler Tricks und Manipulationstechniken bedienen. Er erklärt selbst mehrfach auf seinem Blog: „Ich kann Ihnen hier auf meiner Seite keine »Wahrheit«anbieten.“ Und gibt zu, nicht fehlerfrei zu sein. Und das ist eine lobenswerte Einstellung, jedoch verschleiert sie, dass Reitschuster nicht nur lauter „Fehler“ macht, sondern bewusst und am laufenden Band irreführende Schlagzeilen produziert, Verschwörungsmythen verbreitet und bei Kritik keine Fehler zugibt, sondern sich lieber in einer Opferhaltung geriert und seine Kritiker:innen beschuldigt, die Methoden anzuwenden, die er selbst nutzt.

Monatelange Sammlung von Reitschuster-Fakes

Aber machen wir mal den großen Faktencheck, der zeigt, dass diese Einschätzung nicht mein Wunschdenken ist, sondern eine nüchterne Einschätzung von Reitschusters Arbeit, die wir seit etwa einem Jahr beobachten. Disclaimer: Reitschuster verbreitet derartig viele Fake News und Verschwörungsmythen, dass diese Liste beliebig erweitert werden kann. Für diesen Artikel haben wir auch monatelang gesammelt, die Auswahl der Artikel, die wir überprüft haben, ist aber letztlich arbiträr und soll nur stichprobenartig zeigen, wie die Seite reitschuster.de arbeitet. Bei einigen Beiträgen handelt es sich auch um Gastbeiträge, die nicht aus der Feder Reitschusters persönlich stammen und von welchen er sagt, dass sie nicht zwingend seine Meinung wiedergeben. Unabhängig wie Reitschuster persönlich zu den Beiträgen steht, er bietet ihnen damit buchstäblich eine Plattform und Verbreitung und deswegen nehmen wir auch diese in die Liste mit auf. Fangen wir mit reinen Faktenchecks an:

1. George Floyd soll nicht an Polizeigewalt gestorben sein

In einem Gastbeitrag vom 17. September 2020 wird behauptet, dass es wahrscheinlicher sei, dass der von der Polizei ermordete George Floyd gar nicht an Polizeigewalt gestorben wäre, sondern nur zufällig gleichzeitig an einer Überdosis Drogen. Diese Behauptung wurde schon Wochen zuvor als Fake News entlarvt (Quelle, Quelle). Es wird einfach verschwiegen, dass zuvor längst durch eine Obduktion herauskam, dass Floyd von einem Polizisten getötet wurde. Klare Desinformation.

2. Fake über Drosten-Zitat zum Maskentragen

Fake News zu Corona, Maßnahmen und Impfungen werden uns hier oft begegnen, hat sich Reitschuster quasi zum „Hofberichterstatter“ der Pandemie-Leugner:innen-Bewegung entwickelt. Besonders abgesehen hat es Reitschuster dabei auf deren Lieblingsfeind Dr. Drosten. Am 19. September 2020 behauptet er, dass Drosten gesagt haben soll, dass man gar nicht wisse, ob Masken wirken, das sei „reine Spekulation“. In typischer Reitschuster-Manier lässt er bewusst den Kontext der Aussage weg, um so zu tun, als habe Drosten sich gegen Masken ausgesprochen und sich dann verschwörungsideologisch zu fragen, warum andere Medien darüber nicht berichtet haben. Was man bei Reitschuster nicht erfährt: Drosten sprach in diesem Zitat nicht über die grundsätzliche Wirksamkeit von Masken, sondern ob Alltagsmasken zu einem milderen Krankheitsverlauf führen könnten (mehr dazu).

3. Allgemeine Fake News zu Corona-Verharmlosung

In einem Beitrag vom 1. Oktober 2020 („Keine Übersterblichkeit, vieles massiv übertrieben”) beruft er sich auf den Arzt René Gottschalk, der Corona verharmlost. Er vergleicht Corona fälschlicherweise mit der Grippe (mehr dazu), das mit der Übersterblichkeit hat sich inzwischen ja auch geändert (mehr dazu). Während Reitschuster wie immer nicht direkt die Unwahrheit schreibt, nutzt er manipulatives Framing und Wortwahl, um die wissenschaftliche Einzelmeinung zu übertreiben, damit sie in das Pandemie-Leugner:innen-Narrativ passt und ihn mit dem wissenschaftlich völlig diskreditierten Desinformationsverbreiter Bhakdi zu vergleichen. Mehr zu Bhakdi noch später.

4. Paradebeispiel, wie Reitschuster täuscht: Fake News über Reichsflaggen vom WDR

Der Beitrag vom 4. Oktober 2020 ist ein Paradebeispiel für die Täuschungsmethoden von reitschuster.de. Die Seite war maßgeblich daran beteiligt, diese Fake News in rechtsextremen Kreisen voranzutreiben und Narrative von „Lügenpresse“ zu befeuern. An dieser Stelle muss man die Schlitzohrigkeit Reitschusters sogar loben, denn er schafft es hier und in den vielen seiner Beiträge, nirgendwo konkret zu lügen oder wichtige Fakten ungesagt zu lassen und dennoch seine Leserschaft extrem zu täuschen. Dazu nutzt er geschickt Framing, Spekulationen, Suggestivfragen und Konjunktive und versteckt innere Widersprüche in seinen Narrativen am Ende seiner Artikel, wohl wissend, dass diese überlesen werden.

Im konkreten Fall gibt es ein Video von einer „Querdenken“-Demo in Köln, auf welcher man zwei Personen sieht, die eine Reichsflagge aus ihrem Auto holen. Der Ursprung der Behauptung, dass es sich bei den beiden Männern um Mitarbeiter des WDR handeln soll, war wohl ein QAnon-Account, der regelmäßig die Propaganda der russischen Regierung retweetet. Schnell suchten rechtsextreme Accounts nach Mitarbeitern, die den Personen auf dem Bild ganz vage ähnlich sahen. Selbstverständlich war die Geschichte von vorne bis hinten erlogen und Quatsch. Mehr dazu:

Nazis wollen dich verarschen & erfinden WDR-Mitarbeiter mit Reichsflaggen!

Reitschuster tat aber so, als sei diese absurde rechtsextreme Verschwörungserzählung ernst zu nehmen und titelte „Böser Verdacht: WDR-Mitarbeiter mit Reichsflaggen?“. Bereits im Untertitel macht Reitschuster zwar klar, dass es sich um „falsche“ Spekulationen handeln könnte, doch durch die offene Frage und das Titelbild, das genau diesen (falschen) Verdacht vermeintlich bestätigt, wird der (wohl gewünschte) genau gegenteilige Effekt erzielt. Reitschuster erklärt eingangs in sich widersprüchlich, dass die Vorwürfe „unbelegt“ seien und dass „haltlose Verdächtigungen“ nicht berichtenswert seien – macht aber dann genau das, weil es angeblich „ernst zu nehmende Anhaltspunkte für einen Verdacht“ gäbe. Und das war definitiv falsch. Das ist die Methode Reitschuster: Über journalistische Standards sprechen, nur um sie dann eben nicht selbst anzuwenden. Soll das seine Leser:innen darüber hinwegtäuschen?

