Verbrecher Ahmadi: BILD hetzt mit irreführender Story gezielt gegen Claudia Roth

| Medien | 6. Oktober 2021

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Schmutzartikel der BILD gegen Claudia Roth

Wieder einmal fällt die BILD damit auf, gezielt Stimmung erzeugen zu wollen und dafür auf schmutzige Methoden zurückzugreifen. Es geht um diesen Artikel, erschienen am 05.10.21 in Print und Online:

Bewusst irreführend

Die BILD suggeriert, dass Claudia Roth sich 2017 explizit dafür eingesetzt hätte, den Schwerverbrecher Sanger Ahmadi nicht nach Afghanistan abzuschieben. Dabei hat Frau Roth sich damals einfach für eine generelle Aussetzung aller Abschiebungen nach Afghanistan eingesetzt, solange die Sicherheitslage unsicher sei (Quelle).

Links im Titelbild Claudia Roth, Rechts der Bandenboss Sanger Ahmadi mit Sturmgewehr, damit BILD-Leser:innen maximal schockiert sind. Es entsteht der völlig falsche Eindruck, Roth habe sich einzig und allein für einen Schwerverbrecher stark machen wollen. Damit hetzt die BILD Rechtsextreme wie zum Beispiel André Poggenburg (ehemals AfD) auf Claudia Roth:

Was dem Leser fehlt, ist jeglicher Kontext, BILD schreibt lediglich im Artikel:

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth (66) wollte sie verhindern, erfuhr BILD. In einem Brief an den damaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (67, CDU) verlangte die Bundestagsvizepräsidentin, die Abschiebung Ahmadis und 13 weiterer Afghanen zu unterbinden.

„Die Abschiebungen nach Afghanistan stehen in deutlichem Widerspruch zu unserer humanitären Schutzverantwortung“, schrieb Roth in dem Brief. Ohne Erfolg, die Abschiebung fand statt.

Im Titel wird so getan, als hätte Roth sich extra nur für Ahmadi eingesetzt, im Text erfährt man dann, dass es vielmehr um eine Gruppe von Menschen aus Afghanistan ging. Was dabei völlig weggelassen wurde, war die damals bereits unsichere Situation in Afghanistan. Hier der ganze Brief von Frau Roth an den damaligen Innenminister De Maizière:

Quelle

Die BILD hat also absichtlich weggelassen, dass zum damaligen Zeitpunkt die Sicherheitslage in Afghanistan sehr angespannt gewesen ist, es dauerhaft zu Anschlägen kam und selbst das Bundesverkehrsministerium davor warnte, den Flughafen Kabul überhaupt anzufliegen. Aufgrund dieser Lage vor Ort bat Frau Roth darum, die Rückführungen „bis auf weiteres auszusetzen“. In mehreren Medien wurde Frau Roths Brief damals aufgegriffen (Quelle, Quelle).

Auch Göring-Eckardt äußerte sich damals

Damals äußerte sich auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt und nannte die Sammelabschiebung „unverantwortlich und unverhältnismäßig“. Bei den Abgeschobenen handelte es sich damals nicht nur um Straftäter, sagte Göring-Eckardt. Unter den Abgeschobenen befand sich auch ein junger Mann, der schon viele Jahre in Deutschland gelebt hatte und mit einer Deutschen verlobt war. Er wurde „wegen geringer Geldstrafen“ abgeschoben. Abschiebungen wie diese seien „ein verheerendes Signal an Tausende, die sich hier integrieren wollen“ gewesen. Zudem werde Afghanistan zunehmend unsicherer, sagte sie schon damals im Jahr 2017 und behielt Recht (Quelle).

Sanger Ahmadi droht deutschen Polizisten aus der Türkei heraus

Außerdem muss man wissen, dass Sanger Ahmadi aktuell in den Medien gewesen ist, weil er via Instagram Videobotschaft dazu aufrief, deutsche Polizisten ermorden zu lassen. Deshalb ist diese Geschichte gerade überhaupt relevant für BILD, ein klassischer Aufreger für die eigene Klientel.

Quelle

Medienberichten zu Folge sei er derzeit in Istanbul in der Türkei (Quelle). Die Frage sei berechtigt, ob es damals nicht besser gewesen wäre, ihn in einem deutschen Gefängnis unterzubringen, wo er keine Gefahr darstellt, statt ihn abzuschieben, da er nun aus dem Ausland heraus deutschen Polizisten droht.

Die BILD versucht, das aktuelle Drohvideo von Ahmadi zwanghaft mit der Politikerin Roth in Verbindung zu bringen. Doch wie von BILD selbst erwähnt, hat die Abschiebung stattgefunden, der Artikel soll lediglich bei einer bestimmten Klientel ein schlechtes Licht auf Frau Roth werfen.

BILD-Artikel ist absichtlich irreführend um zu schaden

Titel, Bildauswahl und Text des BILD-Artikels erwecken also den Eindruck, Frau Roth habe sich für den Schwerverbrecher Sanger Ahmadi eingesetzt. Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass Frau Roth damals einfach eine generelle Aussetzung der Abschiebungen nach Afghanistan forderte, solange die Sicherheitslage unsicher sei. Davon, dass sie sich extra für den Schwerverbrecher eingesetzt hätte, so wie die BILD es suggerieren will, kann nicht die Rede sein. Im Nachgang wäre es sogar besser gewesen, diesen Kriminellen in Deutschland in Gewahrsam zu nehmen.

Letztendlich dient dieser BILD-Artikel einzig und allein dazu, Frau Roths Ruf gezielt zu schaden. Die BILD greift dafür auf ihre bewährte Methode zurück, entscheidende Informationen und Details wegzulassen.

Das ist kein seriöser Journalismus, aber das ist ja auch kein Geheimnis.

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