Opferinszenierung: AfD erwischt, wie sie eigenen Infostand zerlegt – Schuld sei „die Antifa“

Kommentar

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Die Opferrolle inszenieren

Auf ihrer eigenen Seite findet man zu den Ereignissen vom 4.5. von der AfD Waiblingen-Fellbach einen ihr typischen Bericht. Ihr Infostand sei „augenscheinlich [von] der linksextremen Antifa“ „angegriffen“ worden. Außerdem habe man ihren Infostand „beschädigt“. Sie berichten von vermeintlichen Angriffen, Körperverletzungen und so weiter. Das Fazit der AfD ist, dass sie aufgrund des Wahlkampfes mit Gewalt bekämpft werde, dass sie unfair  behandelt werde, aber dass sie sich trotz dessen nicht unterkriegen lasse.

Es ist das gleiche Narrativ, das hundertfach von der teilweise vom Verfassungsschutz beobachteten Partei verwendet wird. Egal, ob es um Angriffe auf Parteibüros, Schmierereien auf Wahlplakaten oder ganz bekannt die Attacke auf Magnitz aus dem Januar geht. Die AfD erzählt sich als Opfer.  Aber dieses Narrativ ist eine Fiktion. Das soll nicht heißen, dass es keine Angriffe oder zerstörte Plakate gibt oder dass diese nicht zu verurteilen seien. Aber die AfD setzt beinahe vollständig auf die Inszenierung ihrer Opferrolle. Und schreckt dabei auch nicht davor zurück, dafür zu lügen und Dinge zu inszenieren.



Bei der selbst-Demontage gefilmt

Wie die Seite beobachternews.de berichtet, hatte sie Journalisten vor Ort, die zu Fellbach eine ganz andere Darstellung bieten. Beim „Angriff“ der „Antifa“ soll es sich um Demonstranten gehandelt haben, die sich vor den AfD-Stand mit einem Banner gestellt haben. Man kann in ihrem Video sehen, wie von AfD-Anhängern physische Aggressionen ausgehen. Ebenfalls, wie die vom Regen ohnehin unbrauchbaren AfD-Flyer von der AfD zusammengeknüllt und vom örtlichen AfD-Vorsitzenden auf den Boden geworfen werden. Und dass es ein AfD-Helfer war, der bewusst den Infostand zerlegte.

Laut Bericht wurde der AfD-Stand eine Stunde von den Gegendemonstrant*innen abgeschirmt, unter den Augen der Polizei. Der Polizei meldete man eine Eilversammlung an, die sie gewährte, unter der Auflage, dass die Bannerträger*innen sich etwas weiter vom Stand entfernt aufhalten sollten, welche sie nach mehrfachen Aufforderungen auch befolgten. Einige körperliche Übergriffe von AfD-Wahlkampfhelfern sind dokumentiert.

Bereits vor Ort wurde nutzt sie die Konfrontation laut Bericht für die Präsentation der Opferrolle. So sollen Anhänger der AfD gerufen haben: „Wir sind anscheinend die Juden von heute – ihr seid die wahren Nazis“ Der Polizei wurde der selbst demontierte Infostand als Beweismaterial für einen vermeintlichen Angriff präsentiert, ebenso wie die selbst zerknüllten Infomaterialien der Partei. Die AfD weiß genau, wie sie sich inszenieren will.

Erfundene Angriffe, falsche Plakatzerstörungen, Inszenierte Rauswürfe

Die AfD setzt fast ausschließlich auf Emotionen. Wahrheitsgehalt ist nachweislich zweitrangig. Studien zeigen, dass die AfD mehr lügt als alle anderen Parteien – und dass ihre Wähler*innen am anfälligsten dafür sind (Mehr dazu). Diese Lügen haben einen Zweck: Emotionen zu erregen. Oft sind es Wut und Empörung, häufig aber auch das Gefühl des ungerecht behandelt Werdens. Oder auch: Die Opferinszenierung.

Um ihre radikalen Ansichten und Positionen rechtfertigen zu können, müssen sie sich als maximal unterdrückt und unfair behandelt darstellen. Siehe die rechtsextremen Identitären, die sich für Twitter glatt selbst aus einer Vorlesung warfen (Mehr dazu), gefälschte Fotos von zerstörten Wahlplakaten (Mehr dazu) oder den Fall Magnitz mit dem erfundenen „Kantholz“.

Fall Magnitz: Helfender Handwerker widerspricht der AfD-Darstellung

Es ist für ihre widersprüchliche Eigendarstellung (Retter des Abendlandes, aber auch Opfer) sehr wichtig, dass sie immer wieder – am besten von den „Linken“ und „Grünen“ – unfair behandelt wird. Und zerstörte Wahlplakate oder Infostände bieten sich da bestens an. Natürlich kann es dabei auch echte Vorfälle geben. Aber zerstörte Wahlplakate oder angegriffene Wahlbüros sind leider schon immer weit verbreitet und finden sich bei allen Parteien. Eine Nachfrage bei dem Büro der Linken in meiner Heimatstadt Augsburg lieferte auch eine lange Liste an Vorfällen, die jüngsten Farbschmierereien erst im April.

Das Opfernarrativ

Von körperlichen Auseinandersetzungen, zerstörten Ständen, Flyern und Plakaten kann jede Partei ein Lied singen. Die AfD ist jedoch die einzige, die ihren Wahlkampf darum konstruiert. Und dazu scheut sie nicht davor zurück, Vorfälle zu stellen, Unwahrheiten zu verbreiten und über Ereignisse zu lügen. Wie man auch jüngst in Fellbach sehen konnte. Die Opferdarstellung geht so weit, dass die AfD sogar die Opfer des Holocausts diffamiert, wenn sie ihren selbst zerlegten Infostand mit dem millionenfachen Mord vergleichen.

AfD fühlt sich „diskriminiert“ und hält sich für „die neuen Juden“ – Dass ich nicht lache!

Während dieses emotionale Narrativ bei ihren eigenen Anhängern effektiv ist und zur Radikalisierung beiträgt – Erst gestern wurde auf einem Treffen des teilweise vom Verfassungsschutz beobachteten AfD-Flügels um Björn Höcke die erste Strophe des Deutschlandliedes gesungen – so sollte das bei kritisch bleibenden Menschen den gegenteiligen Effekt haben. Den Eigendarstellungen der AfD ist einfach nicht zu trauen. Man muss immer davon ausgehen, dass sie Aussagen für Propagandazwecke erfinden oder Dinge absichtlich inszeniert haben, wie jüngst in Fellbach.

Die AfD zeichnet ein einfaches Bild von Gut und Böse, von der „bösen Antifa“ und der gebeutelten, aber rechtschaffenden AfD. Aber das ist falsch. Warum sonst hätte die Partei es so oft nötig, Dinge zu erfinden oder zu stellen? Die AfD betreibt ihren Wahlkampf mit einer inszenierten Opferdarstellung. Und das immer wieder mit Lügen und Übertreibungen. Es darf nicht zugelassen werden, dass sich dieses falsche Narrativ weiter verbreitet.

AfD fälscht eigene zerstörte Plakate – und ruft zur Verschandelung von anderen auf?

Ganzer Artikel von Beobachternews, Artikelbild: Andreas Scheffel / beobachternews.de

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