Das typische „Zufall?“-Geraune von Reitschuster

Er schafft es, kurz zu erwähnen, dass der WDR dementiert hat, dass das seine Mitarbeiter waren, nur um dann einige Absätze anschließend davon zu sprechen, was für ein „Zufall“ es doch sei, dass zwei Mitarbeiter zufällig so aussehen und dann zu erklären, dass die deutsche Presse ihn an die Propaganda Putins erinnere und „jeder für sich selbst entscheiden“ müsse, was „möglich“ sei. Was den Anschein von Neutralität erwecken soll, ist jedoch Verunsicherung als Selbstzweck. Dass die rechten Fake-Verbreiter eben gezielt Leute gesucht haben, die den beiden auf der qualitativ schlechten Aufnahme vage ähnlich sehen und man mit wohl jedem Mitarbeiter geschafft hätte, kommt dort niemandem in den Sinn. Auch als er den eindeutigen Gegenbeweis für die von ihm verbreitete Verschwörungserzählung selbst findet, schafft er es, den WDR irgendwie dafür zu kritisieren, dass er selbst die Fake News widerlegen musste, die er irreführend als berichtenswert verbreitet hatte. Konkret: Reitschuster bauschte eine frei erfundene Geschichte als berichtenswert auf, weil er der Auffassung war, dass sie realistisch sei, nur um dann dem WDR die Schuld daran zu geben, dass er selbst die frei erfundene Geschichte für realistisch gehalten hat.

Daran, wer seinen Bericht teilte – und zwar als Fakt und nicht als Spekulation -, sieht man den wohl auch gewünschten Effekt von Reitschusters Desinformation: In der rechtsextremen Blase sah man die „Lügenpresse”-Verschwörungserzählung eben wieder einmal bestätigt. Andere Desinformations-Medien teilen mit Verweis auf Reitschuster diese Geschichte – und lasen definitiv nicht heraus, dass an der Geschichte nichts dran sein. Und das war kein Zufall.

Reitschuster kann sich damit herausreden, dass er alle Fakten genannt habe und nichts konkret Falsches behauptet hatte. Durch seine ständigen Spekulationen und Suggestivfragen und das Berichten über diesen „bösen Verdacht“ an sich ist aber klar, welcher Eindruck stattdessen entstehen soll. Reitschuster verteidigt sich damit, dass er den Quatsch als seriöse Behauptung verbreitet, weil er der Meinung sei, solche Methoden seien heute möglich. Das ist jedoch aber nur seine subjektive und ideologisch geprägte Einschätzung. Die ja durch ihn selbst sogar widerlegt wurde. Und genau so funktioniert die Desinformation Reitschusters: Er bedient das Bauchgefühl extremer Rechter und Verschwörungsideolog:innen, die die Märchen von der „Lügenpresse“ glauben wollen. Also lässt er alles so aussehen, als sei es so, um kurz am Rand alle Fakten zu erwähnen, die der Fake News widersprechen, aber dann trotzdem unseriös zu spekulieren.

Auf reitschuster.de steht eigentlich das gleiche wie auf rechtsextremen Fake News-Seiten, nur mit einem extra Fragezeichen hinten dran.

5. Reitschuster macht Werbung für Füllmichs Sammelklage

Völlig unkritisch berichtet Reitschuster im September („Sammelklage gegen Drosten wegen PCR-Tests geplant“) auch über die seit August 2020 angekündigte „Sammelklage” gegen den „Drosten Test” von Reiner Fuellmich in den USA (Es gibt bis heute keine, und die Klagen, die Fuellmich präsentierte, sind gescheitert: Quelle, Quelle). Er verschweigt dabei, dass die Klage von vornherein rein formell wenig Erfolgsaussichten hatte, wie eine Vielzahl von Juristen bestätigten (Quelle). Darüber hinaus verschweigt Reitschuster: PCR-Tests sind natürlich sehr genau (Quelle), und der „Drosten Test” wurde schon in den ersten Monaten der Pandemie weitgehend durch eigene Tests anderer Hersteller abgelöst (Quelle). Auch, dass deutsche Medien über die Klage nicht berichtet hätten, ist falsch (Quelle, Quelle). Reitschuster liefert hier also keinen kritischen Journalismus, sondern schadet aktiv seinen Leser:innen, indem er ihnen einseitig eine teure und dubiose Klage mit extrem geringen Erfolgsaussichten anpreist.

6. Reitschuster berichtet, ein positiver PCR-Test wäre kein Hinweis auf Infektion

Im Oktober berichtet Reitschuster über falsche Aussagen des Mikrobiologen Bermpohl („Positiv getestet heißt nicht infiziert“ und: „Die Öffentlichkeit wird bei den Corona-Zahlen getäuscht“). Reitschuster gibt in diesem Artikel selbst zu, dass er hier Quatsch berichtet: „Die vorherrschende Meinung in Fachkreisen ist der von Bermpohl diametral entgegengesetzt.” Außerdem verlinkt Reitschuster einen Artikel von Correctiv, der die Aussagen ebenfalls widerlegt. Und dann breitet er im restlichen Artikel ausschließlich die falsche Position von Bermpohl aus, dass PCR-Tests keine Infektionen feststellen könnten. Wollte er nicht „ohne Haltung” berichten?

Die im Artikel genannte Darstellung ist definitiv so nicht richtig. SARS-CoV-2 gehört nicht zur „Normalflora” des Körpers, also wenn das per PCR-Test nachgewiesen wird, dann muss es sich irgendwie vermehrt haben (Quelle), der Patient war also infiziert (Quelle). Erneut hat Reitschuster die Wahrheit gut hinter Framing und durch Auslassungen versteckt und zitiert unkommentiert einfach Falschaussagen, sodass seine Leser:innen zwangsläufig getäuscht werden müssen, ohne dass er technisch gesehen selbst die Unwahrheit verbreitet hat. Er hinterfragt schlicht nicht die falschen Aussagen von Bermpohl. So täuscht Reitschuster ebenfalls: Während er „Mainstreammedien“ und die Regierung ausnahmslos kritisiert und kritisch hinterfragt, selbst wenn die Gründe dafür ausgedacht sind, tut er das oft bei „Kritiker:innen“ der Regierung, der Wissenschaft und der Medien eben nicht.

7. Reitschuster behauptet, Drosten hätte früher PCR-Tests kritisch gesehen

Dass Drosten eben nicht zu blinder Panikmache neigt, belegt ein Interview aus dem Jahr 2014 zum Thema MERS (Quelle). In diesem Interview beruhigt er angesichts von steigenden Fallzahlen in Saudi-Arabien, dass dieses Land schlicht stärker testet als andere Länder und eine andere Falldefinition hat. Pandemie-Leugner:innen wollen daraus lesen, dass Drosten damals den PCR-Test und die Aussagekraft der Zahlen kritisierte und jetzt plötzlich eine Kehrtwende hingelegt hat. Doch buchstäblich in der ersten Folge des Corona-Podcasts (Quelle) bringt er genau den gleichen Punkt der schwierigen Vergleichbarkeit zu SARS-CoV-2-Fallzahlen. Reitschuster springt trotzdem auf den Fake-News-Zug auf und spricht irreführend davon, dass Drosten damals „massive Kritik” an der Methode geübt hätte („Wie Drosten die Corona-Tests zerlegte”, Quelle).

