Putins Propaganda-Mythos von „Entnazifizierung“ der Ukraine widerlegt

| Ukraine | 2. März 2022

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Putins Kriegsgrund „Entnazifizierung“: Putins Grund zum Morden ist Fake

Putin führt seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fort. Während in der Ukraine gegen die Invasion Putins angekämpft wird, kämpfen Putins Propaganda-Medien einen Desinformationskrieg, die die Reaktionen seiner Widersacher lähmen sollen und seine Kriegsverbrechen rechtfertigen. Es werden viele Narrative und Meldungen verbreitet, die Putin unterstützen sollen. In seinen Begründungen für seinen Krieg nannte Vladimir Putin eine angebliche „Entnazifizierung“ der Ukraine als einen der Kriegsgründe. Schauen wir uns diese vorgeschobene Lüge an und entlarven sie, als das, was sie ist.

Putins Propaganda hatte einen schlechten Start

Bisher war Putins Propaganda extrem unkoordiniert. Bis wenige Tage vor der Invasion noch versuchten die entsprechenden Outlets, alle zu überzeugen, dass die USA lügen würden und Russland gar keinen Angriff planten. Was wirklich wahr war, haben wir alle live erlebt. Wenige Tage später taten Pro-Putin Kräfte dann genau das: Sie veröffentlichten klare Fake Videos, die einen Angriff auf den Donbass durch Ukrainer belegen sollten. Aber sie waren so schlecht gefaked, dass es sich hier um einen Boomerang handelte. Die Videos und Infos wurden extrem schnell widerlegt und Putins billige Lügen wurden enttarnt:

Faktenchecks: Putins False-Flag Fake News über die Ukraine

Daraufhin versuchte Putin weiter, seine Invasion durch gefährliches Geschwurbel zu rechtfertigen, die Ukraine sei quasi schon immer Teil von Russlands gewesen. Das Internet hatte für diese Argumentation nur Spott übrig:

So wird Putins Rechtfertigung für den Ukraine-Einmarsch verspottet

Das Scheitern der russischen Desinformationskampagne war einer der Gründe, warum die internationale Gemeinschaft so geeint und effektiv gegen die schweren Kriegsverbrechen und die Invasion vorging. Es wird immer schwerer für Putins Propaganda, von den Kriegsverbrechen abzulenken. Es wurde bereits durch OSINT Analysen bestätigt, dass Putins Streubomben Krankenhäuser, Kindergärten und Wohngebiete getroffen haben. Viele unschuldige Zivilisten sind tot durch den Wahnsinn eines Mannes: Putin.

RT DE leugnet Putins Streubomben gegen Kindergarten, Krankenhaus in der Ukraine

Putins verschiedene Kriegslügen

Die Propaganda von Putin hat verschiedene Richtungen probiert, um seine territorialen Erweiterungen vorzubereiten und nach außen hin vermeintlich zu rechtfertigen. Nachdem sich Putin letzten Montag mit einer düsteren Ansprache an sein Volk gewendet hat, gibt er eine historische Begründung für sein nächstes Handeln. Viele bezeichneten es als „Kriegserklärung“ – und er sendete Truppen in die Ostukraine. Angeblich, um dort den Frieden zu sichern.

In seiner Rede und früheren Aufsätzen begründet Putin seinen Einmarsch in die Ukraine – neben falschen Vorwürfen, dass die Regierung in Kiew vom Westen gesteuert sei und gar Atomwaffen zum Einsatz gegen Russland baue! – damit, dass Ukrainer für ihn historisch gesehen „ein Volk“ seien, und Kiew und die Ukraine als historischen Teil des großrussischen Reiches. Er sagt: „Die Ukraine ist ein untrennbarer Teil unserer Geschichte.“ und behauptet, Lenin habe Ukraine als „Konstrukt“ geschaffen. Zusätzlich erkennt Putin völkerrechtswidrig die ostukrainischen Provinzen als unabhängig an, und marschiert dort mit Truppen ein, um die Provinzen gegen den Staat, zu dem sie gehören zu „unterstützen“ (mehr dazu).

