Diktator Putins neuer nationalistischer „Z“-Kult & Strategie der Gleichschaltung

| Hintergrund | 8. März 2022

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In Russland ist mysteriöser Z-Kult auf dem Vormarsch

Putin hat aktuell zwei Kriege zu führen. Einen Angriffskrieg gegen die Ukraine und ihre wehrhafte Zivilbevölkerung sowie einen innenpolitischen gegen die eigene Bevölkerung.

Seiner Bevölkerung hat Putin erzählt, er würde eine „Militärische Spezialoperation“ in der Ukraine durchführen, um einen angeblichen Genozid an Russ:innen im Osten der Ukraine zu beenden und das Land zu „entnazifizieren“. Seine Kriegsgründe sind natürlich erlogen.

Putins Propaganda-Mythos von „Entnazifizierung“ der Ukraine widerlegt

Die russische Bevölkerung steht an einem Scheideweg. Es geht um die Frage, ob sie ihrem „Präsidenten“ grundsätzlich noch glauben, was er erzählt. Einige tun das. Und so entsteht gerade ein nationalistischer „Z“-Kult in Russland.

Woher kommt der „Z“-Kult?

Nicht wenige Russ:innen glauben der Lügenpropaganda ihres Anführers. Mehr noch, es entsteht in Russland gerade ein nationalistischer Hype um den Krieg. In russischen Sozialen Medien verbreiten sich kriegsverherrlichende Aufnahmen schwarzgekleideter Unterstützer Putins. Auf ihren Shirts prangert ein großes „Z“.

„Z“ deckt sich mit Kennzeichnungen russischer Militärfahrzeuge, die gerade in der Ukraine eingesetzt werden. „Z“ soll für „Za pobyedu“ stehen, was soviel wie „Für den Sieg“ bedeutet (Quelle). In Russland wird dieses „Z“ dann zum Beispiel auf Autos oder Unternehmensfahrzeugen getragen, um die Unterstützung für den Angriffskrieg auch in der Öffentlichkeit zu zeigen. Hier sehr makaber auf dem Wagen einen Bestattungsunternehmens.

Make Russia Great again?

Und bei manchen Videoaufnahmen kommt man sich wie in einer völlig anderen Realität vor. Im ersten Video (siehe unten) kann man wirklich von Verherrlichung sprechen. Russland soll unter Putin „wieder groß werden“, man schwenkt Fahnen, trägt das „Z“ und huldigt Putin. Noch schlimmer ist das zweite Video, das in russischen Sozialen Medien Verbreitung findet: Das Video zeigt, wie eine ukrainische Stadt bombardiert wird. Das Ganze ist hinterlegt mit orthodoxer, religiöser Musik, als würde man hier einen heiligen Kreuzzug durchführen.

Während sich also ein Teil der russischen Bevölkerung durch Straßenproteste gegen Putins Angriffskrieg wehrt, feiert ein anderer Teil diesen Krieg auf fast schon fanatische Art und Weise. Was es mit der „Z“-Bewegung auf sich hat, wie Putin auch auf Sozialen Medien (wie TikTok) Propaganda für seine Zwecke machen lässt und wie er die russische Gesellschaft gleichschalten will, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Woher kommt die „Z“-Kult Symbolik?

Ein weiteres Beispiel für den sich ausbreitenden „Z“-Kult in Russland ist dieses aufwendig produzierte Video. Auch hier sieht man wieder viele schwarz gekleidete junge Menschen, die offen ihre Unterstützung für Putin und den Krieg zeigen. Gruselig.

Kommen wir zurück zum „Z“. Aufnahmen russischer Panzer mit der „Z“ Aufschrift machten seit Beginn der russischen Invasion die Runde und lösten dabei Spekulationen aus, was sie bedeuten sollen.

Aufnahmen des ukrainischen Recherchenetzwerks OSINT auf Telegram:

Bis dann das russische Militär selbst das Geheimnis auf Instagram lüftete und verriet, was es mit dem „Z“ auf den Militärfahrzeugen auf sich hat: Es soll für „Za pobyedu“ stehen, was ungefähr „Für den Sieg“ bedeutet.

Wie bereits erwähnt, findet die „Z“-Symbolik des Sieges zunehmend mehr Verbreitung. Weitere Beispiele sind hier zu sehen:

Russisches Militär formt ein „Z“ aus den Abzeichen getöteter ukrainischer Soldat:innen. Selbst vor einem Krankenhaus formen Eltern und Kinder ein „Z“.

In Moskau werden Wagenkolonnen organisiert, die ebenfalls die Invasion der Ukraine unterstützen sollen. Die Unterstützung soll überall sichtbar sein, Nationalstolz macht sich breit.

