Wie Lindner versehentlich 12.000 Wissenschaftler dazu brachte, Klimastreiks zu unterstützen

| 13. März 2019

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Eigentor für Christian Lindner

Für diesen Tweet bekam FDP-Chef Lindner vor ein paar Tagen viel Kritik:

Dazu bleibt nur zu sagen: Ja, stimmt. Aber, na und? Natürlich können und wollen die Schüler*innen der Klimastreiks nicht diese oder jene konkrete Umweltmaßnahme umsetzen. Aber sie streiken ja dafür, dass endlich jemand etwas tut, was wirklich sinnvoll ist und kein fauler Kompromiss. Entweder war das Lindners Versuch, absichtlich missverständlich zu sein, und Sympathien bei denjenigen zu gewinnen, die die streikenden Schüler*innen oder Engagement gegen die Klimakrise skeptisch sehen (oder beides).

Oder – wie ein Folgetweet (Hier) nahelegt – Lindner hat nur „gemeint“, die Schüler*innen können keine Klimapolitik umsetzen. Was ja auch stimmt. Aber auch überhaupt nichts zur Sache tut. Das will ja auch keiner auf diesen Demos. Es ist ein Appell, das kriegen auch Laien hin. Bestenfalls ist es eine unnötig herablassende und nichtssagende Aussage gewesen, die die Debatte kein bisschen weiterbringt. Aber dort auf der vermeintlichen „Mitte“, wo man Punkte Rechts sammeln kann, und trotzdem es „richtig“ gemeint hat, fühlt sich Lindner wohl derzeit wohl.



Doch der Tweet hatte etwas gutes

Ich habe Lindners herablassendem Sinnlos-Tweet seinerzeit keinen Kommentar geschenkt, weil er zwar technisch gesehen nicht falsch war, aber eine Kritik daran einem Schulterzucken gleich käme. Doch rückblickend dürfen wir Lindners ungeschicktem – wenn auch aus FDP-PR-Sicht natürlich erfolgreichen – Tweet danken. Weil er unterstellte, es seien eben nicht „Profis“, die jeden Freitag für unsere Zukunft demonstrieren, melden diese sich jetzt eindrucksvoll zu Wort.

Über 12.000 „Scientists for Future“ haben eine Petition gestartet. Wissenschaftler*innen und unzählige Klimaexpert*inn*en, die ihre Autorität und ihre Erfahrung den Schüler*innen zur Seite stellen. Einige unterstellten den Schüler*innen sie hätten keine Ahnung, weshalb die Experten sich jetzt zu Wort melden. „Deswegen sitzen wir auch hier. Wir sind die Profis, wir sagen: Die junge Generation hat recht. Es ist ja auch mutig, mal nicht in die Schule zu gehen“, sagt Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, einer der Unterzeichnenden.

In der Petition heißt es, die Anliegen der Schüler*innen „sind berechtigt und gut begründet. Die derzeitigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichen bei Weitem nicht aus.“ Die Politik muss mehr tun. Zustimmung erhalten sie auch von Maja Göpel vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. Es müsse jetzt gehandelt werden. „Wir haben komplett veränderte Lebensgrundlagen für die nächsten Generationen“ (Quelle)

Ob über 12.000 Experten die Bundesregierung genau so überzeugen, wie 100 Lungenärzte?

Keine Belege, keine Experten: 5 Fakten zu den 100 Lungenärzten gegen Schadstoffgrenzwerte

Artikelbild: C.Suthorn / cc-by-sa-4.0 / commons.wikimedia.org, Screenshot twitter.com

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