Dabei sagte Drosten im Grunde nichts anderes als jetzt auch: Es braucht vergleichbare Falldefinitionen. Dazu kommt, was Reitschuster ebenfalls verschweigt, dass MERS eben nicht wie SARS-2 in den oberen Atemwegen, sondern in der Lunge repliziert wird. Das macht den entscheidenden Unterschied in der Bewertung aus. Reitschuster garniert dies mit der Andeutung einer Verschwörungserzählung, er erwähnt, dass „seine Gegner” Drosten vorwerfen, er habe „massive finanzielle Interessen”. Auch hier verbreitet Reitschuster die Lügen nicht selbst, er erwähnt sie einfach nur, obwohl es dafür keinen rationalen Grund gibt. Ausschließlich, um allein der Möglichkeit Glaubwürdigkeit zu verleihen. Framing und Manipulation finden sich so in eigentlich fast jedem Satz auf reitschuster.de. Einen ausführlichen Faktencheck haben wir hier schon gemacht:

Wie dich Pandemie-Leugner über ein Drosten-Interview von 2014 belügen

Reitschuster täuscht sogar über die Faktenchecks seiner Fake News

Während also Reitschuster wieder seine Leserschaft täuscht und einen falschen Eindruck durch aus dem Kontext gerissene Zitate erweckt, unterstellt er wiederum dem „Faktenfinder” der Tagesschau genau jene Methoden, die er selbst anwendet. In dem alles andere als unvoreingenommen betitelten Artikel „PCR-Tests: Wie die ARD für Drosten schwindelt” greift Reitschuster den Faktencheck zu seiner eigenen Fake News auf und unterstellt der ARD „dreiste und geschickte Manipulation”, „Framing” und Methoden aus „sozialistischen Propaganda-Schulen” zu betreiben, was ihn an ein „Wahrheitsministerium” erinnere. Völlig ohne Selbstironie formuliert er diese drastischen Vorwürfe, ohne zu erklären, wie „sozialistische Propaganda-Schule” und „Wahrheitsministerium” denn kein Framing oder Propaganda-Sprache sein sollen. Und ohne auf die relevanten Fakten einzugehen, die im Faktencheck dargelegt wurden – und die er wiederholt verschwiegen hat.

Die Erklärung, warum Drosten PCR-Tests bei MERS und SARS unterschiedlich beurteilt, die im „Faktenfinder”-Artikel ausführlich erklärt wird, erwähnt Reitschuster wieder mit keinem Wort. Stattdessen konstruiert er einen belanglosen Strohmann-Vorwurf und tut so, als hätte nie jemand behauptet, Drosten hätte seine Meinung zu PCR-Tests geändert (obwohl das buchstäblich doch der Vorwurf war, den man herauslesen konnte) und ignoriert alle anderen Fakten und Aussagen. All dem setzt Reitschuster die Krone auf, indem ausgerechnet er ironischerweise (richtig) erklärt:

„Jede Manipulation und Irreführung ist zu verurteilen. Wenn sie aber unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Falschinformation geschieht, ist sie besonders zynisch und dreist.”

Diese Propaganda-Methode nennt man Projektion: Man wirft seinem politischem Gegner einfach die Methoden vor, die man selbst anwendet, um unbeteiligte Konsument:innen auf die falsche Fährte zu locken – und so die Vorwürfe der Gegenseite direkt zu entkräften.

8. Reitschuster übernimmt widerlegtes WHO-Gerücht, ohne es nachzuprüfen

Als wir die Behauptung damals gesehen hatten, hatten wir innerhalb von eineinhalb Stunden von der WHO-Pressestelle eine Antwort erhalten, die die entsprechenden Gerüchte widerlegt hat: Nein, die WHO hat nicht im Oktober ihre Position bezüglich Lockdowns verändert. Reitschuster war sich für diese Mini-Recherche offenbar zu schade und er übernahm einfach ungeprüft dieses „Querdenken“-Narrativ und titelte „WHO gegen Lockdown”, garniert mit Reitschuster-typischer „Lügenpresse”-Verschwörungserzählung im Untertitel „Deutsche Medien verschweigen Position der Organisation” (Quelle). Die WHO-Antwort an uns war eindeutig:

Die WHO hat nie für nationale Lockdowns als primäres Mittel zur Kontrolle des Virus geworben. Dr. Nabarro hat unseren Rat an Regierungen wiederholt, „alles zu tun”.

Mit „Alles” sind hier Masken, Distanz, Kontaktverfolgung und PCR-Tests gemeint. Erst wenn das alles nicht hilft, sollten zuerst lokale Lockdowns beschlossen werden. Die WHO hat also ihre Position gar nicht geändert und das erklärt auch, warum deutsche Medien darüber nicht berichtet hatten. Weil es wieder mal nichts zu berichten gab. Nur Reitschuster übernimmt hier ungeprüft das „Querdenken“-Narrativ und ersetzt Fakten wieder durch haltlose Spekulationen und bewusste Fehlinterpretationen. Von den anderen WHO-Empfehlungen zu Masken und PCR-Tests liest man in seinem Artikel auch nichts.

Pandemie-Leugner lügen weiter: KEINE “Lockdown Kehrtwende” bei der WHO

9. Reitschuster verschweigt die Antwort der Bundesregierung – und tut so, als würde sie etwas verschweigen

Bei einem ganz ähnlichen Fake, der ebenfalls die WHO betrifft und genau so funktioniert, inszeniert Reitschuster sogar eine so genannte „Schweigespirale“ und täuscht seine Leser:innen. In einem Update eines Papers vom Januar 2021 sagte die WHO, dass man bitte vor Durchführung der PCR-Tests ganz genau die Anleitung studieren und Anweisungen befolgen solle. Also ganz vereinfacht erklärt: Bei den Corona-Tests muss man die Proben in mehreren Zyklen vermehren lassen, um den Coronavirus zu finden. Je mehr Zyklen man dazu aber braucht, bevor man ein positives Ergebnis bekommt, desto ungenauer und unzuverlässiger ist es.

Wenn man also erst nach vielen Zyklen ein schwach positives Ergebnis haben sollte, und der Patient nach Untersuchung keinerlei Symptome zeigt, soll man die Person lieber nochmal testen, weil das Ergebnis sonst unzuverlässig ist. Das beweist nicht, dass PCR-Tests unzuverlässig sind, sondern das zeigt, wie sehr sich die Labore Mühe geben (sollen), zuverlässig zu arbeiten! Das ist nichts Neues, so wird das schon immer gemacht. Wie gesagt, die WHO sagt buchstäblich, dass das ja bereits in der Anleitung steht. Ausführlicher haben wir schon hier einen Faktencheck dazu gemacht:

PCR-Tests sind sehr genau: Teile diesen Text, um die zentralen Lügen der Pandemie-Leugner zu widerlegen

Reitschuster, als Mitglied der Bundespressekonferenz, recherchierte offenbar die Antwort darauf nicht selbst und befragte auch keine Expert:innen dazu, sondern konfrontierte Dr. Drosten und das RKI damit. Der erklärte es ihm, was da drin stand: Laut Drosten stehe in dem Update nur: „Bitte lest auch die Gebrauchsanweisung für diesen Test. Mehr steht da nicht.”

