„Nicht die Greta, nur ich“: Abrechnung mit den Greta-Bashern

Gastkommentar von Marc Stephan

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So, also meine lieben Greta-Basher.

Lange habe ich überlegt, ob ich ein Foto von Greta in diesen Beitrag nehme, denn scheinbar bringt das unheimlich viel Aufmerksamkeit. Allerdings habe ich mich dagegen entschieden, denn letztlich geht es nicht um Greta, sondern um den Klimaschutz. Stattdessen habe übrigens ein Bild von mir genommen, das reicht hoffentlich (habe mir echt Mühe gegeben).

Was treibt Menschen dazu, der Jugend jetzt vorzurechnen wie nachhaltig sie selbst in ihrer Kindheit gelebt haben und dass die Jugend von heute ihr Smartphone abgeben soll und so weiter und nicht zu vergessen die Frage, was die Jugendlichen denn schon geleistet haben (besonders wertvoll!)? Die einzige Antwort, die mir dazu eingefallen ist, war: »Der betroffene Hund bellt.«

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Ihr ward nachhaltig?

Eigentlich wäre das Thema jetzt durch. Ich habe mir aber so viel Mühe mit dem Bild gegeben, also mache ich mal weiter:

Ihr, die Ihr den Jugendlichen heute vorrechnet, wie nachhaltig ihr gelebt habt (Klamotten der Geschwister aufgetragen, kein Smartphone, nur einmal im Jahr Urlaub an der Ostsee oder im Bayerischen Wald, Lebensmittel nicht mehrfach verpackt gekauft, schon gar nicht in Plastik und Alufolie usw.), Ihr wollt mir und den Jugendlichen jetzt ernsthaft ans Bein binden, dass dieser Lebensstil damals eine bewusste Entscheidung zugunsten des Klimaschutzes war, dass ihr bewusst verzichtet habt, um der Nachhaltigkeit willen?

Soll ich mal lachen? Sorry, hab’ ich schon. Ich bin selbst Jahrgang 1975 und kann sagen: »Es war halt damals so!« Das war keine bewusste Entscheidung. Wenn Ihr heute von den Jugendlichen verlangt, auf ihr Smartphone zu verzichten, hättet Ihr damals auf euer heißgeliebtes Micky-Maus- oder Yps-Heft verzichtet, um die Umwelt zu schonen? Ok, jetzt müsst Ihr selber lachen.

Aber sei’s drum. Es ist heute, wie es ist.

Da hilft es keinem weiter, zu rufen: »Ich war’s nicht!« Die Situation ist heute so und irgendjemand hat da wohl über seine Verhältnisse gelebt (damals, in der Vergangenheit, wichtig: DAMALS!), sonst wäre es heute nicht so. Also irgendjemand muss es gewesen sein und die Kinder können es nicht gewesen sein, die sind noch zu jung.

Apropos »jung«: Damit erübrigt sich auch die Frage, was die Kinder und Jugendlichen denn heute schon geleistet hätten. Wartet, bis sie in Eurem Alter heute sind und dann fragt nochmal. So rutschen wir auch gleich zur nächsten Frage, oben schon kurz angeschnitten, warum die Kinder und Jugendlichen denn nicht damit anfangen, das Klima zu retten. Man könnte jetzt sagen: »Die haben’s ja auch nicht kaputt gemacht«. Damit wären zwar Frage und Antwort auf demselbem Kindergarten-Niveau, helfen aber nicht wirklich weiter.

Letztlich geht es auch nicht darum, wie Greta Thunberg aussieht und ob alles hundertprozentig in Ordnung ist, was sie tut oder sagt, aber das Thema, das sie anspricht, das ist wichtig. Und darüber sollte man diskutieren. So gesehen war es auch denkbar ungeschickt von ihr, mit Schuldzuweisungen anzufangen, sie ist aber halt doch auch nur ein Mensch.

Noch dazu ein ziemlich junger, da darf man noch Fehler machen. Und abschließend noch, für alle, die wieder plärren, Gretas Eltern würden sich dumm und dämlich damit verdienen: Ich weiß es nicht, interessiert mich auch nicht, weil es mit der eigentlichen Sache nichts zu tun hat. Und wenn es so wäre: Na und? Wie viele Menschen verdienen sich denn dumm und dämlich damit, unsere Umwelt kaputtzumachen? Plärrt da einer rum? Ach ja: Greta und ihre »Jünger«

Artikelbild & Text: Marc Stephan, Hier der Original-Beitrag

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