10.490

Döpfner-Leaks: WELT & BILD wollen dich manipulieren

von | Apr 14, 2023 | Aktuelles

Die Axel-Springer-Medien WELT und BILD sind parteiische Kampagnenblätter, die regelmäßig auf Desinformation zurückgreifen, um bestimmten politischen Parteien wie den Grünen bewusst zu schaden und Parteien wie die FDP zu stärken. Das ist keine Polemik, sondern eine Tatsache: Eine Recherche der ZEIT hat interne Nachrichten von Axel-Springer-Boss Döpfner geleakt, in welchen dieser nicht nur Corona mit Nazi-Vergleichen verharmloste, alle Ostdeutschen als Nazis oder Kommunisten beschimpfte, sondern auch mehrfach seine Zeitungen konkret dazu aufrief, aktiv im Wahlkampf Stimmung für die FDP zu machen. Das erklärt dann die vielen Fake News über Baerbock & Co. u.a. im Wahlkampf – und die ganze andere Desinformation.

Wir sind noch nicht empört genug

Stellt euch mal vor, es wäre gerade herausgekommen, der Chef vom SPIEGEL-Verlag hätte mit Annalena Baerbock zu Abend gegessen und danach der Zeitung gesagt, sie sollen im Wahlkampf Grüne stärken. Und ihr Mann wäre dabei ein Journalist beim SPIEGEL, der auch mal über die Grünen berichtet. Es wäre ein riesiger Skandal – zu Recht natürlich. Nicht, dass es nicht bereits jetzt ein Skandal wäre. Es gibt sogar Forderungen an Mathias Döpfner, zurückzutreten. Doch du weißt, was ich meine: Es hätte viel lauter sein können.

Weil es auf der „anderen“ Seite eben keine derart großen, hasserfüllten Trollarmeen gibt, die das in allen Kommentarspalten pushen. Weil es eben keine „WELT“ oder besonders „BILD“ gibt, die den Vorfall wochenlang mit kreischenden Schlagzeilen, Meinungsbeiträgen und derartiger Reichweite und dazu auch regelmäßig irreführenden und falschen Behauptungen ausschlachtet. Während man bei quasi allen Medien sicherlich mal Fehler, Fakes und Kritisierenswertes findet, gibt es nur einen Axel-Springer-Verlag. Ein Verlag, der als Propaganda-Arm bestimmter Interessen fungiert. Und die neusten Leaks waren das letzte Puzzleteil.

Döpfner: „Please Stärke die FDP“

In der Recherche der ZEIT – und ich empfehle dringend allen, sie zu lesen – ist sehr sehr viel Brisantes. Brisantes, über das man reden muss und über das geredet wird. ‚Bin sehr für den Klimawandel‘, ‚Ossis sind entweder Kommunisten oder Faschisten‘, ‚Friedensnobelpreis für Trump!‘, ‚M(erkel) hat den Verstand verloren‘ oder ‚Corona ist eine reine Grippe‘. Jedes einzelne Zitat wäre einen ganzen Artikel wert und sein eigener Skandal. Aber um diese Dinge soll es hier weniger gehen. Über die Ideologie des Axel-Springer-Chefs Döpfner wissen wir ja im Wesentlichen schon Bescheid.

Doch die für mich wichtigsten Zitate sind diese hier:

‚Unsere letzte Hoffnung ist die FDP (…) Können wir für die nicht mehr tun‘

‚Kann man noch mehr für die FDP machen? Die sollten 16 Prozent mindestens kriegen‘

‚Please Stärke die FDP. Wenn die sehr stark sind können sie in Ampel so autoritär auftreten dass die platzt‘ [sic]

Denn sie sind extrem entlarvend. Man muss fairerweise auch ergänzen, dass Döpfner – der auf die Anfrage VOR Veröffentlichung der ZEIT nie reagierte – jetzt beklagt, dass es sich hier um „manipulative SMS-Fetzen“ handelt. Doch bei diesem Punkt bestätigt er im Grund genommen, dass er grundsätzlich wahr ist:

„Der Springer-Vorstandsvorsitzende ging auch auf den Vorwurf ein, er nehme Einfluss auf „Bild“. Das sei als CEO und Miteigentümer sein Job, erklärte Döpfner. Aber über allem stehe die Freiheit der Redaktionen. Er streite gerne im Sinne der Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit – gerade auch mit den Chefredakteurinnen und Chefredakteuren, die „alle mündig und selbstbewusst“ seien. Dies gelte auch für die behauptete Einflussnahme in Sachen FDP, deren Werten er sehr nahe stehe.“

Der Axel-Springer-Verlag und Döpfner wollen, dass du abstimmst, wie sie das wollen

Rechte Trolle und Desinformationsverbreiter, die bei jedem Bericht im ÖRR ausrasten, der die wissenschaftlich bewiesene Existenz des Klimawandels bestätigt – und dazu zähle ich inzwischen auch Axel-Springer-Autoren – relativieren: Klar darf ein Chef eines Verlages eine Richtung vorgeben, selbst wenn diese parteiisch ist. Es gibt zwar einen Pressekodex (der besonders BILD natürlich so gut wie gar nicht schert), aber sie sind nicht zur Neutralität verpflichtet. Für den ÖRR gelten strengere Regeln, aber selbst dieser muss nicht in jedem Beitrag „neutral“ sein. Die rechte Dauer-Kampagne (auch von Axel-Springer) gegen den ÖRR basiert fast ausschließlich auf Lügen und Übertreibungen.

