Placebo “lebensbedrohlicher” als die Impfung! Wie Impf-Fake-Schleuder “Wochenblick” manipuliert

| Corona-Fake | 13. Januar 2021

Wir stellen unsere Artikel und Faktenchecks kostenlos für alle zur Verfügung.
Spende uns bitte etwas für unsere Arbeit oder Kauf in unserem Shop ein


10.580

Wie die Impf-Fake-Schleuder “Wochenblick” manipuliert

Inzwischen sterben in Deutschland fast täglich etwa 1000 Menschen durch Corona, die Intensivstationen sind vielerorts am Limit. Die beste Hoffnung für unsere Gesellschaft, zu einem normalen Leben ohne Lockdown zurückzukehren, ohne noch viel mehr Tote zu beklagen, erst Recht wegen einer drohenden Triage, sind die Corona-Impfungen. Die ersten Corona-Impfstoffe sind bereits entwickelt und geprüft worden und werden bereits in vielen Ländern verabreicht. Und es zeigt sich: Die Corona-Impfungen sind erstaunlich sicher. In jedem Fall extrem viel sicherer als Corona. Mehr dazu:

Gutachterin für Impfstoffe klärt auf: Warum keine „Langzeitdaten“ kein Problem sind

Dennoch profitieren Desinformations-Seiten und “Querdenker”, Rechtsextreme & Co davon, Panikmache rund um vermeintliche oder reale Nebenwirkungen der Corona-Impfung zu verbreiten. Während sie gleichzeitig völlig heuchlerisch die Gefährlichkeit von Corona mit Lügen herunterspielen und andere der “Panikmache” beschuldigen. Eine der vielleicht gefährlichsten, unseriösen Impf-Fake-Schleudern ist die österreichische Seite “Wochenblick”, die regelmäßig zu billigsten Tricks greift, um irrationale Ängste zu schüren. Und dabei stellenweise noch als seriöse Regionalzeitung behandelt wird.

Bombe geplatzt! Lebensbedrohliche “Nebenwirkungen” von einer Placebo-Kochsalz-Lösung?!

Vorab: “Adverse events” nennt man alle Ereignisse, die nach der Impfung beobachtet werden können. Dabei kann es sich allerdings auch um zufällige Ereignisse halten, die nichts mit der Corona-Impfung zu tun haben. Dafür gibt es eine Kontrollgruppe, die als Placebo nur eine Kochsalz-Lösung gespritzt bekommt. Nur wenn es viel mehr negative Ereignisse in der Impf-Gruppe als bei der Placebo-Gruppe gibt, ist das ein Indiz, wie sicher die Impfung ist.

Nach der “Logik” von “Wochenblick” beschreibt das Impfstoff-Zulassungsprotokoll für die BioNTech-Impfung, dass die Placebo-Gruppe, die statt der Corona-Impfung nur eine Kochsalz-Lösung gespritzt bekam, mehr “lebensbedrohliche Nebenwirkungen” hatten als die Impf-Gruppe. Man hätte daraus sogar schließen können, dass Impfungen sicherer sind als Kochsalz. Oder im “Wochenblick”-Stil irrationale Panik über Kochsalzlösungen verbreiten. Kein Witz. Achtung: Das sind KEINE Nebenwirkungen, das sind nur beobachtete Ereignisse nach der Impfung.

Die Impfpanikverbreiter von “Wochenblick” reißen 44 von 44.000 Proband:innen aus dem Kontext, um von “lebensbedrohlichen Nebenwirkungen” der Corona-Impfung zu fantasieren. Der Witz dabei: Von den 44 sind 23 aus der PLACEBO-Gruppe, die nie die Impfung bekommen haben. Das allein sollte schon alles darüber aussagen, wie unseriös dieser Quatsch ist. Es geht um die BioNTech-Studie (Hier), die alle beobachtbaren “events” bei den Proband:innen nach der der Impfung dokumentiert hat. NICHT “Nebenwirkungen”.

Aus diesen einfach nach der Impfung beobachteten Ereignissen, zu größerem Teil von der Gruppe, die die Impfung NICHT erhielt, macht die Fake-News-Schleuder “Wochenblick”: “Bombe geplatzt: Impfstoff-Zulassungsprotokoll beschreibt lebensbedrohliche Nebenwirkungen”. Hier werden maximal Informationen aus dem Kontext gerissen. “Wochenblick” manipuliert ihre Leserschaft noch weiter durch billiges, skandalöses Framing und einem manipulierten Bild einer Impfung mit gruseligen, schwarzen Adern. Manipulativer geht die Panikmache fast nicht.

 

Es starben aber MEHR bei der Placebo-Gruppe!

