Klinik-Chef erteilt rassistischer AfD-Anfrage perfekte Abfuhr – das Netz feiert

| Kommentar | 1. April 2021

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Abfuhr für AfD-Anfrage

Bereits im März hatte sich das Boulevard-Blatt „Bild“ zu mutmaßlichen Annahmen, dass Menschen mit Migrationshintergrund sich vermehrt mit dem Corona-Virus anstecken würden, weit aus dem Fenster gelehnt. Aussagen von RKI-Chef Wieler, dass 90 % der an Corona erkrankten Intensivpatient:innen einen Migrationshintergrund hätten und die Aussage von Thomas Voshaar, Chef-Arzt der Bethanien-Klinik Moers, dass 50 % davon Muslime seien, wurden aus dem Kontext gerissen. Denn diese Aussagen hatten sich auf Beobachtungen bei drei Kliniken beschränkt und sind dadurch statistisch irrelevant. Darüber hinaus werden Daten zur Nationalität, Herkunft, Religion oder zum Geburtsort bei Covid-Meldungen laut Bundesgesundheitsministerium nicht erfasst oder gemeldet (Quelle). Mehr dazu:

Unbelegt: Wie euch BILD & die AfD über die Herkunft von Corona-Patienten täuscht

Und mal ehrlich: Warum sollte das auch eine Rolle spielen? Welchen Nutzen hat es, diese Hintergründe zu erheben? Wen das interessiert? Die AfD. Die ursprüngliche Fake News hatte die AfD-nahe Hetzerin Erika Steinbach in die Welt gesetzt. Eine Partei, die rechtsextreme Ansichten vertritt und offen gegen Migrant:innen hetzt.

Nachdem die Staatsregierung eine Anfrage der AfD zu diesem Thema unbeantwortet ließ, wurden Anfragen über den Zusammenhang zwischen einer Corona-Erkrankung und Menschen mit Migrationshintergrund an verschiedene Kliniken des Freistaates Bayern verschickt, u. a. auch an die Ochsenfurter Main-Klinik (Quelle).

Hier bekam die AfD eine klare Antwort.

AfD-Anfrage an Main-Klinik

Laut der Süddeutschen Zeitung habe die AfD-Fraktionschefin im bayerischen Landtag, Katrin Ebner-Steiner, eine Anfrage per E-Mail an den Geschäftsführer der Ochsenfurter Main-Klinik Alexander Schraml geschickt und um Informationen über die Anzahl der in der Main-Klinik behandelten Corona-Patient:innen mit Migrationshintergrund gebeten. Ihre Anfrage lautete: „Könnten Sie mir daher bitte mitteilen, wie viele sogenannte [Anmerkung: »sogenannte«!] Corona-Patienten bei Ihnen stationär behandelt werden? Und wie viele der Corona-Patienten tatsächlich einen Migrationshintergrund haben?“ Sie habe AfD-typisch „erfahren“, dass angeblich „ein großer oder nicht unerheblicher Teil“ der Covid-Patienten „einen Migrationshintergrund“ hätten (Quelle).

Klinik-Leiter kontert schlagfertig

Diese Anfrage wollte Schraml nicht unbeantwortet lassen und kontert: „Er wiederum habe »erfahren«, dass »ein großer oder nicht unerheblicher Teil Ihrer Fraktion an einer moralischen und intellektuellen Dysfunktion« leide. Ob ihm daher mitgeteilt werden könne, wie viele AfD-Abgeordnete dies betreffe – „und wie viele davon zusätzlich einen politisch zweifelhaften Hintergrund“ hätten? Außerdem gehe er davon aus, dass „mehr Pflegekräfte als Patienten einen Migrationshintergrund“ haben (Quelle).

Chapeau Herr Schraml – und nicht nur wir feiern Schraml für seine Schlagfertigkeit, auch Twitter-User geben ihm recht:

Die AfD bestritt zunächst, eine Antwort von Schraml erhalten zu haben. Anschließend wurde jedoch ergänzt, dass die Antworten der angefragten Kliniken noch nicht alle geprüft wurden (Quelle). Ebner-Steiner zeigte sich „not amused“ über Schramls Konter und beschrieb die Aussagen des Klinik-Leiters als „eines Professors unwürdig“ (Quelle). Als ob die rassistische Hetze einer in den Parlamenten vertretenen Partei würdig wäre!

Weitere Kommentare erklärten: „Jetzt verstehe ich auch, was ein Ehrendoktor ist.“ Oder „Wenn die AfD dich »unseriös« nennt, hast du einiges richtig gemacht.“

Krankenhausgesellschaft bewertet Anfragen als „völlig daneben“

Aber nicht nur Klinik-Leiter Schraml positioniert sich gegen das Vorgehen der AfD, auch die Bayerische Krankenhausgesellschaft kritisierte die Anfragen der AfD an die bayerischen Kliniken hart.

Laut Sprecher der Krankenhausgesellschaft Eduard Fuchsberger bestehen die Anfragen aus „tendenziösen Fragen“, die „unterschwellig etwas unterstellen“ und es handele sich „nur dem Anschein nach um Fragen“ – eher um Behauptungen. Fuchsberger bringt es auf den Punkt: die Anfragen seien „völlig daneben“ (Quelle).

Autorin: Verena R. Artikelbild: Sven Hoppe/dpa

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