Unser Faktencheck damals dazu:

Wie dich Pandemie-Leugner belügen, dass die WHO die Pandemie für beendet erklären würde

Leser:innen von Reitschuster erfahren diese Erklärung jedoch nicht. Im Gegenteil, Reitschuster stellt die gleiche, beantwortete Frage (oft anders formuliert) mindestens sieben Mal. Und berichtet jedes Mal darüber, dass er keine Antwort erhalten würde. Antworten, die er selbst recherchieren könnte (oder von den von ihm so verachteten Faktenchecker:innen erfahren), ignoriert er aber inszeniert einen Skandal daraus, dass er in der Bundespressekonferenz angeblich keine Antworten erhalten würde zur Andeutung einer Verschwörung („Schweigespirale“). Indem er selbst entweder die Antworten nicht recherchiert oder verschweigt, will er den Eindruck erwecken, die Regierung habe etwas zu verbergen. Dahinter steckt jedoch wieder mal nur heiße Luft.

10. Reitschuster täuscht über Drosten

Wie gesagt hat es Reitschuster offenbar auf den weltweit führenden Corona-Experten Drosten abgesehen. In einem Artikel aus dem Oktober 2020 („Drosten: Wir sind »zu großen Teilen schon geschützt« – unglaubliche Aussagen des Virologen, die verschwiegen werden“) verwendet er wieder seine typischen Täuschungsmethoden: Er reißt ein Zitat aus dem Kontext und garniert diese Falschdarstellung wieder mit dem „Lügenpresse”-Narrativ, dass das Zitat „verschwiegen” werde. Hier unterstellt er Drosten, dass dieser behauptet habe, dass die Bevölkerung „zu großen Teilen schon geschützt” sei. Er konstruiert mit seinem inzwischen schon bekannten Framing und ironischen Suggestivfragen einen Skandal daraus, dass das „verschwiegen” werde. Was Reitschuster hier nicht erwähnt oder schlicht mutwillig „übersehen” hat: Drosten spricht hier in indirekter Rede, er zitiert jemand anderen, um diesem dann zu widersprechen.

Drosten selbst erklärt nämlich: „Also wir können wahrscheinlich nicht wirklich von einer Immunität sprechen.”

Weiter unten in Reitschusters Artikel ergänzt Reitschuster sogar den Rest des Zitats, nachdem er einen ganzen Absatz lang sarkastisch so getan hat, als habe er einen Skandal aufgedeckt, nur um danach zu schlussfolgern, dass das alles „insgesamt ziemlich widersprüchlich” sei. Und er wirft Drosten vor, sich missverständlich auszudrücken. Diese Manipulation ist extrem dreist: Wenn Reitschuster offenbar durchaus verstanden hat, dass Drosten zu keinem Zeitpunkt diese Position vertreten hat, warum schreibt er dann einen Artikel mit dieser Überschrift – und titelt „Unglaubliche Aussagen des Virologen, die verschwiegen werden”?

Reitschuster setzt also selbst die Fake News in die Welt, die er am Ende seines Artikels dann sofort widerlegt, nur um die Schuld für sein gespieltes Missverständnis Drosten in die Schuhe zu schieben. Das ist kein Journalismus, das ist in meinen Augen viel eher dreister Betrug, denn der informative Mehrwert ist gleich null. Er produziert aber eine skandalträchtige Schlagzeile, die seine Leser:innen freuen wird. Und liefert Fake News, von der er ganz genau weiß, dass sie Fake ist, weil er wohl weiß, dass seine Fanbase sie ungelesen glauben wird. Er selbst wird so tun, als habe er schließlich alle Fakten genannt und wer ihn kritisiert, betreibe böses „Framing” und „Manipulation”, er aber natürlich nicht.

11. Fake News über CO2-Warnung des Bundestags für Masken

Reitschuster schrieb einen Artikel über eine irreführende Warnung des Bundestages über CO2 durch Masken („Haben Abgeordnete und ZDF-Zuschauer unterschiedliche Lungen? Völlig unterschiedliche Empfehlungen zu Masken“). Darin behandelt er eine Hausmitteilung des Bundestags, die viral ging. Es wirkte so, als warnte der Bundestag seine Mitarbeiter vor hohen CO2-Werten im Blut durch Maskentragen. Reitschuster machte sich zuerst den ganzen Artikel lang darüber lustig, dass in den „gebührenfinanzierten” Medien Masken als harmlos beschrieben werden, die Hausmitteilung jedoch etwas anderes suggerierte. Durch Suggestivfragen („Wie sonst kann es sein, dass die Maske für den gemeinen ZDF-Zuschauer ein Gesundheitstipp ist, für Menschen im Bundestag aber riskant?”, er nennt es „schwarzer Humor”) spielt er auf die Diskrepanzen an und will suggerieren, dass die Bevölkerung belogen werde.

Dabei versteckt sich die Auflösung seiner perpetuierten Fake News wieder am Ende seines eigenen Artikels: Darin zitiert er die Pressestelle des Bundestags, die ihm erklärt, dass diese Hausmitteilung überarbeitet worden sei, weil sie „teilweise fehlerhaft” war. Er tut so, als sei „unklar”, ob sich das auf die CO2-Werte bezieht, dabei zeigen andere Antworten der Pressestelle wie an Correctiv, dass diese sich eindeutig darauf beziehen:

„Der Verweis auf die steigenden CO2-Werte im Blut basiere dagegen nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern solle das »Unter-das-Kinn-Schieben« erklären.” Sie wollten nur dazu animieren, zwischendurch auch ordentlich durchzuatmen. Wie das RKI zu Correctiv sagte: „Dass man mehr CO2 einatmet, stimmt nicht, dass die Atmung behindert wird, schon.“ Der Bundestag empfiehlt ohnehin: „Diese Empfehlung gilt nicht für Personen, denen das Tragen von Masken aus gesundheitlichen Gründen nicht zuzumuten ist.“

Ob oder warum Reitschuster nicht die gleiche ausführliche Antwort wie Correctiv erhalten haben soll, ist allerdings unklar. Ausführlicher Faktencheck:

CO2-Werte: Pandemie-Leugner missbrauchen irreführende Bundestags-Mitteilung

12. Fake über Profit für gefälschte Totenscheine

Es gibt keinen Beleg für vielfach „falsche Corona-Tote” oder Profit für Kliniken und Bestatter durch Corona-Todesfälle. In einem Gastbeitrag auf reitschuster.de aus dem Februar wird jedoch das Gegenteil behauptet. Dort wird die Falschaussage „Herr Doktor fälscht die Totenscheine” oder „Provision auf Totenschein” veröffentlicht, die vermeintlich auf Aussagen eines anonymen Arztes beruhen sollen, der angeblich auf Anweisung seines Chefs in Totenscheine „Covid-19“ als Todesursache eintragen sollte, obwohl die Verstorbenen negativ getestet worden sein sollen. Außerdem wird dort behauptet, dass es „keine pandemiebedingte Übersterblichkeit” gegeben haben soll, sowie dass „Kliniken wie etwa die Charité” angeblich Geld für „nachträglich erkannte Infektionen” zahlen würden.

