Man muss Unsinn auch Unsinn nennen – und nicht jede Spaltung ist schlecht

| Kommentar | 12. Januar 2022

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Keine Spaltung durch das Verweisen auf Fakten

Es ergibt wenig Sinn, eine Spaltung der Gesellschaft nicht auch als Motor für Veränderung zu begreifen. Das vehemente Beharren auf wissenschaftliche Grundkenntnisse muss dabei an keiner Stelle als verwerflich abgetan werden. Und ebenso ist es nicht sinnvoll, einen Konsens mit den eindeutig Verblendeten zu suchen. Dadurch würden hart erarbeitete soziale Mindeststandards nur mit gefährlichen Folgen unterschritten. Denn die Gesellschaft spaltet sich durch eine verfehlte Politik und einen fragwürdigen zwischenmenschlichen Umgang ja viel mehr und nachhaltiger in „lebend und tot“ als in „geimpft und ungeimpft“. Anlass genug, um ein paar Dinge geradezurücken und die eigenen Privilegien zu überprüfen.

Man muss Unsinn auch Unsinn nennen dürfen

Keinen Spott und keine Häme zeigen, wenn manche erst etwas zu spät zu einer Einsicht kommen, ist wichtig. Denn nur so kann anschließend ein Aufeinanderzugehen und gegebenenfalls eine Versöhnung stattfinden. Doch man darf, nein, man muss Unsinn jederzeit Unsinn nennen können. Eine übergroße Mehrheit in diesem Land ist von Impfgegner:innen, Querdenker:innen und Co. beziehungsweise von ihren Denkweisen genervt – und das völlig zu recht.

Denn wer keine validen Argumente hat und infantilen Trotz als nur vermeintlich legitime Form von Freiheit verkaufen möchte, ist Teil der Ursache für ein unnötig langes Fortbestehen von notwendigen Eindämmungsmaßnahmen. Da nutzen auch keine Verweise auf die 0,X Prozent der Mediziner:innen, die etwa die wichtigsten Aspekte unterschlagen, die für eine Impfung sprechen. Beim Thema Klimawandel ist ja mittlerweile auch quasi jedem klar, dass es keine gute Idee ist, auf den winzigen Bruchteil jener zu hören, die den maßgeblich anthropogenen Anteil leugnen.

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Spalten tun die, die Fakten leugnen

Eine ablehnenswerte Spaltung der Gesellschaft geht nicht von den Vernünftigen aus, sondern von jenen, die jeden Anstand verloren haben und elementare wissenschaftliche Erkenntnisse verwerfen. Nur dürfen wir nicht den Fehler begehen und annehmen, dass jede Spaltung per se verwerflich sei.

Es gibt keinen Grund, etwa auf Reichsbürger:innen zuzugehen oder deren gefährlichen Ansichten aus einem falsch verstandenen Konzept von Solidarität heraus zu relativieren. Und analog ist das auch auf sämtliche anderen, der Gesellschaft eindeutig hinderlichen Umtriebe anzuwenden.

So wäre es sogar hochgradig unangebracht, sich nicht in Demokratiefreunde und Demokratiefeinde zu spalten. Nicht die Spaltung ist dabei ja das Problem, sondern all jene Einstellungen, die die bislang beste gefundene Art und Weise des gesellschaftlichen Zusammenlebens abschaffen und durch eindeutig schlechtere zu ersetzen ersuchen. Hier ist eine klare Abgrenzung sehr geboten.

Nicht jede Spaltung ist automatisch falsch!

Dabei ist es von zentraler Bedeutung, umgehend und umfassend zu reagieren. Bei jeder Gelegenheit. Denn folgende Beschreibung trifft auf alle verwerflichen Ideologien zu: wird nicht früh und konsequent genug eingegriffen, nutzen diese den gegebenen Raum und bahnen sich ihren Weg in die Mitte der Gesellschaft.

Sehr zum Leid der Menschen, die dadurch beeinträchtigt werden. Das betraf bislang meist lediglich einige bestimmte Minderheiten. Beim Neonazismus sind es z.B. vornehmlich Menschen mit Migrationsgeschichte. Durch die Pandemie wird aber deutlich, dass es prinzipiell jeden treffen kann, denn Querdenker:innen beeinflussen nicht „bloß“ eine kleine Gruppe von Menschen negativ, sondern alle.

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Es schmeckt uns offenbar nicht, mal nicht privilegiert zu sein, sondern im gleichen Boot wie alle anderen zu sitzen und eingeschränkt zu werden. Doch eines sollte uns allen klar sein: So fühlen sich bestimmte Minderheiten jeden Tag in diesem Land – auch dann, wenn gerade kein Virus um sich greift.

Müssten wir mit dieser Einsicht uns nicht alle dafür stark machen, mehr Politik dezidiert zum Abbau von ungerechtfertigten Diskriminierungen zu betreiben? Und dafür ist es noch nicht einmal notwendig, Altruist:in zu sein. Denn genauso wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau der gesamten Gesellschaft zugutekommt, kommt auch der Abbau von Diskriminierungen in den staatlichen Institutionen, der Privatwirtschaft, aber auch in unser aller Köpfe uns allen zugute.

Artikelbild: JomNicha

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