Russische Waffenlobbyistin und Putin-Unterstützerin Maria Butina pusht „Z“-Kult

Die Urheberin des entstehenden „Z“-Kults soll die Duma-Politikerin und russische Waffenlobbyistin Maria Butina sein. Vor ein paar Tagen ging ein Video von ihr viral, in dem sie forderte, man möge sich das „Z“ an seine Kleidung anbringen, wenn man sich solidarisch mit der Invasion der Ukraine zeigen wolle.

Hier die Videoaufnahme, die den „Z“-Hype losgetreten haben soll.

Seither wirbt die Politikerin auf ihren Kanälen mit der „Z“-Symbolik.

Maria Butina ist jedoch keine einfache russische Politikerin. Ihre Hintergrundgeschichte ist hollywoodreif: Die USA werfen ihr vor, eine russische Geheimagentin zu sein und als Waffenlobbyistin getarnt in die USA gekommen sein, um die amerikanische Politik zu unterwandern (Quelle).

Geheimagentin Putins?

Sie soll eine Geheimagentin Putins gewesen sein und vor Jahren versucht haben, die amerikanische Politik, allen voran die Waffenlobby NRA, zu unterwandern. 2015 geht sie als Studentin in die USA und beginnt eine Beziehung mit dem 26 Jahre älteren, konservativen Politikberater Paul Erickson (Quelle). Durch ihn stieg sie offenbar in die höchsten Politikkreise auf, hat Kontakt zu einflussreichen Politikern der republikanischen Partei Donald Trumps. Dieses Video zeigt eine kurze Übersicht.

2018 gerät sie dann ins Fadenkreuz des FBI und wird als russische Agentin festgenommen. Das FBI war überzeugt, dass sie den Auftrag habe, amerikanische Organisationen zu unterwandern. Ihr Studium sei nur eine Tarnung, die Beziehung zum Politikberater Erickson gespielt. 2019 wird Maria Butina aus der Haft entlassen, kehrt nach Moskau zurück und wird dort Politikerin.

Auf Instagram lässt Butina ein wenig in ihre politische Denke schauen. So schreibt sie, für sie seien im aktuellen „Informationskrieg“ „Blogger“/“Influencer“ entscheidend und das, „was die den Massen bringen“. Man müsse „Fake News“ bekämpfen und gegen die innere Spaltung des Landes ankämpfen. Dann spielt sie auf das neue Putin-Gesetz an, welches 15 Jahre Haft vorsieht, wenn man bei der Verbreitung von „Falschinformationen“ über den Krieg erwischt wird und unterstützt dieses. „Falschinformationen“ sind für Putin natürlich Wahrheiten über seine Kriegsverbrechen (mehr dazu). Bürger:innen hätten zwar Rechte, aber jede:r vergesse seine/ihre „Pflichten“.

Hierbei handelt es sich um einen Aufruf an andere russische Influencer:innen, sich ebenfalls am „Informationskrieg“ im Sinne Putins zu beteiligen, den Krieg in der Ukraine kleinzureden und nicht als solchen zu benennen. Dem wird auch Folge geleistet, wie wir im nächsten Beispiel auf TikTok sehen.

Skript Propaganda auf TikTok?

Dieses Video hier zeigt einige russische Influencer:innen, die alle haargenau den gleichen Text auf Tik Tok vorlesen. Extrem verdächtig.

Die Tik Tokerin @yarra_m kommentierte dies kritisch auf ihren Kanal und äußerte sich dahingehend, dass diese Influencer:innen eins zu eins Putins Narrative aufgreifen würden. Das Video in dem Yarra diese Kritik an der Kampagne äußerte, wurde aus unbekanntem Grund mittlerweile gelöscht. Es war am 07.03.22 noch aufrufbar.

Hier geht es zu ihrem TikTok-Kanal, wo sie weiterhin kritisch über das berichtet, was gerade in Russland passiert.

@yarra_m

FOLLOW THE LINK IN MY BIO TO SUPPORT UKRAINE #stoprussianaggression #supportukraine🇺🇦

♬ original sound – Yara in Stockholm

Und hier findet ihr weitere Beispiele dafür, wie gerade auf Tik Tok Propaganda im Sinne Putins gemacht wird:

Gehirnwäsche-Strategie Putins

Fassen wir das an dieser Stelle kurz zusammen: In Russland entsteht im Moment ein fanatischer „Z“-Kult, der Putin und den Krieg förmlich feiert. Auf den Straßen Russlands und in den Sozialen Medien zeigen Russ:innen offen ihre Unterstützung für Putin und bekommen dabei Unterstützung von Influencer:innen.

