Heimlich geimpft: Wenn der Nachwuchs deine Verschwörungsmärchen nicht glaubt

| Querdenker | 20. Januar 2022


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Wenn der eigene Nachwuchs deine Verschwörungsmärchen nicht glaubt

Von Isabel Knippel

Impfgegnerin Carola Javid-Kistel relativierte schon mehrfach den Holocaust, wird beschuldigt, gefälschte Impfpässe zur Verfügung gestellt zu haben und verweigerte die Quarantäne (Quelle). Damit nicht genug – die Querdenkerin ist Ärztin und auf ihrem Telegram-Kanal erreicht sie tausende von Menschen. Doch gerade einen konnte sie wohl nicht überzeugen – und das ist ausgerechnet ihr eigener Sohn. Die dreifache Mutter zeigte sich in einem (älteren) Interview auf einem rechten Nachrichtenportal erschüttert, dass ihre propagandistische Überzeugungskunst bei ihrem Sprössling keine Wirkung zeigte.

„Entgehen aller Aufklärung und Informationen“ hätte sich der 19-Jährige trotzdem impfen lassen. „Ich habe es ihm angesehen, und dann hat er es zugegeben“, erzählte die Verschwörungsideologin. Woran sie gemerkt haben solle, dass ihr Sohn sich geimpft hatte, ließ sie offen. Sie zeigte jedoch ihr volles Unverständnis und forderte ihn zu einem Dialog auf. Der Nachwuchs habe seinen „Fehler“ aber nicht wahrhaben wollen. „Er wollte nicht mit mir drüber reden.“

Ärztin, Pandemie-Leugnerin – und Anlaufstelle für verblendete Eltern

In einem Satz erzählte sie, Sohn sei bisher impffrei aufgewachsen und sei nie krank gewesen, im nächsten zählte sie auf, er hätte Schnupfen, Husten, „Pseudo-Krupp“ und Magendarm gehabt (also doch gar nicht „nie krank“). Schon fast beleidigt klang Javid-Kistel, als sie sich über die Impfung ihres Sohnes beklagte: „Mein Sohn weiß, wie sehr ich mich engagiere und hats trotzdem gemacht.“ Nun werde sie zur Anlaufstelle für verblendete Eltern, die sich beschweren, „ihre Kinder seien ihnen entglitten“.

Dass die Kinder vielleicht im Gegensatz zu den Eltern imstande sind, sich über für und wider einer Impfung aus verlässlichen Quellen zu informieren, zog sie nicht in Betracht. Sie zeigt damit auch, was man bei den rechten „Spaziergängern“ in den letzten Wochen genauso beobachten kann: Eltern setzen durch ihre absurden Mythen Heranwachsende unter Druck – und lassen diesen oftmals gar keine andere Wahl, als sich dem Wahn ihrer Eltern zu fügen.

Molekularbiologe erklärt, warum Geimpfte besser geschützt sind als Genesene

Javid-Kistel rät den Eltern, sie sollten ihre Kinder am besten gar nicht mehr in die Schule bringen, da sie von den überwiegend geimpften Lehrer:innen ja nur „indoktriniert“ würden. Außerdem stellt sie diverse Falschbehauptungen über Corona auf. Für ihre kruden Thesen liefert die Heilpraktikerin und Naturheilkundlerin wenig Belege – und wenn, sind sie so von komplizierten Begriffen und fehlenden Zusammenhängen gespickt, dass man dabei kaum durchblickt.

Pandemie gab es nicht, aber den „Dritten Weltkrieg“

Es folgen weitere Fake News und Falschbehauptungen und die Pandemie „gab es ja nicht“, behauptet sie. Sie redet von einer „Apokalypse“, dass wir uns im dritten Weltkrieg befänden und davon, dass die Impfung „das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte“ sei.

Ganz unnormales Geschwurbele eben, wie man es von Querdenker:innen kennt – die Tatsache, dass Javid-Kistel praktizierende Ärztin ist (Quelle), verleiht ihren wahnhaften Aussagen für viele aber leider noch mehr Gewicht. Ob der Niedersächsin die Approbation entzogen werden kann, weil sie schon so viele falsche Maskenatteste und „Impfunfähigkeitsbescheinigungen“ erstellt hat, prüft jetzt eine Behörde (Quelle).

Inzwischen ist Javid-Kistel nach eigenen Angaben sogar untergetaucht. Der Grund dafür war, wie der Tagesspiegel berichtete, folgender: Sie weigerte sich, nach ihrer Einreise aus dem Ausland in eine Quarantäne zu gehen. „Warum sollte ich (..)? Ich fühle mich fit!“, war ihre Begründung in einer Videobotschaft (Quelle). Stattdessen ging sie auf Versammlungen mit Impfgegner:innen und behandelte sogar Patient:innen.

Mehrere Prozesse, Hausdurchsuchungen, Flucht vor dem Gesetz?

Ganze 16 Mal ist sie zudem angeklagt – wegen dem Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse. Stolz behauptet sie von sich, es seien sogar noch viel mehr falsche Maskenbefreiungsatteste und „Impfunfähigkeitsbescheinigungen“ gewesen. „Mir werden noch einige Gerichtsprozesse im Haus stehen“, sagt die Homöopathin mit Praxis in Duderstadt, und porträtiert sich damit bewusst als Widerstandskämpferin.

Zwei Mal war die Polizei im vergangenen Jahr bei ihr zuhause, durchsuchte die Wohnung und nahm Patientenakten mit. In der letzten Woche soll die Polizei Javid-Kistel nach eigener Aussage in ihrer Praxis besucht haben – sie sei ihren „Häschern“ jedoch entkommen, indem sie sich versteckt habe und geflüchtet sei. Ihr derzeitiger Aufenthaltsort ist unbekannt. Auf Telegram ist Javid-Kistel aber weiterhin aktiv, und verbreitet ihre Warnungen vor einem „Völkermord“ durch die Impfung. Die Wahrheit ist natürlich genau das Gegenteil: Die Impfungen sind extrem sicher und retten viele Leben.

Geimpfte haben sogar insgesamt ein geringeres Sterberisiko:

Geimpfte haben geringeres Sterberisiko von ALLEN Todesursachen, nicht nur Corona – Studie

Nachtrag 01.02.22: Hinweis eingebaut, dass das zugrundeliegende Interview älter ist. Autorin: Isabel Knippel Artikelbild: Screenshot

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