Ich habe Flüchtlinge aus dem Meer gerettet – Glaubt nicht den Lügen der AfD

| 27. Juni 2018

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Wir haben zehntausende Menschen aus dem Meer gerettet, die voR Morden, Misshandlungen und Vergewaltigungen geflohen sind, aber es starben immer noch viel zu viele. Jetzt tötet Europa mit Seiner Politik der Abschottung noch viel mehr.

Ich gehe mit ihnen nun ins Gericht. Ich werde ihnen nun erklären, was die demokratische Mitte – Die Mehrheit der Bundesrepublik – längst weiß und woran sie arbeitet. Nehmen sie sich Zeit beim Lesen diesen Artikels. Sollten ihre Herzfrequenz und der Blutdruck steigen, irrationale destruktive Gefühle oder Fantasien auftreten, gehören sie zweifelsohne zu dem angesprochenen Personenkreis, dem ich helfen möchte. Ich zeige ihnen einen Ausweg, die Tür zurück in die Normalität. Hindurchgehen müssen sie jedoch alleine. Sollte sie dieser Artikel bewegen, sie demütig und nachdenklich zurücklassen, dann seien sie bitte völlig unbesorgt. Denn dann ist ihr Geist gesund.

Ich möchte mich kurz vorstellen. Mein Name ist Johann Pätzold. Ich bin Komponist, engagiere mich für die lokale Kulturpolitik und bin sehr darauf bedacht, zivil-couragiert meinem unmittelbaren Umfeld Unterstützung zu leisten. Sei es, dass ich einem Obdachlosen ein Sandwich und einen Kaffee kaufe oder Freunden beim Umzug helfe. Abends schaue ich gerne Nachrichten und versuche mich so gut es geht darüber zu informieren, was in der Welt geschieht. Ein ganz normaler Typ, wie jeder andere auch, aus der Demokratischen Mitte.



Europa war verpflichtet, zu helfen

Wer die Nachrichten verfolgt, sollte schon seit vielen Jahren darüber informiert sein, dass viele Menschen versuchen, über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen. Im Herbst 2013 wurde es so schlimm, dass innerhalb von wenigen Tagen 400 Menschen im Mittelmeer ertrunken sind. Eine furchtbare Eskalation des Sterbens im Mittelmeer, die Europa bis ins Mark erschüttert hat. Nie wieder durfte so etwas passieren. Sofort wurde gehandelt. Italien rief umgehend die Marineoperation „Mare Nostrum“ aus.

Mehrere Schiffe der italienischen Küstenwache kreuzten auf dem Mittelmeer, um solche humanitären Katastrophen zukünftig zu verhindern. Doch diese war völlig überfordert. Mare Nostrum war gescheitert, obwohl dabei über 150.000 Menschen gerettet werden konnten. Es ertranken immer noch zu viele. Es wurde eine kurzfristige Europäische Lösung gefunden. „Operation Triton“ ersetzte ein Jahr später Mare Nostrum. Ein Verbund aus NATO Schiffen und der Europäischen Küstenwache griffen nun ein, um die Menschen aus dem Mittelmeer vor dem Ertrinken zu retten.

Darüber musste auch nicht lange debattiert werden, denn Europa ist verpflichtet nach dem internationalen See- und Völkerrecht, die Menschen in internationalen Gewässern vor dem Ertrinken zu retten. Doch schnell wurde klar, dass selbst Triton diese Aufgabe nicht bewältigen konnte. Es starben immer noch zu viele. Nachdem schon mehr als 10.000 Menschen ertrunken waren, organisierten sich in Europa verschiedenste Leute und fingen an, Lösungsansätze zu entwickeln. Menschen aus dem Mittelstand, der politischen Mitte (mal weiter links, mal eher konservativ) kauften kleinere Schiffe, um selbst vor Ort zu helfen.

Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Save the Children unterstützen ebenfalls die Seenotrettung. Organisationen wie Sea Watch gründeten sich und fuhren mit anfangs noch kleinen Booten, um zu helfen. So kam auch ich damals mit der Sea Eye als einfacher ungelernter Maschinist dazu. Die Jahre vergingen, die Schiffe wurden zu eingespielten Teams. Wir konnten effizient Menschenleben retten und haben sehr gut mit der NATO und der Küstenwache Italiens zusammen gearbeitet.