Aber da haben sie Recht: Was in den Döpfner-Leaks rauskam, ist nicht verboten. Das ist nicht illegal. Auch wenn es gegen die eigenen Compliance-Regeln von Axel-Springer verstößt. Es ist nur zutiefst unehrlich und manipulativ. Denn WELT und BILD tun gerne so, als seien sie normaler Journalismus. Döpfner behauptete bei seiner Übernahme der US-Zeitung Politico, sein Verlag sein ein Konzern, der zeige, dass „Überparteilichkeit das erfolgreichere Modell ist“. Doch sie sind nicht überparteilich, sie wollen z.B., dass du FDP wählst. Sie wollen dich nicht neutral und fair informieren, sondern sie wollen deine Meinung in eine gewisse Richtung beeinflussen. Sie wollen, dass du wählst und glaubst, was sie dir vorgeben wollen. Sie sagen es nur nicht offen.

Und selbst das wäre noch nicht so schlimm. Ich will ja auch deine Meinung in eine gewisse Richtung beeinflussen. Das ist, was Äußerungen im politischen Diskurs sind. Doch ich will meine Aussagen transparent und nachvollziehbar machen – bei Volksverpetzer kannst du quasi immer den Links folgen und dich selbst überzeugen – und ich lüge dich nicht an. Und wenn ich einen Fehler mache, erfährst du es von mir. (Und egal, wen du wählst, ich profitiere in keiner Weise finanziell davon und hinter mir stehen keine Konzerne, Parteien oder Milliardäre.) Denn der Axel-Springer-Verlag und WELT und BILD wollen nicht nur, dass du die Grünen hasst und die FDP wählst. Sie belügen und täuschen dich dabei regelmäßig.

Eine Agenda haben ist weniger schlimm, dafür zu lügen schon

In der „WELT“ und „BILD“ erscheinen regelmäßig Fakes über Klimakrise & desinformative Klimawandelverharmlosung, sowie etliche Fake-News zu anderen Themen. Volksverpetzer veröffentlicht ständig Faktenchecks über diese Medien. Hier eine kleine Auswahl nur zu Klima-Fakes. Nur kurz, sonst sind wir den ganzen Tag hier.

Okay, reicht schon wieder. Und das sind nur die Dinge, die wir aufgegriffen haben. Andere Medien wie besonders Übermedien oder BILDBlog machen das auch und oft besser als wir. Kurzfassung: Die Axel-Springer-Medien um WELT und BILD scheuen nicht davor zurück, zu manipulieren, lügen oder euch zu täuschen, mit irreführenden Beiträgen.

Augen auf beim Axel-Springer-Verlag

Davor warnen wir ja seit inzwischen Jahren. Egal ob rechte Fake News gegen die Grünen, Klimawandelleugnung und -verharmlosung, Rassismus, Transfeindlichkeit oder Pandemie-Leugnung: Desinformation ist dort Alltag. Doch bis gestern hätte – und habe – ich gesagt: Das ist eine querdenkeresque Verschwörung, dass Milliardäre oder Vertreter internationaler Konzerne direkt zu den Redaktionen gehen und ihnen vorgeben, was sie zu schreiben haben.

Man stellt halt Gleichgesinnte ein, andere verlassen den Betrieb, die Journalisten und Journalistinnen wissen schon, was ihre Chefredaktion und ihre Leserschaft lesen will. Es ist auf der einen Seite ein Filtern derjenigen, die dort arbeiten und auf der anderen Seite eine Schere im Kopf und eine Anpassung an das, was gut ankommt – Egal ob bei Herrn Döpfner oder in den Kommentarspalten. Da muss der Chef nicht sagen: „Please stärke die FDP“. Aber – here we are. Und nein, bei aller berechtigter Kritik an anderen Medien und Verlagen, so etwas wie bei Axel-Springer ist bisher einzigartig. Und hätte überall anders auch längst zum Rücktritt geführt.