Putin führt jedoch weitere Ausreden an, die seine Invasion der Ukraine rechtfertigen sollen. Er bemüht auch die Erzählung, dass „Neonazis“ die ukrainische Bevölkerung in eine Art Geiselhaft genommen hätten und sein Angriff eine „Entnazifizierung“, Befreiung von den Nazis sei. Putin, Freund von Rechtsextremist:innen und Rechtspopulist:innen in ganz Europa, will jetzt also plötzlich die Ukraine „Entnazifizieren“.

Putins Mythos der „Entnazifizierung“

So liest man in vielen Kommentarspalten vom Mythos einer von Nazis unterwanderten Ukraine, die Putin bekämpfen würde. Das ist natürlich erlogene Kriegspropaganda. Eine von Nazis unterwanderte Ukraine, ist schon lange Teil Putins Propaganda. Seit November letzten Jahres ist die Zahl der Berichte, in denen die Ukraine mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wird, stark angestiegen, so Logically, ein Technologieunternehmen, das Hunderte von kremlfreundlichen Social-Media-Konten verfolgt hat. Putins Propaganda sei „schnell dabei, seine Gegner und Opfer in Europa als Nazis zu bezeichnen“, sagt Keir Giles, ein Experte für Russland, der einen Nato-Bericht über seine Informationskriegsführung verfasst hat (Quelle).

Ja, natürlich gibt es ukrainische Neonazis und Nationalisten der übelsten Sorte, aber sie sind weit davon entfernt, die Macht zu ergreifen. Dazu kommen wir später noch. In Putin-Medien wird der Mythos einer westlich gesteuerten „Nazi Revolution“ schon seit Jahren gestreut. Das sei mit ein Grund, warum viele Russ:innen den Krieg in der Ukraine unterstützen.

Damit bedient Putin mit einem Feindbild die heroische Erzählung vom historischen Sieg über den Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg. Insbesondere ältere Menschen fühlen sich diesem antifaschistischen Erbe der Sowjetunion verpflichtet, die Erzählung dient also auch zur Mobilisierung und Rückhaltsbildung. Ein Land zu „Entnazifizieren“ klingt ja auch erstmal nach einem unterstützenswerten Vorhaben. Natürlich wäre auch damit auch nicht gleich eine völkerrechtswidrige Invasion gerechtfertigt, aber Putin möchte mit diesem Mythos nur Verunsicherung stiften und vor seiner Bevölkerung halbwegs eine Rechtfertigung haben.

Wolodymyr Selenskyj ein demokratisch gewählter Präsident mit stabiler Mehrheit – und hat jüdische Vorfahren

Besonders perfide ist Putins Lüge, das Präsident Selenskyi zu jenen „Nazis“ gehören solle, die undemokratisch die Macht im Lande hätten. Selenskyi hat selbst jüdische Vorfahren – und Putins Armee war es, die kürzlich die Gedenkstätten an die Massenmorde der Nazis an den Juden in Babyn Jar mit Bomben getroffen hat (Quelle).

Auch ist Selenskyi legitim demokratisch gewählt. Das hier sind die Wahlergebnisse der letzten Wahlen in der Ukraine (Quelle, Quelle).

Mit 43% für seine Partei „Diener des Volkes“ (gleichbenannt nach der Serie, in der er einen Geschichtslehrer spielt, der Präsident der Ukraine wird) verfügt Wolodymyr Selenskyj über eine stabile Mehrheit und setzte sich 2019 mit 73% als Quereinsteiger gegen Petro Poroschenko durch. Die Rechtsradikale „Swoboda“ (etwas wie die NPD bei uns) erreichte gerade einmal 2,4% und verpasste den Einzug ins Parlament. Die politische rechtsradikale Partei, die man eine Nazi-Partei nennen könnte, hat also kaum Rückhalt in der Bevölkerung. Wenn also die Rede von „Nazis“ in der Regierung sei, soll man dafür doch bitte valide Belege vorweisen, dafür gibt es keine.

Auch zwei der bekanntesten Holocaust-Gedenkstätten der Welt verurteilten den Einmarsch Putins in die Ukraine scharf, sowohl wegen des „Größenwahns“ als auch wegen „seiner Ausbeutung der Geschichte als falsche Rechtfertigung für seine Militärkampagne“ (Quelle). Sieht nicht so aus, als bräuchte es da „Entnazifizierung“. Im deutschen Bundestag sitzen leider sogar mehr Rechtsextremist:innen mit der AfD.