Wie man in der Grafik oben schon sehen kann, hatten aber mehr Personen in der Placebo-Gruppe, die nur Kochsalz gespritzt bekam, “lebensbedrohliche Nebenwirkungen” (und mehr Todesfälle). Wenn Fake-Schleuder “Wochenblick” aber von “lebensbedrohlichen Nebenwirkungen” und “Bombe geplatzt” nach einer Kochsalz-Injektion geschrieben hätte, hätte man sofort erkannt, warum diese Darstellung lächerlich ist. Und dabei wäre sie sogar gerechtfertigter als beim Impfstoff. Man sieht, wie billig und manipulativ diese Schlagzeile ist. Manche “lebensbedrohliche Fälle nach der Impfung” in anderen Testreihen waren Autounfälle (Quelle) oder Blitzeinschläge (Quelle).

Hier wird wie so oft unterschlagen, dass es sich bei Korrelation nicht gleich um Kausalität handelt. Während bei Corona-Toten von den Querdenkern & Co die eigentlich richtige Frage “An oder MIT” gestellt wird (dessen Antwort sie nicht hören wollen: 9 von 10 sterben definitiv AN Corona, Quelle, Quelle), reißen diese gern echte (oder erfundene! mehr dazu) zufällige Todesfälle nach der Impfung aus dem Zusammenhang, um Panik zu verbreiten. Wie hier bei einem 91-Jährigen mit mehreren schweren Vorerkrankungen in einem Altenheim in der Schweiz, der fünf Tage nach der Impfung eines natürlichen Todes starb:

Riesige Medien-Panne: KEIN Toter durch Corona-Impfung! Medien fallen auf Pandemie-Leugner herein

Genau deshalb gibt es ja die Placebo-Gruppen: Um zu sehen, ob schwere Fälle, die auftreten, statistisch häufiger vorkommen durch die Impfung. Wenn bei denjenigen, die nicht geimpft wurden etwa gleich viel (oder gar mehr, wie hier) lebensbedrohliche Ereignisse auftreten, dann ist es unwahrscheinlich, dass die Impfung einen Einfluss darauf hatte. So funktioniert Wissenschaft. Und selbst wenn alle zwei zufällige Tode der Impfreihe nachweislich eine direkte Folge der Impfung gewesen wären: Die Impfung ist freiwillig, Corona nicht. Und Corona ist zig- bis hundertfach tödlicher.

“Wochenblick”: Die vielleicht gefährlichste Impf-Fake-Schleuder

Dieser manipulative Trick, dass zeitlich zufällige Todesfälle der Impfung angehängt werden, um Panik zu verbreiten, und Desinformation ist anscheinend das Geschäftsmodell von “Wochenblick”. Die Zeitung, die der rechtsradikalen FPÖ nahe steht und auch wegen Hetze gegen Ausländer und Schutzsuchende und vielen Fake News berüchtigt ist (Quelle) macht auch bei der Fake-Verbreitung rund um Impfungen ihr Geschäft mit. Jede:r verstorbene Rentner:in wird dort zur unseriösen Schlagzeile. Dabei ist die Realität einfach: Menschen sterben nun mal manchmal, insbesondere Senioren. Das ist nicht zwingend eine Folge der Impfung.

Dabei greift man auf Fälle aus der ganzen Welt zurück, um die Panik zu verbreiten. Weltweit wurden Stand heute (10 Januar) über 25 Millionen Menschen gegen Corona geimpft. Und um unseriöse Stimmungsmache gegen Impfungen zu betreiben, werden lauter Einzelfälle aus der Welt willkürlich herausgepickt. Im Fall des 56-jährigen Mannes war es aus den USA; was die Fake-Schleudern verschweigen: Man geht bisher nicht von einem Zusammenhang zur Impfung aus (Quelle). Zum Vergleich: Bald sind weltweit 2 Millionen Menschen an Corona gestorben. Wir suchen immer noch den ersten, nachweislich bestätigten Todesfall durch Impfung.

Impfungen sind ziemlich sicher, Corona ist gefährlich

“Wochenblick” stört sich wahrscheinlich nicht daran, unseriöse Stimmungsmache und Fake-News zu verbreiten, das ist im Gegenteil anscheinend ihr Geschäftsmodell. Facebook steht jedoch in der Verantwortung, diese Artikel voller unseriöser Spekulation, die regelmäßig massiv über ihre Plattform verbreitet werden, ebenfalls einzuschränken, wenn sie es mit ihrer Ankündigung, Stimmungmache und Fake News gegen die Corona-Impfung zu bekämpfen, ernst meinen. Weitere, aktuelle Faktenchecks rund um die Corona-Impfung:

Teile diese Faktenchecks, um die größten Fakes über die Corona-Impfung zu bekämpfen

Video widerlegt Impf-Panikmacher: Geimpfte Krankenschwester ist wohlauf

Artikelbild: pixabay.com, CC0

Hey, möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Komm in unseren Telegram Kanal und verpasst keine News mehr von uns (Link).  Oder besuche unseren Shop und unterstütze uns mit dem Kauf von T-Shirts, Tassen, Taschen und Masken, hier entlang.

Unsere Autor:innen nutzen die Corona-Warn App des RKI: