Eine große, echte Mehrheit von Dreiviertel der Deutschen wollen NICHT einen AfD-Kanzler. Nicht einmal jeder AfD-Wähler will einen AfD-Kanzler. Es gibt sogar weitaus mehr Menschen, die ein AfD-Verbot wollen, als einen AfD-Kanzler. So belügt dich WELT mit dieser Schlagzeile.
Es ist eine dieser Schlagzeilen, bei denen man kurz innehält und überlegt, ob man richtig gelesen hat. „Mehrheit der Deutschen wünscht sich AfD-Kanzler – bittere Bilanz für Merz“, titelt die WELT auf X. Sind die Deutschen schon so Rechtsextrem? Wer dann aber auch nachschaut, auf welcher Umfrage diese Aussage beruht, stellt schnell fest: Diese Schlagzeile ist schlicht sachlich falsch. Sie ist eine Lüge. Und sie widerspricht direkt der Realität, die sogar nur in derselben Umfrage steht, auf die sich die WELT beruft.

Wer nicht glaubt, dass diese Schlagzeile eine Lüge ist, muss den Aufmacher einfach umdrehen und schreiben „Mehrheit der Deutschen will keinen AfD-Kanzler“. Und schon stellen wir fest: wir haben eine Schlagzeile, die nicht nur faktisch korrekt wäre, sondern auch das ausdrückt, was die Umfrage tatsächlich zeigt. Und im Übrigen auch viele anderen. Aber dazu kommen wir gleich.
Wie WELT manipuliert
Schauen wir uns zuerst was diese Umfrage in Wahrheit zeigt. Die rechtsradikale WELT bezieht sich auf eine INSA-Umfrage im Auftrag der BILD, erhoben vom 30. April bis 4. Mai 2026. Auf die Frage „Welche Partei soll den Bundeskanzler stellen?“ antworten: AfD 25 Prozent, Union 19 Prozent, SPD 13 Prozent, Grüne 12 Prozent, Sonstige 12 Prozent. Daraus bastelt die WELT die Schlagzeile, die „Mehrheit der Deutschen“ wünsche sich einen AfD-Kanzler.

Im "Kleingedruckten" der Überschrift in der Onlineversion steht dann als entscheidender Zusatz: „RELATIVE Mehrheit“. Auf X, in den Google-Ergebnissen, im Aufmacher fehlt dieses sehr wichtige Wörtchen aber. Ja, eine relative Mehrheit ist nach Definition des Dudens ausdrücklich „weniger als die Hälfte, aber der größere Teil der Stimmen“. Wer eine relative Mehrheit hat, hat aber eben gerade KEINE Mehrheit, sondern nur die meisten Stimmen unter mehreren Optionen. Aber auch das Wörtchen "relativ" hätte diese Schlagzeile nicht gerettet, sie wäre nur keine direkte Lüge mehr gewesen - sondern nur Irreführung. Denn die Manipulation geht noch tiefer.
Nicht mal jeder AfD-Wähler will einen AfD-Kanzler
Die WELT und ihre Verteidiger werden sicherlich einwenden, dass hier nur das "relativ" für Clickbait-Zwecke und aus Platzgründen weggelassen wurde. Das "relative Mehrheit" stimme ja. Aber auch mit technisch korrekter Schlagzeile wäre es eine Manipulation der Realität. Denn sie suggeriert Chancen oder sogar den Wunsch nach einem AfD-Kanzler, die es so nicht gibt. Solange die AfD keine absolute Mehrheit erlangt, wird sie in der nächsten Bundestagswahl keinen Kanzler stellen und eine absolute Mehrheit der Deutschen wird das auch nicht wollen - und zwar sogar sehr vehement. Dazu kommen wir aber gleich.
Denn die Umfragestellung ist auch unseriös: Das sind keine Wunschkanzler, das sind im Grunde fast einfach Parteipräferenzen. Der Bundeskanzler wird nach Artikel 63 des Grundgesetzes mit absoluter Mehrheit im Bundestag gewählt, nicht direkt. Und auch eine relative Mehrheit reicht für eine Kanzlerschaft schlicht nicht aus und kommt so auch nicht zu Stande.
Die Umfrage zeigt nur: Die meisten Leute wollen nur, dass die Partei den Kanzler stellt, die sie wählen. Große Überraschung. Hätte man die Umfrage ein paar Monate früher gestellt, als die Union noch stärkste Kraft war, hätte eine (relative) Mehrheit einen Unionskanzler gewollt. Und so weiter. Das ist schlicht Realitätsverzerrung. Darum wird normalerweise von Demoskopen die Umfrage so nicht gestellt. Aber INSA werden Sympathien und Nähe zur rechtsextremen AfD nachgesagt.
Wie absurd diese Unterstellung ist, sieht man auch an einem fun fact, den man ebenfalls aus den INSA-Umfragen ablesen kann: Die AfD steht laut einer ebenfalls aktuellen INSA-Umfrage in der Sonntagsfrage bei 27,5 Prozent. In der Kanzlerfrage aber nur bei 25 Prozent. Das ist mathematisch nur dann möglich, wenn nicht einmal alle, die der AfD ihre Stimme geben würden, einen AfD-Kanzler wollen.
Die Mehrheit ist vehement gegen die AfD
Wer behauptet, eine Mehrheit wolle einen AfD-Kanzler, der muss sich erklären, warum bisher quer durch alle anderen Umfragen das genaue Gegenteil herauskommt. Etwas älter inzwischen, aber das ZDF-Politbarometer von September 2025 zeigte: 60 Prozent der Deutschen rechnen damit, dass die Politik schlechter würde, wenn die AfD an einer Regierung beteiligt wäre. Nur 21 Prozent erwarten eine Verbesserung.
Im selben Politbarometer-Skalometer im April 2026 ist Alice Weidel mit einem Wert von -2,4 das absolute Schlusslicht aller bewerteten Politiker. Sie liegt damit hinter Friedrich Merz, hinter Markus Söder, hinter Heidi Reichinnek. Niemand wird so deutlich abgelehnt wie die Frau, die laut WELT angeblich eine (relative) Mehrheit als Kanzlerin haben will. Und dann ist da noch das ZDF-Politbarometer vom Dezember 2025: 65 Prozent aller Deutschen (und da sind die AfD-Wähler miteingerechnet!) befürworten ausdrücklich, dass die CDU nicht mit der AfD kooperiert.
Bei den Unionsanhängern selbst sind es sogar 79 Prozent. Friedrich Merz hat genau diese Brandmauer am 3. Mai 2026, also einen Tag vor der INSA-Befragung, bei Caren Miosga in der ARD noch einmal bekräftigt: Eine Minderheitsregierung mit AfD-Duldung komme mit ihm nicht infrage. SPD, Grüne und Linke schließen die Zusammenarbeit mit der AfD ebenfalls kategorisch aus. Die Mehrheit der Deutschen will nicht mal eine AfD-Regierungsbeteiligung, geschweige denn Kanzler. Eine AfD-geführte Bundesregierung ist also nicht nur unwahrscheinlich, sondern politisch und mathematisch ausgeschlossen. Die WELT-Schlagzeile suggeriert ein Szenario, das es schlicht nicht geben wird. Und die Frage ist einfach bereits irreführend. Sie wollen, dass ihr euch an "AfD-Kanzler" gewöhnt. Damit es irgendwann Realität werden kann.
WELT und BILD ganz im Sinne der AfD
Es wäre fast eine harmlose Geschichte, wenn das ein Einzelfall wäre. Ist es aber nicht. WELT und BILD gehören zum Axel-Springer-Konzern, und beide Blätter haben sich in den letzten Jahren einen Ruf als Verstärker rechtsextremer Narrative hart erarbeitet. Im Dezember 2025 hat der Deutsche Presserat die WELT öffentlich gerügt wegen, Zitat, „gravierender Irreführung der Leserschaft und schweren Verstoßes gegen die journalistische Sorgfaltspflicht“ – Anlass waren falsche Berichte über angebliche staatliche Finanzierungen von Demos gegen die CDU-AfD-Migrationsabstimmung. Die BILD wurde im selben Zusammenhang ebenfalls mehrfach gerügt. Sie ist der Rekord-Rügen-Meister. Und das Muster ist seit Jahren dasselbe: AfD-Erfolge werden dramatisiert und man hat zufällig fast die gleichen Feindbilder der AfD.
