So wird Putins Rechtfertigung für den Ukraine-Einmarsch verspottet

| Social Media | 23. Februar 2022


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Putins Ausrede für den Einmarsch in die Ostukraine wird verspottet

Die Propaganda von Putin hat verschiedene Richtungen probiert, um seine territorialen Erweiterungen vorzubereiten und nach außen hin vermeintlich zu rechtfertigen. Nachdem sich Putin am Montag mit einer düsteren Ansprache an sein Volk gewendet hat, gibt er eine historische Begründung für sein nächstes Handeln. Viele bezeichnen es als „Kriegserklärung“ – und er sendet Truppen in die Ostukraine. Angeblich, um dort den Frieden zu sichern. Vorbereitet wurde es von teils widersprüchlichen Fake News von Putin-nahen Medien, wie wir bereits berichtet haben.

Faktenchecks: Putins False-Flag Fake News über die Ukraine

In seiner Rede und früheren Aufsätzen begründet Putin seinen Einmarsch in die Ukraine – neben falschen Vorwürfen, dass die Regierung in Kiew vom Westen gesteuert sei und gar Atomwaffen zum Einsatz gegen Russland baue! – damit, dass Ukrainer für ihn historisch gesehen „ein Volk“ seien, und Kiew und die Ukraine als historischen Teil des großrussischen Reiches. Er sagt: „Die Ukraine ist ein untrennbarer Teil unserer Geschichte.“ und behauptet, Lenin habe Ukraine als „Konstrukt“ geschaffen. Zusätzlich erkennt Putin völkerrechtswidrig die ostukrainischen Provinzen als unabhängig an, und marschiert dort mit Truppen ein, um die Provinzen gegen den Staat, zu dem sie gehören zu „unterstützen“ (mehr dazu).

Spott für Putins historische Ausrede

Die Begründung, man habe ein Recht, Gebiete zu annektieren, weil sie historisch Teil eines vergangenen Staates gewesen seien, ist durchsichtig wie absurd. Und auf Social Media wird Putins Narrativ sehr leicht auf den Kopf gestellt und verspottet. Mit der gleichen Begründung könnte die Mongolei große Teile Asiens und Russlands annektieren.

Oder Italien den gesamten Mittelmeerraum, Westeuropa und den Nahen Osten.

Auch das durchschaubare Manöver, Teile eines souveränen Staates als unabhängig anzuerkennen, um einen Einmarsch zu rechtfertigen, bekommt Spott.

Man bietet Geschichtsnachhilfe an:

Andere fragen sich, ob mit der gleichen Begründung auch Großbritannien die USA annektieren könne, schließlich haben sie diesen Staat geschaffen.

Die deutlichste Reaktion kam von der US-Botschaft in Kiew. Mit einem Meme wird verspottet, dass Kiew älter und historisch bedeutender sei als Moskau.

In den Kommentarspalten wird darauf aufgesprungen und andere, mögliche historische Ansprüche parodiert.

 

Fazit: Historische Ausreden für eine Annexion?

Der Tagesspiegel schreibt über das Handeln von Putin:

„Wie befürchtet dreht Russland die Tatsachen auch hier um, versucht die Ukraine, der man mehrere Regionen einfach abspricht – was ein klarer Bruch des Völkerrechts ist – als Aggressor darzustellen. Russland droht der Ukraine nach der Anerkennung der Regionen Luhansk und Donezk bei militärischen Provokationen mit Konsequenzen. Kiew habe „militärische Pläne“ und würde Luhansk und Donezk beschießen und provozieren. Nach der Anerkennung durch Moskau könne dies „äußerst gefährliche Folgen haben“, sagte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates in New York. „Wir beabsichtigen nicht, ein neues Blutbad im Donbass zuzulassen.

Es wirkt, als solle ein größeres Eingreifen provoziert werden. Noch ist die Lage etwas unklar. In den Außenbezirken der Stadt Donezk rollten am frühen Dienstagmorgen Militärfahrzeuge durch die Straßen. Darunter waren auch mehrere nicht gekennzeichnete Panzer, wie ein Reuters-Mitarbeiter berichtete. Es mag Zufall sein – der von Putin angeordnete russische Einmarsch in Georgien begann am 8.8.08, der in der Ostukraine könnte am 22.2.22 beginnen.“

Artikelbild: Sasa Dzambic Photography

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