Wir haben eine Million Menschen gerettet

Mittlerweile wurden gut eine Million Menschen vor dem Ertrinken gerettet, aber der Ton hat sich verändert. Rechtsnationalistische Parteien wie die AfD verbreiteten Lügen über unsere Arbeit, welche heute als Argumente gegen uns genutzt werden. Zeitgleich unterstützten sie die “Identitäre Bewegung”, welche uns mit ihrem Schiff an der Rettung von Menschen zu hindern sollte. Forderten gar ein Bundesverdienstkreuz für diese rücksichts- und kopflose Behinderung von uns, welche wir am Ende selbst auf dem Mittelmeer retten mussten, da das Schiff der “Identitären” in Seenot geraten war, so dass wir aber in dieser Zeit keine anderen Rettungseinsätze fahren konnten. Kaum jemand kann sich vorstellen, was in einem passiert, wenn man einen Leiche sieht. Erst recht eine Baby- oder Kinderleiche. Man macht sich Vorwürfe – Wäre man doch nur schneller gewesen… und dann muss man sich um so einen Unfug von irgendwelchen Halbstarken kümmern.

Ich präsentiere ihnen jetzt eine grausame Milchmädchenrechnung: Zu der Zeit, als ich noch im Mittelmeer mitgefahren bin, da entdeckten wir pro Tag und pro Schiff – und wir waren viele Schiffe – mindestens 2, oftmals 3 bis 5 gekenterte Schlauchboote. Rundherum sind oft ein paar Leichen im Wasser getrieben.

Die Körper meist in Bauchlage, stark aufgebläht, der Kopf unter Wasser, die Haut aufgedunsen und völlig weiß – Von Kindern und Frauen bis hin zu kräftigen Männern. Selbst bei einem längst toten Babykörper hält man Ausschau nach der Mutter…so absurd… Jedes dieser Boote war mit Sicherheit mit bis zu 180 Menschen gefüllt. Die Leichen haben wir nie gefunden. Diese lagen schon längst auf dem Meeresgrund oder wurden Tage später an den umliegenden Küsten angespült.

Zahl der Toten weit größer als bekannt

Wir konnten nur die auf dem Wasser treibenden Leichen zählen und haben es dann Rom so weitergegeben. Das waren immer so, je nach dem 10-20 tote Körper. Nur diese Körper sind in die Statistik der Ertrunkenen im Mittelmeer eingeflossen. Dann erhält man eine Zahl wie 1500 oder auch mal 3000 pro Jahr. Eine sehr geschönte Zahl, so makaber das auch klingen mag. Die Dunkelziffer ist brutal. Theoretisch müssen wir die 3000 mindestens mal 10 nehmen.

Unsere Dunkelziffer ist so unfassbar hoch, dass wir darüber selbst nicht sprechen, weil sie völlig absurd klingt. Ich erinnere mich an ein Gespräch im Büro (wir haben uns dabei flüsternd unterhalten), da wurde intern eine 60.000 als niedrig, aber durchaus realistisch eingeschätzt. Das jedoch wäre furchtbar schlechte Werbung für viele unserer Politiker. Eine 60.000 auf der einen Seite, eine Festung Europa auf der anderen Seite. Das wäre selbst für den CSU Wähler zu viel. Vielleicht sogar für den ein oder anderen AfD Wähler. So ganz habe ich die Hoffnung in die Menschen ja noch nicht aufgeben.

Die Leute, die gerettet wurden, bettelten uns an, sie nicht der Libyschen Küstenwache zu übergeben

Lieber würden sie zurück in das Wasser springen und ertrinken, als zurück nach Libyen zu müssen. Die schwangeren Frauen wurden über Monate hinweg von den libyschen Aufsehern vergewaltigt. Und in Europa reden Rechtspopulisten darüber, dass es unverantwortlich sei, als schwangere Frau auf und über das Mittelmeer zu flüchten. Es ist nur leider schwer, als Frau nicht schwanger zu werden, wenn man täglich mehrfach vergewaltigt wirdUnd ich denke, es ist legitim, vor seinen Peinigern weg zu laufen. Verzeihen sie meinen Zynismus.