Rechtsextreme an der Front?

Kommen wir zu einem Punkt, bei dem es tatsächlich darum geht, wie man darüber diskutiert. Es gibt eine rechtsextreme Kampftruppe, die der ukrainischen Regierung untersteht – Das Regiment Asow (Quelle). Deren Neonazi-Ideologie ist auch alles andere als subtil, mit ihrem Symbol der 2. SS-Panzerdivision.

Das ist für Putins Propaganda natürlich eine Art Steilvorlage. Die ukrainische Nationalgarde beherbergt zwar das Asow-Bataillon – eine Truppe, die aus Neonazi-Sympathisanten besteht -, doch gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass ein solcher rechtsextremer Nationalismus in der Regierung, im Militär oder in der Wählerschaft weit verbreitet ist (Quelle). Mehr Hintergründe über dieses Neonazi-Regiment hier.

Jetzt kann man sich natürlich fragen, warum die ukrainische Nationalgarde eine solche rechtsextreme Gruppierung in ihren Reihen duldet. Das Bataillon kämpfte in der Vergangenheit ausschließlich gegen Pro-russische Separatisten im Land. Das Thema ist durchaus eine Diskussion wert. Fraglich, ob man Nazis Waffen in die Hand drücken sollte, aber sie scheinen der ukrainischen Regierung nützlich zu sein. Kritisierenswert ist es sicherlich. Rechtfertigt es einen kriegsverbrecherischen Angriff eines souveränen Staates für dessen „Entnazifizierung“? Sicherlich nicht. Und wenn doch, dann kann Putin seine eigenen Streitkräfte auch gleich mit „Entnazifizieren“.

Es gibt ebenfalls Neo-Nazi Kampfverbände in Putins Reihen (Quelle). Es gibt eine von einem Neonazi mit SS-Tattoo gegründete Söldnertruppe, die „Wagner“-Truppe oder der paramiliärische Arms der Russian National Unity (RNU), die Mitglied der World Union of National Socialists ist und im Logo ein Hakenkreuz hat.

Ziel der Kriegspropaganda im Sinne Putins ist es also das Regiment Asow als gigantisches Problem aufzublasen, während man selbst Rechtsextreme an der Front nutzt. Die Putin- und Lügenfreunde bei uns, wie Querdenker Wendler, greifen die Lüge der „Entnazifizierung“ begierig auf:

Und sogar das stimmt nicht: Asow ist im Osten der Ukraine in Mariupol stationiert (Quelle).

Fazit: Putins Lüge der „Entnazifizierung“

Nochmal zusammengefasst: Seit Jahren wird in Russland der Mythos von einer westlich unterstützten Nazi-Regierung in der Ukraine erzählt. Davon kann nicht die Rede sein, dennoch wird die Erzählung hierzulande in Teilen weiter von Pro-Putin-Trollen/Acounts verbreitet. Präsident Wolodymyr Selenskyj und seine Partei „Diener des Volkes“ sind demokratisch bei Wahlen zum Regieren legitimiert worden. Ja, es gibt Nazis in der Ukraine, so wie in jedem anderen Land auch, jedoch sind sie weit davon entfernt, die Macht zu ergreifen. Der Ukrainische Nationalgarde untersteht zwar eine Rechtsextreme Kampftruppe, doch das rechtfertigt keine Invasion der Ukraine. Außerdem nutzt Putin selbst Neo-Nazis im Krieg. Und wie gesagt: Russland unterstützte in der Vergangenheit selbst nationalistische Gruppierungen und Rechtspopulist:innen in Europa (Quelle).

Eine sogenannte „Entnazifizierung“ der Ukraine als Vorwand für seinen Angriffskrieg und mehrfachen Mord ist also wirklich Unsinn und extrem heuchlerisch. Lasst euch also nicht von Putin-Verharmloser:innen in den Kommentarspalten mit diesem Propagandamythos von dem wahren Problem ablenken: Putin ist ein Kriegsverbrecher.

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Artikelbild: Stas Moroz

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