Blaue Stasi-Methoden aufgedeckt? AfD bespitzelt ihre eigenen Mitglieder

| Kommentar | 28. Mai 2020

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AfD bespitzelt eigene Mitglieder

Stasi-Methoden? Wie die Frankfurter Rundschau berichtet (Quelle), bespitzelt die AfD in Hessen ihre eigenen Leute. So führt die hessische AfD-Fraktion Dossiers über ihre Landtagsabgeordnete. In diesen Dossiers sollen angeblich Verfehlungen der Abgeordneten festgehalten werden. Konkret berichtete FR über die angelegten Dossiers zu den Landtagsabgeordneten Rolf Kahnt und Rainer Rahn.

Reaktion der Betroffenen „Das erinnert mich an die DDR oder an Nordkorea.“

„„Das hat mich schon empört, dass man mich gezielt beobachtet und hinter mir her spioniert“, sagte Rahn der Frankfurter Rundschau am Dienstag. In seiner Erwiderung an die Fraktion, die der FR vorliegt, schrieb er: „Das erinnert mich an die DDR oder an Nordkorea.“

Die hessische AfD-Fraktion bestätigte, dass sie sich entschlossen habe, „das Verhalten der beiden Abgeordneten zu dokumentieren“. Der Beschluss sei fast einstimmig gefasst worden. „Stasi-Methoden, wie Rainer Rahn sie der Fraktion vorwirft, weisen wir entschieden von uns.“

Rahn wird außerdem attackiert, weil er sich beim Hessenfest vor einem Jahr „öffentlichkeitswirksam“ von der AfD-Fraktion separiert und „vorwiegend mit CDU-Politikern“ gesprochen habe.“

Die Partei, die stets vor einer „DDR 2.0“ warnt, wendet selbst Stasi-Methoden an?

Bringen wir das alles nochmal kurz zusammen: Die AfD sammelt „Verfehlungen“ gegen ihre eigenen Politiker. Was für „Verfehlungen“ das sind? Zum Beispiel mit Abgeordneten der CDU zu sprechen. Wovor hat die AfD Angst? Mit der AfD handelt es sich ausgerechnet um die Partei, die sonst mit dem Vorwurf von „Stasi-Methoden“ und „DDR 2.0“ warnt, völlig egal, wie unangebracht der Vergleich ist. Zum Beispiel hier:

Screenshot afdkompakt.de (Quelle)

Oder für Propaganda im Wahlkampf, als die AfD behauptete, wir bräuchten eine „Wende 2.0“, weil wir in einer zweiten DDR leben würden:

“Vollende die Wende”: Warum das Gerede von “Wende 2.0” Blödsinn ist

Na gut, es ist nicht das erste Mal: Man erinnert sich an die Spitzel-Plattform, mit der die AfD Schüler*innen anstiften wollte, kritische Lehrer*innen anzuschwärzen:

“Stasimethoden”: AfD hat Spitzel-Plattform, um kritische Lehrer zu melden

Wenn die AfD also wieder das nächste Mal eine Stasi-Methoden-Keule auspackt, um politische Gegner*innen zu diffamieren, darf sie gerne an ihre eigenen Spitzelmethoden erinnert werden.



Artikelbild: travelview

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