Das sind Fake News, für die es keine Belege gibt. Die dpa erklärt in ihrem Faktencheck, dass es „irreführende” und „teilweise falsche Aussagen” sind:

„Tote, bei denen die Covid-19-Erkrankung anderweitig, jedoch ohne positiven Corona-Test nachgewiesen wurde, gehen nicht in die offizielle Statistik der Todesfälle ein. Weil mit dem Tod die Krankenversicherung erlischt, können Kliniken keine Krankheiten abrechnen, die sie nachträglich erkennen, teilte die Deutsche Krankenhausgesellschaft mit. Bestatter machen mit Corona-Toten keinen großen Profit, sondern erhalten mehr Geld, um höhere Kosten zu decken. Zentrale Aussagen des zitierten Statistikers zur Einschätzung der Sterblichkeitsraten 2020 wurden weggelassen.”

Der Artikel reißt Zitate aus dem Kontext, um einen falschen Eindruck zu erwecken und Verschwörungsmythen zu schüren und verbreitet direkt Fake News.

13. Gastbeitrag behauptet, Corona wäre weniger tödlich als die Grippe

In einem Gastbeitrag vom November wird mit statistischen Tricks behauptet, Corona sei weniger tödlich als die saisonale Grippe. Dass das nicht stimmen kann, sieht man daran, dass in der schlimmsten Grippewelle der letzten 30 Jahre in Deutschland in einem Jahr geschätzt bis zu 25.000 Personen gestorben sein könnten, aber in einem Jahr Corona in Deutschland über 70.000 Personen starben (Quelle).

Oder ein anderer Vergleich: In New York starben bereits 22.000 Menschen an Corona (noch mehr, wenn man sich die Übersterblichkeit anschaut), und New York hat eine zehnmal kleinere Bevölkerung als Deutschland (Quelle, Quelle).

14. Inszenierung eines Verschwörungsideologen und diskreditierten Wissenschaftlers: Interview mit Bhakdi

Im August 2020 interviewte Reitschuster den mittlerweile wissenschaftlich völlig diskreditierten Desinformationsverbreiter Bhakdi. Das YouTube-Video dazu wurde wegen der darin enthaltenen Falschinformationen nach ein paar Tagen gelöscht. Doch das wollte Reitschuster nicht auf sich sitzen lassen und kündigte an, dass er gegen die Löschung klagen werde und der Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen YouTube ans Berliner Landgericht gehen solle (Quelle). Dies scheint nicht gefruchtet zu haben, denn die Video-Plattform hatte Reitschuster erst kürzlich für eine Woche gesperrt (Quelle). Eine Abschrift des Videos, die er für die Verfügung benötige, wolle er seinen Leser:innen natürlich nicht vorenthalten und veröffentlichte diese am 13. September 2020 auf reitschuster.de (Quelle).

Reitschuster gibt in diesem Interview Bhakdi eine Plattform, um dessen bereits zu diesem Zeitpunkt bekanntlich als unwissenschaftlich eingestufte Falschinformationen zu verbreiten. Auch im Nachgang des Interviews scheint er die Aussagen von Bhakdi nicht kritisch überprüft zu haben oder er verbreitet diese wissentlich. Er selbst scheint Faktenchecks zu Bhakdis Thesen gelesen zu haben, denn Reitschuster stellt zu Anfang des Interviews fest, dass Bhakdi ganz schlecht in den Medien dargestellt werde, Faktenchecks die er gelesen habe, würden Bhakdi als Lügner darstellen. Ihn selbst hingegen hätten diese Faktenchecks nicht überzeugt, warum erklärt er jedoch nicht.

Bhakdi zigfach widerlegt

Allein der Umstand, dass es so viele Faktenchecks und kritische Aussagen so vieler Expert:innen, einschließlich seiner eigenen Universität gibt, sollte zum Nachdenken anregen. Spätestens, wenn man die Inhalte gesichtet hat, sollte klar sein, dass Bhakdi unwissenschaftliche Thesen und Behauptungen verbreitet, die total haltlos sind. Alleine die Überschrift von Reitschusters Artikel zum Interview: „Bhakdi: Masken für Schüler sind Kindesmisshandlung”, kann mit wenig Mühe entkräftet werden.

Denn diese Aussage basiert auf der Annahme, dass durch das Tragen von Masken die Konzentration von CO2 steige, wortwörtlich Bhakdi: „Das weiß doch jedes Kind in der Schule und Ihr zwingt die Leute, die Kinder, erhöhtes CO2 einzuatmen und auszuatmen und dadurch sinkt die Sauerstoff-Spannung im Blut.” (Quelle) Darunter leide das Gehirn, die Muskeln und auch die Psyche, so Bhakdi. Diese Behauptung stützt eine Studie von der TU München von 2005, die sich jedoch nur auf OP-Masken bezieht und mittlerweile schon längst wieder überholt ist. Fakt ist, dass eines der Ergebnisse der Studie war, dass eine „kompensatorische Erhöhung der Atemfrequenz oder ein Abfall der Sauerstoffsättigung” nicht nachgewiesen werden könne. Seit 2009 gibt es darüber hinaus eine DIN für medizinischen Mund-Nasen-Schutz als auch für die filtrierenden Halbmasken, die bei korrekter Anwendung laut Pressesprecherin Anja Ströhlein von 3M, einem Maskenhersteller, keine Ansammlung von Kohlendioxid entstehen lassen (Quelle).

Das RKI bestätigte diese Aussage gegenüber Correctiv. Da es dadurch nicht zu einer erhöhten Ein- und Ausatmung von CO2 kommen kann, sinkt auch nicht die Sauerstoffspannung im Blut, wie es Bhakdi behauptet. In dem Fall stellen Masken also keine Kindesmisshandlung bei Schülern dar. Ein Beispiel von vielen Fake News, die Bhakdi verbreitet. Wir haben auch über die Inhalte des Interviews von Reitschuster mit Bhakdi berichtet und auf die Falschaussagen von Bhakdi hingewiesen:

So manipuliert Bhakdi die Corona-Zahlen: Es gibt neue Corona-Kranke

Faktenchecks zu den Behauptungen von Bhakdi gibt es beispielsweise auch von Correctiv oder hier oder hier und auch wir haben noch mehr zu der Desinformation, die Bhakdi zu Corona verbreitet, gegengecheckt und darüber aufgeklärt. In unserem Faktencheck über das Buch „Corona Fehlalarm?” von Bhakdi und seiner Frau Karina Reiß haben wir 33 Fake-Behauptungen zusammengetragen.

Die größten Fakes im Bhakdi-Buch: Wir haben “Corona Fehlalarm?” gelesen, damit ihr es nicht müsst

Weitere Faktenchecks zu Bhakdi:

Faktencheck Bhakdi & Co: Wie Corona-Todesfälle wirklich gezählt werden

Faktencheck: Dieses Video zerlegt die wirren Aussagen von Bhakdi über Impfungen

15. Reitschuster: Es sei überall besser als in Deutschland

Ein weitverbreitetes „Thema” in Reitschusters Blogposts: Irgendein Land nehmen und aus völlig irreführenden und verzerrenden Gründen behaupten, dass dort Corona viel lockerer genommen wird und trotzdem alles besser sei. Dabei verschweigt er sämtliche negativen Folgen und übertreibt gleichzeitig enorm die „Lockerungen” und das Maß an Normalität. Spoiler: In keinem Land der Welt hat Corona keine Auswirkungen.