Die Männer waren oft verheiratet und hatten Familie. Sie erzählten, dass man ihre Frauen gerne als demütigende Foltermethode im Beisein der Ehemänner vergewaltigt hat und wenn sie dann schwanger wurden, erschossen hat. Wenn die Töchter noch zu jung waren, hat man ihnen gleich die Kehle durchgeschnitten und mit kleinen Jungen passierte im Grunde dasselbe.

Junge, hübsche Frauen wurden auf Marktplätzen verkauft, wie Vieh. Und das hat sich mit Sicherheit nicht geändert. Das passiert immer noch – und ich befürchte, es ist noch viel schlimmer geworden, seitdem die EU ihre NO WAY Politik, die Festung Europa, aufbaut. Was in Libyen passiert, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Es ist die wahrhaftige Hölle.

Meine Kollegen retten diese Menschen jetzt – ständig in Angst

Diese Menschen, diese Leute, diese Schicksale. Alles diese retten jetzt im Moment meine Kollegen und Kolleginnen. Ständig mit der Angst im Nacken, entweder von den Libyern schon auf See erschossen zu werden oder in Europa wegen „Schleusertätigkeiten“ eingesperrt zu werden.

Das dreiste daran ist, dass wir von der EU erpresst wurden, den Code of Conduct zu unterzeichnen. Der uns dazu verpflichtet, die Menschen nach Europa zu fahren. Wir wollten das nie. Wir haben uns gewehrt – und man hat uns im wahrsten Sinne fertig gemacht. Wir erinnern uns alle noch an Jugend Rettet, ein Schiff was völlig grundlos beschlagnahmt wurde.

Die angeblichen Beweise waren allesamt erlogen, wie sich später vor Gericht herausstellen sollte. Aber man hat die Organisation damit vernichtet. Widerwillig und unter Protest unterschrieben wir. Wohl wissend, dass das politisches Kalkül ist. Dass wir damit nach außen tatsächlich wie ein „Wasser Taxi“ wirken – und unsere Arbeit erschwert wurde. Dass wir viele Menschen auf der Fahrt zurück nach Europa nicht retten konnten und die Todeszahlen wieder nach oben schossen.

Unser ursprünglicher Auftrag war die schlichte Seenotrettung. Wir haben die Menschen aus dem Wasser gezogen und MRCC Rom die Anzahl der Geretteten gemeldet. Normalerweise dürfen wir uns aus eigener Kraft nicht mehr bewegen, sobald wir auch nur einen Flüchtling an Bord haben. Rom hat dann umliegende behördliche Schiffe informiert (meist Schiffe der Nato), welche uns die Geretteten abgenommen haben. Flüchlingsaufnahmen sind Behördensache. Leben retten ist zivile Pflicht. Seit dem CoC, müssen wir also zwangsläufig geltendes Recht brechen.

Die EU zwang uns, zu “Schleusern” zu werden!

Sei es drum… aber von der Politik so extrem kriminalisiert zu werden, obwohl man gleichzeitig diese Bilder im Kopf hat, von dem was da täglich auf dem Meer passiert, ist völlig schizophren. Wenn ich heute Kindergeschrei höre, breche ich innerlich zusammen. Wenn ich dann Seehofer und seinen Club sozialer Unruhestifter von der “Konservativen Revolution” reden höre, von der “Festung Europa”, dem „Migranten sofort Abweisen“-Unfung oder den „Asyltourismus“-Thesen – Dann bleibt mir mein Essen im Halse stecken.

Das lässt mich kopfschüttelnd und entsetzt zurück. Wenn mich mein Innenminister dafür kriminalisiert, dass ich das deutsche Grundgesetz ehre und danach mit besten Wissen und Gewissen handle, dann macht es mich nicht mal mehr wütend. Es verletzt mich. Es macht mich müde und traurig und fassungslos.

70% der Deutschen fühlen mit Sicherheit dasselbe wie ich – aber wir, die schweigende Mehrheit sind es auch langsam Leid, dieser kleinen rechten Randgruppe entgegen zu treten, wenn unser eigener Innenminister uns eine Ohrfeige nach der anderen erteilt. Vor allem arbeiten wir. Unser Tag ist ein Fulltimejob. Es ist wahnsinnig anstrengend, sein Geld zu verdienen und anschließend noch seinen freiwilligen sozialen Arbeiten nachzugehen, um unser Land und Europa jeden Tag ein bisschen besser zu machen.

