Menschengemachter Klimawandel: Der Mythos, dass sich 97% der Forscher einig sind

| 30. Januar 2019

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Es sind eher 99,9%.

Weil es in den USA gerade sehr kalt ist, zweifelt der US Präsident Trump an, dass es den Klimawandel gibt. Keine Pointe.

Neben ihm gibt es noch einige Leute, die weder Ahnung von Wissenschaft haben, noch den Unterschied zwischen Klima und Wetter kennen. Geschenkt, dass 2018 das viertheißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen war. (Platz 1: 2016, Platz 2: 2015, Platz 3: 2017). (Quelle).
Infografik: Es wird wärmer auf der Erde | StatistaStatista

Dass Leute, die sich nicht auskennen, Unsinn erzählen, verständlich. Aber was sagen Experten? Oft wird erwähnt, dass die sich im Wesentlichen einig sind. Auch wenn ein Viertel aller Deutschen das anzweifeln (Quelle). Dann ist der Artikel eben für euch.



Woher die 97% kommen

Besonders häufig wird erwähnt, dass 97% aller Klimaforscher nicht anzweifeln, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Klimawandelleugner wie beim Kopp-Verlag “entdeckten” hierbei, dass bei der Studie, der angeblich diese Zahl zu Grunde liegt, „nur 3146 Wissenschaftler“ von 10 257 Befragten geantwortet hätten. Nur wie der Blog KlimaLounge feststellt, ist erstens mehr als 30% Antworten eine verdammt gute Reaktionsquote und zweitens wurden die Wissenschaftler auch nach Fachgebiet und Fachpublikationen befragt.

Warum das relevant ist? Weil diejenigen der Wissenschaftler, die auch tatsächlich überwiegend zu Klimaveränderungen forschen und veröffentlichen der Aussage, dass der Klimawandel menschengemacht ist, zustimmen. Nämlich zu 97%. Wirtschaftsgeologen nur zu 47% und Meteorologen nur zu 64%. Aber das sind ja auch keine Klimaforscher. (Quelle) Das gilt auch für Lungenärzte und Grenzwerte übrigens:

Keine Belege, keine Experten: 5 Fakten zu den 100 Lungenärzten gegen Schadstoffgrenzwerte

Eine andere Quelle dürfte aber die Untersuchung von John Cook von der University of Queensland aus dem Jahr 2013 sein. Die sagt nämlich: “Von allen Fachveröffentlichungen zum Klimawandel, die zwischen 1991 und 2011 erschienen (ca. 12.000), stimmten mehr als 97 Prozent mit dem wissenschaftlichen Konsens überein.“ Die Studie wurde von der Fachzeitschrift Environmental Research Letters zum besten Artikel 2013 gewählt.

Doch die 97% sind falsch

Der US-Geologe James Lawrence Powell wies im Skeptical Inquirer: auf methodische Schwächen von Cook et al. hin und sagt, dass die 97% falsch seien. Er meint, dass es hingegen “mindestens 99,9%” sind. Denn anstatt nach Artikeln zu suchen, die explizit bestätigen, dass der Klimawandel menschengemacht ist, hat er gezählt, wie viele Artikel dieser Tatsache widersprechen. Und das sind nur 0,0058%.

“Dieses Ergebnis würde die Behauptung zulassen, dass 99,99% aller Wissenschaftler, die zum Klimawandel Studien veröffentlicht haben, der Meinung sind, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt. Aber um auf der sicheren Seite zu sein, sage ich lieber nur über 99,9%.”

Experten sind sich einig

Wem diese oder jene Studie oder Umfrage nicht passt, kann sich andere heraussuchen. Sie sagen alle das Gleiche: Wer Ahnung hat, weiß, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Ja, der aktuelle Stand der Forschung ist eindeutig. Nein, nur weil ein rechter Blog oder auch mal der Spiegel mit seltsamen Argumenten die überwältigende Übereinstimmung anzweifelt, ändert das nichts an der Tatsache.

Daran ändert erst auch nicht der Ignoranz-Präsident Trump, der vielleicht sogar noch weniger Ahnung hat als ein Laie, wenn man sich nur 5 Minuten auf seinem Twitter-Account herumtreibt. Danke an GWUP für die Recherchen!

Artikelbild: Screenshot, twitter.com/Alex E. Proimos, Flickr,  (CC BY 2.0), changes were made,

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