Das Ganze erinnert dann leider doch an die Propagandatechniken des Nationalsozialismus. Ich vergleiche hier ausdrücklich nicht Vladimir Putin mit Adolf Hitler. Aber seine Strategien der Mobilisierung der eigenen Bevölkerung sind Nazimethoden sehr ähnlich. Das „Z“ als Symbol ähnelt dann doch stark der Symbolstrategie der Nazis mit dem Hakenkreuz. Einfache Symbole sind wichtig für die Identifikation der eigenen Anhänger:innen mit der gemeinsamen Sache. Der Ausspruch „Za pobyedu“, also „Für den Sieg“, klingt auch stark nach „Sieg Heil“. Statt braun, wird schwarz getragen. Die Parallelen drängen sich förmlich auf.

Ukraine, Odessa: Werbetafel mit der Aufschrift „Dem neuen Faschismus Z Neues Hakenkreuz“. Gilles Bader/Le Pictorium Agency via ZUMA/dpa

Was wir hier beobachten, könnte der Anfang einer faschistischen Bewegung sein, die gerade die russische Bevölkerung erfasst und gleich machen, gleichschalten soll, während Kritiker:innen Putins und des Krieges massenhaft weggesperrt werden. Ironisch, dass Putin die Ukraine angeblich „entnazifizieren“ möchte.

Festnahmen von Demonstrierenden

Es gibt auch eine Gegenbewegung in Russland, die sich gegen den Krieg ausspricht. In ganz Russland geht man auf die Straßen, um gegen den Krieg und gegen Putin zu protestieren. Allen voran in Moskau und St. Petersburg. Doch die Repressionen sind hart.

Hier Aufnahmen von Verhaftungen aus Moskau, ein Demonstrant singt die ukrainische Hymne bei seiner Festnahme:

Laut Menschenrechtsorganisationen sollen seit Anfang der russischen Invasion über 13.000 Menschen festgenommen worden sein (Quelle). Mehr Aufnahmen von Verhaftungen:

Doch vereinzelt wehren sich Menschen auch gegen die Festnahmen:

Außerdem verbreitet sich in Russland ein Symbol für den Widerstand gegen Putin. Eine russische Fahne ohne das militärische Rot der Zaren, für eine Zeit nach Putin.

Navalny: Russ:innen sehen inzwischen vermehrt Russland als Aggressor

Laut dem prominenten (aber auch umstrittenen) Putin-Kritiker Alexey Navalny wandele sich die öffentliche Beurteilung des Krieges.

Auch soll die Zahl derjenigen, die Russland die Schuld für den Krieg geben, drastisch angestiegen sein:

Außerdem: Ein geleakter Bericht eines russischen Spions, soll den Ukrainekrieg als Totalversagen bezeichnet haben.

Medienzensur in Russland: Fakten werden verboten

Aber nicht nur auf den Straßen geht Putin mit voller Härte gegen seine Kritiker:innen vor. Auch die Medienlandschaft in Russland wird zunehmend zensiert und gleichgeschaltet. Für „Falschmeldungen“ – Berichte, die Putins Propaganda widersprechen – über die russische Armee kann es bis zu 15 Jahre Haft geben. Die Worte „Krieg“ und „Invasion“ sind in der Berichterstattung verboten (Quelle). Hier schildert die ORF Auslandskorrespondentin Carola Schneider in Moskau, dass sie jedes Wort vorsichtig abwägen muss.

Der deutsche Journalistenverband fordert derweil die Evakuierung deutscher Reporter:innen aus Russland, dort sei es für freie Berichterstattung nicht mehr sicher.

Wandelt sich Russland vor unseren Augen zur lupenreinen Diktatur?

Egal, ob man Putins Russland zuvor als Autokratie oder Oligarchie sehen musste, Putin schaltet jetzt vor unseren Augen seinen Staat gleich und streicht die letzten Freiheiten. Auf den Straßen und den sozialen Netzen macht sich der faschistoide „Z“-Siegeskult breit, der Widerstand auf der Straße wird mit Gewalt niedergeschlagen und die letzten freien Medien werden zensiert. Der Ukraine Krieg, gleicht einem Vorwand zur innenpolitischen Umgestaltung Russlands, ähnlich des Reichstagsbrandes der Nazis. Man könnte sagen: Putin wandelt sich zum Diktator, sein Land wandelt sich zur Diktatur.

Und auch wir können dem Informationskrieg der Kremlpropaganda nicht entfliehen. Es ist damit zu rechnen, dass die russische Propaganda versuchen wird, uns mürbe zu machen, moralisch zu brechen und zu spalten.

Wir erleben gerade ebenfalls einen Informationskrieg auf Sozial Media. Als Anti-Fake-News-Blog bleibt die Volksverpetzer-Redaktion weiterhin solidarisch auf der Seite der Fakten und der Ukraine, die von Putin überfallen wird. Keine Demokratie ohne Fakten, Diktator Putin gehört für seine Verbrechen vor ein Kriegsgericht.

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Artikelbild: Screenshot

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