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Russland & China streuen Mythos über US-Biolabore in der Ukraine ohne Belege

von | Mrz 10, 2022 | Aktuelles, Analyse, Ukraine

Russland & China streuen Verschwörungsmythen über USA & Ukraine ohne Belege zu haben

Zuerst die Fakten: Nein, es gibt keine Biowaffenlabore der USA in der Ukraine. Das hat noch niemand belegen können. Putin nutzt diese Behauptung regelmäßig, so schon 2018, als sich das bereits als Lüge herausstellte. Seit Beginn der Invasion der Ukraine geistert in den Kreisen von „Querdenken“ der Mythos, die USA würden in der Ukraine Biolabore unterhalten. Das ist natürlich erlogen und nicht belegt (Quelle). Nun erreicht der unbelegte Vorwurf, der schon seit Jahren von der russischen Propaganda gestreut wird, ein neues Level. Russland will ihre willigen Handlanger unter den Verschwörungsideolog:innen weltweit mobilisieren und füttert die Lüge weiter. Das ist kein Witz: Die russische staatliche Nachrichtenagentur selbst behauptet aktuell auf Telegram (mit über 1 Million Follower), die USA hätten Biolabore in der Ukraine gefördert, die mit dem Corona-Virus herumexperimentiert haben sollen (Quelle).

Und auch der russische Außenminister Lawrow warf den USA vor, geheime Biowaffenlabore in der Ukraine zu haben (Quelle). Gefundenes Fressen für die Verschwörungsideologen um „Querdenken“: Jetzt können sie ihre Verschwörungslügen mit der Kriegspropaganda von Putin verknüpfen.

Und auch die chinesische Propaganda beteiligt sich aktuell an der globalen Verbreitung dieses Verschwörungsmythos. Hier der chinesische Außenminister:

Verschwörungsideologen greifen die Propaganda auf und streuen diese

Wie bereits erwähnt, geistert dieser Mythos seit Beginn von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine auf verschwörungsideologischen Desinformationsseiten und gefährlichen Fake-News-Schleudern herum, wie „Anti-Spiegel.ru“ und anderen.

Auch die gleichgeschaltete Masse der „Querdenken“-Accounts plappert die unbelegten Behauptungen über Biolabore nach:

Oftmals wird in diesem Kontext ein Video der US-Außenstaatssekretärin Victoria Nuland geteilt. Sie warnte davor, dass man nicht wolle, dass Forschungsergebnisse aus Biolaboren (keine Biowaffenlabore!) der Ukrainer in russische Hände gelangen. Was die Lügenpropaganda aber weglässt, ist was sie zusätzlich zu diesem Statement sagte (Quelle):

Auf Rubios Frage, ob im Falle eines Angriffs mit biologischen oder chemischen Waffen in der Ukraine die Russen dahinterstecken würden, antwortete Nuland: „Daran besteht für mich kein Zweifel, Senator.“ Sie fügte hinzu: „Es ist eine klassische russische Technik, dem anderen die Schuld für das zu geben, was sie selbst vorhaben.“

Und einfach ein kleiner Logikhinweis an dieser Stelle: Die meisten Länder der Welt haben Biolabore in ihrem Land, ihre bloße Existenz ist kein Beweis, dass man dort Biowaffen herstellt.

Und hier aktuell auf Telegram, die „Querdenke“-Szene dreht durch

Die russische Lügenpropaganda geht Hand in Hand mit der deutschen Verschwörungs-Szene. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass sich die Propaganda Putins nahezu eins zu eins mit den Erzählungen von QAnon-Verschwörungsideologen aus den USA deckt (Quelle). Wir hatten das schon dokumentiert und ausführlich erklärt:

Putins Handlanger: Wieso „Querdenker“ & Impfgegner jetzt Pro Putin sind

Alle Größen der Lügner-Szene wie Eva Herman, Oliver Janich, Reiner Fuellmich, Michael Wendler, Markus Haintz, QAnon & Co. streuen die erfundenen Vorwürfe über Biowaffenfunde ohne jegliche verifizierte Belege. Wie man es von ihnen kennt.

https://twitter.com/Nightmare_Keks/status/1498407624454381570?ref_src=twsrc %5Etfw %7Ctwcamp %5Etweetembed %7Ctwterm %5E1498407624454381570 %7Ctwgr %5E %7Ctwcon %5Es1_&ref_url=https %3A %2F %2Fwww.tagesschau.de %2Ffaktenfinder %2Fbiolabore-ukraine-usa-101.html

