91 Getötete, 607 Vergewaltigungen und sie sind überdurchschnittlich kriminell!

Kolumne: Schwer verpetzt

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Um welche Gruppe geht es? Um Berliner.

Berliner sind krimineller als der Rest der Deutschen: Das Verhältnis von Einwohnern zu Tatverdächtigen beträgt 3,9%, im Schnitt liegt Restdeutschland bei 2,49%, laut PKS 2017. (Gesamt, Berlin). Dabei ist die Zahl der Tatverdächtigen um 6,8% und die Zahl der Straftaten um 8,5% im Vergleich zum Vorjahr gefallen, auf den niedrigsten Wert seit ein paar Jahren.

Genau so verhält es sich auch mit Asylbewerbern: Deutschland ist so sicher wie seit 1992 nicht mehr. Die Gesamtzahl aller tatverdächtigen „Zuwanderer“ („ Asylbewerber“, „Duldung“, „Kontingentflüchtling“ und „unerlaubt“, also alle Asylsuchenden ohne diejenigen, die voll anerkannt wurden) ist um über 10% gesunken. Aber für die AfD ist das egal, sie sind überdurchschnittlich kriminell, also abschieben!



Berliner abschieben!

Berliner sind auch überdurchschnittlich kriminell – Also auch abschieben? Berliner sind schlechte Menschen! Ohne die Berliner gäbe es immerhin 520.437 Straftaten weniger! 91 Opfer von Mord und Totschlag würden noch leben! Natürlich Quatsch. Allein schon, weil man nach der Logik ja das Kinderkriegen verbieten müsste, denn ein paar von denen werden ja straffällig. Nein, bevor man zu solchen unlogischen Kurzschlüssen kommt, muss man sich doch fragen: Warum ist die Kriminalität höher?

Implizit ist in den Argumenten zur Kriminalität von Asylbewerbern natürlich die rassistische Annahme, dass „die“ einfach krimineller sind als die Deutschen, das ist FALSCH. Das ist rassistisch. Die Zahlen untermauern nicht diese These, weil es eine andere Erklärung dafür gibt: Kriminell macht nicht das Herkunftsland, sondern Geschlecht, Alter und sozialer Stand.

AM KRIMINELLSTEN SIND IMMER JUNGE MÄNNER ohne Perspektive

Wie kriminell ein Mensch ist, hängt nicht damit zusammen, was er für eine Hautfarbe hat. Was nachweislich für Kriminalität relevant ist, sind nun mal das Geschlecht, sprich: Männlichkeit (75% aller Tatverdächtigen der PKS, bei Gewaltkriminalität sogar 86 Prozent und bei Vergewaltigung fast 99 Prozent!), Alter und soziale Situation (ob du arm bist, Arbeit hast, soziale Perspektiven, etc.).

Und demzufolge müssen „Zuwanderer“ rein statistisch gesehen schon krimineller sein, weil ihr Anteil an sozial schlechter gestellten Männern zwischen 20 und 40 größer ist als in der durchschnittlichen deutschen Bevölkerung12% der Deutschen sind zwischen 20 und 40 und männlich. Bei Asylbewerbern liegt der Anteil an Männern im Alter zwischen 18 und 40 bei 30,8%. Unter den Deutschen ist jeder 5. Rentner, bei Asylbewerbern sind es gerade mal 1%. (Stand: 08/17; Deswegen sind übrigens tatsächlich nur weniger als 1/3 der Asylbewerber „junge Männer“, mehr dazu).

Was der dritte der drei stärksten Faktoren ist, die zu Kriminalität führen, ist soziale Stellung und Perspektive: Armut, unsichere Zukunftsaussichten und Perspektivlosigkeit. Asylsuchende haben eine von Krieg verwüstete Heimat verlassen, und dürfen nach der langen Reise nach Europa erst einmal in einem engen Asylbewerberheim unterkommen, zunächst nicht arbeiten und wissen nicht, was mit ihnen passieren wird. Deswegen fällt die Anzahl der Tatverdächtigen, sobald sie Asyl bekommen auf nur 1,9%! Damit sind sie sogar weniger kriminell als Deutsche!

