Peinliches Eigentor: AfD blamiert sich mit Pressemitteilung

Kommentar

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„Bunt statt blau“

Wie auf unserer Seite schon mehrfach ausführlich belegt, ist es ein wesentlicher Bestandteil des Wahlkampfs der AfD, sich als unfair behandeltes Opfer zu präsentieren. Besonders auf Schulen hat man es abgesehen. Dazu gedacht sind die Denunziations-Portale, auf welchen AfD-kritische Lehrer*innen gemeldet werden sollen, um einen parteikonformen Unterricht zu erzwingen. Erst kürzlich verpasste es die AfD in Berlin, sich zu einer Schulveranstaltung rechtzeitig anzumelden und instrumentalisierte die eigenen Fehler für ihre Opfer-Darstellung. Mehr dazu:

Eklat in Berlin: Wie die AfD ihre eigenen Fehler nutzt, um sich als Opfer darzustellen

In Sangerhausen war es ganz ähnlich. Die Schulleiterin Storch der Berufsbildenden Schule Mansfeld-Südharz war äußerst überrascht, als sie von einer Pressemitteilung der AfD erfuhr, in der es um ihre Schule ging. „Ich bin erschrocken, wie schnell und unkompliziert man diffamiert werden kann“, sagte sie der MZ. „Besorgte Eltern“ hätten sich an die AfD gewandt, um das Projekt „Bunt gegen Blau“ anzukreiden.



Schwere geschütze… für nichts

Die AfD spielte das übliche Narrativ: Die Schule würde die AfD diskriminieren. Das Vorhaben sei, so der Kreisverbandschef, „die AfD und ihre gewählten Politiker zu diffamieren und der rechten Szene zuzuordnen“. Die AfD, deren Farbe blau ist, sei das Opfer von Vorurteilen an den Schulen. Es sei eine „Diffamierungskampagne“, ein „zwangsweise gebeugter“ Bildungsauftrag mit „eindeutig politischen Interessen“. Warum das alles aus der Luft gegriffen ist? Weil es dieses Projekt gar nicht gibt.

Es gibt kein Projekt „Bunt gegen Blau“, es gibt jedoch eines das „Bunt statt Blau“ heißt. Es ist eine bundesweite Kampagne der Krankenkasse DAK Gesundheit, die mit dem Slogan „Kunst statt Komasaufen“ wirbt, bei der eine Schulklasse mitmacht. Das Projekt gibt es seit 2010, also drei Jahre länger als die AfD. Und es hat nichts mit Politik oder der AfD zu tun, sondern mit Aufklärung über die Gefahren von Alkohol.

Die AfD habe wohl kein bisschen nachrecherchiert, bevor sie ihre wütende Pressemitteilung veröffentlichte. „Die haben sich nicht die Mühe gemacht, diese Information nachzuprüfen“, sagt Storch. „Das ist wirklich peinlich.“ Die Partei habe wohl nur von dem Projektnamen gehört, diesen sich auch noch falsch gemerkt und willkürliche Schlüsse daraus gezogen, einfach weil sie in ihr Opfernarrativ passten.

Entschuldigung der AfD

Kreisverbandschef Farle hat sich inzwischen bei der Schule entschuldigt. Er wolle jetzt „vor jeder Veröffentlichung eine eigene gründliche Recherche und Überprüfung des Wahrheitsgehalts durchführen, um zu entscheiden, was zu veranlassen ist“. Das ist sehr lobenswert, doch für eine Partei, die es anstrebt, seriöse Politik zu machen, wären solche Standards schon längst angebracht gewesen.

Weder jede sofortige Instrumentalisierung eigener Fehler oder falscher Gerüchte und Fake News, noch eigene Einflussnahme auf den Schulbetrieb entsprechen einem fairen Umgang mit Politik und Bildung. Es ist schön zu sehen, dass einige in der AfD wenigstens ihre offensichtlichen Fehler einsehen und nicht trumpesk die eigenen Fehler als weitere Diskriminierung inszenieren. Aber Denunziationsportale, deren Eingaben ungeprüft weiterverbreitet werden, führen eben zu genau solchen Vorfällen.

„Stasimethoden“: AfD hat Spitzel-Plattform, um kritische Lehrer zu melden

Artikelbild: Red Moccasin, shutterstock.com, Logo DAK

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