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Bauer spricht Klima-Klartext im ARD-Presseclub

von | Sep 1, 2022 | Aktuelles, Umwelt/Klima

Dieser Anruf hat es in sich. Beim ARD-Presseclub vom 21. August brachte ein zugeschalteter Landwirt den desaströsen Umgang der Politik mit der Klimakrise auf den Punkt und zeigt, wie er als Bauer durch die Folgen der Klimakrise schon jetzt ganz konkret in seiner Existenz bedroht ist. Hier der entsprechende Ausschnitt:

@volksverpetzer

Landwirt erklärt, was die #Klimakrise mit unserem Land anrichtet! | Bubble bursten: #🇩🇪 #krankewelt🥀 #💙 #Mutzurwahrheit

♬ Originalton – volksverpetzer

Die ganze Sendung könnt ihr hier anschauen. Die Folgen der Klimakrise sind direkt spürbar. Der Anrufer Ulf Allhoff-Cramer beschreibt, dass Deutschland dabei sei, von einem wasserreichen und fruchtbaren Gebiet zu einem Hochrisikostandort zu werden. Er hat Recht, hier der Faktencheck:

Die risiken der Klimakrise

  • Diese Auflistung des Umwelt Bundesamts zeigt, wie hoch die Risiken durch die Klimakrise für verschiedene Sektoren sind:

Bereits jetzt seien Laubwälder stark geschädigt, so Ulf Allhoff-Cramer. Große Teile der Nadelwälder seien durch die Trockenheit schon verloren gegangen. Und er hat Recht:

  • In den letzten Jahren kam es regelrecht zu einem neuen Waldsterben. Im Landkreis Harz sind etwa rund 20.000 Hektar Fichtenwald abgestorben, ein Großteil davon im Nationalpark Harz (Quelle). Schuld daran war besonders die große Trockenheit der letzten Jahre und der Borkenkäfer.
  • Auf der Website Waldmonitor kann man den Zustand der Wälder Deutschlands im Detail beobachten. Obwohl die letzten beiden Jahre noch nicht eingerechnet sind, zeigt sich bereits der starke Rückgang an Biomasse in den Wäldern. 

In den letzten fünf Jahren, führt Allhof-Cramer aus, habe es vier Dürrejahre gegeben. Auch das stimmt:

  • Die hier abgebildete Übersicht des Helmholz-Zentrum für Umweltforschung zeigen die Intensität von Dürren im Zeitraum April bis Oktober der Jahre 1952-2021. Es ist deutlich erkennbar, dass die Dürreintensität insbesondere seit 2017 zunimmt.

Der Landwirt fordert im Presseclub, dass politische Maßnahmen radikal sozialverträglich sein müssten, damit sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter öffne und die Akzeptanz für die Maßnahmen groß sei. Außerdem müssten sie radikal klimaverträglich sein. 

Es bleiben nur noch wenige Jahre, fährt er fort, um die Klimakrise abzumildern. 

  • Die Erderwärmung vollzieht sich nicht linear. Es gibt bestimmte sogenannte Kipppunkte, ab denen sich die Entwicklung weiter beschleunigt. Ein Temperaturanstieg von 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Level gilt als Marke, ab der vermehrt solche Kipppunkte auftreten und sich die Folgen des Klimawandels drastisch verstärken. Die Einhaltung des 1,5 Grad Ziels ist mittlerweile extrem unwahrscheinlich, weil dafür eine sofortige und dramatische globale Trendwende und Minimierung der Treibhausgase notwendig wäre (Quelle). Ein Bericht der Welt-Meteorologieorganisation geht vielmehr mit einer 50 % Wahrscheinlichkeit davon aus, dass bereits in den nächsten fünf Jahren der 1,5 Grad-Wert überschritten werde (Quelle).

Die persönliche Erfahrung des Landwirts spiegelt das ganze Ausmaß der schon jetzt spürbaren Folgen der Klimakrise in Deutschland wider. Wald habe er bereits verloren, und seit sechs Wochen wachse auf dem Grünland wegen der anhaltenden Trockenheit nichts mehr. Er erlebe täglich, wie sein Hof wegen der Dürre an Wert verliert. Er und viele tausende Bauern in Deutschland seien in ihrer Existenz bedroht. 

Artikelbild: Screenshot Presseclub