(10.511 Tatverdächtige von 550.411 International/national Schutzberechtigten und Asylberechtigten) 

Deutsche mit ähnlichem Geschlecht, Alter und sozialer Stellung sind genau so kriminell

Wie man sieht, werden hier also Äpfel mit Birnen verglichen, denn wenn man die Faktoren Alter, Geschlecht und soziale Perspektive herausrechnet, gleicht sie sich den Deutschen an. Das BKA schreibt dies selbst:

„Diese Ergebnisse dürften „nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gleichgesetzt werden. Sie lassen auch keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu. Einem wertenden Vergleich zwischen der deutschen Wohnbevölkerung und den sich in Deutschland aufhaltenden Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stehen (auch) das doppelte Dunkelfeld in der Bevölkerungs- und in der Kriminalstatistik sowie der hohe Anteil ausländerspezifischer Delikte und die Unterschiede in der Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur entgegen.“

Und nur um es nicht ausgelassen zu haben: Es handelt sich um Tatverdächtige, nicht um Täter.  Da nur 57,1%  aller Straftaten aufgeklärt worden sind, wissen wir bei etwas weniger als der Hälfte aller dieser Fälle nicht, ob der jeweilige Tatverdächtige auch der Täter war, weswegen wir vorsichtig mit diesen Zahlen sein müssen. Insbesondere da eben aufgrund rassistischer Vorurteile nachgewiesener Maßen Ausländer häufiger angezeigt und verdächtigt werden.

Den Großteil der Unschuldigen mitbestrafen?

Wer lediglich mit dem Hinweis auf die höheren Verhältnisse zu rechtfertigen versucht, dass diese künstlich so definierte Gruppe das Land verlassen muss, verkürzt dramatisch und lässt viele Faktoren weg. Und selbst wenn wir einmal davon absehen, dass Integration und die Anerkennung als Asylbewerber die Kriminalität drastisch senkt: Wie wollen wir es rechtfertigen, dass 90% der „Zuwanderer“ (ohne anerkannte Asylsuchende), die niemals tatverdächtig waren, ebenfalls mit Abschiebung bestraft werden sollen?

Will man wirklich 9 Unschuldige dafür bestrafen, um einen Tatverdächtigen des Landes zu verweisen? Vielleicht mögen manche Leser diese Antwort immer noch mit „Ja“ beantworten, da es sich hierbei schließlich um diejenigen handelt, die nicht anerkannte Asylbewerber sind. ABER: Darunter sind nur 322.772 abgelehnte Asylanträge seit 2013, abzüglich der laufenden Verfahren (2017 wurden 37.000 Asylanträge zu Unrecht abgelehnt und mussten von Gerichten kassiert werden, in der Zeit darf natürlich nicht abgeschoben werden) und der bereits Abgeschobenen sind nur noch 24.212 Menschen ausreisepflichtig (Stand 31. März 2018)

Aber am Ende haben wir immer noch: Der absolute Großteil der Menschen ist nicht kriminell und darf sich hier aufhalten. Und selbst wenn man alle Asylsuchenden, ob anerkannt oder nicht, ob kriminell oder nicht, plötzlich aus dem Land werfen würde, würde das fast gar nichts an der Sicherheit für Deutsche ändern. Achtzig Prozent aller Gewaltopfer von „Zuwanderern“ sind andere „Zuwanderer“, ebenfalls 80% aller Vergewaltigungen sind Beziehungstaten.

GEFÜHLTE WAHRHEITEN UND DER WERT VON ZAHLEN

Statistiken und ihre Auswertungen sind keine so eindeutigen und objektiven Fakten, wie man vielleicht denken mag, was man auch an solchen Dingen sieht wie die veränderte Definition der Gruppe „Zuwanderer“, wenn nicht an der Tatsache, dass an der Erfassung der Daten Anzeigeverhalten der Bevölkerung und Kontrollverhalten der Polizei eine wesentliche Rolle spielen. Aber sie sind zuverlässiger als gefühlte Wahrheiten.

Wie in einem anderen  Artikel beschrieben, kann man sich durch selektive Wahrnehmung jedes Bild zusammenschustern, das man möchte. Auch unabsichtlich. Man kann auch die Statistiken verkürzt wiedergeben und statistisch und soziologisch nicht gedeckte Behauptungen aufstellen, die das eigene Weltbild bestätigen. Doch die Realität ist komplexer als das. Die AfD jammert, dass Deutschland so unsicher sei. Natürlich tut sie das. Sie profitiert von deiner Angst, ohne diese Angst wird sie nicht gewählt. Deshalb ist es umso wichtiger, wenn man sich an die härtesten Fakten hält, die man kriegen kann. Und die sprechen eine andere Sprache.

Wer Straftaten begeht, soll entsprechend bestraft werden. Entscheidend soll dabei die Art der Tat sein, nicht die Herkunft oder Hautfarbe. Und es soll lediglich der Täter bestraft werden, nicht alle, die zur gleichen Gruppe gezählt werden wie dieser. Lass dich nicht durch gefühlte Wahrheiten dazu manipulieren, gegen Menschen zu hetzen, die so sind wie du und ich.

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% S Kommentare
  1. Anonym sagt

    Hinweis auf kleinen Tippfehler: „rassistischer Vorteile“ soll bestimmt „rassistischer Voruteile“ heißen.

  2. Thomas Laschyk sagt

    Richtig, danke!

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