AfD fühlt sich „diskriminiert“ und hält sich für „die neuen Juden“ – Dass ich nicht lache!

Ein Kommentar

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Die AfD fühlt sich von der Meinung anderer „diskriminiert“.

Liebe AfD und liebe AfD-Anhänger,

ich verfolge die Kommentarspalten nun schon sehr lange und sehr intensiv, und ich stolpere über einige skurrile Bemerkungen, „Missverständnisse“ und Statistiken. Ein Vergleich allerdings lässt mir das Blut in den Adern gefrieren: Die AfD-Anhänger seien die neuen Juden! Oder aber, wenn ein Gasthof eine AfD-Veranstaltung nicht genehmigt, kommentieren tatsächlich einige, dass diese Zustände vergleichbar wären mit dem Ausruf: „Kauft nicht beim Juden!“



Was im dritten Reich wirklich geschah

Nun will ich kurz auf die Sprünge helfen. Diese Kommentare beziehen sich auf den „Judenboykott“ vom 01.04.1933. Die Sturmabteilung (SA), also die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP, hielt Transparente, auf denen zu lesen war: „Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht bei(m) Juden! – Die Juden sind unser Unglück! – Meidet jüdische Ärzte! – Geht nicht zu jüdischen Rechtsanwälten“

In dem verlinkten Artikel aus der taz ist weiter zu lesen, dass bereits im März 1933 Männer der SA in Häuser einbrachen, jüdische Männer misshandelten, verhafteten und sogar tot schlugen. Straffrei!

Flankiert und legitimiert vom Ermächtigungsgesetz vom 24.03.1933 („Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“) wurden weitere juristische Maßnahmen erlassen. Jüdische Beamte verloren ihre Arbeit, jüdische Anwälte sind aus der Anwaltskammer ausgeschlossen, Richter versetzt worden. Was dann noch alles folgte, ist bekannt.

Hausverbot für die AfD – Der Anfang für einen Holocaust?!

Oft lese ich dann auch, nachdem auf das schreckliche Ausmaß der Judenverfolgung hingewiesen wurde, dass ein Hausverbot oder ein storniertes Hotelzimmer auch nur erst der Anfang sei.

Aber: Das Maritim zum Beispiel zieht dort die Grenze, „wo andere wegen ihrer Herkunft, Rasse oder Religion diskriminiert wurden, wo der Holocaust geleugnet oder sonst die Gräuel des NS-Regimes in Abrede gestellt oder verharmlost wurden“. Ähnliche Begründungen sind auch andernorts zu lesen.

(* Ganz klar: Nicht in Ordnung ist es, wenn Gastwirte angegangen werden, wenn sie AfD-Veranstaltungen durchführen (hier oder hier). Das ist Wasser auf die Mühlen der Populisten und entzieht gewissermaßen eine Argumentationsgrundlage, wenn es an anderer Stelle darum geht, die AfD sei undemokratisch.)

In der Argumentation der AfD wird etwas Grundlegendes verdreht

Nicht die Hotelbetreiber stellen sich über Menschen anderer Religionen, Kulturen oder Hautfarben. Nicht die Hotelbetreiber wettern gegen die Grundpfeiler unserer Demokratie, wie z.B. die Pressefreiheit oder die Meinungsfreiheit. „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ ist nicht deren Vokabular. Sie löschen keine Kommentare und blockieren keine kritischen Nachfragen. Sie instrumentalisieren nicht die Opfer von Gewalttaten und inszenieren Schweigeminuten, um zu provozieren. Sie sind es nicht, die Özil nicht als Deutschen sehen, weil er die Hymne nicht mitsingt.

Ich kann verstehen, wenn ein Hotelbetreiber, der diesen politischen Einstellungen nun also nicht folgen kann, weil er zum Beispiel Homosexuelle, Muslime oder andersfarbige Menschen gerne als seine Angestellten beschäftigt, darauf bedacht ist, sie vor einer solchen ablehnenden, ausgrenzenden und herabwürdigenden Gesinnung zu schützen.

Liebe AfD-Anhänger, falls ihr der dennoch Meinung seid, ihr wärt die „neuen Juden“: Mit solchen Vergleichen verharmlost ihr die industrielle Tötung von 6 Millionen Menschen! Menschen, die auf Grund ihrer Religion als minderwertig und nicht lebenswert eingestuft wurden! Die komplett ausgerottet werden sollten!

Also, falls, dann: Schämt euch!

Artikelbild: pixabay.com, CC0, Quelle Gaulandzitat (Seite 4114)

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