Keine Belege für Biowaffenlabore in der Ukraine

Dabei sind diese Mythen und Vorwürfe längst widerlegt. US-Faktenchecker widerlegten die Behauptungen über solche Biolabore bereits mehrfach und erklärten, dass diese Teil einer russischen Kampagne zur Desinformation seit 2018 sind. Außerdem Hier:

Hier:

Und hier:

Es wird behauptet, die USA wollten Dokumente, die so etwas beweisen würden, vertuschen wollen. Dabei hat die USA diese selbst veröffentlicht. Man könnte ja selbst lesen, was darin zu sehen ist. Was nämlich die unspektakuläre Wahrheit wirklich ist, beschreibt der Faktenfinder der Tagesschau:

„Die US-Botschaft in der Ukraine veröffentlichte daher bereits im Sommer 2020 eine Stellungnahme zu solchen Berichten. Dort heißt es, dass das US-Verteidigungsministerium mit der ukrainischen Regierung zusammenarbeite, »um sicherheitsrelevante Krankheitserreger und Toxine in Einrichtungen der ukrainischen Regierung zu konsolidieren und zu sichern und gleichzeitig eine friedliche Forschung und Impfstoffentwicklung zu ermöglichen«.

Die USA arbeite mit den ukrainischen Partnern zusammen, »um sicherzustellen, dass die Ukraine durch gefährliche Krankheitserreger verursachte Ausbrüche erkennen und melden kann, bevor sie eine Sicherheitsbedrohung darstellen.« Bereits seit dem Jahr 2005 arbeitet die USA mit der Ukraine zusammen. Dabei geht es nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes SBU vor allem um die Modernisierung der Labore. Die SBU wies zudem darauf hin, dass die Labore von der Ukraine gegründet und finanziert werden.“

Alles ganz normale Routine also, keine „Waffenlabore“.

Putin-Propaganda recycelt ihre Behauptungen

Zu der ganzen Biowaffen-Thematik äußert sich auch BBC-Moskau-Korrespondent Steve Rosberg. Dieser weist darauf hin, dass Russland schon 2018 versucht hat, der USA vorzuwerfen, sie würden in Georgien Biowaffenlabore unterhalten. Es erwies sich schon damals als Fake, jetzt würde man in Bezug auf die Ukraine das Gleiche probieren.

Russland wirft Ukraine Einsatz von Chemiewaffen vor, wieder ohne Belege

Aber das ist nicht alles, was die russische Lügenpropaganda gerade in Umlauf bringt. So behauptet das russische Verteidigungsministerium derzeit, dass „Ukrainische Nationalisten“ chemische Waffen einsetzen wollen würden, wieder völlig ohne Belege.

ARD-Journalist Richard Schneider twittert dazu, dass es sein kann, dass man diese erlogenen Vorwürfe anbringt, um selbst diese Waffen anzuwenden und man B- oder C-Waffen-Einsätze seitens der Russen in Kiew fürchtet.

Verifizieren könne man das nicht, die Angst seitens der Ukrainer:innen sei aber real. Es wäre eine Erklärung für den Zweck der Propaganda.

Fazit: Keine Belege für Biowaffen in der Ukraine

Während also die russische und chinesische Propaganda (erneut) Gerüchte von Biowaffen in die Welt setzt, ohne dafür Belege zu haben und „Querdenker:innen“ erwartungsgemäß deswegen ausrasten, warnen die USA, dass Russland Chemiewaffen einsetzen könnte, wovor damit abgelenkt werden soll (Quelle). Schon im Dezember warf Russland den USA vor, in der Ukraine chemische Waffen zu platzieren. Es ist ein endloser Strom an unbelegten Vorwürfen und Behauptungen, die sich teilweise gegenseitig widersprechen. Das ist schließlich auch der Zweck von Propaganda.

Die Aktionen seitens Russlands und Chinas wirken, als würde man mit Absicht versuchen, Falschinformationen zu streuen, um Verwirrung und Spaltung im Westen hervorzurufen. Ein Zweck von Propaganda ist auch das Lähmen der Reaktionen der Gegenseite durch Verursachen von Verunsicherung. Aber auch, um die Wahrheit zu verschleiern und schwerer erkennbar zu machen. Putins Medien und Handlanger lügen am laufenden Band, und man sollte ihnen kein einziges Wort glauben, erst recht nicht, wenn sie keine Beweise liefern.

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Artikelbild: shutterstock.com / Screenshots

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