Reitschuster behauptet, dass es in Schweden viel besser aussehe als in Deutschland

In seinem Artikel vergleicht er mal wieder absolute Zahlen (also nicht in Bezug zur Bevölkerung) und zwar auf richtig plumpe Weise. Er vergleicht jeweils Sommer und Winter. Deutschland hatte aber einen praktisch Covid-freien Sommer, Schweden nicht, insofern gab es viel mehr „Spielraum”, bis die Zahlen in Deutschland gefährlich wurden – auch dank Verzerrungen wie der von Reitschuster. Reitschuster wundert sich also, dass die Zahlen im Dezember im Vergleich zum Sommer in Schweden nicht so stark „angestiegen” sind wie in Deutschland. Zusätzlich setzt er das nicht in Bezug zum Verhalten der Bevölkerung.

Klar: Schweden hatte offiziell nie einen Lockdown, der verpflichtend war. Aber aus Eigenverantwortung sind eben trotzdem die meisten Menschen zu Hause geblieben, wie Bewegungsdaten zeigen. Hier ein Vergleich von Berlin und Stockholm bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (Google Daten):

Man sieht: Wir waren viel näher an der Strategie von Schweden, als an der NoCovid-Strategie von Neuseeland. Ohne offiziellen Lockdown waren diese Einschränkungen aber nicht ausreichend, es gab halt trotzdem deutlich mehr Tote UND die Wirtschaft litt ebenfalls unter dem Virus (Quelle).

Deutliche Übersterblichkeit, sinkende Lebenserwartung: Schwedens Weg funktioniert einfach nicht

Reitschuster behauptete, dass in Paraguay alles super sei ohne Lockdown

Erstens gab es zum Zeitpunkt des Artikels (8. Februar 21) eben durchaus deutliche Kontaktreduzierung: Laut Google Bewegungsdaten gab es 30 % weniger Menschen in Shops, 41 % weniger Nutzung des ÖPNV und 20 % weniger an Arbeitsplätzen. Diese Werte liegen nur geringfügig unter den Werten zur Kontaktreduzierung in Deutschland.

Und auch die Corona-Zahlen liegen auf ähnlichem Niveau, wenn man die Zahlen ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzt. Paraguay hatte zum Zeitpunkt des Artikels und auch jetzt etwa genauso viele neue Fälle wie wir pro Einwohner:in.

Zuletzt muss man mal an dieser Stelle dazu sagen, dass Paraguay eben auf der Südhalbkugel liegt, und zum Zeitpunkt des Artikels dort Sommer war. Die Witterung hat einen relativ kleinen Effekt von etwa 20 % auf die Infektionszahlen (Quelle). Paraguay hat auch ein Durchschnittsalter, welches nur etwas mehr als halb so hoch ist wie das in Deutschland. Da Corona vor allem Ältere trifft, sind wir deutlich gefährdeter (Quelle).

Reitschuster verschweigt Zustände in Brasilien

In einem Artikel, der aus Sicht eines Touristen in Rio geschrieben ist („Trotz Corona: Ungezwungenes und fröhliches Leben in Rio“ vom 10. Februar 2021), wird behauptet, dass in Rio de Janeiro nichts von Covid-19 zu spüren sei. Hier soll der Eindruck erweckt werden, dass die mediale Berichterstattung über Brasilien „übertrieben” sei. Zeitgleich wütete in Manaus eine neue Welle der brasilianischen Mutante. Diese scheint selbst bereits immune Menschen erneut anstecken zu können, was über erneut extrem hohe Zahlen zu Triage und massivem Sauerstoffmangel in Manaus führte (Quelle).

Der Artikel lässt noch weitere erschreckende Details weg: Covid-19 hat in Brasilien Schätzungen zufolge schon Tausende Kleinkinder getötet (Quelle). Zuletzt starben in Brasilien in nur 24 Stunden mehr als 4.000 Menschen an Covid-19 (Quelle). Trotz Anti-Lockdown-Politik von Jair Bolsonaro ist die Wirtschaft in Brasilien unter dem Eindruck der enormen Corona-Zahlen völlig am Boden zerstört (Quelle). Millionen Menschen in Brasilien haben nicht genug zu Essen (Quelle).

Es ist geradezu beeindruckend, wie konsequent reitschuster.de durch gezielte selektive Darstellungen und Auslassungen hier mal wieder trotz schrecklichster Katastrophen die Realität leugnet.

16. Reitschuster.de suggeriert ohne Belege, Impfungen führen zu Herzstillstand

In einem Gastbeitrag bezieht sich der Autor auf Spekulationen des Fake-News-Portals „Wochenblick”. Wie wir bereits in einem Artikel dargelegt haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass viele Ereignisse nach der Impfung einfach nur Zufall sind. Auch ohne Impfung sterben Millionen Menschen in ganz Europa, das ist nun mal Teil des Lebens, insofern ist es statistisch erwartbar, dass es Todesfälle NACH aber nicht DURCH die Impfung gibt. Es gibt bisher nur Hinweise auf sehr seltene Todesfälle durch Hirnvenenthrombosen nach der AstraZeneca-Impfung (ein Zeichen, dass die Behörden durchaus sehr genau hinschauen), in vielen anderen Fällen konnte aber kein Zusammenhang bestätigt werden (Achtung: Artikel ist vom Januar – vor Astra-Zulassung!):

Warum News über Tote zufällig nach der Impfung so gute Fakes abgeben

Nun untersucht der Autor das Studienprotokoll von BioNTech. Hier gab es tatsächlich einen Todesfall durch Herzstillstand in der Gruppe der Geimpften. Warum das bisher niemanden interessiert hat? (In typischer Reitschuster-Manier werde das angeblich „verschwiegen“, obwohl sie die Information ja schließlich genau aus jenem Studienprotokoll haben, weil es eben nicht verschwiegen wurde.) Nun, der Todesfall ereignete sich 62 Tage nach der zweiten Dosis (Quelle). Es ist wirklich extrem unwahrscheinlich, dass ein Impfstoff, der nach wenigen Stunden schon vom Körper wieder abgebaut wird (Quelle), dafür die Ursache war. In der Placebogruppe kam es übrigens zu mehr Todesfällen als in der Gruppe der Geimpften. Man könnte jetzt Reitschuster vorwerfen, das zu „verschweigen“.

Placebo “lebensbedrohlicher” als die Impfung! Wie Impf-Fake-Schleuder “Wochenblick” manipuliert

17. Reitschuster vermischt Verdachtsmeldungen und Nebenwirkungen von Impfungen

Das Paul-Ehrlich-Institut, aber auch die EMA oder die britische Arzneimittelbehörde MHRA erfassen alle Meldungen von Krankheiten oder Todesfällen nach Impfungen, auch wenn diese erstmal gar nichts mit der Impfung zu tun haben. Es werden extrem viele Meldungen erfasst, die wahrscheinlich auch ohne die Impfung aufgetreten wären. Auch ohne Impfung sterben in Deutschland Menschen oder sie leiden an unterschiedlichen Krankheiten. Die Frage, die die Behörden beantworten wollen, ist, ob das häufiger auftritt als ohne Impfung. Dadurch können dann auch extrem seltene Nebenwirkungen gefunden werden, wie die Sinusvenenthrombosen bei AstraZeneca, die nur einmal auf Hunderttausende Impfungen auftritt. Am Beispiel von AstraZeneca sieht man übrigens auch, dass auch so seltene Fälle eben nicht verschwiegen werden.