Wir haben das auf Volksverpetzer ständig thematisiert, Die vielen AfD-Wahlniederlagen der letzten Monate finden in den Medien allgemein kaum statt. Der Effekt ist immer derselbe: Eine politische Kraft, die in Wahrheit isoliert, abgelehnt und derzeit immer noch auf Bundesebene ohne Machtperspektive ist, wird so dargestellt, als wäre sie kurz vor der Übernahme. Und genau das ist der Service, den Axel-Springer der AfD seit Jahren leistet, ob bewusst oder durch fahrlässige Ideologie spielt am Ende keine Rolle. Axel-Springer-Boss ist persönlich gut befreundet mit dem rechtsextremen AfD-Supporter Elon Musk. Er soll ihm sogar einen Gastbeitrag bei WELT ermöglicht haben, in dem er dazu aufrufen durfte, die Faschisten zu wählen.
Die AfD selbst feiert solche Schlagzeilen übrigens öffentlich. Beatrix von Storch, stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, schrieb auf X als Reaktion auf den WELT-Aufmacher: besser würden die Schlagzeilen heute nicht mehr. Dass die AfD sich über Lügen freut, die sie gut darstellen lässt, ist ja kein Wunder. Wenn die AfD sich darüber freut, wie über sie berichtet wird, dann ist das ein ziemlich eindeutiger Hinweis darauf, dass diese Berichterstattung der Partei nützt. WELT und BILD waren schon 2021 die beliebtesten Medien der AfD-Fraktion.

Warum das gefährlich ist: Der Bandwagon-Effekt
Und jetzt kommen wir zum Punkt, warum das wirklich gefährlich ist. Es gibt in der Sozialpsychologie ein gut belegtes Phänomen, den sogenannten Bandwagon-Effekt - der Mitläufer-Effekt. Menschen schließen sich Mehrheiten an, weil sie auf der vermeintlich gewinnenden Seite stehen wollen. Wer glaubt, „die anderen wollen das alle“, der hält seine eigene Skepsis eher zurück. Wer denkt, eine Position sei gesellschaftlicher Konsens, normalisiert sie. Genau das passiert, wenn man Menschen einredet, eine Mehrheit wünsche sich einen AfD-Kanzler.
Die Realität ist, wie wir gerade gezeigt haben, das Gegenteil. Die übergroße Mehrheit lehnt die AfD ab, will keinen AfD-Kanzler, hält sie für rechtsextremistisch, und die Mehrheit der demokratischen Parteien möchte sie sogar verboten sehen und auf jeden Fall aus jeder Regierung heraushalten. Wenn eine Schlagzeile aber suggeriert, das sei alles vorbei und die Mehrheit habe längst gekippt, dann gewinnt die AfD Support. Sie gewinnt durch das Bild, das die Medien von ihr malen. Sie gewinnt, weil unentschlossene Menschen, die ihre eigene Position für eine Minderheitsmeinung halten, vielleicht umkippen. Sie gewinnt, weil die Hemmschwelle sinkt, sie zu wählen. "Oh, wenn das alle machen..."
Mehr Menschen für AfD-Verbot als für AfD-Kanzler!
Das ist der Mechanismus, mit dem rechtsextreme Parteien in vielen Ländern erst mainstreamfähig wurden. Das Kopieren ihrer Forderungen macht sie stärker zeigt die Wissenschaft durchgängig. Das müssen übrigens auch Parteien wie Union und SPD, aber auch Grüne endlich mal lernen. Und Schlagzeilen wie die der WELT sind keine harmlose Zuspitzung, sondern ein aktiver Beitrag zu diesem Mechanismus. Wer die Realität so verdreht, dass aus 75 Prozent Ablehnung „Mehrheit will AfD-Kanzler“ wird, der manipuliert. Das Resultat ist Stimmungsmache für eine rechtsextreme Partei.
Weder du noch wir sind der mächtige, milliardenschwere Axel-Springer-Verlag mit seiner Marktmacht. Aber wir können zusammen die Fakten verbreiten, die diese Medien erzwingen wollen: 75 Prozent wollen keinen AfD-Kanzler. Nicht mal alle AfD-Wähler wollen einen AfD-Kanzler. Die Brandmauer steht, und sie wird von zwei Dritteln der Deutschen ausdrücklich gewünscht. Solange Axel-Springer mit solchen Schlagzeilen davonkommt, werden wir sie immer wieder bekommen. Es ist an uns, das nicht zuzulassen. Helft uns, das zu verbreiten. Korrigiert die Lüge, wo immer ihr sie seht. Die Wahrheit hat es schwer genug. Und unterstützt uns hier gern dabei, mit den Fakten gegen rechte Lügen vorzugehen.
Artikelbild: canva.com, Screenshot welt.de.Teile des Artikels wurden mit maschineller Hilfe erstellt. Wie Volksverpetzer KI verwendet.