Unsere langjährige Arbeit wird gerade von kleinen, lauten Schreihälsen abgetragen und sabotiert

Da sitzen irgendwelche Pseudoexperten weit rechts im Bundestag und verhindern eine vernünftige Debatte über Dinge, die wirklich für uns von Interesse sind. Da spreche ich noch nicht mal von meiner Rente, über die ich dringend gerne diskutieren möchte. Es ist doch ein Unding, dass wir nun auch noch den Job des Innenministers mit übernehmen müssen. Ich sollte jetzt im Studio sitzen und Musik schreiben. Statt dessen sitze ich hier und schreibe dies alles, um Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, um Dinge richtig zu stellen, notdürftig zu flicken und vor allem aufzuklären.

Sachliche Aufklärung über die schwer zu verstehende Wahrheit. Meine freiwillige Arbeit ist im Moment die öffentliche Aufklärung über die Seenotrettung im Mittelmeer. Deswegen habe ich dieses FAQ geschrieben. Ich stelle es für die Öffentlichkeit zur Verfügung. Jede noch so dämliche Frage wird darin beantwortet. Nutzt es. Spart eure Zeit und verschwendet sie nicht für emotionale Debatten. Nutzt Argumente. Nutzt das FAQ. Teilt diesen Artikel! Und vielleicht können wir Menschenleben retten.

Behauptung 1: Die NGO Schiffe machen sich der Schlepperei mitschuldig

Nein, dies ist nicht der Fall. Im Gegenteil. Oftmals ist die libysche Küstenwache selbst in das Schleppergeschäft verwickelt. Die NGO Schiffe sind darum bemüht, nach dem Retten der Flüchtlinge und dem Bergen der Leichen die Boote zu versenken oder zu zerstören, damit sie nicht weiter verwendet werden können. Mehrfach kam es vor, dass dies jedoch nicht möglich war, da die Libysche Küstenwache oder die sogenannten Engine Fisher das mit Waffengewalt verhindert haben. Wir haben Angst vor denen und legen uns nicht mehr mit diesen Leuten an. Zu oft wurde auf uns geschossen. Hat ein mutiger Kapitän das Kommando, versuchen wir diese mit unserem Schiff zu vertrieben, indem wir auf Kollisionskurs gehen.

Behauptung 2: NGOs sollen die Menschen zurück nach Afrika bringen

Dies ist völlig unmöglich. Ein Eindringen in die territorialen Hoheitsgewässer ist absolut verboten. Darauf stehen langjährige Haftstrafen, da sich die NGO´s dann der Schlepperei schuldig machen würden. Zudem ist es lebensgefährlich, da die libysche Küstenwache oftmals sofort das Feuer eröffnet, selbst wenn man sich noch weit entfernt von den libyschen Hoheitsgewässern befindet. Zudem ist Libyen als nicht sicher durch die EU eingestuft.

Selbst wenn wir nach Libyen fahren könnten, würden wir damit gegen das internationale Völkerrecht verstoßen. Auch Tunesien können wir nicht ansteuern. Wir können als Europäer unter keinen Umständen in die Hoheitsgewässer ohne die Erlaubnis der tunesischen Regierung mit Geflüchteten an Bord einfahren. Diese Erlaubnis wurde uns bisher nicht erteilt. Würden wir zuwider handeln, würden wir uns der Schlepperei schuldig machen.

Behauptung 3: Wir bringen die “Migranten” nach Europa

Richtig. Aber: Wir wollen das nicht und wir wollten das auch nie. Die EU hat uns dazu jedoch verpflichtet. Wir mussten den sogenannten Code of Conduct unterzeichnen, welcher besagt, dass wir uns verpflichten, die Menschen nach Europa zu bringen. Wir haben uns viele Monate dagegen gewehrt und haben laut protestiert. Als Antwort der EU hat man unsere Schiffe beschlagnahmt oder uns die Einfahrt in europäische Häfen verweigert. Die EU hat uns zum Unterschreiben genötigt – erst dadurch sind wir überhaupt in der furchtbaren Situation, die Menschen nach Europa bringen zu müssen. Wir tun dies unter Protest.
Unser ursprünglicher Auftrag war die schlichte Seenotrettung. Wir haben die Menschen aus dem Wasser gezogen und MRCC Rom die Anzahl der Geretteten gemeldet. Normalerweise dürfen wir uns aus eigener Kraft nicht mehr bewegen, sobald wir auch nur einen Flüchtling an Bord haben. Rom hat dann umliegende behördliche Schiffe informiert (meist schiffe der Nato), welche uns die Geretteten abgenommen haben. Flüchlingsaufnahmen sind Behördensache. Leben retten ist zivile Pflicht. Seit dem CoC, müssen wir zwangsläufig geltendes Recht brechen.