Natürlich gibt es auch mehr Berichte, wenn mehr geimpft wird. Reitschuster täuscht aber seine Leser:innen, indem er in mittlerweile drei Artikeln davon spricht, dass „Nebenwirkungen“ „explodieren“. Also erstens mal sind das keine bestätigten Nebenwirkungen. Es sind Verdachtsfälle (Quelle, Quelle, Quelle). Und zweitens „explodieren” die auch nicht. Es wird eben mehr geimpft und mehr Menschen geben ihre Erfahrungen zum Beispiel über die SaveVac App ans PEI weiter. Die Anzahl der Impfungen ist halt „explodiert“.

Entsprechende Desinformation wie die von Reitschuster hier ist im Zweifel tödlich. Es gibt schon viele Berichte von Altersheimen, wo es zwar trotz Impfung Ausbrüche gab, aber die meisten Patienten kaum Symptome oder schwere Verläufe hatten (Quelle), wo das Virus vor der Impfung mal auch gern 20 % der Bewohner:innen tötete (Quelle).

Es ist also unserer Meinung nach denkbar, dass aufgrund der großen Reichweite von Reitschuster.de entsprechende irreführende Berichte von Reitschuster schon zu Todesfällen geführt haben könnten. Die durch vergleichbare Desinformation erhöhte Impf-Verweigerung wird weltweit zu Tausenden vermeidbaren Todesfällen führen (Quelle).

18. Doppelstandards: Reitschuster verteidigt Stöckers ungetestetes Vakzin

Während Reitschuster extrem kritisch über die Sicherheit der an Zehntausenden Proband:innen getesteten Impfstoffe berichtet, lobt er den ungetesteten Impfstoff des Milliardärs Stöcker. Er wirft hier den Medien vor, nicht „fair” über den Impfstoff zu berichten, dabei ist Reitschuster hier der einzige mit Doppelstandards. Der Impfstoff von Stöcker ist schlicht nicht getestet. Die Testung des Impfstoffs ist nun mal der längste Prozess vor der Zulassung. Zum Vergleich: Im April 2020 bekam der erste Proband das BioNTech-Produkt (Quelle). Es braucht aber eben die klinischen Studien, um wirklich sicher zu sein, dass der Impfstoff wirksam und sicher ist. Und für den Stöcker Impfstoff gibt es genau die gerade nicht. Eine Gutachterin für Impfstoffe hat für uns die Hintergründe genau aufgearbeitet:

Faktencheck: Gutachterin für Impfstoffe über den „selbstgebastelten Impfstoff“ von Stöcker

Reitschuster selbst verschweigt auch, dass auch in der EU bereits ein ähnlicher Subunit-Impfstoff im Zulassungsverfahren ist, nämlich der von Novavax (Quelle).

19. Reitschuster leugnet dritte Welle

Während praktisch alle Intensivmediziner:innen des Landes darum betteln, dass wir doch endlich die dritte Welle mit der ansteckenden Variante B 1.1.7 ernst nehmen sollen, wird diese auf reitschuster.de einfach geleugnet. In gleich zwei Artikeln wird behauptet, dass lediglich die Dunkelziffer durch mehr Schnelltests gesunken sei. Es wäre schön, wenn das so wäre, aber leider reichen die aktuell angewendeten Schnelltests bei Weitem nicht aus, um das zu schaffen.

Es gibt leider nach wie vor keine Testpflicht in Unternehmen, die nötig wäre, um wirklich deutlich mehr Fälle zu identifizieren. Gleichzeitig nimmt die Belastung der Intensivstationen rasant zu. Sie folgt damit ziemlich genau zwei Wochen später den stark steigenden Fallzahlen, was bestätigt, dass die dritte Welle „real” und kein Testartefakt ist (Quelle).

Auch in Deutschland werden jetzt planbare Eingriffe verschoben (Quelle), die hohen Infektionszahlen führen also zu massiven Kollateralschäden, die Reitschuster systematisch verschweigt. Es sind einfach zu viele Falschmeldungen, um sie alle im Detail zu zerlegen: Nein, Cola auf Schnelltests widerlegt nicht deren Nutzen (Sein Artikel, unser Faktencheck), nein, es „verschwinden” auch keine Intensivbetten (Sein Artikel, unser Faktencheck), doch, Ugur Sahin will sich seinen Impfstoff spritzen lassen (Quelle). Und viele, viele mehr.

Fazit: Reitschuster trickst geschickt, um bestimmte Narrative zu bedienen

Man könnte die Liste der Fake News und irreführenden und einseitigen Schlagzeilen, die auf dem Blog reitschuster.de täglich veröffentlicht werden, fast unendlich weiterführen. Tatsächlich haben wir an diesem Faktencheck schon mehrere Wochen gearbeitet, sind jedoch regelrecht untergegangen, weil Reitschuster schneller Desinformationen produzieren kann, als wir richtigstellen. Besonders, weil er sich dabei viel geschickter als seine rechtsextremen Kolleg:innen anstellt und zumindest in den von ihm verfassten Beiträgen weniger plump Unwahrheiten verbreitet, muss man genauer erklären, wie Reitschuster manipuliert und trickst.

Reitschuster nutzt extrem geschickt Framing, Suggestivfragen und gezieltes Herauspicken auch der blödesten Fake News, denen er dadurch Glaubwürdigkeit verleiht, dass er so tut, als müsste man sie ernst nehmen. Für diese Raffinesse muss man ihn fast sogar loben. Denn hinter einer extrem irreführenden oder komplett falschen Schlagzeile und vielen Absätzen, die er mit Spekulationen und seinem subjektiven Eindruck füllt, bringt er oft in seinen Artikeln den „Faktencheck” seiner eigenen Fake News sogar selbst, versteckt weit unten im Text und hinter Konjunktiven, wohl wissend, dass die meisten seiner Leser:innen entweder nicht so weit lesen oder im Gegenteil, das auch noch für ein Qualitätsmerkmal halten, während Framing, Priming, Pathos, Hörensagen und Auslassungen den gewünschten gegenteiligen Eindruck verstärken sollen.

Bei Vorwürfen, dass er bewusst in die Irre führt, tut er dann ganz empört, denn er hat immer ja selbst darauf hingewiesen, dass seine eigenen reißerischen Schlagzeilen, Fragen und suggestiven Spekulationen jeglicher Grundlage entbehren. Er hat ja nur Fragen gestellt und im Text die Möglichkeit offengelassen, dass es nicht stimmt. Was er verschweigt: Dass sie nunmal meistens nicht stimmen. Er lenkt dann mit Gegenangriffen und einer Opfer-Inszenierung ab. Sein „Gründungsmythos“ ist eine Klage durch ARD- „Faktenfinder“ Gensing. Er stellt es so dar, als würde dieser ihn wegen Kritik mundtot machen wollen. Was er verschweigt: Es ging in Wahrheit anscheinend um Urheberrechtsverletzung und der widerrechtlichen Nutzung eines Bildes von Gensing persönlich (mehr dazu).

