Minderjährige Mütter: Diese Anfrage der AfD geht nach hinten los

Hintergrund

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Anfrage der AfD

Die AfD möchte die Behauptung untermauern, wegen „der Ausländer“ gäbe es so viele minderjährige Mütter in Deutschland. Doch die Antwort der Bundesregierung (hier einsehbar) kann diesen Mythos nicht bestätigen. Im Zeitraum der Jahre 2012 bis 2017 (für das laufende Jahr liegen noch keine Zahlen vor) gab es insgesamt 4.385.130 Geburten in Deutschland. Die Verteilung sieht so aus:

Wie man sieht sind 20% aller Geburten von Nicht-Deutschen Müttern. Und was man auch sieht beziehungsweise nicht sieht: Die Geburtzahlen von minderjährigen Müttern insgesamt. Das sind insgesamt so wenige, in dem Tortendiagramm hier sind sie unsichtbar. Es handelt sich in 6 Jahren nämlich um gerade mal um 0,4%, wie aus den Zahlen der Bundesregierung hervorgeht.



Minderjährige Mütter nicht weit verbreitet

Die Anzahl an minderjährigen Müttern unter den Nicht-Deutschen ist sogar nur 24% aller minderjährigen Mütter und damit sogar unter 0,1% aller Mütter in diesem Zeitraum. Das entspricht damit auch etwa der Gesamtproportionalität. Und nur 0,01% der Kinder entstammen aus einem ehelichen Verhältnis einer nicht-deutschen, minderjährigen Mutter. Bei verheirateten deutschen Müttern ist die Zahl zwar geringer, aber bei so kleinen Fallzahlen besitzt dies kaum Aussagekraft.

Schwangerschaft einer Minderjährigen ist ein gesamtgesellschaftliche gesehen kleines Problem, und auch nicht überproportional eines von nicht-deutschen Müttern. Das heißt natürlich nicht, dass auch die wenigen Fälle keine Aufmerksamkeit verdienen. Die Bundesregierung weist in ihrer Antwort darauf hin, dass das Bundesfamilienministerium dafür Sorgen möchte, die sexuelle Aufklärung unter Jugendlichen zu fördern – Schließlich handelt es sich bei über 94% der Fälle um Schwangerschaften außerhalb der Ehe.

Ironischerweise ist es eben die AfD, die sich mit Kampfbegriffen wie „Frühsexualisierung“ sexueller Aufklärung entgegen stellt. Hier aber möchte sie es als gesellschaftliches Problem ausmachen. Und es irgendwie wieder „Ausländern“ in die Schuhe schieben. Für tatsächliche Fälle von Ehen minderjähriger Kinder, die ohne Einverständnis zu Stande gekommen sind, bietet die Regierung Hilfe an:

Hilfe der Bundesregierung:

Das seit 2013 bestehende Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ berät als bundesweites
Beratungsangebot für Frauen zu allen Formen von Gewalt einschließlich
Zwangsverheiratung. Unter der Nummer 08000 116 016 und via Online-Beratung
unterstützt das Hilfetelefon auch von Zwangsverheiratung bedrohte oder betroffene
junge muslimische Mädchen rund um die Uhr, anonym und kostenfrei,
auf Deutsch und in 17 weiteren Sprachen und barrierefrei.

Auch Personen aus deren sozialem Umfeld sowie Fachkräfte erhalten dort Beratung.
In 2017 wurden beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ 174 Beratungen
zum Thema Zwangsheirat durchgeführt.

Schutz und Beratung erhalten Betroffene von Zwangsverheiratung außerdem in
zahlreichen Frauenhäusern, Schutzwohnungen und Fachberatungsstellen vor Ort.
Im Juli 2018 hat das BMFSFJ die Neufassung der Handreichung für die Kinder und
Jugendhilfe „Zwangsverheiratung bekämpfen – Betroffene wirksam schützen“,
die in Zusammenarbeit mit TERRE DES FEMMES erstellt wurde, veröffentlicht.
Die Handreichung richtet sich vor allem an die Fachkräfte der Kinder und
Jugendhilfe, aber auch an andere mit der Thematik befasste Fachkräfte und
Institutionen.

Darüber hinaus werden auch im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“
Maßnahmen im Bereich der Prävention von Zwangsheirat gefördert.
Hierzu gehören etwa Modellprojekte, die Ansätze erproben, um Betroffene von
ehrbezogener Gewalt zu stärken und ihnen zu helfen, ihre eigenen Ressourcen zu
nutzen.

Weiter gehören dazu Modellprojekte, die sich an Eltern und andere erwachsene
Bezugspersonen von Jugendlichen aus patriarchalischen Familienzusammenhängen
richten. Ziel ist es, einerseits zu einem Wertediskurs innerhalb
der Familien beizutragen, und andererseits sowohl Jugendliche als auch deren Eltern
bei der Orientierung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Anforderungen
an ihre Lebenswelt zu unterstützen.

Gewalt gegen Frauen geht vor allem von ihren (Ex-)Partnern aus

Die Täter sind mehrheitlich Männer. Zu 70% sind es Deutsche, die Frauen schwere Gewalt antun. Fast zwei Drittel aller Täter sind Lebensgefährten oder Ehemänner, 37% ehemalige Partner. Allein im Jahr 2016 wurden fast 82.000 Frauen Opfer von einfacher oder schwerer Körperverletzung. 2017 wurden sogar 147 Frauen von ihrem (Ex-)Partner getötet. Jede vierte Frau in Deutschland ist betroffen.

Häusliche Gewalt ist ein großes Problem, dem viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Es gibt keine einheitliche Finanzierung, zu wenig Geld und zu wenig Personal. Weil zu oft weggeschaut wird oder als eine private Angelegenheit gehandhabt, bekommen diese Frauen viel zu wenig Hilfe. Und schweben oft in Lebensgefahr. Frauenhäuser sollen dem Abhilfe schaffen, doch es fehlen mindestens 5000 Plätze landesweit.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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