Behauptung 4: Die NGO´s sind ein Pull-Faktor

Nein. Wir haben erst angefangen Rettungseinsätze zu fahren, nachdem mehrere 10.000 Menschen im Mittelmeer aufgrund der Untätigkeit der EU ertrunken sind. Das konnten viele nicht ertragen. Deswegen wollten wir das ändern. Zuerst sind die Menschen ertrunken – erst danach begannen die Rettungseinsätze. Vorher haben vor allem Frachtschiffe oder Schiffe der Nato diese Rettungseinsätze durchgeführt. Mit mäßigem Erfolg. Zum Retten in internationalen Gewässern ist im Übrigen jeder verpflichtet – tut man dies nicht, drohen lange Haftstrafen. Wenn ein NGO Schiff also einen Distress Call erhält, so ist dieses Schiff dazu verpflichtet zu retten. Tut es das nicht, verstößt man gegen das internationale Völker- und Seerecht.

Behauptung 5: NGO´s bekommen Geld für ihre Arbeit

Nein, dies ist nicht so. Wir werden finanziert durch Spenden. Dabei werden jedoch nur die Instandhaltung der Schiffe, Lebensmittel für Crew und die Geretteten sowie Ausrüstungsmaterial finanziert. Es gibt durchaus die Gerüchte, dass wir von Soros finanziert werden, durch die Bundesregierung “für die große Umvolkung” Geld bekommen und von den Schleppern bezahlt werden oder wir für die CIA oder den BND arbeiten. Das allerdings stimmt alles nicht. Tatsächlich gibt es manchmal größere Spenden von prominenten Personen für die Organisationen. Denen geht es aber tatsächlich darum, dass weiterhin die Werte der EU an den Grenzen durch uns vertreten bleiben.

Alle Helfer auf den Schiffen nehmen Urlaub, bezahlen ihre Flüge und kommen eigenfinanziert zu den Schiffen und wieder zurück. Die Organisationen bezahlen kein Geld für Flugtickets der Helfer. Tatsächlich ist es so, dass einige freiwillige Helfer mittlerweile vor dem persönlichen wirtschaftlichen Bankrott stehen. Einige haben ihren Beruf aufgegeben, um Leben zu retten, andere spenden für die Organisationen, obwohl sie selbst freiwillig aktiv auf den Schiffen sind. In Ausnahmefällen wird eine Beteiligung für die Flugtickets übernommen. Wenn beispielsweise kurzfristig ein Crewman ausfällt und dieser dringend ersetzt werden muss.

Behauptung 6: Es kommen nur junge Männer über das Mittelmeer

Das entspricht nicht der Wahrheit. Der Anteil an Frauen und Kindern ist ebenfalls sehr hoch. Tatsächlich ist es so, dass die Überfahrt vor allem die jungen Männer überleben. Die Babys, jungen, oftmals schwangeren, Frauen und Kinder sterben als erstes. Sie werden auf dem Boden erdrückt, verdursten oder sterben an den Vergiftungen durch das Benzin in den Booten. Oftmals wird das Benzin einfach in das Boot eingelassen und der Schwimmerkörper selbst als Tank benutzt.

Es sterben auch viele Männer bei der Überfahrt. Nur die Stärksten überleben. Es sei denn, wir finden sie rechtzeitig genug. Nichtsdestotrotz ist der Anteil der fliehenden Männer erhöht, was darin begründet liegt, dass die Wahrscheinlichkeit zu überleben höher ist, um anschließend Asyl in Europa beantragen können und dadurch mit Hilfe des Familiennachzugs ihre Familien holen können.

Artikelbild: pixabay.com, CC0, Autor: Johann Pätzold

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