Reitschuster – ein Meister der Verzerrungen, Auslassungen und des Framings

Reitschuster wirft hinter jede Desinformation, die er aufgreift, ein „Zufall?” oder stellt sie einfach als Frage, wohl wissend, dass es kein Zufall ist und die Frage mit „Nein” beantwortet werden kann, weil er es gegen Ende seines Artikels oft ja sogar erklärt und damit die Rechtfertigung, warum er (in dieser Art) überhaupt darüber schreibt, völlig untergräbt. Quasi jede Fake News, die er aus der rechtsextremen oder verschwörungsideologischen Blase aufgreift, wird laut ihm gleich von den Medien „verschwiegen”. Ein beliebtes Mittel, um das gewünschte Framing zu erreichen. Mit der offensichtlichen Implikation, dass die „Lügenpresse” das bewusst verschweige. Die offensichtlichere Erklärung, dass es eben Blödsinn ist, der nicht der Rede wert ist, lässt Reitschuster offen.

Er weiß ganz genau, dass er ein Geschäftsmodell entwickelt hat, in welchem er genau die Schlagzeilen und Narrative kreiert, die die Eindrücke erwecken, die sein rechtsextremes und verschwörungsideologisches Publikum lesen will. Und es ist ein sehr dankbares Publikum: Entgegen der Selbsttäuschung, dass man besonders „kritisch” sei, handelt es sich um ein extrem naives und leichtgläubiges Publikum, das jede Schlagzeile abfeiert, die ihnen ihr eigenes, falsches Weltbild vermeintlich bestätigt. Dass Reitschuster oft im P.S. und Nebensätzen zugibt, dass er über haltlose Dinge berichtet und gar keinen einzigen Beweis für seine Darstellungen hat, interessiert dort niemanden – und schadet dementsprechend nicht seinem Geschäftsmodell.

Geschäftsmodell Reitschuster

Im Gegenteil, man könnte es mit einem Anzeichen von Ausgewogenheit verwechseln, besonders da Reitschuster im Angesicht der vielen, vielen Faktenchecks die wegen seinen Artikeln nötig sind, allen anderen genau das vorwirft, was er selbst täglich tut, um von sich selbst abzulenken. Solange Feindbilder bedient werden, hinterfragt sein Publikum seine Methoden nicht, im Gegenteil, dieses ist sehr dankbar, dass er ihnen vermeintlich erklärt, dass alle, die ihnen widersprechen, „Framing” betreiben oder zur großen Verschwörung der deutschen Medien gehören, die er nicht subtil mit Vorwürfen von „Wahrheitsministerium“ und „sozialistischen Propaganda-Schulen” abkanzelt und gleichzeitig so tut, als würden diejenigen manipulieren. Um an einem Beispiel zu zeigen, wie seine Methoden funktionieren, habe ich alle diese einfach selbst angewendet und meine eigene Fake News Reitschuster-Style gebastelt:

Böser Verdacht: Reitschuster heimlich von Russland finanziert?

Er manipuliert geschickt seine Leser:innen und wirft später denjenigen, die seine Manipulationen aufdecken, Manipulation vor. Und dass er ganz genau weiß, wie Desinformation funktioniert, hat er schon früher gut gezeigt: Seine journalistischen Beiträge und Vorträge zu den Propaganda-Methoden Russlands wurden früher sehr ernst genommen. Ob sie tatsächlich seriöser Journalismus waren, kann ich nicht beurteilen, man bekommt aber den Eindruck, dass er früher durchaus in der Lage war, differenzierte Berichterstattung zu veröffentlichen. Und dies auch immer noch könnte, aber es nicht mehr macht. Es ist regelrecht traurig zu sehen, wie ein guter Journalist so tief gesunken zu sein scheint.

Wer Reitschuster liest, will getäuscht werden

Reitschuster schreibt in „Über die Seite“: „Ich kann Ihnen hier auf meiner Seite keine »Wahrheit« anbieten.“ Und das ist einer der wenigen wirklich wahren Sätze auf seiner Seite. Denn entgegen seinem ständigen Wiederholen journalistischer Standards versucht er es auch gar nicht. Er täuscht seine Leser:innen damit, dass er ihnen einredet, er würde „kritischen Journalismus“ betreiben und „ohne Ideologie“, dabei trieft der ganze Blog nur von einseitigen Darstellungen, Desinformation und Ideologie. Er hat ein Geschäftsmodell entwickelt, der „Querdenken“-Bewegung ihre eigene Weltanschauung als seriös zu verkaufen. Kein Wunder, dass Demo-Teilnehmer:innen ihn buchstäblich bejubeln, wenn sie ihn sehen – und ihm sogar live vor der Kamera Geld zustecken (mehr dazu).

Reitschuster hat sich völlig verrannt, er muss die Schlagzeilen und Andeutungen liefern, die seine Unterstützer:innen lesen wollen, denn so finanziert er sich. Das ist per se nicht verwerflich, so finanzieren wir uns bei Volksverpetzer schließlich auch. Das Problem ist nur, dass deren Weltanschauung kaum noch etwas mit der Realität zu tun hat und Reitschuster zu allen Tricks greifen muss, um die Wahrheit zu verdrehen, um zumindest den Eindruck zu erwecken, die diversen Fake News aus der „Querdenken“-Szene seien wahr – oder zumindest glaubwürdig.

Der Doppelmoral-Ideologe

Er wird sich sicherlich enorm über diesen Artikel ärgern und möglicherweise zum „Gegenschlag“ ausholen und einen Pseudo-Faktencheck über Volksverpetzer machen wollen. Und sicherlich wird er einige Dinge finden, denn wir machen auch Fehler. Reitschuster sagte es selbst: „Aber ich finde, niemand, der ehrlich ist, kann von sich sagen, fehlerfrei zu sein.“ Aber nach den paar Malen zu urteilen, in denen Reitschuster schon abschätzig unseren Blog erwähnte, wird er das nicht schaffen, ohne Auslassungen und ohne Manipulationen, ohne dass er Richtigstellungen von uns buchstäblich rausschneidet, um uns zu diskreditieren, wie er es schon gemacht hat und ständig tut.

Es kursieren schon einige manipulierte Screenshots über uns, die entweder zurechtgeschnitten wurden oder verschweigen, wenn wir Richtigstellungen veröffentlicht haben. Er muss sich auch nicht die Mühe machen, das zu verstecken. Denn er weiß genau, seine Fans lesen uns sowieso nicht und glauben jeden Unsinn, den sie glauben wollen – auch über uns. Als Blogger:innen können wir an dieser Stelle sagen: Unsere Arbeit wäre viel einfacher, wenn wir ein Publikum hätten, das uns nur Geld gibt, weil wir ihnen ihre Weltanschauung bestätigen, und nicht, weil wir unsere Ansprüche an uns selbst nicht leben. Reitschuster spricht pathetisch davon, dass man „Toleranz“ für alle Ansichten haben müsse und er gegen „Ideologen“ sei, die einem „den Horizont verschieben wollen“. Während er ständig alle seine Kritiker:innen zum Beispiel mit „Wahrheitsministerium“ beschimpft. Längst kann er nicht mehr erkennen, dass er selbst genau zu so einem Ideologen geworden ist.

Autoren: Philip Kreißel, Thomas Laschyk uvm. Artikelbild: Screenshot youtube.com

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