Fossil-Interessen und Erbschaftssteuer bei Döpfner

Der Axel-Springer-Verlag pusht also Hass und Desinformation über Grüne, Klimaaktivisten und den Klimawandel. Er gehört neben dem Milliardär Mathias Döpfner auch der Kapitalgesellschaft KKR. Das ist ein internationales Unternehmen, das hunderte Milliarden verwaltet und in dutzende Unternehmen investiert. 78 % davon sind Firmen, die in fossile Energien investiert sind. KKR ist gar eines der größten private equity Unternehmen der Welt, das noch in fossile Energien investiert. Werden wirksamer Klimaschutz und der Ausstieg aus fossilen Energieträgern verlangsamt, profitiert ein indirekter Miteigentümer von BILD und WELT massiv davon.

Laut Netzwerk Steuergerechtigkeit soll Mathias Döpfner bei der Schenkung von BILD-Aktien hunderte Millionen Euro an Steuern gespart haben, wegen einer Gesetzeslücke.

„Eine Sonderregelung für Reiche Erben befreite ihn allerdings davon. Demnach entfällt die Steuer bei „Bedürftigkeit“. „Bedürftig“ ist , wer nicht genug Vermögen hat, die Erbschafts- bzw. Schenkungsteuer zu begleichen. Döpfner hatte zwar Vermögen, kaufte damit aber kurz vor der Schenkung weitere BILD-Aktien im Wert 276 Mil. €. Warum? Anteile am geschenkten Unternehmen zählen nicht als Vermögen. Zum Zeitpunkt der Schenkung war er somit bedürftig und bekam sehr wahrscheinlich einen Steuererlass.“

Und hier kommt die Krux: „Mit dem gesparten Vermögen könne er sein BILD-Imperium weiter ausbauen und etwa den Wahlerfolg der FPD fördern, die sich für diese Sonderreglungen für Superreiche einsetzt.“ Es stimmt: FDP-Chef Lindner will diese Gesetzeslücke nicht schließen (ab Minute 25). Und Mathias Döpfner geht offenbar regelmäßig mit Herrn Lindner essen. Das ist erstmal nur ein Vorwurf und kein Beweis für Korruption, aber derartige Interessenskonflikte stehen hinter dieser ganzen Sache. Wieso soll ich dem Chefreporter „Wissenschaft“ der WELT glauben, dass die wissenschaftlichen Fakten zur Klimakrise angeblich „übertrieben“ wurden, wenn der Mutterkonzern, dem sein Arbeitgeber gehört, direkt finanziell davon profitiert, wenn Klimaschutz verlangsamt wird?

Klar, es wäre eine Verschwörungstheorie zu behaupten, dass KKR direkt vorgibt, was die Journalisten bei WELT schreiben sollen. Nochmal: Das ist auch gar nicht nötig, wenn man schon die richtigen Ideologen einstellt. Aber wenn sich Philipp Freise, der Europachef von KKR, Mitte März in Berlin mit Mathias Döpfner trifft und einen Tag später die gesamte Bild-Chefredaktion abberufen wird … kommt schon!

Ihr solltet Axel-Springer meiden

Nicht jeder einzelne Artikel bei BILD oder WELT ist Fake News oder falsch. Nicht jeder Autor bei diesen Medien ist ein schlechter Journalist. Versteht mich nicht falsch. Es gibt auch gute Leute und gute Berichte. Und ja, nicht nur, wenn man die dpa-Agenturmeldung einfach abdruckt. Aber Desinformation und Agenda haben System. Sie sind die wichtigsten und erfolgreichsten Berichte bei diesen Medien.

Diejenigen, die gerne von „Lügenpresse“ sprechen, weil sie parteiische Einflussnahme durch bestimmte Medien befürchten, lesen dann plötzlich sehr gerne Axel-Springer-Medien, die pausenlos Fakes z. B. über Grüne verbreiten, mit dem Ziel z. B. im Wahlkampf die FDP zu stärken. Ironisch. Es ist gleichzeitig ein großer Skandal und auch nur eine endgültige Bestätigung dessen, was wir alle ohnehin schon ahnten: Axel-Springer-Medien vertreten politische und Fossil-Konzerninteressen und das regelmäßig mit Desinformation und Fake News.

Im deutschen Journalismus und in der Politik muss sich endlich durchsetzen: Man gibt ihnen keine Interviews, man verlässt sich nicht auf sie als Quelle, man übernimmt nicht deren Framings. Zumindest so lange, bis sich die journalistischen Standards der Zeitungen drastisch verbessern. Man kann ihren Berichten nun mal nicht trauen. Weil man nie ganz weiß: Wird da gerade ehrlich berichtet – oder bauscht man irgendeine Meldung gegen die Grünen unehrlich auf, damit du bei der nächsten Wahl so abstimmst, wie das Döpfner will?

Schon vor einigen Tagen berichteten wir, wie Superreiche die Pressefreiheit in Deutschland und darüber hinaus gefährden. Hier kommt ihr zum Artikel:

Artikelbild: Bernd von Jutrczenka/dpa